Rechte Laienrichter auch in Bayern

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Bedenkliches aus der jungen Welt:
https://www.jungewelt.de/artikel/346416.bundesweites-ph%C3%A4nomen-rechte-laienrichter.html

Gerichte geben ungern Auskunft über Schöffen.
Einer der namentlich bekannten mit AfD-Parteibuch sieht in Flüchtlingen »kriminelles und radikales Pack«

Von Marvin Oppong

Auszüge:
Schöffen üben eine verantwortungsvolle Aufgabe innerhalb des Gemeinwesens aus. Sie müssen ohne Ansehen der Person urteilen, dürfen nicht befangen sein.
Die Herkunft eines Klägers, Beklagten oder Angeklagten darf für die ehrenamtlichen Richter keine Rolle spielen.
Die Gemeinden, die dem jeweiligen Gerichtsbezirk angehören, stellen alle fünf Jahre Vorschlagslisten auf, aus denen dann kommunale Wahlgremien die Schöffen auswählen. Alle im Bundestag vertretenen Parteien bringen dabei ihre eigenen Leute sowohl auf die Vorschlagslisten als auch in die Gerichte.

Im Rahmen dieser Recherche wurden mehr als 230 Gerichte bundesweit angeschrieben und um Listen mit den Namen der Schöffen gebeten, um herauszufinden, wie verbreitet Laienrichter mit AfD-Parteibuch sind – darunter alle Amtsgerichte in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern sowie alle Amts-, Land- und Verwaltungsgerichte in Brandenburg, Sachsen und Thüringen.
Der weit überwiegende Teil der Gerichte antwortete gar nicht. Einige beriefen sich auf »Datenschutz« – obwohl das Finanzgericht Köln und das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt die Namen ihrer ehrenamtlichen Richterinnen und Richter sogar auf ihren Internetseiten veröffentlicht hatten.

Das Amtsgericht Freiburg teilte mit, die Anfrage müsse »zunächst in Abstimmung mit dem Justizministerium rechtlich geprüft werden«. Auch in Sachsen wandten sich mehrere Amtsgerichte an das Justizministerium des Landes, Auskunft gab es jedoch auch hier nicht.
Zum Teil verlangten die Gerichte entgegen dem Pressegesetz eine schriftliche Begründung für die Anfrage, Gebühren oder die »Übersendung einer Personalausweiskopie (Vor- und Rückseite)« zur Prüfung der »Identität«.

Lediglich 20 der 108 Amtsgerichte in Baden-Württemberg sowie die Verwaltungsgerichte Potsdam und Magdeburg gaben Listen mit den Namen von Schöffen heraus; das Landesarbeitsgericht und das Arbeitsgericht Köln boten auf eine Anfrage vom 20. November hin erst gut einen Monat später Einsicht in die Listen der ehrenamtlichen Richterinnen und Richter an.
Die herausgegebenen Listen enthielten keine Hinweise auf AfD-Mitgliedschaften. Sie betreffen allerdings die aktuelle Schöffenperiode, also Personen, die vor fünf Jahren in dieses Ehrenamt kamen, als die AfD noch nicht so groß war. Im Januar 2019 beginnt die neue Schöffenperiode. Tausende kommen neu ins Amt.

Von der FDP zur AfD

Einer, der aktuell Laienrichter ist und zugleich Mitglied der AfD, ist Arno Bausemer, der in Leipzig Journalismus studiert hat. Auf seinem Facebook-Profil hat er ein süßes Video von einem frisch geborenen Fohlen gepostet, allerdings gibt er sich dort manchmal auch ganz anders. Er klagt über eine »Verdopplung« der Flüchtlingszahlen und »Asylmissbrauch«.
»Frau Merkel, bitte aufwachen«, schreibt er. Bausemer schimpft dort über »zahlreiche sexuelle Übergriffe von größtenteils arabischstämmigen Flüchtlingen auf Mädchen und junge Frauen«.
Jeden Tag fielen diesem »kriminellen und radikalen Pack Menschen zum Opfer«. In einem Youtube-Video sagt Bausemer, kein einziger syrischer Flüchtling habe zuerst in Deutschland EU-Boden betreten, es sei denn, er habe sich irgendwo »in ein Flugzeug gemogelt«. Arno Bausemer war bis Ende 2016 FDP-Mitglied. Jetzt ist er Landesschriftführer der AfD in Sachsen-Anhalt und war deren Bürgermeisterkandidat in Schönhausen. Bausemer ist schon so lange Schöffe in Magdeburg, dass er anscheinend selbst nicht mehr genau weiß, seit wann.
Auf Anfrage erklärt er schriftlich, er sei »tatsächlich seit 2008 ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Magdeburg«. Nach Angaben eines Sprechers des Verwaltungsgerichts ist das jedoch falsch. Bausemer sei »in den Jahren 2008 und 2009 hier nicht als ehrenamtlicher Richter tätig« gewesen, sondern seit 2010 im Amt. Seitdem hat Bausemer an zwölf Verfahren des Verwaltungsgerichts Magdeburg mitgewirkt.

»Sie haben Verständnis, dass ich mich zu einzelnen Verfahren nicht äußern werde«, erklärte Bausemer schriftlich. Seine politische Einstellung habe keinen Einfluss auf seine Tätigkeit als Schöffe. »Ihnen dürfte bekannt sein, dass die Mitgliedschaft in politischen Parteien kein Hinderungsgrund für die Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter ist.«

Zusätzlich zu seinem Ehrenamt am Verwaltungsgericht Magdeburg war Arno Bausemer »vom 1. Januar 2009 bis zum 31.Dezember 2013 Jugendhauptschöffe am Amtsgericht Stendal«, so dessen Sprecher. Es habe dort »16 Anklagen« gegeben, »an deren Verhandlung Herr Bausemer beteiligt war«.

