Riester- und Rürup-Produkte: Intransparenz oder Inkompetenz? Irreführende Information durch Vers icherer

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Aktuelle Mitteilung von Holger Balodis und Dagmar Hühne
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Transparenz wird ja oft für die Lösung des Problems gehalten. So auch bei den überhöhten Kosten der Lebens- und Rentenpolicen und damit auch von Riester- und Rürup-Produkten.
Würden die Kosten klar benannt, so glauben Marktpuristen, reagierten Kunden wie Anbieter umgehend: die preiswerteren Produkte würden nachgefragt und als Folge davon die Preise allgemein sinken.
Leider ist das ein frommer Wunsch. Tatsächlich wird das bei sogenannten „Push“-Produkten, die nicht per se nachgefragt sondern mit der Vertriebskraft von 250.000 Vermittlern in den Markt gedrückt werden, nicht klappen. Dank hoher Provisionen verkauft sich eben „teuer“ auch weiterhin besser als „billig“.
Aber Kostentransparenz wäre natürlich trotzdem schön. Und die Bundesregierung hat sie ja bei Versicherungen auch versprochen: So soll ab kommendem Jahr jeder Kunde vor Vertragsschluss eine Gesamtkostenquote genannt bekommen. Die wird voraussichtlich bei vielen Versicherern bei unter einem Prozent liegen.
Das dürfte den Verbraucher eher in die Irre führen als ihn zu informieren. Denn natürlich liegen die Kosten nicht nur bei einem Prozent seiner Einzahlungen, sondern ein Vielfaches höher. Das kann er aber mit der neuen Kennzahl nicht erkennen.
In Wirklichkeit ist die neue Kennzahl gar kein Maß für die Kostenhöhe, sondern ein Maß für die Renditeminderung durch Kosten. Und so wie sie berechnet wird, ist sie für allerlei Manipulationen anfällig.
Wie unsauber damit verfahren wird, zeigt auch die jüngste „Information“ durch den Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV).
Im Verbandsblatt „Positionen“ wird die neue Kennzahl erklärt. Leider werden dabei – und das ist nicht unerheblich – Prozente mit Prozentpunkten vertauscht.
Ein Rechenbeispiel: Sinkt die Rendite durch den Einfluss von Kosten von 2 Prozent auf 1 Prozent, so beträgt die Differenz korrekt ausgedrückt: 1 Prozentpunkt. Nach GDV– Lesart wäre es nur 1 Prozent. Tatsächlich sinkt die Rendite in diesem Fall aber um 50 Prozent!
Doch so deutlich will man das den armen Kunden wohl nicht auf die Nase binden.
Ist die, sagen wir „missverständliche“ Darstellung nun eine neue Form der Intransparenz oder einfach nur Inkompetenz?

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