November 2022: Ökum. Friedenswochen in Aalen, Motto: ZUSAMMEN:HALT

Zusammen-halt2022Für alle Friedensbewegte aus der Region! Wer von Nördlingen aus eine Mitfahrgelegenheit zu einer Veranstaltung sucht, bitte melden bei jochenmabuse@web.de !

Aalener Friedensbündnis

​Krieg ist keine Lösung! So lautet das – sehr aktuelle – Motto des „Aalener Bündnisses für den Frieden“. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von 22 Initiativen aus dem gewerkschaftlichen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Bereich.

  • Freitag, 4. Nov. 2022, 15 Uhr Busrundfahrt zum Nachdenken – Rüstungsfirmen und militärische Einrichtungen im Ostalbkreis. Abfahrt beim Aalener Hauptbahnhof. Moderner Reisebus. Fahrtkostenbeitrag zwischen 10 und 20 Euro, je nach Selbsteinschätzung. Rückkehr 18 Uhr. Veranstalter: Deutsche Friedensgesellschaft, DFG-VK. Anmeldungen an Rainer.Schmid @ ELKW. de
  • Sonntag, 6. Nov. 2022, 10 Uhr Gottesdienst zur Eröffnung der Aalener Friedenswochen, Evangelische Stadtkirche Aalen
  • 7. + 14. Nov. 2022 (zweimal montags), jeweils 18.10 Uhr: Friedensgebet vor der Stadtkirche, Informationen unter Telefon: 07361-95620, Pfarrer Bernhard Richter
  • Di., 8. Nov 2022, 18 Uhr: Mahnwache am Stolperstein für Fanny Kahn vor dem Haus Oesterleinstraße 10, anschließend am Georg-Elser-Platz, beides in Aalen
  • 24. Okt. – 21. Nov 2022: Ausstellung zu den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDG) der Vereinten…

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Großbritannien – mehr Tote durch Lockdowns als durch Corona? Interessengeleitete Forschung im Dienste der I ndustriegewinne

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Schon 2021 bin ich ber eine Verffentlichung in einem serisen Journal zur Epidemiologie gestolpert, worin nachgewiesen wurde, dass man, um 3 Menschen vor dem Tod durch Corona zu retten, den To von 2 Menschen durch Prventivmanahmen und Impfungen in Kauf nehmen msse. Das erschien mir damals noch unglaubwrdig.
Nach dem, was ich heute wei darber, wie Statistiken frisiert und die Untersuchung von Langzeitfolgen durch Vernichten der Vesuchstiere von Pfizer sabotiert wurde, finde ich das nicht mehr so unglaubwrdig.
In diese Richtung geht auch diese Nachricht der „serisen“ Daily Mail:
dailymail.co.uk/news/article-11125573/Effects-lockdown-causing-deaths-Covid.html
Der pharmakritische Autor Prof. Dr. Christian Krei herzu:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=87558Auszge:

In Grobritannien findet momentan eine bemerkenswerte Diskussion ber die vergangenen Lockdown-Manahmen statt. Einer der beiden konservativen Regierungschef-Kandidaten, der bisherige britische Finanzminister Rishi Sunak, hat diese Diskussion vor wenigen Tagen dramatisch intensiviert.
Der staatliche Nachrichtensender BBC berichtete am 25.8.2022[1] ber die Aussagen von Rishi Sunak gegenber der Zeitschrift The Spectator: Ministern sei es untersagt worden, ber Kollateralschden (trade-offs) der Lockdowns zu diskutieren[2];
es sei falsch gewesen, eine staatliche Angstkampagne zu fahren. Das Regierungs-Script sei ein ungerechtfertigtes Angst-Narrativ gewesen (the fear narrative). Die vorgegebene Leitlinie sei gewesen: Es gibt keine negativen Auswirkungen.[3]
Interne Kritik in dem wissenschaftlichen Beratungsgremium (SAGE) sei nicht verffentlicht worden. Auerdem bemerkt BBC, dass Rishi Sunak mit diesen Aussagen bei einem erheblichen Teil der konservativen Parteimitglieder auf Zustimmung stoen drfte.
Das Finanzministerium unter Sunak habe sich seit langem gegen viele Covid-Manahmen gewehrt, versucht, Covid-Tests so frh wie mglich zu beenden, habe den Kauf von Antiviren-Mitteln abgelehnt und habe von vorneherein nicht hinter dem Impfplan gestanden. Von Christian Krei

Kritik in der Daily Mail

Das sind bemerkenswert kritische Aussagen zur Corona-Regierungspolitik seit Mrz 2020, die hier im britischen Staatssender zur Sprache kommen.
Aber nicht nur BBC berichtet erstaunlich kritisch zu den Regierungsmanahmen, sondern bereits eine Woche vorher, am 19.8.2022, erschien im Daily Mail ein Artikel mit der berschrift: Auswirkungen der Lockdowns knnten mehr Tote verursachen als Covid: Befrchtungen steigen ber eine stille Gesundheitskrise, da das nationale Statistikamt in den letzten beiden Monaten beinahe 10.000 mehr Tote feststellt als im Fnf-Jahres-Durchschnitt von denen keiner mit dem Virus zu tun hat.[4]
Demnach lag die Zahl der Todesflle seit Juni um 14,4 Prozent ber dem Fnfjahresdurchschnitt.

Seit Anfang Juni 2022 habe es beinahe 10.000 mehr Tote ohne Bezug zu Covid gegeben als im Fnfjahresvergleich. Diese Zahl sei ber dreimal so gro wie die Zahl derjenigen, die im selben Zeitraum an Covid starben.
Die Zeitung The Telegraph habe berichtet, dass das Gesundheitsministerium eine Untersuchung zu den Hintergrnden angeordnet haben knnte. Denn die Lockdowns htten die Behandlungen von Krebs, Diabetes und Herzerkrankungen aufgeschoben. Die British Heart Foundation sei tief besorgt ber diese Erkenntnisse. Die Stroke Association, die sich um Schlaganflle kmmert, habe gesagt, sie habe diesen Anstieg von Todesfllen seit einer ganzen Weile vorhergesehen.[5]

Daily Mail zitiert den Privatarzt Dr. Charles Levinson: Hunderte und Hunderte von Leuten sterben jede Woche, was ist los? Verschiebungen von Arztbesuchen und behandlungen sind meiner Meinung nach die treibende Kraft.
Die tglichen Covid-Statistiken beanspruchten die nationale Aufmerksamkeit, dagegen finden diese schrecklichen Zahlen kaum Beachtung.
Eine vollumfngliche und dringende Regierungsuntersuchung sei sofort ntig.[6]

Der Spectator schliet sich der Kritik an

Fr besonderes Aufsehen sorgte jedoch krzlich eine sehr ausfhrliche Berichterstattung des Spectator ber ein Gesprch mit Rishi Sunak, dessen Printversion am 27.8. erschien.[7]
Die Hauptaussagen von Sunak lauten, es habe keine sachgeme Kosten-Nutzen-Abwgung der Covid-Manahmen stattgefunden[8], abweichende Meinungen seien ausgeschlossen oder nicht erwhnt worden und zwar sowohl innerhalb der Regierung wie innerhalb des wissenschaftlichen Beratungsgremiums SAGE, man habe ihm verboten ber die Kollateralschden zu sprechen[9] und seine Kritik an dem Angst-Narrativ sei entrstet zurckgewiesen worden.
Eine seiner Kernaussagen lautet: Die ffentlichkeit wurde geistlos in Angst versetzt und ber die wahrscheinlichen Kollateralschden im Dunkeln gehalten. Wir halfen, das zu verbreiten: mit den Angstbotschaften, mit der Ermchtigung von Wissenschaftlern und indem wir nicht ber die schdlichen Nebenwirkungen sprachen.[10]

Die Rolle der Wissenschaft

Der Spectator-Artikel hebt die zentrale Rolle der beteiligten und der ausgeschlossenen, nicht zu Worte kommenden Wissenschaftler hervor.
Am Anfang, bis etwa Mitte Mrz 2020, habe der wissenschaftliche Rat gelautet, Lockdowns abzulehnen oder zumindest zu verzgern. Das alles nderte sich, als Neil Ferguson und sein Team vom Imperial College ihren berhmten Report 9 verffentlichten.[11]
Die verheerenden Prognosen dieses Report 9, falls Grobritannien keine strengen und langanhaltenden Lockdwons einfhre, stellten sich laut Spectator im Nachhinein als starke bertreibung heraus. Die Annahmen und Ergebnisse seien nie berprft worden. Eine Kosten-Nutzen-Analyse habe nie stattgefunden.

Der Report 9, Professor Lockdown und das Imperial College

Der Report 9 wurde am 16.Mrz 2020 von dem britischen Epidemiologen und Professor fr mathematische Biologie, Neil Ferguson vom angesehenen Imperial College London zusammen mit 30 anderen Forschern verffentlicht. Es war eine wissenschaftliche Studie, die dramatische Auswirkungen auf die angelschsische Welt und kurz darauf auf fast die ganze brige Welt hatte.
Der Report 9 vom Imperial College COVID-19 Response Team[12] baute auf einem mathematischen epidemiologischen Modell auf. Es sprach von der grten Gesundheitsbedrohung durch ein Atemwegsvirus seit der Grippewelle von 1918. Falls keine politischen Gegenmanahmen ergriffen wrden, sagte der Report 550.000 Tote fr Grobritannien und 2,2 Millionen Tote fr die USA voraus sowie eine 30-fache berlastung der Krankenhausbetten.[13]

Der Bericht empfahl daher einen harten Lockdown aus einer Kombination von Fallisolierung, Social Distancing fr die gesamte Bevlkerung und entweder eine generelle Haushaltsquarantne oder Schul- und Universittsschlieungen. Nur dadurch knne eine berlastung des Gesundheitssystems und ein Mangel an Krankenhausbetten vermieden werden, solange kein Impfstoff zur Verfgung stnde.
Der harte Lockdown msse, auch wenn zwischenzeitliche Lockerungen mglich wren, mglicherweise 18 Monate oder mehr[14], bis ein Impfstoff zur Verfgung stnde, aufrechterhalten werden. Fr das Paper wurde ein harter Lockdown von zunchst fnf Monaten modelliert.[15]

Die Auswirkungen des Report 9

Der Report 9 hatte sensationelle Auswirkungen. Kurz nach seinem Erscheinen verhngten zahllose Staaten auf der ganzen Erde einen harten Lockdown mit meist genau den Manahmen, die Ferguson und seine Mitstreiter vorgeschlagen hatten. Beispielsweise wurden in 150 Lndern Schulschlieungen durchgefhrt, die allein bis Ende Mai 1,2 Milliarden Schulkinder (etwa 70 Prozent aller Schulkinder weltweit) betrafen.
Der Report 9 war vielleicht das folgenreichste wissenschaftliche Paper aller Zeiten. Neil Ferguson wurde in der britischen Presse daraufhin als Professor Lockdown betitelt. Bis weit ins Jahr 2021 hinein basierten fast alle Lockdown-Manahmen weltweit sowie die Begrndungen dafr im Kern auf der Argumentation dieses Papers.

