„Vorsicht, Faschist!“ D.Dehm zum inflationären Gebrauch dieses Vorwurfs

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Der volle Text steht hier:
http://www.diether-dehm.de/index.php/positionen/958-vorsicht-faschist
Ich teile seine Kritik. Sogar ich habe mir schon Antisemitismus vorwerfen lassen müssen.
Auszüge:
Immerzu werden Antifaschisten und Antimilitaristen hierzulande mit der Forderung bedrängt, sich von anderen zu distanzieren.
Als eine besonders wirksame Methode des Auseinanderdividierens erweist sich die Anschuldigung, diese oder jene Gruppe und jeder, der mit ihnen Umgang habe, seien Faschisten.
Kürzlich schrieb mir ein führendes Mitglied der Partei Die Linke, Antifaschismus bedeute für ihn, “gegen antiemanzipatorische, antihumanistische, diskriminierende, rassistische, sexistische, antisemitische und nationalistische Tendenzen vorzugehen, denn diese führen in letzter Konsequenz zum Faschismus, den es zu bekämpfen gilt”.
Ja gut, aber sollen wir nun etwa anhand eines solchen Kriterienkatalogs entscheiden, wer mit wem gemeinsam gegen die NPD oder gegen Rüstungsexporte oder gegen die Schnüffelei der Geheimdienste demonstrieren darf?
Nicht jedes Vorurteil macht einen Faschisten aus, und je mehr Ausgrenzungsgründe wir auflisten, desto weniger Mitdemonstranten bleiben übrig – was mir auch der Zweck vieler Distanzierungsforderungen zu sein scheint. […]

Es ist einfach töricht, die Überwindung von Vorurteilen zur Vorbedingung gemeinsamer Aktionen zu machen. Vielmehr lassen sich Vorurteile gerade in der gemeinsamen Aktion überwinden. […]

Ich kann auch meine Partei Die Linke nur davor warnen, sich im Streit über den Umgang mit angeblichen “Verschwörungstheoretikern”, “strukturelle Antisemiten”, “autoritäre Charakteren”, “Antieuropäern”, “Antiamerikanern”, “Populisten mit verkürzter Kapitalismuskritik”, “Chauvis”, “Machos”, “latenten Sexisten” und “homophoben Heimatfetischisten” zu zerreiben.
Medienkonzerne, vielleicht auch geheimdienstliche Sprachlabore liefern dafür nur allzu gern die Verwirrwörter, und sogenannte Antideutsche oder Gemäßigte in der Partei greifen sie nur allzu gern auf.

Weil wir als Linke schon für alles mögliche beschimpft, verboten oder berufsverboten worden sind, sollten wir besonders in Zeiten von Facebook und Twitter niemandem leichthin gestatten, ohne belastbare Beweise mit rufmordende Begriffen wie “Faschist”, “Nazi”, “Rassist”, “Antisemit” die berufliche und politische Existenz zu zerstören.

Jochen

2 Gedanken zu “„Vorsicht, Faschist!“ D.Dehm zum inflationären Gebrauch dieses Vorwurfs

  1. Die Inflationierung der Worte scheint mir Begleiterscheinung eines Denkens in sich ausschließenden Gegensätzen zu sein, das Grauzonen außer Acht lässt und real existierende Widersprüche nicht aushält. Viele Menschen bedürfen einer polarisierenden `Ordnung´ der Sachverhalte, weil vielfältige Unterscheidungen sie überfordern. Das betrifft eher links orientierte Menschen genauso wie eher rechts orientierte. Wer will, kann das gut nutzen, um überall Sporen des `Spaltpilzes´ zu verbreiten, um den politischen Gegner zu schwächen. Man mag diesen Mechanismus durchschauen, das hilft aber nicht viel weiter, weil es die Handelnden auf jeden Fall ausbremst. Wer in der Vorhand sitzt kann in der Zeit, die mit der Suche nach dem Minimalkonsens verbracht wird, verbracht werden muss, schon wieder eigene Pflöcke setzen. Das zeigt sich in dem von Dieter Dehm angesprochenen Inhaltsbereich Antifa genauso wie in in der neuen Friedensbewegung, wenn´s um Frauenrechte geht oder bei der sich gegenwärtig vollziehenden Viktorianisierung der Sexualmoral. Man könnte eher Herr der Lage werden, würde man politisches Handeln betrachten als Kampf um die Durchsetzung von Interessen statt als Kampf um die Durchsetzung von Wahrheiten. Die Herrschenden versuchen nicht grundlos die Frage nach dem Interesse (Cui bono?) aus der öffentlichen Debatte zu verdrängen.

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