Ämterhäufung

Auch im Süden der Republik gibt es einen AfD-Schöffen. Markus Bayerbach war bis vor kurzem Förderlehrer und Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen im Schulamtsbereich Augsburg-Stadt, ist Vizechef der AfD-Stadtratsfraktion Augsburg und stellvertretender Bezirksvorsitzender. Am 14. Oktober wurde er zudem in den Bayerischen Landtag gewählt, wo er seit Anfang Dezember den Ausschuss für Bildung und Kultus leitet.
Zudem gehört Bayerbach dem Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes an. Unter »Beruf/Qualifikation« gibt Bayerbach auf der Internetseite der Bayern-AfD an, »Schöffe« zu sein.
Auf der Homepage des AfD-Kreisverbandes schreibt Bayerbach über sich, er sei »für die aktuelle Schöffenperiode« »als Schöffe bestellt«. Nach jW-Informationen ist Bayerbach Schöffe am Amtsgericht Augsburg. Auch dieses reagierte auf eine Anfrage nicht.

Deutsche Opfermythen

Jochen Behr, geboren 1974 in Schweinfurt, wohnhaft in Bad Neustadt an der Saale, ist Vizechef des AfD-Kreisverbands Unterfranken-Nord. Im Internet kursiert ein Post von Behr, den die Facebook-Seite »AfD-Watch« dokumentiert und dessen Echtheit er auf Anfrage weder bestätigte noch dementierte.
Darin zog Behr Parallelen zwischen Morden des Naziregimes und einem angeblich drohenden Untergang der Deutschen. Man könne, schrieb Behr, »ein Volk auch töten, indem man ihm das nimmt, was es ausmacht, seine Identität!« Keiner habe das Recht, zu entscheiden, »dass ein bestimmtes Volk im Keim erstickt wird. Das gilt auch für das deutsche Volk, für Menschen, die schon länger hier leben und nicht durch Geburt oder Einbürgerung den deutschen Pass bekommen haben«.

Im Webauftritt des hessischen AfD-Kreisverbands Main-Spessart führt Behr seine »ehrenamtlichen Tätigkeiten bisher« auf – darunter »Schöffe am Landgericht«. Nach einer Anfrage an Behr verschwand die Angabe von der Homepage. Ob er noch Schöffe ist und wo er dies war, wollte er auf Anfrage nicht mitteilen, fragte aber im Präsens: »Darf man als AfD-Funktionär nicht Schöffe sein?«
Eine entsprechende Anfrage an alle Landgerichte in Unterfranken und das bayerische Justizministerium blieb unbeantwortet. Von Beruf ist Behr Sozialversicherungsfachangestellter bei der AOK Plus.

Anhaltspunkte dafür, dass ihr Parteibuch Einfluss auf ihre Rechtsprechung hat, gibt es bei den AfD-Schöffen nicht – allerdings wird ihr Anteil an den Gerichtsentscheidungen in der Regel auch nicht öffentlich. Die Beratung erfolgt geheim, die Urteilsbegründung trägt der Berufsrichter vor – die Schöffen haben aber das gleiche Stimmrecht.

Nicht nur im Gerichtssaal, auch in Gremien, die Schöffen in ihr Amt wählen, mischt die AfD mit. Im Vogtlandkreis am westlichen Ende Sachsens wurde 2013 vom Kreistag Ulrich Lupart als Vertrauensperson in den siebenköpfigen Wahlausschuss zur Wahl der Schöffen und Jugendschöffen für den Amtsgerichtsbezirk Plauen gewählt. Lupart, 65, aus Oelsnitz im Vogtland, ist der erste AfD-Bürgermeister Deutschlands. Bei der letzten Bundestagswahl war er AfD-Direktkandidat im Wahlkreis Vogtlandkreis. Zudem ist er Mitglied des AfD-Kreisvorstandes.
Bis 2016 gehörte Lupart der rechtskonservativen Partei Deutsche Soziale Union an, seit Herbst 2016 ist er bei der AfD. »Ich bin überzeugt worden von der Frauke Petry«, sagt Lupart am Telefon. Sie habe ihm nahegelegt, dass er seine politischen Ambitionen besser in der AfD verfolgen und dort Erfolg haben könne.

Auch im Wahlausschuss

Vor einigen Wochen wurde das Schöffenwahlgremium in Plauen neu gewählt. Dieses Mal wählte der Kreistag Steffen Ekkehardt Arlt in den Wahlausschuss. Der frühere Volkspolizist kandidierte im Frühjahr im sächsischen Rosenbach als Bürgermeister – für die AfD. Zum Wahlverfahren fürs Schöffenamt in Plauen sagt Arlt am Telefon: »Bei den Kandidaten ist gar nicht nachgefragt worden, ob die in einer Partei sind – von niemandem.«

Jochen

Entzaubert – TOR-Browser und Dark Net

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Der jüngste Fahndungserfolg gegen einen großen Kinderporno-und Vergewaltiger-Ring mit mehrerern zehntausend Mitgliedern in Deutschkand, Österreich und der ganzen Welt zeigt, dass man sich auf die Behörden diesbezüglich verlassen kann.
Aber wer das ausspähen kann, der kennt auch sionst keine Grenzen.
Bin Laden und die Mafia verließen sich nur auf menschliche Botschaftsüberbringer oder Zettel in unleserlicher Handschrift.
Dazu ein aktueller Artikel auf heise online:
https://www.heise.de/ix/heft/Entzaubert-3754494.html
Dort auch sehr lehrreiche Kommentare.
Und hier Auszüge daraus:
Tarnkappen gibt es nur bei Harry Potter, so Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf dem Podium der Bloggerkonferenz re:publica 2017.
Seit Jahren betont der Hardliner der CDU, wie wenig er von digitalen Grundrechten hält und dass er stattdessen lieber auf Überwachung durch Bundestrojaner und Vorratsdatenspeicherung setzt. Wenige Tage später wird seine Regierung beschließen, den Datenpool der Vorratsdaten auch schon für Straftaten wie Einbrüche aufzusperren und so den Ermittlern weitreichende Maßnahmen zu gestatten.