Umso erstaunlicher ist es, dass laut Spectator und Rishi Sunak bis heute keine wissenschaftliche berprfung der Aussagen des Report 9 stattgefunden hat. Und das, obwohl sich herausgestellt habe, dass das Paper stark bertrieben habe.[16]

Der track-record von Professor Lockdown

Wie kam es zu den groben Fehlangaben des Report 9? Werfen wir dazu einen kurzen Blick auf frhere Prognosen von Neil Ferguson. 2002 sagte er bis zu 150.000 Tote durch BSE (Rinderwahn) voraus nicht bei Khen, sondern bei Menschen. Tatschlich gab es damals etwa 2.700 Tote. Das entspricht einer 55-fachen berschtzung.
Bei der Schweinegrippe 2009 prognostizierte er 65.000 Tote fr Grobritannien, tatschlich kam es zu 457. Das entspricht einer Fehlschtzung um den Faktor 142.
Und bei der Vogelgrippe sagte er 2005 200 Millionen Tote weltweit voraus es kam aber nur zu 455[17] eine Fehlschtzung um den Faktor 439.000. Der Mann scheint keine glckliche Hand bei Vorhersagen zu haben.

Aber eine Konstante durchzieht smtlichen katastrophalen Fehleinschtzungen von Professor Neil Ferguson:
Er irrte immer und ausschlielich zu Gunsten der Impf- bzw. Pharmaindustrie.

Warum wurde ein solch zertifizierter Fehlprognostiker zur wissenschaftlichen Schlsselfigur bei der Corona-Bekmpfung ernannt? Wer genau hat diesen Mann in diese fhrende Rolle gebracht?
Wer hat entschieden, dass genau er die grtmgliche mediale Aufmerksamkeit, den maximalen medialen Impact erfhrt, whrend andere renommierte Wissenschaftler mit weit weniger abstrusen Aussagen kein Gehr in der ffentlichkeit fanden, sondern sogar diffamiert wurden?
Warum oder besser: Wozu? Jemand mit gesundem Menschenverstand wrde einem solchen ausgewiesenen Fehlprognostiker mit einem derartigen track-record von systematischen Fehlaussagen niemals mehr trauen.

Was steckt dahinter?

Eine interessante Konstante, die sich durch das gesamte Ferguson-Paper zieht, ist der mantraartig wiederholte Hinweis auf die Notwendigkeit einer Impfung. Ohne Impfung keine Chance auf Normalitt. Wie kommt das?

Im Jahr 2020 erhielt das Imperial College London ber 79 Millionen Dollar von der impffreudigen Bill and Melinda Gates-Foundation[18], seit 2010 bis Herbst 2020 insgesamt knapp 190 Millionen Dollar. Auch die Arbeit von Ferguson ist offenbar direkt von der Gates-Foundation mitfinanziert.[19] Das Imperial College arbeitet eng mit der Pharmaindustrie zusammen.
Ein paar wenige Beispiele: 2015 wurde ein gemeinsames Labor mit GlaxoSmithKline (GSK) gegrndet, am Imperial College werden regelmig Reden von hochkartigen Pharmavertretern gehalten, so 2019 von Sheuli Porkess, Deputy Chief Scientific Officer des Verbandes der britischen Pharmaindustrie oder von Mark Toms, dem Chief Scientific Officer von Novartis Pharmaceuticals UK; 2018 von Toni Wood, Senior Vice President von GSK: er hielt den Erffnungsvortrag der jhrlichen Konferenz des hauseigenen Institute for Molecular Science and Engineering (IMSE) usw. Kurz: es bestehen offenbar langjhrige enge freundschaftliche Bande mit der Pharmaindustrie und der Gates-Stiftung, die beide grtes Interesse daran haben, Massenimpfungen durchzufhren. (vgl. dazu Th. Rper)

Wie ausgewogen ist die wissenschaftliche Forschung von Menschen oder Instituten, die so stark mit der gewinnmaximierenden Industrie zusammenarbeiten und hohe Geldzahlungen von Impfpropagandisten erhalten?
In meinen beiden Bchern zu gekaufter Wissenschaft[20] habe ich zu zeigen versucht, dass diese Art von Wissenschaft sehr problematisch ist und im Normalfall das Gemeinwohl bzw. die Gesellschaft schdigt. Und genau das tat Neil Ferguson in ungeheurem Ausma.
In meinen Augen handelt es sich hier um interessengeleitete Forschung im Dienste der Industriegewinne und zu Lasten der Wohlfahrt der Menschheit.
Der gesundheitliche, konomische, soziale und menschliche Schaden, der durch die harten Lockdowns weltweit angerichtet wurde, ist in der jngeren Wirtschaftsgeschichte einzigartig und drfte bei Weitem deren Nutzen bertroffen haben, wie sich mehr und mehr herausstellt.

Zuletzt ein kurzer Blick nach Deutschland. Auch bei uns wurde ein Wissenschaftler in den Medien hochgespielt und zum Hauptregierungsberater ernannt, der einen uerst schlechten track-record im Prognostizieren von Virenverlufen hat: Christian Drosten.
Drosten sagte im Mai 2010 zur Schweingrippe es gebe eine drastische Zunahme der Erkrankungen in Sddeutschland. Er gehe davon aus, dass die Welle von Sden aus in einem Zeitraum von fnf bis sechs Wochen ber Deutschland hinwegziehenwerde. []
Drosten rief dringend dazu auf, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende allgemeine Virusinfektion, die erheblich strkere Nebenwirkungen zeitigt als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellenkann.[21]
Das waren alles komplette Fehleinschtzungen. Und ein solcher Virus-Fehlprognostiker durfte seit 2020 in Deutschland mageblich Medien und Politikmanahmen beeinflussen, whrend serise Wissenschaftler mit sehr viel realistischeren Einschtzungen verunglimpft wurden und werden.
Eine andere interessante Frage ist, weshalb Christian Drosten Universitts-Professor wurde, ohne habilitiert zu sein.[22]

Fazit

Wir sollten umdenken und beim Umgang mit Corona von Grobritannien lernen, das sich einer sehr viel offeneren, demokratischeren, freieren und kritischeren Auseinandersetzung ber die Lockdowns und andere Covid-Manahmen stellt als Deutschland.

Titelbild: Alonafoto/shutterstock.com

Zum Autor: Prof. Dr. Christian Krei, Jahrgang 1962: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU Mnchen. Neun Jahre Berufsttigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor fr BWL mit Schwerpunkt Investition, Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Autor von sieben Bchern: Gekaufte Wissenschaft (2020); Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft (2019); BWL Blenden Wuchern Lamentieren (2019, zusammen mit Heinz Siebenbrock); Werbung nein danke (2016); Gekaufte Forschung (2015); Geplanter Verschlei (2014); Profitwahn (2013). Drei Einladungen in den Deutschen Bundestag als unabhngiger Experte (Grne, Linke, SPD). Zahlreiche Fernseh-, Rundfunk- und Zeitschriften-Interviews, ffentliche Vortrge und Verffentlichungen. Mitglied bei ver.di und Christen fr gerechte Wirtschaftsordnung. Homepage menschengerechtewirtschaft.de

Die Linke und Corona – postideologischer Totalitarismus?

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Eine sehr ernst zu nehmende, aber für Nicht-Psychoanalytiker schwer verständliche Analyse im Neuen Deutschland:
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162247.die-linke-und-corona-ein-postideologischer-totalitarismus.html
Auszüge:

Die Linke hat gravierende Maßnahmen wie die Lockdowns unterstützt, obwohl diese die Ungleichheit verschärft haben und der Staat autoritärer geworden ist.
Ist die dadurch entstandene Verwirrung das Anzeichen einer neuen Form des Totalitären?
Versuch einer Klärung und Diskussionsbeitrag zu einer Debatte über die Linke und Corona

  • Von Tove Soiland

Zuweilen konnte man sich in den vergangenen zwei Jahren nur wundern, mit welcher Selbstverständlichkeit der Großteil der Linken davon überzeugt war, in ihrer vorbehaltlosen Unterstützung der rigorosesten staatlichen Corona-Maßnahmen auf der politisch richtigen Seite zu stehen, auf der linken nämlich. Man habe der Wissenschaft zu folgen, hieß es, es sei ein Gesundheitsnotstand, alles andere sei irrational.
Als hätte es in Deutschland nie eine problematische Indienstnahme der Medizin gegeben, die sich in das Gewand von Wissenschaftlichkeit und Fortschritt kleidete – was uns eigentlich die politische Pflicht auferlegte, genau in diesem Feld besonders wachsam und vorsichtig zu sein.
mona lisa with face maskDoch die Mehrheit der Linken tut bis heute das Gegenteil: Wer berechtigte Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen äußert, deren Wirksamkeit nie evidenzbasiert untersucht wurde, wird kurzerhand in die rechte Ecke gestellt, das Gespräch verweigert; Rückfragen an die Zweckmäßigkeit von Massenimpfungen, ja, überhaupt die Frage, warum die Impfung der einzige Ausweg aus der Krise sein soll, wird mit dem Hinweis auf »die Wissenschaft« als reaktionäre Antifortschrittshaltung von rechten Esoterikern und Sozialdarwinisten abgetan – obwohl namhafte Wissenschaftler seit Beginn der Krise darauf hinwiesen, dass eine Impfung gegen Coronaviren als Mittel der Immunisierung der Bevölkerung nicht funktionieren werde.

An einer ernsthaften wissenschaftlichen Auseinandersetzung scheint man merkwürdigerweise gerade im linken Lager bis heute nicht wirklich interessiert.
Stattdessen ist man mit Worten rasch zur Hand und nimmt es mit der Logik nicht allzu genau: Wer von Diktatur spricht, verharmlose wahre Diktaturen und sei damit ein Holocaustleugner.
Eine Mutter, die ihr Kind nicht impfen lassen will, als Nazi zu beschimpfen, ist aber kein Problem und auch, dass damit die Frage des Antisemitismus völlig sachfremd instrumentalisiert wird. Hauptsache man wähnt die Moral auf seiner Seite. Jedenfalls beansprucht dieser linke Diskurs, in Sachen Schutz der Bevölkerung der einzig legitime Standpunkt zu sein und seine Vertreter sind überzeugt davon, mit dieser Haltung rechtes Gedankengut abzuwehren. Doch stimmt das auch?

Eurozentrismus statt Globalisierungskritik

Das Frappanteste ist, wie weitgehend sich die Linke seit Beginn der Coronakrise aus ihren angestammten Kritikfeldern, allen voran der Kritik an den internationalen Organisationen der Globalisierung verabschiedet hat, sodass ihre Haltung in weiten Teilen etwa von derjenigen des World Economic Forums und seines Begründers Klaus Schwab kaum mehr zu unterscheiden ist.
Dass durch die Maßnahmen, nicht durch das Virus, weltweit mit 20 Millionen mehr Hungertoten zu rechnen ist, wie Oxfam schon im letzten Sommer warnte; dass die Impfallianz Gavi, von der auch die jetzige Impfkampagne ausgeht, in ihrer Vergangenheit immer wieder negative Schlagzeilen machte – unter anderem, weil sie in Indien und Afrika Impfungen mit der Massensterilisierung von Frauen verbanden; ja, dass die von der WHO instrumentierte Corona-Politik, wie Toby Green in seinem Buch »The Covid Consensus. The New Politics of Global Inequality« darlegt, global gesehen, zu einer massiven Verschärfung der eh schon skandalös großen sozialen Ungleichheit führt: Dass all dies kein Thema für die Linke mehr sein soll, hat etwas Unfassbares. *)

Weil es um den Schutz der Bevölkerung geht? Aber um was für einen Schutz kann es sich dabei handeln, wenn weltweit ein Großteil der Bevölkerung seiner Existenzgrundlage beraubt wird, wenn, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen berechnet, dadurch weltweit 70 bis 161 Millionen mehr Menschen hungern und, wie die Uno berechnet, 140 Millionen Kinder zusätzlich in Armut gestürzt werden?
Um welches Leben also geht es, wenn vom »Leben retten« die Rede ist? Nur um westliches, weißes? Ist das kein Rassismus?
Und ist es sozialdarwinistisch oder gar rechts, solche Fragen zu stellen – und nicht vielmehr links?

