Bayern: Kritik an Bundeswehr und man fliegt von der Schule

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Ein schönes Lehrbeispiel für Verfassungswirklichkeit in Bayern, jeder Schüler kann davon lernen !

pexels-photo-3526084.jpeg

Wer stellt Strafantrag gegen den Schuldirektor wegen Nötigung und Unterstützung der Vorbereitung eines Angriffskrieges sowie wegen Beleidigung der Opfer und Leugnen von Völkermord gegen den Offizier ?
Die ganze Story hier:
Da der Schüler für sein weiteres Leben Einschränkungen und Verfolgung befürchten muss, wurde der Beitrag auf RTDeutsch und junger Welt vom netz genommen. Ich anonymisiere den Namen und bitte um Verzeihung, es war voreilig, diesen Namen so ohne Rückfrage bei ihm persönlich ins Netz zu stellen.

In Bamberg hat ein Schüler von seiner Wirtschaftsschule Hausverbot und einen verschärften Verweis bekommen, weil er bei einer Werbeveranstaltung der Bundeswehr kritische Nachfragen zum Luftangriff im afghanischen Kunduz gestellt hatte. Der Schuldirektor wertete das kritische Nachfragen als ernsthafte Beeinträchtigung des Schulbetriebs und sprach Hausverbot sowie einen verschärften Verweis aus.

Am 29. Januar fand in der …-Wirtschaftsschule ein Berufswahlseminar statt. Auf diesem warb auch die Bundeswehr. N.N., ein 17-jähriger Schüler, fragte im Rahmen der Veranstaltung den anwesenden Werbeoffizier wie dieser zu dem Luftangriff der Bundeswehr in Kundus 2009 stehe, bei dem zirka 100 Zivilisten zu Tode kamen.

Daraufhin soll der Offizier erwidert haben:

„Man muss eben abwägen, ob man seine eigenen Jungs riskieren will oder die halt.“

Die Darlegungen des Offiziers darüber, „wie schön es bei der Bundeswehr ist“, empfand ich als dreist“, so der Schüler gegenüber der Tageszeitung Junge Welt.

Kurz nach dem Vortrag traf er sich mit der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“, bei der er auch Mitglied ist. Zusammen mit anderen Organisationen hatten diese vor der Wirtschaftsschule einen Infostand gegen Bundeswehrwerbung in Schulen aufgebaut.

Beim Wiederbetreten der Schule hielten ihn die zwei Hausmeister der Bildungseinrichtung fest und wollten ihm einer Leibesvisitation unterziehen sowie seinen Rucksack durchsuchen. Einer der Hausmeister soll nach Informationen der TAZ Springerstiefel und eine Militärhose getragen und das Schultor schon mal als „Reichsgrenze“ bezeichnet haben.

Als der Schüler sich diesem Vorgehen verweigerte, wurde die Polizei gerufen und N. vom stellvertretenden Direktor Hausverbot und ein verschärfter Verweis erteilt. Die Polizeibeamten sollen später im Protokoll vermerkt haben, dass der „sehr einsichtige“ Schüler das Hausverbot respektierte.

Am nächsten Tag musste sich der Schüler im Direktorat rechtfertigen. Dabei soll seine Klassenlehrerin gesagt haben:

„Ich werde mit allen Mitteln verhindern, dass er seine Mitschüler von seiner Meinung überzeugt.“

Von dessen politischer Meinung fühlen sich, laut Verweis, Lehrer und Schüler „politisch und persönlich bedrängt“.

Schulleiter M.M. sagte gegenüber der Presse, dass die Bundeswehrsoldaten Gäste gewesen seien, die es verdienen „höflich behandelt zu werden“.

Während Mitschüler die Fragen von N. an den Bundeswehr Offizier als „kritische Fragen“ einordnen, stellen diese für den Schuldirektor eine „Störung“ da. Laut einer Anweisung des bayerischen Kultusministeriums können politische Äußerungen, die den Schulbetrieb „ernsthaft beeinträchtigen“ unterbunden werden.

Ob eine in der berichteten Form vorgetragene Frage zu dem weithin umstrittenen Luftangriff in Kunduz tatsächlich den Schulbetrieb „ernsthaft beeinträchtigt“ hat, erscheint mehr als fraglich.

Der betroffene Schüler spricht nicht mehr mit der Presse, aus Angst vor weiteren Konsequenzen für seine schulische Laufbahn.

25. Februar, 2015

Jochen

Ein Gedanke zu “Bayern: Kritik an Bundeswehr und man fliegt von der Schule

  1. Das erinnert mich fatal an eigene Erlebnisse während meiner Schulzeit Mitte/Ende der 60 er. Offensichtlich feiern Reaktion und Restauration fröhliche Urständ. Nicht einmal den Beutelsbacher Konsens scheinen manche noch einhalten zu wollen, die in `pädagogischer Verantwortung´ stehen. Dass man Kindersoldaten unter 18 für die Bundeswehr rekrutiert, ist schon schlimm genug. Die Werber direkt die Schulen zu lassen, hätte sich selbst „Der alte Fritz“ nicht getraut. Sogar der hat sich meines Wissens darauf verlassen, dass die grassierende Armut ihm schon genug Kanonenfutter in die Kasernen treibt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s