Was Datenschützer entsetzt, bringt Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechniken großen Zulauf, sowohl von Bürgern, die ihre Grundrechte wahren möchten, als auch von Kriminellen, die ihre Geschäfte nicht im Lichte der Öffentlichkeit wahrnehmen wollen. Die, so die allgemeine Wahrnehmung und das Presse-Echo, seien im Darknet ja ohnehin in der Mehrheit und die Polizei weitgehend machtlos. Dass das so nicht stimmt, zeigt dieser Artikel.
Alle Linksam Ende des Artikels verweist auf sehr eine umfangreiche Sammlung von Quellen und weiterführenden Informationen zum Thema.

Fake-Anonymität dank Schwachstelle Mensch

Hochkonjunktur haben Tor und Konsorten spätestens seit den Snowden-Enthüllungen, nicht nur in Diktaturen. Als Reaktion auf die zunehmende Überwachung interessieren sich immer mehr Anwender für Verschlüsselung, Anonymisierung und vermeintlich sichereres Surfen.
Auch Sicherheitsexperten warnen davor, dass allzu viele Überwachungsmaßnahmen eher kontraproduktiv wirken: Strafverfolger fluchen laut darüber, dass die Politik doch Anwender mehr und mehr zu PGP, verschlüsselten Chats wie Opmsg, Threema, Signal oder WhatsApp und in anonyme Netze wie Tor, das in iX 4/2017 vorgestellte Invisible Internet Project I2P [1], Freenet oder andere Overlay-Netzwerke treibt – ins Darknet.

Egal, wie man die IT-Kompetenz der Regierung einschätzt, in einem Punkt hat de Maizière recht: Vollständige Anonymität zu erreichen, ist genauso unwahrscheinlich wie hundertprozentige Sicherheit. Weder die Entwickler von Tor noch die NSA oder bundesdeutsche Strafverfolger können sagen, ob und wie sicher oder verwundbar Tor auf der technischen Seite ist.
Aber das brauchen sie auch gar nicht. So muss die Auslieferung der bestellten illegalen Ware irgendwo in der Realität stattfinden. Und da kann sich der vermeintlich interessante Onlineshop schon mal als von FBI oder CIA betriebene Falle herausstellen.

Nur wenige tatsächliche Akteure

Laut dem Schweizer Darknet-Experten Marc Ruef haben gut 50 Prozent der Seiten im Darknet einen eindeutig kommerziellen Hintergrund. Auf seiner Webseite www.scip.ch verlinkt er umfangreiche Details zu den oft dubiosen Angeboten, inklusive Preisvergleich.
Dennoch sind wohl nur wenige Akteure als Anbieter im dunklen Teil des Internets unterwegs. Die teilen sich den Großteil der Angebote, ziehen aber dadurch erst recht das Interesse von Geheimdiensten, Strafverfolgern und anderen Behörden auf sich. Deren Aktivität ist im Darknet mittlerweile überproportional groß, was die Chance, dort wirklich unerkannt zu bleiben, vergleichsweise gering erscheinen lässt – zumindest beim Einkauf auf Webseiten: Den Forensikern stehen automatisierte Tools sowie ein großer Informations- und Erfahrungsschatz zur Verfügung.

Dabei brauchen die Geheimdienste derlei Automatismen eigentlich gar nicht, erklärt der Ex-Hacker Tobias Klein, der heute unter anderem Schulungen für Strafverfolger durchführt: „Die NSA hat 2014 ganz offen zugegeben: Okay, wir können Tor zwar nicht entschlüsseln, aber das ist gar nicht nötig, wir kommen mit Zero Days*) , Profiling und Social Hacking überall hin.“
Dazu verweist er auf die Dokumentation zu Egoistical Giraffe bei der Electronic Frontier Foundation (EFF). Und dass die Dienste Zero Days horten, wurde durch die Enthüllung der CIA-Tools durch WikiLeaks bekannt.

Zum Repertoire von Geheimdiensten gehört auch, unliebsamen Verdächtigen mit Staatstrojanern Daten unterzuschieben und anschließend im Zuge der Aufklärung an die eigentlich interessanten Inhalte zu gelangen. Genau das ist laut der ARD-Reportage „Darknet“ in der Türkei mit Journalisten passiert.

Erfolge durch menschliche Fehler

So eine via Trojaner auf dem Client-Rechner installierte Backdoor funktioniert natürlich ganz unabhängig von Tor oder Verschlüsselung – und ermöglicht Ermittlern und Hackern Vollzugriff auf den Rechner des „Kunden“.
In der Sprache der Bundesregierung nennt man diese Instrumente, die auch deutsche Geheimdienste und Polizisten gerne einsetzen würden, Quellen-Telekommunikationsüberwachung, kurz Quellen-TKÜ.