Angesichts dieser weltweiten Umverteilung von unten nach oben lässt sich jedenfalls nicht sagen, dass die westlichen Staaten mit ihrer Corona-Politik den Kapitalinteressen in die Quere gerieten.
Ja, es ist umgekehrt nicht von der Hand zu weisen, dass viele der Maßnahmen – ob bewusst dafür eingesetzt oder nicht, sei einmal dahingestellt – der Durchsetzung eines neuen Akkumulationsregimes dienen. Umso erstaunlicher ist es, dass die immer autoritärer werdende Staatsform kein Thema mehr sein soll. Denn diese setzt etwas fort oder fügt sich jedenfalls problemlos in das ein, was schon seit längerem als autoritärer Neoliberalismus bezeichnet wird: Eine illiberale Version des Neoliberalismus – falls dies nicht überhaupt seine Grundform ist -, die sehr gut, wenn nicht sogar noch besser ohne das auskommt, was wir gemeinhin als bürgerliche Freiheit bezeichnen.
Der digitalisierte Mensch im Homeoffice, der sich von Amazon beliefern lässt und der gelernt hat, sein Dasein auf die warenförmige Befriedigung von Bedürfnissen zu reduzieren: In dieser digitalen Dystopie braucht es keine Sphäre des Politischen mehr, da Experten die Steuerung, die dann auch nicht mehr politisch sein wird, übernommen haben werden – auch die Steuerung des Fußvolkes von Heloten, die die materielle Basis dieser Dystopie bereitstellen.
Wir sind immer noch im Kapitalismus und der Staat stellt sich immer noch, mit autoritären Mitteln, in dessen Dienst, aber sein Gesicht hat sich verändert.

Geschmeidig smarte Exponenten

So betrachtet haben wir es mit dem – verwirrenden – Umstand zu tun, dass der Staat in seinem autoritären Charakter den Kapitalinteressen dient, womit er der Definition eines rechten autoritären Staates entspricht, ohne dass er es dabei nötig hat, auf das zurückzugreifen, was wir gemeinhin als rechte Ideologien bezeichnen: offene Rassismen, konservative Werthaltungen und einen Anti-Egalitarismus.
Im Gegenteil: Dieser Staat kommt im Gewand der »Political Correctness« daher, seine Exponenten sind geschmeidig smart, nicht fanatisch polternd, und sie sprechen viel vom Guten für die Welt. **)
Sie sprechen von Inklusion, auch wenn sie dabei einen Gutteil der Bevölkerung von fast allem, was an gesellschaftlichem Leben noch verblieben ist, ausschließen, und zwar im Namen des Fortschritts. Dieser Staat – und dieser Kapitalismus – braucht die alten Insignien rechter Ideologien ganz einfach nicht mehr. Im Gegenteil: Ich meine, dass rechte Ideologien überhaupt dysfunktional für die Erfordernisse der heutigen Kapitalakkumulation geworden sind.

Wenn wir wie gebannt und, ich würde sagen, mit einer guten Portion moralischer Selbstgerechtigkeit auf die Szenen starren, die sich zuweilen am Rande der maßnahmenkritischen Demonstrationen abspielen, verpassen wir es, dieses Auseinandertreten von rechter Ideologie und rechtem Staat zu verstehen und die Gefahr wahrzunehmen, die von letzterem ausgeht: von einem Staat, der sich zunehmend in Richtung dessen entwickelt, das ich in Anlehnung an den italienischen Psychoanalytiker Massimo Recalcati als »postideologischen Totalitarismus« bezeichnen möchte.

Doch auch wenn wir eine Gefahr von rechts befürchten: Es ist absolut unverständlich, warum die Linke, die seit Anfang der Coronakrise nichts Besseres zu tun weiß als mit dem moralischen Zeigefinger auf rechts zu zeigen, sich weigert anzuerkennen, dass die Politik der weltweiten Verelendung, die die Linke mitträgt, der beste Nährboden für rechte Bewegungen ist.
Rechte Ideologien greifen nämlich dort, wo Menschen in eine ökonomisch ausweglosen Situation geraten sind.
Es ist die Linke, die mit ihrer Haltung das Feld der berechtigten Kritik der Rechten überlassen hat, weil sie sich weigern, irgendetwas in Frage zu stellen, obwohl die Ungereimtheiten sich längst bis zum Himmel türmen. Sie sind verantwortlich für einen Zulauf nach rechts, wenn es ihn denn geben wird.
Doch die neue Gefahr wird nicht von rechts kommen. Sie scheint mir vielmehr in dieser neuen postideologischen Konstellation zu liegen: Vielleicht müssten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass der heutige Staat zwar autoritär ist, dass er mit diesem Autoritarismus dem Kapital dient und demnach der Definition eines rechten Totalitarismus entspricht, aber ohne dass er sich dabei klassisch rechtsextremer Ideologie bedient.

Grenzenlose Unterwerfung

Jacques_LacanMit dem Begriff des Postideologischen verbindet die marxistische Lesart des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan ganz allgemein jene »ideologische« Konstellation, die der kapitalistischen Produktionsweise am adäquatesten ist. Dabei greifen diese Ansätze auf eine Feststellung Lacans zurück, dass der kapitalistischen Produktionsweise eine totalitäre Tendenz inhärent ist, deren Autoritarismus sich gerade nicht aus der Verpflichtung auf ein höheres Ideal herleitet, dem »ideellen« Gehalt der deshalb so genannte Ideologie, sondern umgekehrt aus dem Schwinden oder Bedeutungsverlust jeglichen Ideals.
Dass der im Zuge des fortschreitenden Kapitalismus vorangetriebene Untergang der väterlichen Autorität ein Vakuum hinterließ, das in Gestalt des Führers von einer pervertierten Vater-Figur wieder eingenommen werden konnte – dem Vater der Urhorde, wie ihn der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud nannte -, dies ist eine These, die viele psychoanalytisch orientierte Zeitdiagnosen des Nationalsozialismus teilen. Auch Lacan steht in dieser Tradition, indem er bereits in seiner Dissertation von 1938 festhält, dass Freud nur deshalb die Rolle des Vaters ins Zentrum seines Denkens stellen konnte, weil dessen Bedeutung zu seiner Zeit bereits im Untergang begriffen war.

Doch anders als die Theoretiker der »vaterlosen Gesellschaft« interessiert Lacan sich für den mit diesem Schwinden verbundene Zusammenbruch der symbolischen Dimension.
Es ist nicht länger der »Diskurs des Herrn«, also die traditionell ödipale Konstellation mit ihren Gesetzen und Verboten, auch nicht seine Pervertierung in Form eines Urvaters. Es ist vielmehr die mit dem Schwinden des Namens des Vaters verbundene Aufhebung der »symbolischen Kastration«, die in Lacans Gegenwartsdiagnose eine Tendenz zum Totalitären aufweist.
Denn das Schwinden der symbolischen Schranke lässt das Reale mit seinem Versprechen einer totalen Ermöglichung in den Vordergrund treten: dem uneingeschränkten, da nicht symbolisch vermittelten Zugangs zum Genießen, aber auch der totalen Administrier- und damit Optimierbarkeit des Lebens.
Diese psychoanalytische Version der Biopolitik hebt ein totalitäres Moment hervor, das in der Auslöschung der Dimension des Subjektes liegt. Dies nicht so sehr deshalb, weil die Biopolitik in ihrem Allgemeinheitsanspruch das Individuum überrollt, sondern weil diese Ermöglichung in ihrer Entgrenzung das Subjekt einem Zwang zur grenzenlosen Optimierung unterwirft, die seinem Begehren nach einer Dimension jenseits des reinen Lebens keine Rechnung trägt.
Das Postideologische reduziert das Dasein auf die Immanenz des Lebens und entkleidet es so jeder transzendenten Dimension. In der Wüste des Realen sind wir zum Biotop geworden.

Hypermoderner Hygienismus

Erstaunlicherweise hat der italienische Psychoanalytiker Massimo Recalcati bereits vor 15 Jahren in Anlehnung an Lacans Überlegungen die These aufgestellt, dass der postideologische Totalitarismus sein bevorzugtes Tätigkeitsfeld auf dem Gebiet der Gesundheit findet und prägte dafür den Begriff des »hypermodernen Hygienismus«.
Recalcati verbindet damit eine Macht, die angeleitet von einem »hoch spezialisierten Wissen« die Führung des Lebens technisch-wissenschaftlichen Praktiken zugänglich machen will.
Dabei greift diese »horizontale Regierung des Lebens« nicht auf offene Formen von Gewalt zurück, sondern auf aseptische Evaluations- und Auswertungsverfahren. Sie hat nicht die Form repressiver Verbote, sondern »jene der fälschlicherweise als fortschrittlich verstandenen einer allgemeinen Quantifizierung des Lebens«.
Dieser Drang zur Vermessung hat jedoch den fatalen Effekt, dass das Begehren verschwindet. Er vergisst die Dimension einer strukturellen Versehrtheit des Lebens und versucht stattdessen, »nach Maßgabe einer verrückten moralischen Pädagogik«, anzugeben, welches das richtige Verhältnis zum Glück ist.
Diese – in Recalcatis Worten – »Ideologie des Wohlbefindens« verpflichtet uns auf das Prinzip des Guten; in ihr ist das »hygienische Ideal der Gesundheit« das einzige noch verbleibende Ideal, sie lässt der »antihedonistischen Dimension« des Begehrens, das nicht einfach nach dem reinen Wohlergehen strebt, keinen Raum. Denn es gibt kein richtiges Maß für das Begehren, es gibt, wie Recalcati festhält, »keine Möglichkeit anzugeben, was das richtige Verhältnis zum Realen wäre, was das allgemeingültige Maß für ›Glück‹ wäre, weil das Glück nie nach einer vorgegebenen normativen Skala bewertet werden kann, die allgemein gültig wäre. Wenn dies geschieht – und es geschieht heute mittels einer propagandistisch verbreiteten Medikalisierung der Gesundheit -, so sind wir, wie Lacan stets betont, nur noch einen Schritt von jener ›innerlichen Katastrophe‹ entfernt, die wir Totalitarismus nennen.«

Liest man Recalcatis Text vor dem Hintergrund der vergangenen zwei Jahre, so muss es einem erscheinen, als hätte er eine Dystopie vorweggenommen, die nun real geworden ist.
Denn wir sehen alle Züge eines hypermodernen Hygienismus: Nicht nur ist das szientistische Wissen zu einem »unerhörten Imperativ des Guten« geworden, der uns die Gesundheit als neue soziale Pflicht auferlegt.
In seinem Rigorismus kann dieser Imperativ auch jederzeit in sein Gegenteil kippen: in ein technokratisch-aseptisches Verständnis von Gesundheit, das uns krank macht.
Die erbarmungslose Akribie, mit der die Gesundheit verfolgt wird, gleicht in dieser Janusköpfigkeit einem profanen Glauben an das Leben, der sich trotz seines Glaubenscharakters von jeglicher Transzendenz entbindet.
Was wir hier vor uns haben, ist jene von Lacan beschriebene grausame Dimension des Über-Ichs, das in seiner puristischen Verfolgung des moralisch Richtigen an ein obszönes Genießen stößt: Die Verzichtsleistung, die das Über-Ich fordert, wird in ihrer Absolutheit ihrerseits triebhaft.

