Kaum zu glauben: Katzenparasiten machen Menschen wagemutig

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Von der Tollwut sind psychotrope Symptome bekannt, die auftreten, wenn der Patient bereits als verloren betrachtet werden muss.
Mit dem weit vebreiteten Toxoplasma Gondii kann man relativ symptomarm überleben. Jetzt ist es aber tatsächlich nachgewiesen:
https://www.jungewelt.de/artikel/337387.katzenparasiten.html
Auszüge:

Ja, sagt da das Magazin der Max-Planck-Gesellschaft Forschung in seiner ersten Ausgabe 2018, womöglich ist der Einzeller »Toxoplasma gondii« daran schuld, denn der »tut alles dafür, Mensch und Katze zusammenzubringen.

Den Menschen braucht er als Zwischenwirt (…). Denn nur im Darm von Raub- oder Hauskatzen kann der Parasit neue Eier produzieren (…)
Das würde erklären, warum sich infizierte Menschen von Katzen besonders angezogen fühlen.«

So weit so idiotisch. Ich habe dieses »Forschungsergebnis« im Nachwort zu meinem Buch »Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung« als »Abbremser« verwendet – nachdem ich den Philosophen Hans Blumenberg gegen die Genpool-Erhalter zitiert hatte: »Auch ohne naturschützerische Gebärde muss gesagt werden, dass eine Welt ohne Löwen trostlos wäre.«
Und ich drückte mein Entsetzen aus: »Bald ist es schon so weit. Die Raubtierforscher prognostizieren, dass höchstens die (urbanen) Hauskatzen überleben werden. Aber so sehr wir uns auch z. B. um unsere kleine Katze Luzie bekümmern, ihre häusliche Haltung ist die reinste Tierquälerei, eine extreme Reizunterflutung. Da es jedoch keinen Ausweg gibt, wir weiterhin ihre Lebensverlegenheiten ernsthaft erforschen – und uns an ihrem Witz erfreuen, gehört sie auch zur lustigen Tierwelt. Für unser Interesse an ihr scheint es aber noch einen tieferen Grund zu geben…«
Nämlich den Parasiten »Toxoplasma gondii«.

Damit wollte ich mich quasi von unserer närrischen Katzenliebe freisprechen: Wir können nichts für unsere Depolitisierung – ein übler Parasit steuert uns. Aber nun kam im Juli dieses Jahres auch noch das Magazin Spektrum der Wissenschaft angewackelt und erweitert die Wirkung des neurologischen Manipulators »Toxoplasma gondii« über die Ökologie ins Ökonomische – schon in der Überschrift: »Macht Katzenparasit Berufsanfänger mutiger?«

Es geht um eine neue Studie, veröffentlicht in der altehrwürdigen Wissenschaftszeitschrift Proceedings of the Royal Society B: Mehr »als zwei Milliarden Menschen sind weltweit mit ›Toxoplasma gondii‹ infiziert« und schon »seit langem berichten Forscher über Indizien für mögliche psychische Veränderungen bei Infizierten«.
Die neue Studie zeige nun, »dass toxoplasmainfizierte Menschen weltweit häufiger beruflich selbständig sind – und somit Risiken vielleicht anders bewerten als andere«.

Die Autoren der im Magazin der Max-Planck-Gesellschaft referierten Studie wollten darauf hinaus, dass der üble Parasit die Menschen, als sie wenige waren und nicht so hilflos wie heute, den Raubkatzen, die damals noch viele waren und gefährlicher, geradewegs in die tödlichen Fänge trieb. Er manipulierte die Menschen auf eine Weise, dass diese das Risiko, sich einer oder mehreren Raubkatzen zu nähern, anders bewerteten.

Die Autoren der im Spektrum der Wissenschaft referierten Studie, testeten ihre steile These erst mal an Mäusen – sie infizierten sie mit dem Parasiten. Und siehe da: Er »macht die Nager zum Teil selbstmörderisch mutig«.
Dann untersuchten sie 1.495 Studenten: Die mit dem Erreger infizierten »wählen knapp eineinhalbmal so häufig wie gesunde Wirtschaftswissenschaften im Hauptfach«.
Und schließlich stellten sie »bei Teilnehmern an Berufsbörsen, die auf eine selbständige Tätigkeit vorbereiten sollen«, auch noch fest, dass diese »1,8mal häufiger infiziert sind als der Durchschnitt der Bevölkerung«.
Zuletzt durchforsteten sie demographische Statistiken aus 42 Ländern – und kamen zu dem Schluss: »Offenbar korrelieren die Durchseuchungsrate mit ›Toxoplasma‹ in einem Land und der Prozentsatz der Selbständigen

Da viele Selbständige jedoch scheitern, könne nicht davon ausgegangen werden, »dass der Einfluss des Parasiten Menschen grundsätzlich erfolgreicher« mache. Er bleibt also auch im Anthropozän quasi raubtierorientiert.
Das hatte bereits die Heidelberger Genetikerin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard geahnt – »dass die Natur in gewisser Weise kapitalistisch funktioniert«.

Helmut Höge: Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung.
Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2018, 160 Seiten, 16 Euro

Jochen

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