In der Regel basieren die größten Erfolge der Strafverfolger aber nicht auf Bugs in Tor und seiner Implementierung, sondern auf Fehlern in anderer Software, Social Hacking und persönlichen Fehlleistungen, mit denen sich Anwender deanonymisieren lassen. So wie im Fall des Darkweb-Drogennetzwerks Silk Road, bei dem die Ermittler Roger Thomas Clark beispielsweise als Urheber des Drogenversands von Silk Road identifizieren konnten, weil sie an den Scan eines Reisepasses, Firmeninformationen aus dem UK und an einen Zeugen gelangt waren, der die Identität Clarks bestätigte.
Der Erfolg war eher klassischer Geheimdienst- oder Ermittlerarbeit zuzuschreiben denn spezieller Technik oder Fehlern im Tor-Netzwerk – und das sei die Regel, nicht die Ausnahme, bestätigen Forensiker.

Ähnliches gilt für den Fall des Kinderporno-Forums „Playpen“, wo die US-Bundespolizei über 8000 Verdächtige aus 120 Ländern ermitteln konnte, indem man ihnen Malware unterschob, die die Rechner der Betroffenen zum FBI „nach Hause telefonieren“ ließ.
In den Gerüchten zu diesem Fall zeigt sich allerdings ein Dilemma der Strafverfolger: Sollte das FBI – wie kolportiert – Tor gehackt haben, also Zugriff auf Exploits in der Tor-Software haben, dürfte es diese sicher nicht veröffentlichen, zumal die Entwickler diese Lücken dann schließen und Kriminelle sensibler reagieren dürften.

Im Vergleich zu europäischen Kollegen sind die US-Dienste ohnehin wenig zimperlich. Deutschen Behörden stehen derlei Mittel nur bedingt zur Verfügung.
Aber selbst vor US-Gerichten muss die Anklage einen zweiten Weg „konstruieren“, wie man „legal“ zu den Daten des oder der Angeklagten gekommen wäre (siehe Kasten „Ansichten eines Tor-Kenners“). In den USA reicht bisweilen die Beweisführung des „So hätten wir auch an die Indizien kommen können“, die sogenannte „Parallel Construction“, in der eine plausible Parallelkonstruktion dazu dient, unverwertbare Informationen in gerichtsfeste Beweise umzuwandeln.
Ernsthaft einschätzen lässt sich das Instrumentarium der Geheimdienste und Strafverfolger so nicht. Und auch die Spekulationen zu mehren, hilft den Ordnungskräften – weil verunsicherte Kriminelle häufig leichter Fehler machen, so heißt es.

Durchaus umstrittene Tor-Sicherheit

Selbst wenn Geheimdienste und Polizei Tor nicht hacken können und es auch gar nicht müssen, bleibt das Thema Sicherheit in Tor umstritten. Noch Ende 2014 schrieb Paul Bradley Carr auf Pando, wer sich auf Tor verlasse, sei wohl nicht mehr ganz bei Sinnen („If you still trust Tor to keep you safe, you’re out of your damn mind“), und: „Es scheint zunehmend wahrscheinlich, dass sogar die Tor-Entwickler keinen blassen Schimmer davon haben, wie sicher ihr Netzwerk denn ist.“ …

Ansichten eines Tor-Kenners

iX sprach mit Andreas Stieger über Anonymität und Sicherheit bei Tor. Er ist Projektmanager Security bei SUSE und Maintainer der Tor-Pakete.

iX: Andreas, ist Tor sicher?

imageAndreas Stieger: Die Ermittlungs- und Geheimdiensterfolge zeigen: Wer auf gängige Sicherheitsmaßnahmen verzichtet, wird auf dem Weg zur angestrebten Anonymität meist Schwierigkeiten haben. Wie überall ermöglichen Fehlkonfigurationen oder Sicherheitslücken im Server selbst das erfolgreiche Deanonymisieren und Identifizieren der jeweiligen Anwender. Allerdings lässt sich hier eine „Parallel Construction“ nicht immer ausschließen: Falls ein Dienst die Benutzer der Technik zuverlässig deanonymisieren kann, wird er seine wahren Fähigkeiten hinter Zufallsfunden oder Fehlern des Angeschuldigten zu verbergen wissen.

Das bedeutet aber auch, dass Tor allein Anonymität nicht garantieren kann …

Das Tor-Projekt beschreibt seine Implementierung selbst als Kompromiss zwischen Anonymität und vertretbarer Antwortzeit. Seine Sicherheitsziele sind auf bestimmte Anwendungszwecke und Gegnerszenarien ausgelegt.
So erfolgen der Zugriff auf das Netzwerk sowie der Zugriff des Netzwerks auf die Quelle zeitnah. Das heißt, man versteckt sich nicht in der Masse aller Tor-Nutzer, sondern unter den zu diesem Zeitpunkt aktiven. Tor erschwert die Traffic-Analyse unter der Annahme, dass niemand das komplette Internet überwachen kann. Einige Anwender scheinen das regelmäßig zu ignorieren, während die Gegenseite sich technisch weiterentwickelt und gerade an der Überwachung des Internets arbeitet.

Welche Rolle spielt dabei, dass derzeit so viele neue Benutzer dazustoßen?

Die Struktur und Größe des Tor-Netzes scheint mir momentan nicht dazu geeignet, dass sich einzelne interessante Ziele auf Dauer vor entschlossenen und mit entsprechenden Mitteln ausgestatteten Diensten verstecken könnten. Ob dies allein durch weiteres Wachstum des Netzes zu beheben ist, bleibt fraglich.

Ist es gefährlich, Tor zu nutzen?