Alles kommt zum Stillstand

Der Kollaps von Genießen und Askese ist für Lacan der problematische Effekt des Untergangs des Symbolischen überhaupt.
Und so muss man sich fragen, ob die Corona-Maßnahmen in ihrer Rigidität und Maßlosigkeit nicht Ausdruck davon sind, dass das im Symbolischen verworfene Gesetz nun im Realen wieder auftaucht: ein reales Gesetz oder ein Zusammenfallen von Gesetz und Realem, in der das Gesetz nur noch in seiner sinnlos-grausamen Dimension erscheint.
Die im Symbolischen verworfene Schranke kehrt als reale wieder. Jedenfalls hat dieses Nebeneinander von totaler Ermöglichung, die geradewegs in einen Lockdown führt, viel mit dem zu tun, was Lacan als die dem Diskurs des Kapitalismus eigene Aufhebung der symbolischen Kastration bezeichnet: sie eröffnet unendliche Möglichkeitsräume, in denen alles zum Stillstand kommt.

logo steht kopf

Die Linke scheint nicht nur zu verkennen, dass dies zugleich eine, wenn auch für uns vollkommen neue Form des Totalitären ist, sondern auch, dass sie selbst längst zu dessen Promotorin geworden ist. Womit sie sich ganz in die Logik des Diskurses des Kapitalismus stellt, dem sie sich offenbar vollumfänglich verschrieben hat – selbst dann, wenn dieser sich zunehmend eines autoritären Staat bedient und damit eigentlich dem entspricht, was sie selbst als rechts bezeichnen würde.

Tove Soiland ist Historikerin und Philosophin. Nach zahlreichen Lehraufträgen und Gastprofessuren ist sie derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Innsbruck.
Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich feministische Theorie, französische Psychoanalyse und Marxismus. Für das »Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus« verfasste sie den Eintrag über »Lacanismus«.
Sie engagiert sich seit Frühjahr 2020 in dem linken Kollektiv »Feministischer Lookdown«, das die Corona-Politik kritisiert, und ist Mitglied von »Linksbündig«, einem soeben neu gegründeten linken Zusammenschluss gegen den Maßnahmenstaat. Zusammen mit Marie Frühauf und Anna Hartmann hat Tove Soiland einen zweibändigen Reader zur postödipalen Gesellschaft herausgegeben, der dieser Tage im Verlag Turia+Kant erscheint.
Darin enthalten ist auch der Aufsatz »Das Verschwinden des Begehrens und der postideologische Totalitarismus« von Massimo Recalcati, dem die obigen Zitate entnommen sind.

*: Mehr dazu im Buch von Thomas Röper:
Inside Corona – Die Pandemie, das Netzwerk und die Hintermänner – Die wahren Ziele hinter Covid-19
**: Siehe https://josopon.wordpress.com/2021/08/05/8-hauptziele-des-great-reset/

Mein Kommentar: Man hätte sich – bei aller Bemühung um Kürze – doch etwas ausführlichere Erklärungen für die Thesen gewünscht.
Der Schluss von der rationalen Lebensoptimierung auf das Verschwinden des Begehrens könne ja auch daran liegen, das durch die Überflutung mit normierten Konsumanreizen für die Ausbildung eines individuellen Begehrens kein Raum mehr zur Verfügung seht –
aber auch nicht zur Verfügung stehen soll, weil das individuelle Begehren so zu einer Unzufriedenheit führen könnte, die innerhalb des Systems nicht mehr zu stillen ist und so einer unkalkulierbaren revolutionären Entwicklung Treibstoff gibt – dem Schrei nach Freiheit.

Über Kommentare auf meinem Blog hier würde ich mich freuen.
Jochen

Der Kampfbegriff einer super großen Koalition: VERSCHWÖRUNGSTHEORETIKER! – angewendet auf die NachDenkSeiten

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

wiikihausenÜber eine ganz bestimmte, durch die aktuelle israelische Außen- und Zwangsumsiedelungspolitik sowie durch „linke“ Antideutsche dominierte Manipulationselite in der Wikipedia habe ich ja schon öfter berichtet:
https://josopon.wordpress.com/2018/09/08/wie-ein-antideutscher-fanatiker-in-wikipedia-seit-jahren-hetzartikel-unterbringt-die-linke-schadigt-und-warum-bish-er-niemand-ihn-bremst/
https://josopon.wordpress.com/2018/02/04/wikipedia-regulieren-tja-wenn-sie-betroffen-waren-auch-bereiche-von-psiram-sind-gleichgeschaltet/

Leider finden sich deren Funktionäre mittlerweile auch schon in der Bewegung „DiEM25„, wo ich nach einem kritischen Hinweis auf den sich ausweitenden Einfluss von Bill Gates auch schon als Verschwörungstheoretiker aus einem Telegram-Blog verbannt wurde – ausgerechnet von einer Funktionärin, die dort für den deutschen IT-bereich zuständig ist und die sich jeder Diskussion mit mir entzogen hat.
Hat sie das als DiEM25-Karrieristin nicht mehr ntig, einem einfachen Mitglied Respekt zu zollen? Wenn solche Bewegungen von solchen Charakteren dominiert werden, ist es vorbei mit dem Fortschritt.
Ich denke darüber nach, mich und meine Monatsspende aus dieser Bewegung zurückzuziehen.

a mueller m

Nun äußert sich auch Albrecht Müller dazu und weist auf Verschwörungstheorien im Sinne der Herrschenden, die hier von allen Leim-Medien systematisch und ohne irgend eine kritische Nachfrage verbreitet werden – was weit über das unvermeidliche Kükenpiepsen hinaus geht.
Hier also https://www.nachdenkseiten.de/?p=61681

Gestern Abend war ich zum ersten Mal nach corona-bedingter Absage aller Veranstaltungstermine bei einem öffentlichen Gespräch in der Karlsruher Hemingway Lounge.
Gespärchsgegenstand sollten meine Erfahrungen mit Willy Brandt und anderen Politikern sein einschließlich meiner politischen Tätigkeit und der Aufklärungsarbeit bis hin zu den NachDenkSeiten.
Der Gesprchsleiter, Ullrich Eidenmüller, erffnete die Diskussion mit einem Zitat aus Wikipedia. Dort wird den NachDenkSeiten unterstellt, Verschwörungstheorien zu verbreiten. Albrecht Müller.

Wörtlich heit es:

Müller gründete 2003 dieNachDenkSeiten. Die kritische Website, eins der meistgelesenen politischen Blogs in Deutschland. Dieses wurde anfangs als wichtiger Bestandteil einer Gegenöffentlichkeitgelobt, sieht sich in den letzten Jahren jedoch vermehrt dem Vorwurf ausgesetzt,Verschwörungstheorienzu verbreiten.

Da ich von Wikipedia nicht viel halte, weil dort unentwegt manipuliert wird, schaue ich selbst selten dort nach. Das ist allerdings vermutlich ein Fehler, weil sich viele Menschen am Urteil dieses Mediums orientieren, wie zum Beispiel der Gastgeber von gestern Abend und zum Beispiel auch einige frühere Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten und Besucher des Facebook Forum, die als Kommentare zu den NachDenkSeiten genau wiedergeben, was sie auf Wikipedia gelesen haben.
Frher mal gut, jetzt Hang zur Verschwörungstheorie oder Querfront das ist die Sprachregelung, die offensichtlich zum Kampf gegen die NachDenkSeiten ausgegeben worden ist.

Im konkreten Fall ist interessant, dass die Behauptung von Wikipedia nicht direkt aufgestellt wird. Man bedient sich anonymer Vorwürfe.
Diese Methode ist besonders patent, weil sich der Angegriffene, im konkreten Fall die NachDenkSeiten, nicht wehren können. Der Absender der blen Nachrede ist ja nicht bekannt.

Die Behauptung ist durch nichts zu belegen. Wir, die Redaktion der NachDenkSeiten, haben nichts derartiges verbreitet.
Wir haben allerdings auf Quellen hingewiesen und auch auf Personen, die Verschwörungstheoretiker genannt werden:

Zum Beispiel auf Daniele Ganser und seine Vorstellung vom Vorgang 9/11. Wir haben das getan, weil unsere Leserinnen und Leser auch seine und ähnliche Positionen kennen sollten und weil es gute Gründe gibt, hinter die offizielle Version ein paar Fragezeichen zu setzen.
Wenn ich in der NachDenkDeiten-Redaktion fragen würde, dann würde wahrscheinlich eine Mehrheit die offizielle Version teilen. Aber wir halten zum Beispiel die Arbeiten zum Beispiel von Daniele Ganser über die Kriege des Westens *) für so gewissenhaft und verdienstvoll, dass wir ihm jedenfalls wegen seiner Sicht der Vorgänge vom 11. September das Etikett Verschwörungstheoretiker nicht anhängen würden.

SARS-CoV-2Zum Beispiel Corona. Auch hier haben wir in der Redaktion schon verschiedene Meinungen zum Geschehen selbst und seiner Dramatik. Wir haben auch verschiedene Meinungen zur Sprache gebracht. Wir haben vermutlich keine Meinungsdifferenzen im Redaktionskreis darber, dass bei den Maßnahmen die Verhältnismigkeit keinesfalls gewahrt worden ist und Schden verursacht wurden und werden, die wir noch bitter zu spüren bekommen werden. Und die vermeidbar gewesen wren.
Deshalb gibt es unter uns vermutlich niemanden, der oder die Angela Merkel wegen ihrer ruhigen und abgewogenen Art des Umgangs mit dieser Krise anhimmelt. Es gibt auch niemanden, der mit dem Gespenst der 2. Welle hantiert hat oder sogar noch hantiert.
Und wir haben früh darauf hingewiesen, dass die Härte der Manahmen auch mit dem Versuch zu tun hat, möglichst vielen Menschen viel Angst ein zu jagen. Diese Vermutung ist sogar belegt.

Dennoch wrde man uns auch deshalb vermutlich Verschwörungstheoretiker nennen.

Der Begriff wird von Seiten der etablierten Medien und der amtlichen Politik benutzt, um die kritischen Medien zu schwächen.
Deshalb auch die Angriffe auf die NachDenkSeiten, von Wikipedia und anderen.

In der gesamten Kampagne ist erstaunlich, wie breit sie schon angelegt ist und mit welcher Selbstverstndlichkeit die Gnsefchen bei der Benutzung dieses Kampfbegriffs weggelassen werden.

In der Überschrift dieses Artikels ist von einer super großer Koalition die Rede. Diese Kennzeichnung habe ich benutzt, weil sich wider Erwarten ein von uns und vielen unserer Leserinnen und Leser bewundertes Format des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in dieser Woche des gleichen Begriffs bedient hat. Auch in der Anstalt vom vergangenen Dienstag war von Verschwörungstheoretikern die Rede ohne Hinterfragung des Begriffes und sogar noch verbunden mit einem Tüpfelchen auf dem i mit der Personifizierung und Darstellung des Verschwörungstheoretikers durch einen trottelhaften Schwaben.

Wir wünschen uns von Herzen, dass die Anstalt mglichst bald zu ihrem bewährten Niveau zurükfindet. So etwas wie am vergangenen Dienstag hat sie nicht nötig.

Wenn man die Begriffe Verschwörungstheorie und Verschwörungstheoretiker wirklich benutzen will, dann aber bitte auf alle angewandt.
Ich möchte Ihnen mal ein paar Beispiele für die gängigen Verschwörungstheorien der etablierten Medien und Politik nennen:

Zum Beispiel: jahrelang haben uns die Medien und die Politik in ihrer Mehrheit erzählt, wir seien ein sterbendes Volk, der demographische Wandel sei dramatisch.

Zum Beispiel: jahrelang hat man uns entsprechend der Lehre der Angebotsökonomie erzhlt, niedrige Löhne und ein Niedriglohnsektor wrden unserer ökonomischen Probleme lsen. Tatschlich wurde damit die katastrophal schlechte Verteilung von Einkommen und Vermögen weiter verschrft.

