Der IPPNW-Body Count im Bundestag

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Body count – die Zahl der Opfer militärischer Operationen, inclusive der „Kollateralschäden“.
Da ich selbst Mitglied der IPPNW bin, kann ich den folgenden Artikel wärmstens empfehlen:

Am 26. Januar 2016 befasste sich der Bundestag in einer Plenardebatte mit der Großen Anfrage an die Bundesregierung zu den „Erfahrungen aus 14 Jahren Krieg gegen den Terror – eine Bilanz in Irak, Afghanistan, Pakistan“. Die Anfrage wurde durch die Fraktion der „Linken“ eingebracht.
Den Anstoß dazu gab die 2015 international publizierte IPPNW-Metaanalyse: „Body Count – Opferzahlen nach zehn Jahren „Krieg gegen den Terror“.

Die aktuelle Ausgabe des Body Count finden Sie hier zum Download:
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/BodyCount_internationale_Auflage_deutsch_2015.pdf

IPPNW_Linksfraktion

Inge Höger und Mitglieder der IPPNW in Berlin

Auf Wunsch der Bundesregierung war die Plenardebatte umbenannt worden in „Terrorbekämpfung in Irak, Afghanistan, Pakistan – Beratung der Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Linksfraktion.“
Nachdem vor über 15 Jahren die Schröder-Fischer-Regierung der Bush-Administration „uneingeschränkte Solidarität“ für den von letzterer ausgerufenen „War on Terror“ zugesichert hatte und nachdem erst vor etwas mehr als einem Jahr die französische Regierung nach den Anschlägen von Paris selbst eine explizite Kriegserklärung herausgebracht und die übrigen EU-Regierungen zur Beteiligung daran aufgefordert hatte (die Merkel-Regierung hatte daraufhin 1.200 SoldatInnen für den Syrienkrieg bereitgestellt), ist der Bundesregierung inzwischen offenbar nicht mehr ganz wohl dabei – zumindest was die Benutzung des Begriffes betrifft.

Tatsache und eine weitere Premiere ist: Eine internationale IPPNW-Publikation hat den Anstoß zu einer wichtigen Bundestagsdebatte gegeben. Und sie wurde von der Linksfraktion mehrfach zitiert und als Druckversion von der Abgeordneten Inge Höger, die den ausgezeichneten Eröffnungsbeitrag hielt, in die Kameras gehalten.

Trotz weitaus längerer Redezeit konnten die Beiträge aus der Regierungskoalition nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Frage nach den Opferzahlen durch westliche Kriegseinsätze keine Bedeutung beigemessen wird – und zwar deshalb, weil die Bundesregierung in keiner Weise Interesse zeigt, die Konsequenzen der Militärinterventionen im Krieg gegen den Terror aktiv zu untersuchen und damit auch die Politik der militärischen Terrorbekämpfung in Regierungsentscheidung in Frage zu stellen.
Das vielbekundete Interesse an syrischen Opfern durch die Beteiligung Russlands im Syrienkrieg verkommt so zur reinen Heuchelei. Es wird auch nicht erkennbar, ob die Bundesregierung die Publikation „Body Count“ der IPPNW überhaupt zur Kenntnis genommen hat.

In der voluminösen, aber inhaltlich dünnen schriftlichen Antwort der Bundesregierung heißt es: „Die Bundesregierung führt keine eigenen quantitativen Studien und Statistiken zu Opfern in Ländern, in denen die Bundeswehr militärisch beteiligt ist.“ In den Redebeiträgen gaben sich die Redner der Regierungskoalition zwar kritisch gegenüber Auslandseinsätzen der Bundeswehr – dies erscheint angesichts der konformen Entscheidungen der Regierungen seit dem Jugoslawienkrieg mit den tatsächlich wirksamen Kriegszielen unglaubwürdig.
Die Kriegsziele der NATO – und damit auch der Bundeswehrbeteiligungen: Eindämmung Russlands und Chinas, Sicherung von NATO-Marionettenregimen in rohstoff und opiumreichen Regionen, Sicherung des Dollar als Leitwährung und ungehinderter Zugriff für westliche Konzerne werden weiterhin verheimlicht.

Den Videomitschnitt der Bundestagsdebatte finden Sie hier:
https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7064568#url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk/dmlkZW9pZD03MDY0NTY4Jm1vZD1tb2Q0NDIzNTY=&mod=mediathek

Schon jetzt sollten wir aber nicht unterschätzen, was die politische Arbeit – nach dem Vorbild Rudolf Virchows – bereits bewirkt hat und noch bewirken kann. Etwa mit der Thematisierung des Krieges als Menschenrechtsproblem:
Genau vor einem Jahr war die IPPNW bereits zur Diskussion des Body Count in den Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages eingeladen – wiederum auf Initiative der Linksfraktion, auf Einladung von Michael Brandt, dem CDU-Vorsitzenden des Ausschusses. Dort wurden unsere Argumente der schwersten Menschenrechtsverletzung durch diesen Krieg von recht nachdenklich wirkenden Abgeordneten ausführlich angehört.
Ebenso waren auf der Pressekonferenz der Linksfraktion am 2. Dezember 2016 Body-Count-Autor Joachim Guilliard und Christoph Krämer von der IPPNW zu Wort gekommen.
Eine Initiative vor dem UN-Menschenrechtsausschuss unter Mitwirkung des ehemaligen Beigeordneten des UN-Generalsekretärs, Hans-Christof von Sponeck, ist geplant.

Dies reiht sich ein in die aktuelle Strategie der internationalen IPPNW, die „Humanitäre Initiative“ innerhalb der UN zur Ächtung von Atomwaffen mit ärztlichen Argumenten zu verstärken.

Ein ganz herzlicher Dank an alle, die dieses Projekt mit ihrem Arbeitseinsatz in Gang halten: Besonders an Christoph Krämer, der parlamentarische Kontakte hält und die politische Arbeit mit dem Body Count voranbringt, sowie Helmut Lohrer und Helmut Fischer von der IPPNW, Joachim Guilliard und Hans-Christof von Sponeck aus dem Body-Count-Autorenteam, die KollegInnen der IPPNW Kanada (PGS) und USA (PSR), die die internationale Herausgeberschaft der Studie ermöglicht haben.
Wir danken Claudia Haydt von der Informationsstelle Militarisierung Tübingen (IMI).

Jens Wagner ist IPPNW-Mitglied und einer der Autoren der IPPNW-Studie Body Count.

Weitere Informationen unter:
www.ippnw.de/frieden/konflikte-kriege/body-count.html
http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/18/18215.pdf (Tagesordnungspunkt 12)

Jochen

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