Tor als Implementierung des Onion-Router-Konzepts kann das Umgehen von Massenzensur und Netzwerksperren mit begrenzter Anonymität ermöglichen. Ob das für den jeweiligen Zweck ausreicht, kann nur der Anwender entscheiden.
Wer vermeiden will, sich zu einem interessanten Ziel zu machen, sollte aber auf jeden Fall zusätzliche oder andere Mittel wählen. Dazu gehören die Nutzung getrennter Browser-Profile, auf Aktualität der verwendeten Programme und Plug-ins achten oder der Einsatz einer Live- Distribution ohne Zugriff auf die im System verbaute Festplatte. Darüber hinaus sollte man sich vergegenwärtigen, dass sich auch mit Tor die Nutzung sozialer Netze und Anonymität nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen.

*) zero Days sind ganz neue und dem Programmhersteller noch nicht zurück gemeldete Programmfehler, Lücken im System, die noch nicht über Updates geschlossen wurden. Einige massive Erpressungsüberfälle der letzten Monate wurden mit solchen Zero Day Exploits vorgenommen, über die sich vermutlich einige NSA-Insider ein nettes Zubrot verdienen wollten.

Jochen

Der V-Mann Führer Andreas Temme und die politische/juristische Aufklärung in Form eines Bestattungsunternehmens

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Aus Spanien, trotz erschwerter Internet-Bedingungen.
Vielleicht erregt sich ja ein mutiger Hesse so, dass er den Bouffier wegen Strafvereitelung im Amt anzeigt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals auf Wolfgang Schorlaus sehr guten Politkrimi „Die schützende Hand“ hinweisen, wo das ganze unter dem Schutz der Fiktion, aber sehr nahe der bisher dokumentierten Realität beschrieben wurde. 5268281700001nWir wollen auch nicht vergessen, dass die Panorama-Chefredakteuse kurz nach dem Auffliegen von Temme einen Reinwaschungsbeitrag in ihre Sendung „Panorama“ einbrachte.
Hier im Volltext der NachDenkSeiten: http://www.nachdenkseiten.de/?p=34749

Das Oberlandesgericht in München hat kurz vor der Sommerpause die Akte Temme geschlossen.
Der V-Mann-Führer des hessischen Geheimdienstes Andreas Temme hatte sich zur Tatzeit in dem Internetcafé in Kassel aufgehalten, in dem Halit Yozgat am 6. April 2006 durch zwei Schüsse in den Kopf ermordet wurde. Die Frage, welche Rolle der V-Mann-Führer spielte, der seine Anwesenheit leugnete und vor allem durch Falschaussagen auffiel, sollte auch im Prozess in München geklärt werden. Nun ist der Fall „geklärt“: Das OLG hält Andreas Temme für glaubwürdig und unschuldig, die „Wahrheitssuche“ für abgeschlossen und weitere Beweisanträge der Nebenkläger für überflüssig. Von Wolf Wetzel[*].

Stellen Sie sich einmal vor, sie bekämen folgendes Drehbuchskript zur Begutachtung:

Als junger Mann trägt der Protagonist aufgrund seiner neonazistischen Gesinnung den Spitzname ‚Klein Adolf’. Dann wird er Geheimdienstmitarbeiter beim hessischen Verfassungsschutz. Er ‚führt’ seine Neonazis als V-Leute. Er und seine als V-Leute geführten Neonazis sollen Straftaten vor ihrer Begehung verhindern. Seine Vorgesetzten bezeichnen ihn als ausgezeichneten Mitarbeiter. Dieser Mann hat einen ‚siebten Sinn’. Als NSU-Mitglieder in Kassel 2006 den Internetbesitzer Halit Yozgat mit zwei Schüssen in den Kopf hinrichten, sitzt er mittendrin. Kurz nach dem Mord verlässt er seinen Internetplatz und legt ein Geldstück auf den Tisch, der mit Blutspritzern bedeckt ist. Der Besitzer liegt tot hinter dem Schreibtisch.
Wenig später wird er sich an nichts erinnern: Weder will er das Internetcafe gekannt, noch Schüsse gehört haben, geschweige denn den schwer verletzten Halit Yozgat hinter seinem Schreibtisch gesehen haben.

In den zahlreichen Vernehmungen, erst als Tatverdächtiger, dann als Zeuge bleiben mehr Falschaussagen zurück, als glaubwürdige Einlassungen. Seine Vorgesetzten halten eisern zu ihm, treffen sich mit ihm auf einer Raststätte, machen ihm Mut und erinnern ihn unentwegt an die ‚Kasseler Problematik,’ in der er auch ein bisschen drinstecke.

Das Verfahren gegen ihn wird eingestellt. Heute hat er einen ruhigen Job in der Rentenabteilung des hessischen Innenministeriums.

Sie würden ein solches Skript als haarsträubend konstruiert in den Papierkorb werfen. Tatsächlich hat der V-Mann-Führer Andreas Temme bis heute „einen Stein im Brett“ – nicht nur bei seinen Vorgesetzten.

Das Oberlandesgericht/OLG – ein teures Bestattungsunternehmen

Das OLG hält für glaubwürdig, dass Andreas Temme, der im Nebenraum des Internetcafés saß, keine Schüsse gehört habe – ein Mann, der zum Spaß seine Freizeit im Schützenverein verbringt und im Besitz zahlreicher Waffen ist.

Es sei nachvollziehbar, dass der ca. 1,90 Meter große Andreas Temme dreimal an dem Sterbenden vorbeigegangen war, ohne den hinter seinem 80 Zentimeter hohen Tisch Liegenden gesehen zu haben.