Zum Beispiel: heute erzählt man uns, die Russen wollten uns angreifen und deshalb beteiligen wir uns an neuer Aufrüstung, an Abschreckung, an der Politik der Stärke und Manövern an der russischen Grenze.

Zum Beispiel: jahrelang hat man uns erzählt, die gesetzliche Rente sei nicht sicher und deshalb müssten wir alle privat vorsorgen und diese private Vorsorge müsse vom Staat, also von uns Steuerzahlern finanziell gefrdert werden.

Das sind im Sinne des neuen Kampfbegriffs und der neuen Kampftruppen durch die Bank Verschwörungstheorien. Die Hauptträger dieser Verschwörungstheorien sind die etablierten Medien und die etablierte Politik.

Zum Schluss eine Bitte an NachDenkDeiten-Leserinnen und -Leser:

Alleine können wir uns gegen die üblen Methoden bler Nachrede wie bei Wikipedia nicht wehren. Wir brauchen dafür Ihre Unterstützung.
Und bitte sagen Sie weiter, dass es die NachDenkDeiten gibt. Und empfehlen Sie neuen Lesern, ihre hoffentlich guten Erfahrungen weiterzugeben.

Und bitte widersprechen Sie der willkürlichen Nutzung des Kampfbegriffes „Verschwörungstheoretiker“ auch unabhängig von den NachDenkSeiten.

*:Siehe hier:
https://josopon.wordpress.com/2016/10/14/illegale-kriege-der-nato-und-deutschlands-daniele-ganser/
https://josopon.wordpress.com/2015/02/23/terrorismus-der-westlichen-welt-kriege-kriegsverbrechen-und-propaganda/
https://josopon.wordpress.com/2015/08/10/der-terrorismus-der-westlichen-welt-teil-2-staatsterrorismus-tyrannei-und-folter/
https://josopon.wordpress.com/2015/07/29/der-terrorismus-der-westlichen-welt-teil-3-hybride-kriegsfuhrung-verdeckte-operationen-und-geheime-kriege/

Gruß von Langeoog !

Jochen

Profil eines Killers – wie das neue Coronavirus funktioniert

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Heute auf Spektrum der Wissenschaft https://www.spektrum.de/news/woher-kommt-das-coronavirus-und-was-tut-es-als-naechstes/1733810
Auszüge:

Wissenschaftler erforschen angespannt, wie das neue Coronavirus funktioniert und wie es sich entwickeln könnte. Womöglich wird es mit der Zeit weniger gefährlich.

David Cyranoski

Im Jahr 1912 rätselten deutsche Tierärzte über den Fall einer fiebrigen Katze mit einem stark geschwollenen Bauch. Vermutlich ist das der erste überlieferte Fall eines Coronavirus.
Was die Tierärzte damals noch nicht wussten: Coronaviren verursachten auch bei Hühnern Bronchitis und bei Schweinen eine Darmerkrankung, an der fast alle betroffenen Ferkel starben, die weniger als zwei Wochen alt waren.
Die Verbindung zwischen den Erregern kam erst in den 1960er Jahren ans Licht, als Forscher in Großbritannien und den Vereinigten Staaten zwei Viren mit kronenähnlichen Strukturen isolierten, die beim Menschen Erkältungskrankheiten auslösten.

Die Wissenschaftler stellten bald fest, dass die Viren der kranken Tiere die gleiche borstige Struktur hatten und mit stacheligen Eiweißzacken gespickt waren. Unter dem Elektronenmikroskop ähnelten sie der Sonnenkorona, weshalb die Forscher im Jahr 1968 die Bezeichnung Coronaviren für die gesamte Gruppe einführten. Es war eine Familie dynamischer Killer: Hunde-Coronaviren konnten Katzen befallen, das Katzen-Coronavirus konnte Schweinedärme schädigen. Beim Menschen jedoch, so glaubten die Forscher, würden die Viren nur milde Symptome verursachen.
Doch der Ausbruch des schweren akuten Atemwegssyndroms (Sars) im Jahr 2003 offenbarte, wie leicht diese vielseitigen Viren auch Menschen töten können.

Angesichts der Todesopfer der Covid-19-Pandemie bemühen sich die Forscher nun, so viel wie möglich über die Biologie des neuesten Coronavirus Sars-CoV-2 herauszufinden.
Genetische Hinweise deuten an, dass es sich möglicherweise seit Jahrzehnten in der Natur versteckt hat. Offenbar hat das Virus währenddessen eine Reihe von Anpassungen entwickelt, die es gefährlicher machen als die Mehrheit der Coronaviren, mit der die Menschheit bisher konfrontiert war.
Im Gegensatz zu nahen Verwandten greift Sars-CoV-2 nämlich rasch menschliche Zellen an mehreren Orten an, wobei die Lunge und der Rachen die beiden Hauptziele sind.
Einmal im Körper macht das Virus Gebrauch von einem vielfältigen Arsenal gefährlicher Moleküle.

Weiterhin gibt es jedoch viele offen Fragen, darunter: Wie genau tötet das Virus? Wird es sich zu etwas mehr – oder weniger – Gefährlichem entwickeln? Was kann es über den nächsten Ausbruch aus der Familie der Coronaviren verraten?
»Es wird noch mehr passieren, entweder tut es das schon da draußen oder es ist in der Entstehung«, sagt Andrew Rambaut, der an der Universität Edinburgh, Großbritannien, die Evolution des Virus studiert.

Von den Viren, die den Menschen befallen, gehören Coronaviren zu den größeren Exemplaren. Mit einem Durchmesser von 125 Nanometern sind sie auch vergleichsweise groß innerhalb jener Gruppe von Viren, die RNA zur Vermehrung nutzen und die für die meisten neu auftretenden Krankheiten verantwortlich sind. Coronaviren zeichnen sich dabei vor allem durch ihr Genom aus: Mit 30 000 genetischen Basen besitzen Coronaviren das größte Genom aller RNA-Viren. Ihr Genom ist mehr als dreimal so groß wie die Genome von HIV und Hepatitis C und mehr als doppelt so groß wie die von Influenzaviren.

Korrekturlesemechanismus macht Medikamente wirkungslos

Darüber hinaus ist das Coronavirus eines der wenigen RNA-Viren mit einem genomischen Korrekturlesemechanismus – dieser verhindert, dass das Virus Mutationen anhäuft, die es schwächen könnten.
Diese Fähigkeit ist womöglich der Grund dafür, dass gängige antivirale Medikamente wie Ribavirin, die Viren wie Hepatitis C stoppen können, gegen Sars-CoV-2 nicht wirken.
Diese Medikamente schwächen die Viren, indem sie Mutationen induzieren. Bei den Coronaviren könnte der erwähnte Korrekturlesemechanismus solche Veränderungen jedoch wieder ausmerzen.

Generell können Mutationen für Viren vorteilhaft sein. Die Influenzaviren beispielsweise mutieren dreimal häufiger als Coronaviren – ein Tempo, das es ihnen ermöglicht, Impfstoffe zu umgehen.
Coronaviren hingegen nutzen einen besonderen Trick: Sie ordnen ihr genetisches Material häufig neu an und tauschen dabei Stücke ihrer RNA mit anderen Coronaviren aus. Normalerweise handelt es sich dabei um einen sinnlosen Handel mit ähnlichen Teilen zwischen ähnlichen Viren.
Doch wenn zwei weit entfernte Verwandte des Coronavirus in derselben Zelle landen würden, könne diese Rekombination beeindruckende Versionen hervorbringen, die sowohl neue Zelltypen infizieren als auch auf andere Spezies überspringen könne, sagt Rambaut.

Bei Fledermäusen kommen solche Rekombinationen häufig vor. Von insgesamt 61 Viren, die die Tiere in sich tragen, weiß man, dass sie auch Menschen infizieren können. Den Fledermäusen schaden die Viren in den meisten Fällen nicht. Es gibt mehrere Theorien darüber, warum das so ist.
Ein im Februar 2020 veröffentlichter wissenschaftlicher Artikel argumentiert etwa, dass mit Viren infizierte Fledermauszellen Immunantworten einleiten, die die Viren veranlassen, schnell von einer Zelle zu anderen überzugehen. Das verhindert das Absterben der jeweiligen infizierten Zellen.

Ist das erste Coronavirus vor Millionen Jahren entstanden?

Die Schätzungen für die Entstehung des ersten Coronavirus schwanken stark, von vor 10 000 Jahren bis vor 300 Millionen Jahren. Heutzutage sind den Wissenschaftlern Dutzende von Stämmen bekannt, von denen sieben auch den Menschen infizieren. Von den insgesamt vier Stämmen, die Erkältungen verursachen, stammen zwei (OC43 und HKU1) von Nagetieren und die beiden anderen (229E und NL63) von Fledermäusen.
Die drei, die teilweise schwere bis tödliche Krankheiten verursachen – Sars-CoV (die Ursache von Sars), das Nahost-Atmungssyndrom Mers-CoV und Sars-CoV-2 – stammten alle von Fledermäusen.
Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass es in der Regel einen Vermittler gibt – ein von den Fledermäusen infiziertes Tier, das das Virus auf den Menschen überträgt. Bei Sars geht man zum Beispiel davon aus, dass es sich bei dem Zwischenwirt um Zibetkatzen handelt, die auf chinesischen Tiermärkten angeboten werden.

Die Herkunft von Sars-CoV-2 ist immer noch offen. Das Virus teilt 96 Prozent seines genetischen Materials mit einem Virus, das bei einer Fledermaus in einer Höhle in Yunnan, China, gefunden wurde – ein überzeugendes Argument, dass es von Fledermäusen stammt, sagen manche Forscher. Gleichwohl gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die Spike-Proteine von Coronaviren haben eine Einheit, die als Rezeptorbindungsdomäne bezeichnet wird und die dafür sorgt, dass der Virus besonders erfolgreich in menschliche Zellen eindringen kann.
Die Sars-CoV-2-Bindungsdomäne ist sehr effizient und sie unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der des Yunnan-Fledermausvirus, das offenbar Menschen nicht infizieren kann.

Was die Sache noch komplizierter macht, ist ein schuppiger Ameisenbär namens Pangolin, bei dem man ein Coronavirus fand, dessen Rezeptorbindungsdomäne fast identisch mit der menschlichen Version war.
Aber der Rest des Virus war nur zu 90 Prozent genetisch ähnlich. Daher gehen Forscher eigentlich davon aus, dass das Schuppentier nicht der Zwischenwirt war.

Hat sich Covid-19 seit Jahrzehnten in Tieren versteckt?

Die Tatsache, dass sowohl Mutationen als auch Rekombinationen das Virus verändern, macht es besonders schwierig, einen Stammbaum zu erstellen. Die in den vergangenen Monaten veröffentlichten Studien – die allerdings noch nicht den so genannten Peer-Review-Prozess durchlaufen haben, also noch nicht von Fachkollegen überprüft wurden – deuten jedoch darauf hin, dass sich Sars-CoV-2 – oder ein sehr ähnlicher Vorfahre – seit Jahrzehnten in verschiedenen Tieren versteckt hielt.

