Haderthauer – die Ober-Idealistin ?

„Die Empörungswelle und Skandalhysterie der letzten Wochen werden nach und nach in sich zusammenbrechen“, sagte Haderthauer noch vor der Kabinettsitzung.

Ihre frühere Beteiligung an der Firma Sapor Modelltechnik sei kein fragwürdiges Geschäft gewesen, sondern ein „von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art„. Die Firma hatte Modellautos psychisch kranker Straftäter verkauft.

Soweit SPIEGEL online

Anzumerken ist, dass die Firma Haderthauer&Co die Modellautos für das 10 – 20fache dessen verkaufte, was die Häftlinge für ihre Arbeit erhielten. Also eine Profitrate von 1000-2000% !

Karl Marx zitiert den englischen Gewerkschafter T.J.Dunning:  “ Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf
Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren (=fördern). Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“ (MEW 23, S.788) Soweit das Zitat. Ist es aktuell? Gewiß, aber mit einer Einschränkung. All das geschieht bereits für eine wesentlich geringere Profitrate.

 2 Tage später auf SPIEGEL online:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/haderthauers-modellbau-affaere-neue-vorwuerfe-gegen-csu-frau-a-984998.html

Die Affäre um teure Modellautos und Bayerns Staatskanzleichefin Haderthauer weitet sich aus: Bei einer Hausdurchsuchung stießen Fahnder im Mai laut SPIEGEL-Informationen auf brisante Unterlagen. Es geht um Auslandsflüge – und zusätzlich mehr als 140.000 Euro.

Am 21. Mai standen Ermittler der Augsburger Steuerfahndung vor der Villa des Ehepaars Haderthauer in Ingolstadt. Die Beamten suchten nach Unterlagen der Firma Sapor Modelltechnik. Dabei wurden Dokumente gefunden, die heute auch für die Frage relevant sind, ob die Gewinne von Sapor gegenüber dem Finanzamt und gegenüber einem früheren Gesellschafter bewusst geschmälert worden waren.

 Für die Firma Sapor, die das Ehepaar Haderthauer zusammen mit Geschäftspartnern aufgebaut hatte und in der Christine Haderthauer als Geschäftsführerin und Gesellschafterin wirkte, fertigten psychisch kranke Straftäter exklusive Oldtimer-Modelle. 2008 verkaufte Hubert Haderthauer die Firma. Der ehemalige Geschäftspartner Roger Ponton fühlt sich bei einer Abfindung übers Ohr gehauen und hatte Anzeige erstattet.

Fündig wurden die Fahnder im Arbeitszimmer der Staatskanzleichefin, in dem auch Unterlagen von Ehemann Hubert aufbewahrt werden. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den Bayerischen Landtag hervor. Im einem Regal lagen Kontounterlagen mit dem Aufkleber „SAPOR“. Dort ist angeblich zu lesen, dass Christine Haderthauer noch 2007 und 2008 treuhänderische Inhaberin des Firmenkontos gewesen ist. Außerdem fanden die Ermittler eine externe Festplatte neben dem Computer der CSU-Frau. Darauf befanden sich dem Schreiben der Staatsanwaltschaft zufolge Dateien, die offenbar belegen, dass Christine Haderthauer in diesem Zeitraum persönlich auch den Schriftverkehr mit dem Steuerberater der Sapor geführt haben soll. Gegenüber dem Landtag hatte Haderthauer behauptet, sie sei 2003 nach ihrer Wahl in den Landtag aus der Firma ausgeschieden. Die Geschäfte habe immer ihr Mann geführt.

Die Ermittlungen der Steuerfahndung ergaben zudem den Verdacht, dass die Gewinne aus dem Verkauf der teuren Modellautos wesentlich höher waren, als dem Fiskus gemeldet wurde. So sollen 2007 mindestens 86.000 Euro und 2008 rund 57.500 Euro Einnahmen verschwiegen worden sein, insgesamt also etwa 143.500 Euro. Auch Mitgesellschafter Ponton soll diese Summen nie erfahren haben. Geschätzt knapp 72.000 Euro sollen ihm so entgangen sein.

Haben die Haderthauers Ponton ganz bewusst getäuscht? Von den Gewinnermittlungen 2004 bis 2008 bekam Ponton laut Staatsanwaltschaft jedenfalls nur die ersten zwei Seiten mit dem Jahresergebnis. 13 weitere Seiten mit dem Kapitalkonto wurden ihm nie geschickt.

Reisen nach Paris und in die Türkei

Weitere Dokumente schüren bei der Steuerfahndung den Verdacht, dass nicht nur Erlöse aus dem Verkauf der Modellautos unvollständig angegeben wurden. Auch sollen offenbar Ausgaben „ohne betrieblichen Anlass“ in den Gewinnaufstellungen erfasst worden sein. Darunter 2007 ein Flug in die Türkei für 1694 Euro samt Übernachtungskosten von 423 Euro für eine zweite Person neben Hubert Haderthauer. Ebenso reiste Hubert Haderthauer mit einer Begleitung 2008 nach Paris. Laut Flugticket soll offenbar Ehefrau Christine ihren Mann begleitet haben. Die 1100 Euro Übernachtungskosten für die zweite Person wurden offenbar betrieblich berücksichtigt. Wie die Fahnder feststellten, folgten zeitgleich Kreditkartenabbuchungen von Christine Haderthauers Kreditkarte in Paris. Die Fahnder schreiben später, ein betrieblicher Anlass für die Reisekosten der zweiten Person sei nicht erkennbar. Haderthauer hatte vergangene Woche erklärt, nicht sie, sondern ihre Tochter Christina habe die Reise angetreten, um die Modelle sicher zu transportieren.

5500 Euro für PR-Leistungen

Als ebenfalls merkwürdig stufen Ermittler 5500 Euro ein, die im Oktober 2008 von Sapor an Christine Haderthauer überwiesen wurden – Verwendungszweck „PR IN Projektberatung“. Die Staatskanzleichefin erklärte den Vorgang vergangene Woche so: Irrtümlich habe sie zwei Rechnungen der PR-Beratung von ihrem Konto beglichen, dann später bemerkt, dass die Rechnungen der PR IN an Sapor gerichtet waren und sich den Betrag zurückerstatten lassen. Doch welcher Art die Dienste der PR-Beratung für die Modellbaufirma waren, ist bisher nicht bekannt. Weder möchte sich Haderthauer dazu äußern, noch fanden sich bei der Hausdurchsuchung entsprechende Belege. Der Hintergrund für die angebliche PR-Tätigkeit sei aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht nachvollziehbar, notierten Ermittler.

Die Dienstleisterin immerhin ist Haderthauer gut bekannt. Es ist ihre Stimmkreisreferentin, die Ingolstädter CSU-Stadträtin Dorothea Soffner. Eine Vertraute, die seit Jahren für die Staatsministerin arbeitet. Soffner ist in den Urlaub verreist und weder per Telefon noch per Mail erreichbar. Die Website der PR IN ist seit etlichen Wochen leer, die Seite werde überarbeitet. Christine Haderthauer möchte sich zu den neuen Details mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen derzeit nicht äußern.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s