Es hält für glaubwürdig, dass der V-Mann-Führer Andreas Temme weder den dahinter liegenden Halit Yozgat gesehen habe, noch die Blutspritzer auf dem Tisch, auf den er ein Geldstück legte.

Das OLG hält es für plausibel, dass Andreas Temme, als gegen ihn als möglichen Tatbeteiligten ermittelt wurde, erst glaubhaft bestritt, dass er das Café überhaupt kenne, dann glaubhaft leugnete, dass er an diesem Tag dort war und schließlich glaubhaft einräumte, dass er vermeiden wollte, dass seine schwangere Ehefrau davon erfährt, dass er in besagtem Internetcafé in einem „Flirtportal“ surfen gegangen ist.

Und noch plausibler hält das OLG die eigene Entscheidung, die Schmauchspuren an Handschuhen, die in seinem Zimmer (bei seinen Eltern) gefunden wurden, nicht daraufhin zu untersuchen zu lassen, ob sie identisch sind mit der verwendeten Munition der Tatwaffe.
Sachlich, nachvollziehbar und plausibel“ finden das deutsche Richter summa summarum und üben schon einmal für das Urteil, das bald über eine neonazistische Terrorgruppe namens NSU gefällt werden wird, die – mindestens genauso sachlich, nachvollziehbar und plausibel – aus drei Mitgliedern bestanden habe. Im Namen des deutschen Volkes.

So kafkaesk diese Wahrheitssuche auch ist, sie deckt nur mühsam zu, was der Fall Temme wie kein anderer Stolperstein in der NSU-Aufklärung belegen hilft.
Er kann dazu beitragen, bestimmte, vage Ausdeutungen aus dem Weg zu räumen.

Dazu gehört das von vielen geteilte Urteil, der Schlüssel für das „Komplettversagen“ sei schlampige Ermittlungstätigkeit der Polizei und ein institutioneller Rassismus, der die Ermittlungsrichtung leite.

Der Fall Temme in Kassel belegt eindrucksvoll, dass dieser Vorwurf einiges erklären kann, aber auch einiges zudecken und verbergen hilft, wenn es um die Gründe für Ermittlungssabotage, für den Schutz möglicher Mittäter oder Personen geht, die Täterwissen haben.

Die polizeilichen Ermittlungen waren in Kassel – im Gegensatz zu anderen NSU-Tatorten – durchaus konsequent, geradezu vorschriftsmäßig: Man ermittelte tatsächlich in alle Richtungen und stieß somit sehr schnell auf den hessischen Geheimdienstmitarbeiter Andreas Temme. Aufgrund der Beweismittel wurde er als Tatverdächtiger geführt und aufgrund seiner fortgesetzten Unglaubwürdigkeit abgehört – wochenlang und äußerst ergiebig. Dass die Polizei den Verfassungsschutz abgehört hatte, ist sicherlich keine Alltäglichkeit, umso aufschlussreicher sind die Protokolle, nachdem eine von Anwälten entdeckte Manipulation rückgängig gemacht werden konnte. Sie belegen aufs Eindringlichste, wie sich sein Vorgesetzter, LfV-Direktor Lutz Irrgang, wie sich der Geheimschutzbeauftragte des LfV, Gerald-Hasso Hess, bis hin zum hessischen Innenministerium darum bemühten, die polizeilichen Ermittlungen zu sabotieren und Andreas Temme dergestalt zu coachen, dass die in Telefonaten immer wieder erwähnte „Kasseler Problematik“ unter dem Teppich bleibt.

Dass dies kein zufälliges Zusammenspiel überirdischer Kräfte ist, hat bereits im Juni 2012 Gerhard Hoffmann, leitender Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums Nordhessen und damaliger Leiter der SOKO Café, gegenüber den Mitgliedern des NSU-Ausschusses in Berlin ausgesagt. Aus dem Gedächtnis gibt Mely Kiyak folgenden Dialog zwischen Mitgliedern des Untersuchungsausschusses (UA) und dem SOKO-Chef Gerhard Hoffmann (GH) wieder:

»GH: Innenminister Bouffier hat damals entschieden: Die Quellen von Herrn T. können nicht vernommen werden. Als Minister war er für den Verfassungsschutz verantwortlich.
UA: Er war doch auch Ihr Minister! Ist Ihnen das nicht komisch vorgekommen? Jedes Mal, wenn gegen V-Männer ermittelt wurde, kam einer vom Landesamt für Verfassungsschutz vorbei, stoppt die Ermittlung mit der Begründung, der Schutz des Landes Hessen ist in Gefahr. Aus den Akten geht eine Bemerkung hervor, die meint, dass man erst eine Leiche neben einem Verfassungsschützer finden müsse, damit man Auskunft bekommt. Richtig?
GH: Selbst dann nicht …
UA: Bitte?
GH: Es heißt, selbst wenn man eine Leiche neben einem Verfassungsschützer findet, bekommt man keine Auskunft.«
(FR vom 30.6.2012)

Eigentlich hatte der Leiter der ›SOKO Café‹ bereits sehr früh alles Nötige gesagt, wie die ‚Aufklärung’ vonstatten zu gehen hat. Er hat die ‚rote Linie’ gezogen – und alle haben sich daran gehalten. Bis heute.

Dass das Gericht in München diese ‚rote Linie’ ohne tödliche Gefahr überschreiten könnte, dass diese auch die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse in Berlin und Wiesbaden übertreten könnten und müssten, wäre ihre Aufgabe, ihre Pflicht.

Dass sie es dennoch nicht tun, liegt ganz sicher nicht an mangelndem Wissen, schon gar nicht an fehlenden Möglichkeiten.