Einem im März 2020 online veröffentlichten Artikel zufolge (Preprint) spaltete sich die Coronavirus-Linie, die schließlich zu Sars-CoV-2 führte, vor mehr als 140 Jahren von der eng verwandten Linie ab, die man heute bei Schuppenflechten sieht. Irgendwann in den vergangenen 40 bis 70 Jahren trennten sich dann die Vorfahren von Sars-CoV-2 von der Fledermausversion, die in der Folge die effektive Rezeptorbindungsdomäne verlor, die in ihren Vorfahren vorhanden war (und in Sars-CoV-2 verbleibt). Eine am 21. April 2020 veröffentlichte Studie kam unter Verwendung einer anderen Datierungsmethode zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

Diese Ergebnisse deuten auf eine lange Familiengeschichte hin, wobei viele Zweige des Coronavirus in Fledermäusen und möglicherweise Pangolinen dieselbe tödliche Rezeptorbindungsdomäne wie Sars-CoV-2 tragen. Darunter seien auch einige, die ähnliche Fähigkeiten besäßen, eine Pandemie auszulösen, sagt Rasmus Nielsen, Evolutionsbiologe an der University of California, Berkeley, und Mitverfasser der zweiten Studie.
»Wir brauchen eine permanente Beobachtung und erhöhte Wachsamkeit gegenüber dem Auftauchen neuer Virusstämme durch zoonotische Übertragung«, sagt er.

Zwei offene Türen

Obwohl die bekannten menschlichen Coronaviren viele Zelltypen infizieren können, verursachen sie alle in erster Linie Atemwegsinfektionen.
Der Unterschied besteht darin, dass die vier, die gewöhnliche Erkältungen verursachen, leicht die oberen Atemwege befallen, während Mers-CoV und Sars-CoV dort schwerer angreifen können. Stattdessen infizieren sie erfolgreicher die Zellen der Lunge.

Sars-CoV-2 kann leider beides sehr effizient. Damit habe es zwei Möglichkeiten, sich im Körper einzunisten, sagt Shu-Yuan Xiao, Pathologe an der University of Chicago.
Wenn uns zehn Viruspartikel vom Husten eines weiter entfernten Gegenübers erreichen, könnten diese eine Infektion im Hals auslösen. Die dort befindlichen Flimmerhärchen werden aber wahrscheinlich ihre Arbeit tun und die Eindringlinge zügig beseitigen. Wenn unser Gegenüber uns hingegen näher komme und 100 Viruspartikel in unsere Richtung huste, schaffe es manche möglicherweise bis in die Lunge, sagt Xiao.

Wieso erkranken manche stark und andere kaum?

Diese zwei unterschiedlichen Infektionswege könnten erklären, warum Menschen mit Covid-19 so verschiedene Erfahrungen machen.
Das Virus kann im Rachen oder in der Nase beginnen, einen Husten auslösen und den Geschmack und Geruch stören und dann dort enden.
Oder es kann sich gleich oder im Verlauf der Erkrankung bis in die Lunge ausbreiten und dieses Organ schwächen. Wie es dort hinuntergelange, ob es sich Zelle für Zelle bewege oder irgendwie nach unten gespült werde, sei nicht bekannt, sagt Stanley Perlman, ein Immunologe an der University of Iowa, der Coronaviren untersucht.

Clemens-Martin Wendtner, Arzt für Infektionskrankheiten am Münchner Klinikum Schwabing, sagt, es könnte auch ein Problem des Immunsystems sein, das das Virus in die Lungen lässt.
Die meisten Infizierten bilden neutralisierende Antikörper, die so konzipiert sind, dass sie sich mit dem Virus verbinden und es daran hindern, in eine Zelle einzudringen.
»Aber einige Menschen sind anscheinend nicht in der Lage, diese Antikörper zu bilden«, sagt Wendtner. Das könne der Grund dafür sein, dass sich manche nach einer Woche mit leichten Symptomen erholen, während andere von einer später einsetzenden Lungenerkrankung heimgesucht würden.

Wie bereits erwähnt kann das Virus aber offenbar auch die Rachenzellen umgehen und direkt in die Lunge gelangen.
»Solche Patienten könnten eine Lungenentzündung bekommen, ohne die üblichen leichten Symptome wie Husten oder leichtes Fieber, die sonst zuerst auftreten«, so Wendtner. Durch diese zwei Infektionspunkte kann Sars-CoV-2 die Übertragbarkeit der gewöhnlichen Erkältungs-Coronaviren mit der Letalität von Mers-CoV und Sars-CoV kombinieren.
»Es ist eine unglückliche und gefährliche Kombination dieses Coronavirusstamms«, sagt Wendtner.

Die Fähigkeit des Virus, die oberen Atemwege zu infizieren und sich dort aktiv zu vermehren, überraschte die Forscher, da sein naher genetischer Verwandter Sars-CoV diese Fähigkeit nicht besitzt.
Im vergangenen Monat veröffentlichte Wendtner die Ergebnisse von Experimenten, bei denen sein Team das Virus aus dem Rachen von neun Menschen mit Covid-19 kultivieren konnte, was zeigt, dass das Virus sich an der Stelle von selbst vermehrt und infektiös ist.

Das erklärt einen entscheidenden Unterschied zwischen den nahen Verwandten: Sars-CoV-2 kann Viruspartikel aus dem Rachen in den Speichel absondern, noch bevor Symptome auftreten, und diese können dann leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sars-CoV hingegen ist weit weniger effizient, da es nur dann übertragen wurde, wenn die Symptome bereits ausgeprägt waren. Aus diesem Grund war es viel leichter einzudämmen.

Aus den unterschiedlichen Infektionsmöglichkeiten von Sars-CoV-2 resultierte möglicherweise eine gewisse Verwirrung über die Letalität. Experten und Medienberichte beschreiben das Virus üblicherweise als weniger gefährlich als Sars-CoV, weil es maximal ein Prozent der infizierten Menschen tötet, während es bei Sars-CoV etwa zehnmal so viele sind.
Perlman jedoch findet, man müsse es vielleicht anders betrachten. Sars-CoV-2 infiziere Menschen zwar viel einfacher, viele der Infektionen gelangen allerdings nicht in die Lunge. Doch: »Wenn es erst einmal in der Lunge ist, ist es wahrscheinlich genauso tödlich«, sagt er.
Das Verhalten von Sars-CoV-2 in der Lunge ähnelt zumindest teilweise dem, was auch andere Atemwegsviren tun – selbst wenn noch einiges unsicher ist: Wie Sars-CoV und Influenza infiziert und zerstört es die Alveolen, die winzigen Säckchen in der Lunge, die den Sauerstoff in den Blutkreislauf transportieren.
Wenn die zelluläre Barriere, die diese Säcke von den Blutgefäßen trennt, zusammenbricht, tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen aus und verhindert, dass Sauerstoff ins Blut gelangt.

Andere Zellen, darunter weiße Blutkörperchen, verstopfen die Atemwege weiter. Eine angemessene Immunantwort kann all dies beseitigen, aber eine Überreaktion des Immunsystems kann die Gewebeschäden noch verschlimmern.
»Wenn die Entzündung und die Gewebeschädigung zu schwerwiegend sind, erholen sich die Lungen nie wieder, und die Person stirbt oder bleibt mit vernarbten Lungen zurück«, sagt Xiao. Aus pathologischer Sicht sei das nichts Besonderes. Und wie bei Sars-CoV, Mers-CoV und tierischen Coronaviren ist der Schaden nicht unbedingt auf die Lungen begrenzt. Eine übermäßige Immunreaktion, die als Zytokinsturm bezeichnet wird, kann zu multiplem Organversagen und schließlich zum Tod führen.

Reist das Virus über unsere Blutbahn durch den Körper?

Darüber hinaus kann das Sars-CoV-2 offenbar auch den Darm, das Herz, das Blut, das Sperma (ebenso wie Mers-CoV), das Auge und möglicherweise das Gehirn infizieren.
»Schäden an Niere, Leber und Milz, die bei Menschen mit Covid-19 beobachtet wurden, deuten darauf hin, dass das Virus im Blut transportiert wird und verschiedene Organe oder Gewebe infizieren kann«, sagt Guan Wei-jie, ein Pneumologe am Guangzhou Institute of Respiratory Health an der Guangzhou Medical University, China, einer Institution, die für ihre Rolle bei der Bekämpfung von Sars und Covid-19 gelobt wird.
Das Virus könnte in der Lage sein, unterschiedliche Organe oder Gewebe überall dort zu infizieren, wo die Blutversorgung hinreiche, sagt Guan.

Doch obwohl das genetische Material des Virus in diesen verschiedenen Geweben nachgewiesen wurde, ist noch nicht klar, ob der Schaden dort tatsächlich durch das Virus oder durch einen Zytokinsturm verursacht werde, so Wendtner. »In unserem Zentrum sind Autopsien im Gange. Weitere Daten werden bald vorliegen«, sagt er.

Egal ob es den Rachen oder die Lunge infiziert, Sars-CoV-2 durchbricht mit seinen Spike-Proteinen die Schutzmembran der Wirtszellen (siehe Grafik). Die rezeptorbindende Domäne des Proteins heftet sich zunächst an einen Rezeptor namens ACE2 an, der auf der Oberfläche der Wirtszelle sitzt. ACE2 wird im ganzen Körper in Arterien und Venen gebildet, die alle Organe durchziehen. Besonders dicht ist es jedoch auf den Zellen, die die Lungenbläschen und den Dünndarm auskleiden.
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© Nature; Cyranoski, D.: Profile of a killer: the complex biology powering the coronavirus pandemic. Nature 581, 2020; dt. Bearbeitung: Spektrum der Wissenschaft (Ausschnitt) Wie das Virus in die Zelle eindringt

Obwohl die genauen Mechanismen unbekannt sind, gibt es Hinweise darauf, dass die Wirtszelle nach der Anheftung des Virus das Spike-Protein an einer seiner speziellen »Spaltstellen« aufschneidet und dabei Fusionspeptide frei legt – kleine Aminosäureketten, die dabei helfen, die Membran der Wirtszelle aufzubrechen, so dass die Virusmembran mit ihr verschmelzen kann.
Sobald das genetische Material des Eindringlings in die Zelle gelangt ist, steuert das Virus die molekulare Maschinerie des Wirts, um neue Viruspartikel zu produzieren. Dann verlassen diese Nachkommen die Zelle, um andere zu infizieren.

Besorgnis erregende Details des Virus

Sowohl Sars-CoV als auch Sars-CoV-2 binden an ACE2, aber die rezeptorbindende Domäne von Sars-CoV-2 ist besonders gut geeignet, sich Zugang zu den Zellen zu verschaffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ACE2 bindet, ist 10- bis 20-mal höher als bei Sars-CoV.
Wendtner sagt, dass Sars-CoV-2 die oberen Atemwege so gut infizieren könne, dass es womöglich sogar einen zweiten Rezeptor gebe, mit dem das Virus seinen Angriff starte.

Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass Sars-CoV-2 offenbar das Enzym Furin aus dem Wirt nutzt, um das virale Spike-Protein zu spalten. Dies ist Besorgnis erregend, sagen Forscher, weil Furin in den Atemwegen reichlich vorhanden ist und im ganzen Körper vorkommt. Es wird von anderen gefährlichen Viren, darunter HIV, Grippe, Dengue und Ebola, genutzt, um in Zellen einzudringen. Im Gegensatz dazu sind die von Sars-CoV verwendeten Spaltungsmoleküle viel seltener und nicht so wirksam.

Wissenschaftler glauben, dass die Beteiligung von Furin erklären könnte, warum Sars-CoV-2 so gut von Zelle zu Zelle, von Mensch zu Mensch und möglicherweise von Tier zu Mensch springen kann. Robert Garry, Virologe an der Tulane University in New Orleans, Louisiana, schätzt, dass Sars-CoV-2 dadurch eine 100- bis 1000-mal größere Chance habe, tief in die Lunge zu gelangen als Sars-CoV.
»Als ich sah, dass Sars-CoV-2 diese Spaltungsstelle hatte, habe ich in der folgenden Nacht sehr schlecht geschlafen«, sagt er.

Das Rätsel ist, woher die genetischen Anweisungen für diese spezielle Spaltstelle stammen. Obwohl das Virus sie wahrscheinlich durch Rekombination erhalten hat, wurde jene besondere Anordnung bei keinem anderen Coronavirus gefunden. Der Ursprung könnte das letzte Teil des Puzzles sein, das zeigt, welches Tier das Sprungbrett war, über welches das Virus zum Menschen gelangte.

Wird das Virus mit der Zeit weniger gefährlich?

Einige Forscher hoffen, dass sich das Virus mit der Zeit abschwächt durch eine Reihe von Mutationen, mittels derer es sich anpasst, um im Menschen zu bestehen. Nach dieser Logik würde es weniger Menschen töten und hätte bessere Chancen, sich auszubreiten. Doch bisher haben Forscher noch keine Anzeichen für eine solche Schwächung gefunden, wahrscheinlich auf Grund des effizienten genetischen Reparaturmechanismus des Virus.
»Das Genom des Covid-19-Virus ist sehr stabil, und ich sehe keine Veränderung der Pathogenität, die durch eine Virusmutation verursacht wird«, sagt Guo Deyin, der an der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou an Coronaviren forscht. Auch Rambaut bezweifelt, dass das Virus mit der Zeit milder wird und seinen Wirt verschont. »So funktioniert das nicht«, sagt er. Solange es erfolgreich neue Zellen infizieren, sich vermehren und auf neue Zellen übertragen könne, spiele es keine Rolle, ob es den Wirt schädige oder nicht, sagt er.

Andere wiederum sehen die Möglichkeiten einer positiven Entwicklung: »Das Virus könnte den Menschen Antikörper bringen, die zumindest einen teilweisen Schutz bieten«, meint Klaus Stöhr, der die Abteilung für Sars-Forschung und Epidemiologie der Weltgesundheitsorganisation leitet. Stöhr sagt, dass die Immunität dann natürlich nicht perfekt sein werde – neu Infizierte würden weiterhin leichte Symptome entwickeln, so wie jetzt bei einer Erkältung auch. Aber schwere Verläufe würden seltener auftreten. Gleichwohl bedeute der Korrekturlesemechanismus des Virus, dass es nicht schnell mutieren werde.
»Deshalb werden Infizierte einen robusten Schutz behalten«, sagt er. »Das bei Weitem wahrscheinlichste Szenario ist, dass sich das Virus in relativ kurzer Zeit weiter ausbreiten und den größten Teil der Weltbevölkerung infizieren wird«, sagt Stöhr. Er geht davon aus, dass das ein bis zwei Jahre dauert. »Danach wird sich das Virus in der menschlichen Bevölkerung weiter ausbreiten, wahrscheinlich für immer.«

Wie die vier im Allgemeinen milden menschlichen Coronaviren würde Sars-CoV-2 dann ständig zirkulieren und hauptsächlich einfache Infektionen der oberen Atemwege verursachen, sagt Stöhr. Aus diesem Grund, so Stöhr weiter, seien Impfstoffe aus seiner Sicht nicht notwendig. *)
Einige frühere Studien untermauern dieses Argument. Eine zeigte, dass bei Menschen, die mit dem gewöhnlichen Erkältungs-Coronavirus 229E geimpft wurden, die Antikörperspiegel zwei Wochen später ihren Höhepunkt erreichten und nach einem Jahr nur leicht erhöht waren. Das verhinderte zwar Infektionen ein Jahr später nicht, aber nachfolgende Infektionen führten – wenn überhaupt – nur zu leichten Symptomen. Außerdem waren die Betroffenen nur über einen kürzeren Zeitraum ansteckend.

coronavirus vaccines

Ständige Exposition mit gefährlichen Viren macht Menschen immun

Ein Modell dafür, wohin diese Pandemie gehen könnte, bietet das so genannte OC43-Coronavirus. Dieses Virus löst beim Menschen auch Erkältungen aus, aber genetische Forschungen der Universität Leuven in Belgien legen nahe, dass OC43 in der Vergangenheit ein Killer gewesen sein könnte.
Die Studie deutet darauf hin, dass OC43 um das Jahr 1890 von Kühen, die es wiederum von Mäusen hatten, auf den Menschen überging. Die Wissenschaftler vermuten, dass OC43 für eine Pandemie verantwortlich war, an der 1889 bis 1890 weltweit mehr als eine Million Menschen starben. Zuvor war dieser Ausbruch der Influenza angelastet worden.
Heute zirkuliert OC43 nach wie vor weit verbreitet, und es könnte sein, dass die ständige Exposition gegenüber dem Virus die große Mehrheit der Menschen immun gegen das Virus gemacht hat.

Noch ist nicht klar, ob bei Sars-CoV-2 etwas Ähnliches passieren könnte. Zumindest Katzen, Kühe, Hunde und Hühner werden offenbar nicht dauerhaft gegen die manchmal tödlichen Coronaviren immun, weshalb Tierärzte in den vergangenen Jahren für die Suche nach geeigneten Impfstoffen warben.
Eine Studie an Affen zeigte, dass diese Antikörper gegen Sars-CoV-2 über einen Beobachtungszeitraum von 28 Tagen aufwiesen. Unklar ist jedoch, wie lange die Immunität anhält. Die Konzentrationen von Antikörpern gegen Sars-CoV nahmen bei Patienten über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren deutlich ab. Ob diese verringerten Werte ausreichen würden, um eine Infektion zu verhindern oder den Schweregrad zu verringern, ist nicht klar.
Trotz vieler offener Fragen bezüglich der Immunität gegen Sars-CoV-2 beim Menschen werben einige Länder für die Idee, »Immunitätspässe« auszustellen – und zwar an Menschen, die bereits eine Infektion überstanden haben. Sie könnten sich dann wieder unter Menschen wagen, ohne sich oder andere in Gefahr zu bringen.

Letztlich ist es so, dass die Mehrheit der Wissenschaftler momentan noch kein Urteil darüber abgeben will, ob die zahmeren Coronaviren einst so gefährlich waren wie Sars-CoV-2. Die Leute denken gerne, »dass die anderen Coronaviren schrecklich waren und harmloser wurden«, sagt Perlman. »Das ist eine optimistische Art, über das nachzudenken, was jetzt vor sich geht. Aber wir haben keine Beweise.«

Der Artikel ist im Original unter dem Titel Profile of a killer in »nature« erschienen.

*: Der Verzicht auf aktive Impfung würde aus meiner Sicht in Kauf nehmen, dass noch bis zu 10 Millionen Leute weltweit daran sterben müssten, die durch eine Impfung gerettet werden könnten.
Siehe hier: The race for coronavirus vaccines https://www.nature.com/articles/d41586-020-01221-y

Jochen

DIE LINKE nach den Wahlen in Thüringen – Wiederauferstehung als Partei der Mitte?

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Ein selbst- und anderskritischer Artikel von Andreas Wehr:
https://www.andreas-wehr.eu/die-linke-nach-den-wahlen-in-thueringen-wiederauferstehung-als-partei-der-mitte.html
Auszüge:

DIE LINKE feiert die Feste wie sie fallen. Lag sie eben noch nach desaströsen Niederlagen in Brandenburg und Sachsen am Boden, so war der Jubel nach der gewonnenen Landtagswahl in Thüringen umso lauter und ausgelassener:
Erstmals in der Geschichte war DIE LINKE in einem Bundesland stärkste Partei geworden!

Doch der Wahlausgang war gar nicht so ungewöhnlich wie es auf den ersten Blick schien. Er folgte vielmehr einem Muster, das man schon zuvor beobachten konnte.
In einer Situation der Polarisierung gegenüber der AfD entscheiden sich viele Wähler, die man der Mitte zurechnet, eben für jene Partei, der man die Führung dieses moderaten Lagers am ehesten zutraut.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde der Erfolg von Bodo Ramelow denn auch nüchtern und undramatisch bewertet:
„Die Lin­ke als Par­tei des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten wie­der­um pro­fi­tier­te von der Aus­ein­an­der­set­zung mit der AfD, was auch schon in Bran­den­burg und Sach­sen die je­wei­li­gen Amts­in­ha­ber stärk­te – und zu Las­ten klei­ner Ko­ali­ti­ons­part­ner und der Op­po­si­ti­on ging.“ (FAZ 29.10.2019)

Zieht man diesen Mi­nis­ter­prä­si­den­tenbonus, der sich im Landesstimmenergebnis von 31 Prozent zeigte, einmal ab, so relativiert sich denn auch der Erfolg der Linkspartei.
Bei den Wahlkreisstimmen erreichte sie nur 25,8 Prozent und lag damit hinter der CDU, die 27,2 Prozent erhielt und 21 der Wahlkreise gewann, AfD und LINKE dagegen jeweils nur 11.

Der Wahlkampf der Linkspartei setzte auf diesen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten-Bonus. Er war ganz auf den sich prä­si­di­al-bür­ger­li­ch gebenden „Landesvater“ Bodo Ramelow zugeschnitten: „Wer in den ver­gan­ge­nen Ta­gen durch Thü­rin­gen fuhr, der sah ei­nen um sei­ne zwei­te Amts­zeit kämp­fen­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, der aus­weis­lich der Pla­ka­te mit sei­nem Kon­ter­fei kei­ner Par­tei an­ge­hör­te. Und er sah Groß­pla­ka­te ei­ner Par­tei, de­ren Pro­gramm auf den Na­men eben ­die­ses Spit­zen­kan­di­da­ten zu­sam­men­ge­schnurrt war. Das Ve­xier­spiel ist für Bo­do Ra­me­low und die Links­par­tei auf­ge­gan­gen.“ (FAZ 28.10.2019) Es präsentierte sich „ein Christ und Ge­werk­schaf­ter aus dem Wes­ten“, so Konrad Schuller in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS 03.11.2019)

Wie groß bei Bodo Ramelow inzwischen die Distanz zur eigenen Partei ist, zeigt folgende Begebenheit:
„In ei­nem Ge­spräch mit der F.A.Z. im Jahr 2014 zum Bei­spiel er­gab sich fol­gen­de Si­tua­ti­on: Ra­me­low trug ei­nen klei­nen ro­ten Keil am Re­vers, ein kom­mu­nis­ti­sches Sym­bol aus Zei­ten der Ok­to­ber­re­vo­lu­ti­on. Der Re­dak­teur frag­te ihn, ob er denn nichts da­bei fin­de, ein Zei­chen zu tra­gen, un­ter dem sei­ner­zeit Men­schen er­mor­det wur­den?
Die Ant­wort: ῾Das be­drückt mich aber jetzt, zu hö­ren, in wel­chem Kon­text Sie den Keil se­hen. Da muss ich sa­gen: Das wuss­te ich nicht.῾ – Seht her, war die Bot­schaft, wir kön­nen ler­nen.“ (FAS 03.11.2019)

Jener „roter Keil“ ist als Symbol der neuen russischen Kunst unmittelbar nach der Oktoberrevolution entstanden. Seit dem Zusammenschluss von PDS und WASG führt die Partei DIE LINKE es als ihr Parteisymbol.
Den von der FAZ vorgetragenen Angriff auf dieses Symbol und damit auf die Identität der Partei weist Ramelow nicht zurück. Er zeigt vielmehr Verständnis dafür.