Ermittlungsmethoden

Wer sich mit polizeilichen Ermittlungstätigungen und -methoden beschäftigt, wird schnell erfahren, dass dort ›der Zufall‹ – also die Lehre vom Unwahrscheinlichen – als Erkenntnismethode nicht vorkommt. Zu Recht. Denn polizeiliche Ermittlungsmethoden gehen vom Gegenteil aus: von der Wahrscheinlichkeit eines Geschehensablaufes. Denn weder die Polizei noch ein Staatsanwalt noch ein Richter kennen die Wahrheit. Sie könnten im besten Fall nur ein Geschehen rekonstruieren – mithilfe von Indizien, Zeugen und Spuren. Ausgangspunkt ist folglich nicht ein Geschehen, ein bestimmtes, sondern verschiedene Geschehensabläufe, die sich aus den ›Beweismitteln‹ ergeben. Das bekommt – in der Theorie – den Namen: Ermittlungen ialle Richtungen.

Am Ende dieses Ermittlungsprozesses bleibt ein Geschehensablauf, der aufgrund der vorhandenen Beweismittel in sich konsistent ist, am plausibelsten rekonstruiert werden kann.

Nimmt man alle uns vorliegenden Beweismittel im Fall Kassel zur Grundlage und handelt nach diesen polizeilichen Prämissen, dann kommt man zu einem recht eindeutigen Ergebnis:

Für den Geschehensablauf, den Polizei und Gericht für die Ereignisse in Kassel für plausibel halten, spricht so gut wie nichts: Es gibt keine einzige Zeugenaussage, die die NSU-Mitglieder Mundlos und Böhnhardt als unmittelbare Tatbeteiligte nahelegen.

Einzig und allein die Tatwaffe (eine Česká 83), die im Brandschutt des Hauses gefunden wurde, in dem auch die NSU-Mitglieder wohnten, lässt eine Täterschaft des NSU infrage kommen. Mehr nicht.

Das ist ein schwacher, um nicht zu sagen, hauchdünner Beweis. Denn damit ist weder geklärt noch bewiesen, dass die beiden NSU-Mitglieder auch die Täter waren – selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Waffe tatsächlich im Besitz der uns bekannten NSU-Mitglieder befand.

Gegen den Geheimdienstmitarbeiter Andreas Temme sprechen zahlreiche Indizien und Sachbeweise:

  1. Ein neonazistischer Hintergrund
  2. Ein Duz-Verhältnis zu dem V-Mann und Neonazi Benjamin Gärtner, der zum NSU-Netzwerk zählt
  3. Die Anwesenheit zur Tat- und Mordzeit
  4. Das Mitführen einer Plastiktüte, in der sich laut Zeugenberichten die Tatwaffe befunden haben könnte. Von dieser berichtete auch seine Ehefrau, in einem abgehörten Telefonat: »willst du nicht mal auf mich hören? Ich sage noch, ne, nimm keine Plastiktüte mit!« (tagesspiegel.de vom 8.6.2015)
  5. Das Auffinden von Handschuhen, an denen sich Schmauchspuren befinden, die identisch mit denen sind, die die Tatwaffe hinterlässt
  6. Die Verweigerung einer Zeugenschaft
  7. Zahlreiche Falschaussagen in Verbindung mit Absprachen von Falschaussagen
  8. Die Verhinderung der Aufklärung angeblicher ›privater‹ Umstände durch seine Vorgesetzten

Vergleicht man – ohne Ansehen der Person – die Indizien und Sachbeweise, die für eine Täterschaft der drei stets genannten NSU-Mitglieder und/oder für die (Mit-)Täterschaft von Andreas Temme sprechen, dann braucht man für dieses Ergebnis keine kriminalistische Ausbildung.

Geht man – gemäß der vorliegenden Beweismittel – von einer 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Täterschaft der uns bekannten NSU-Mitglieder aus, so belasten die restlichen 80 Prozent den hessischen Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme wegen möglicher Mittäterschaft bzw. Beihilfe zu Mord.

Fänden die polizeilichen Ermittlungsgrundsätze tatsächlich Anwendung, würde das Ermittlungsergebnis im Mordfall Kassel geradezu zwingend zu einer Anklage gegen Andreas Temme führen.

Dass dies bis heute nicht passiert ist, hat auch nichts mit Zufall zu tun.

Anders formuliert: Wenn die genannten „Beweismittel“ hinreichend die Täterschaft der beiden NSU-Mitglieder Mundlos und Böhnhardt belegen, dann müsste Andreas Temme zehn Mal lebenslänglich erhalten.

Jochen

Dringend: Spendenaktion gegen genitale Frauenverstümmelung in Burkina Faso und Sierra Leone

Leider ist der folgende Text nur auf Englisch. Aber es gibt offensichtlich einige staatliche Institutionen, die auf den gespendeten Betrag noch das dreifache drauflegen, wenn die Spende bis Freitag 6:00 eingeht.
Ich warte übrigens noch ungeduldig darauf, dass sich eine gleichwertige Initiative mal gegen das millionenfache genitale Verstümmeln von männlichen Babys v.a. in Israel, Großbritannien und den U.S.A. richtet, das aus mir unerfindlichen, mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbarenden Gründen selbst in Deutschland straffrei ist...
Siehe zu der Gefährdung meinen Blogbeitrag hier:
https://josopon.wordpress.com/2015/06/13/es-gibt-noch-hoffnung-erfolgreiche-penistransplantation-nach-trauma-durch-beschneidungsritual/
Man soll doch auch mal vor der eigenen Haustür kehren.
Den satirischen Beitrag von Ulrich Kelber habe ich schon 2012 mal herumgeschickt:

Berlin, 14. Juli 2012, dpa

Der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft der Tsatinaten, Herr F. Tatzix, gab heute in Berlin eine Presseerklärung ab, deren Wortlaut wir hier gekürzt wiedergeben.


„Die Tsatinaten sind eine Glaubensgemeinschaft, die vor mehr als 1.700 Jahren in den Anden entstanden ist, und die bisher ihre Religion in Deutschland nur im engsten Familien- bzw. Stammeskreis ausgeübt haben. Wir sind daher in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben.

Wir verehren Tsatinatel, unsere höchste Gottheit, die wir uns in Gestalt eines einzelnen schwebenden Auges vorstellen, das  uns jederzeit liebevoll und fürsorglich anblickt, solange wir im Stande der Gnade sind.

tatsinatel

Ermutigt durch die Äußerungen der Repräsentanten sämtlicher im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien zum „Beschneidungsurteil“ und nach der ermutigenden Entscheidung des Deutschen Ethikrates http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2012/pressemitteilung-09-2012/ können wir nunmehr jedoch den Schritt in die Öffentlickeit wagen und hoffen sehr, dass auch unser Recht zur freien Religionsausübung Eingang in den Gesetzentwurf finden wird.

In unserer Gemeinschaft ist es viele tausend Jahre alte Tradition, den 2-jährigen Knaben ein Auge auszustechen. Dies geschieht natürlich nach 

  1. umfassender Aufklärung und Einwilligung der Sorgeberechtigten
  2.  qualifizierter Schmerzbehandlung
  3.  fachgerechter Durchführung des Eingriffs sowie
  4.  Anerkennung eines entwicklungsabhängigen Vetorechts des betroffenen Kindes,

wie es der Deutsche Ethikrat gefordert hat.

Dabei entscheiden die nächsten Verwandten jeweils in einem mehrtägigen Ritual, ob das linke oder das rechte Auge des Knaben dem Tsatinatel, unserer höchsten Gottheit, als einzelnes Auge geopfert wird.
Die Enukleation des Auges gibt geistige Kapazitäten frei, die dann dem „Blick nach innen“ dienen können.

Leider mussten wir bisher dieses Ritual und den anschließenden heiligen Akt des Augenstechens (bei uns die „Bestechung“ genannt), heimlich im Verborgenen durchführen und den eigentlichen heiligen Akt regelmäßig als Unfall tarnen.

Wir sind sehr erfreut, dass uns in naher Zukunft ein Gesetz ermöglichen wird, aus dem Untergrund heraus zu treten und die Bestechung der Knaben nun öffentlich vornehmen zu lassen.

Hierfür möchten wir uns schon jetzt ganz herzlich bei den Initiatoren des Gesetzes bedanken!

xyz Hoherpriester der Tsatinatischen Glaubensgemeinschaft“

Und hier der Spendenaufruf von AI Großbritannien:
For the next 72 hours every £1 you donate will equal £4. Will you join the revolution against FGM?
View this email online:

http://webmail.amnesty.org.uk/_act/link.php?mId=J9187964728817089710428826523320&tId=218962349&subjId=89419

Amnesty International UK

‚It is a pain that remains with a woman for life‘

        Bibata Ouedrago, women’s rights activist, Burkina Faso.

Today you have the opportunity to make a real difference to the lives of thousands of girls at risk of female genital mutilation (FGM).

We are working with local activists in Burkina Faso and Sierra Leone to change attitudes and stand up for the rights of women and girls.
They are leading a revolution, but they need your help.

 

Until 6pm on Friday every £1 you donate will be worth £4 – at no extra cost to you.*


Joachim, will you join the revolution against FGM?

Donate now – make four times the impact    
 
 Dear Joachim,

‘The pain these women suffer is an atrocious, unforgettable pain. I can say this personally. I was mutilated. It is a pain that remains with a woman for life’ – Bibata Ouedrago, women’s rights activist, Burkina Faso.

When Bibata Ouedrago was a young girl, her genitals were cut. It was an experience so painful and traumatic that she is still haunted by it.
And she is not alone – an estimated 76 per cent of all women living in Burkina Faso have experienced a form of FGM.
And for all of life-long damage it can do to a woman’s health, it has no positive outcomes. Not one. Put simply, it is a violation of the rights of women and girls.

But Bibata and other women’s rights activists like her are leading a revolution against FGM. Through community workshops, theatre performances and local radio broadcasts, they are changing traditional attitudes in their communities. Will you join them?

Donate to help end FGM now and every £1 you give will be worth £4*

There is still so much to do. Working with activists like Bibata, we aim to reach 8,000 girls across Sierra Leone and Burkina Faso who are at risk. 

For the next 72 hours every £1 you donate will be multiplied by four.*
So if you donate £25 it will be topped up to £100 at no extra cost to you

Donate now and make four times the impact!

Thank you so much for your support, together we can end FGM in Burkina Faso and Sierra Leone.
 
Best wishes,
Olivia Fleming
Head of Individual Giving
Amnesty International UK

*Thanks to matched funding from the UK Government, The Mohamed S. Farsi Foundation and other friends of Amnesty International, all donations you make before 6pm Friday 8 July – up to a total of £50,000 – will be worth four times the amount you give.
After the total is reached, all gifts to this appeal before 18 July will still be doubled by the UK government.

Donate now – make four times the impact

Supporting Amnesty with a regular gift or donation is the best way you can help us achieve our long term goals.
Your help will allow us to keep up the pressure,
demanding justice for victims of human rights abuses.