Mit Genugtuung verweist die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auf weitere Beispiele aus Thüringen für die Verleugnung der eigenen Geschichte: „Als es dann vor fünf Jah­ren dar­um ging, zum ers­ten Mal in Deutsch­land ei­ne rot-rot-grü­ne Ko­ali­ti­on un­ter lin­ker Füh­rung zu bil­den, wa­ren wei­te­re Lern­schrit­te nö­tig. Die Grü­nen und die SPD im Os­ten ha­ben ih­re Wur­zeln in der DDR-Bür­ger­be­we­gung, vie­le von ih­nen ha­ben die Quä­le­rei­en des Re­gimes selbst er­lebt. Des­halb be­stan­den sie dar­auf, dass in der Prä­am­bel des da­ma­li­gen Ko­ali­ti­ons­ver­trags die DDR als ῾Un­rechts­staat῾ be­zeich­net wur­de. Ra­me­low woll­te erst nicht recht und sag­te, durch so ein Wort wer­de der SED-Staat mit dem Na­zi-Re­gime gleich­ge­setzt. (…) Ra­me­low hat denn auch am En­de zu­ge­las­sen, dass das Wort in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag kam, und im Bünd­nis mit Grü­nen und So­zi­al­de­mo­kra­ten hat sei­ne Par­tei nicht ver­hin­dert, dass Thü­rin­gen bei der Auf­ar­bei­tung von SED-Un­recht Fort­schrit­te mach­te.“ (FAS 03.11.2019)

Gewürdigt wird auch der thüringische Minister für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei Benjamin-Immanuel Hoff: „Sein Kanz­lei­chef Hoff, ein lin­ker In­tel­lek­tu­el­ler mit cool ge­stutz­tem wei­ßem Bart und Pro­fes­so­ren­ti­tel, macht im Land­tag da­bei ei­ne gu­te Fi­gur. Bei ei­ner De­bat­te zum Jah­res­tag der Wen­de vor we­ni­gen Ta­gen hat er zum Bei­spiel die Ge­walt kom­mu­nis­ti­scher Füh­run­gen ge­gen ih­re ei­ge­nen Völ­ker ver­ur­teilt. Die Blut­bä­der in Un­garn 1956 und in Chi­na 1989 hat er da­bei eben­so ge­nannt wie den 17. Ju­ni 1953 in der DDR. Er ver­neig­te sich vor den Bür­ger­recht­lern der Wen­de und zi­tier­te aus ei­nem Nach­ruf auf Bär­bel Boh­ley: ῾Das Ge­heim­nis der Frei­heit war der Mut.῾ In Sa­chen Ver­gan­gen­heit kom­men sie al­so halb­wegs mit­ein­an­der klar in Thü­rin­gen – die CDU, die SPD und die Grü­nen, und dann eben auch Ra­me­lows Lin­ke.“ (FAS 03.11.2019)

Davon abgesehen, dass die Bezeichnung „Blutbäder“ für die Ereignisse in der DDR, in Ungarn und in China in der Regel nicht einmal konservative Historiker verwenden – was ist mit den Verbrechen des Westens in Indonesien, Vietnam, Chile, Guatemala, Jugoslawien – um nur wenige zu nennen? Der Genozid in Indonesien 1965/66 nach dem Sturz Präsident Sukarnos kostete mindestens 1,8 Millionen Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschaftern das Leben.[1]
Im Vietnam-Krieg der USA kamen nach Schätzungen bis zu vier Millionen Vietnamesen um.[2] Im Anschluss an den von den USA offen unterstützten Putsch in Chile 1973 wurden nach Angaben von Amnesty International allein in den ersten Monaten zwischen 5.000 bis 30.000 Menschen ermordet.[3] Wenn man schon über „Blutbäder“ sprechen will, so sollte man sich dieser schrecklichen Ereignisse erinnern!

In dem Verhalten von Ramelow und Hoff zeigt sich ein bemerkenswerter Selbsthass, der in der Partei DIE LINKE – aber nicht nur dort – verbreitet ist. Der italienische Historiker und Philosoph Domenico Losurdo hat sich immer wieder mit den Ursachen dieses Verhaltens beschäftigt, das Folge der Niederlage des Sozialismus 1989/91 ist: „In der Geschichte verfolgter ethnischer oder religiöser Gruppen begegnet uns eine merkwürdige Erscheinung. An einem gewissen Punkt neigen auch die Opfer dazu, sich den Standpunkt der Unterdrücker zu eigen zu machen, und beginnen deshalb, sich selbst zu verachten und zu hassen. (…) *)
Das Phänomen des Selbsthasses betrifft nicht nur ethnische oder religiöse Gruppen. Es kann auch bei sozialen Klassen und politischen Parteien nach einer schweren Niederlage auftreten, vor allem wenn der Sieger, sobald die eigentlichen Waffen beiseitegelegt oder in den Hintergrund getreten sind, an ihrer tödlichen, heute durch das multimediale Feuer verstärkten Kampagne festhalten. (…)
Der aufgeblasene Narzissmus der Sieger, die ihre eigene Geschichte verklären, findet so sein Gegenstück in der Selbstgeißelung der Besiegten.“[4]
Es ist hier hinzuzufügen: Erst wenn das Weltbild der Unterdrücker von den Unterdrückten geteilt wird, ist deren Sieg vollständig.

Indem man aber das Erbe des gewesenen Sozialismus, und hier vor allem das der DDR, verwirft und sich lauthals von ihm distanziert, kappt man die Wurzeln der Partei DIE LINKE.
Worin unterscheidet sie sich künftig noch von SPD und Grünen, wenn sie ihr Herkommen aus der großen Tradition des Roten Oktober verleugnet?

Ist es nicht so, dass erst die russische Revolution den Weg in eine neue Zeit öffnete? Dessen Impulse sind auf drei Gebieten wirksam geworden: in der Überwindung der „Klassenaristokratie als Rassenaristokratie“, die sowohl zur Unabhängigkeit kolonialer Völker wie zur rechtlichen Gleichstellung der Farbigen in den USA und Südafrika führte.
Zum zweiten in der Infragestellung der gegenüber den Frauen verhängten „Ausschlussklausel“.
Und drittens löste die Wende einen Demokratisierungsschub aus, der das Zensuswahlrecht in vielen Ländern zum Einsturz brachte und damit den breiten Volksmassen überhaupt erst ermöglichte, am gesellschaftlichen Leben aktiv teilzunehmen, auch wenn sie fast überall ökonomisch weiter diskriminiert blieben.
Zur Erreichung dieses Resultats haben sowohl die französische als auch die Oktoberrevolution erstrangige Beiträge geleistet: „Die entscheidenden Schläge, die dieser Welt versetzt wurden, sind wesentlich dafür, dass allen Menschen, unabhängig von Rasse, Zensus und Geschlecht, die Würde als soziales Subjekt, als Selbstzweck zuerkannt wird.“[5] Welchen Grund gibt es für die Linkspartei sich davon zu distanzieren?

Die Abwendung von der eigenen Geschichte und die Aufgabe ihrer Identität bereitet den Boden für die Anerkennung der Partei DIE LINKE als neues Mitglied der breiten politischen Mitte.
Erneut ist es die großbürgerliche Frankfurter Allgemeine Zeitung, die hier den Weg weist: „So muss nun al­so in Thü­rin­gen aber­mals po­li­tisch Neu­land be­tre­ten wer­den. Und wie­der­um al­len Un­ken­ru­fen zum Trotz droht we­der Cha­os, noch ist das Land un­re­gier­bar. Tra­dier­te Mehr­hei­ten, star­ke Volks­par­tei­en und gro­ße Ko­ali­tio­nen sind Ver­gan­gen­heit, statt­des­sen wird es zu­erst in den Län­dern und frü­her oder spä­ter auch im Bund Drei­er- oder so­gar Vie­rer­bünd­nis­se ge­ben oder wie in Thü­rin­gen ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung. In die­sem Fall Lin­ke, SPD und Grü­ne, die von der FDP oder gar der CDU to­le­riert wer­den. (…) Wenn Um­fra­gen zu­fol­ge sieb­zig Pro­zent der Thü­rin­ger sa­gen, Ra­me­low sei ῾ein gu­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent῾, und selbst sech­zig Pro­zent der CDU-Wäh­ler die­se An­sicht tei­len, wi­der­spricht es der Le­bens­er­fah­rung, dass das al­les Ewig­gest­ri­ge, Ir­re oder ῾ro­te So­cken῾ sind. Auch der am Wahl­abend oft ge­hör­te Satz, es ge­be kei­ne Mehr­heit mehr für die po­li­ti­sche Mit­te, trifft zu­min­dest für Thü­rin­gen nicht zu, weil die Lin­ke hier längst Mit­te ist, was wie­der­um in Um­fra­gen fast die Hälf­te der Thü­rin­ger ge­nau­so sieht. Schließ­lich sa­gen 69 Pro­zent der vor der Wahl in­ten­siv be­frag­ten Ein­woh­ner die­ses Lan­des, dass die CDU neu über ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit der Lin­ken ent­schei­den sol­le, was auch 68 Pro­zent der CDU-Wäh­ler im Frei­staat fin­den. (…) Auch wenn die Par­tei und Ra­me­low das, nicht zu­letzt we­gen der hef­ti­gen An­grif­fe der CDU im Wahl­kampf, vor­erst aus­schla­gen dürf­ten, könn­te es durch­aus sein, dass Thü­rin­gen auch hier über kurz oder lang ein neu­es Ex­pe­ri­ment wagt.“ (FAZ 29.10.2019)

Der Linken als neuer Bestandteil der neuen Mitte wird inzwischen großzügig die Auszeichnung zuerkannt, fest auf dem Bo­den des Grund­ge­set­zes zu stehen: „So bleibt es da­bei, dass drei Vier­tel der Wäh­ler im Os­ten hin­ter Par­tei­en ste­hen, die, von Ran­dunschär­fen bei der Links­par­tei ab­ge­se­hen, fest auf dem Bo­den des Grund­ge­set­zes ste­hen.“ (FAZ 28.10.2019)
Was die erwähnten „Ran­dunschär­fen bei der Links­par­tei“ angeht, so dürften damit Gruppen wie die Kommunistische Plattform gemeint sein.

Auch der Bundespräsident gibt sich inzwischen gnädig gegenüber den Linken: „Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der schwierigen Regierungsbildung in Thüringen davor gewarnt, die Linkspartei in dem Bundesland als radikal abzustempeln. ῾Die Landtagswahl in Thüringen hat gezeigt, dass Parteien von den Wählerinnen und Wählern regional sehr unterschiedlich bewertet werden῾, sagte Steinmeier dem Berliner Tagesspiegel.[6]

Und sogar der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck erklärte in einem Interview: „Par­tei­en brau­chen kei­ne Rat­schlä­ge von mir. Aber der thü­rin­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent ist nicht als Ra­di­ka­ler auf­ge­fal­len. Im Ge­gen­teil, er hat auch Wäh­ler an­ge­spro­chen, die mit sei­ner Par­tei ei­gent­lich we­nig am Hut ha­ben. Wenn die Par­tei­en der de­mo­kra­ti­schen Mit­te jetzt ver­träg­li­che For­men der Zu­sam­men­ar­beit oder To­le­rie­rung mit ihm fin­den wür­den, fän­de ich das eher prag­ma­tisch.“ (FAZ vom 09.11.2019) Ein giftigeres Lob, ausgesprochen vom Erzfeind jeder linken Bestrebung, ist kaum vorstellbar.

Geht es nach der Führung der Linkspartei, so soll Thüringen kein Einzelfall bleiben. Der Erfolg gilt vielmehr als Vorbild für die gesamte Partei.
Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, gab hierzu die Losung aus: „Wir müssen als Bundespartei von Bodo Ramelows Erfolg lernen.“[7]

In einem Artikel unter der Überschrift „Stationen des Niedergangs einer Partei“ habe ich am 3. September 2019 den Bedeutungsverlust der Linkspartei beschrieben.[8] Aktueller Hintergrund waren die Niederlagen in Brandenburg und Sachsen kurz zuvor.
An ihrem Niedergang als antikapitalistische Kraft hat sich seitdem nichts geändert. Im Gegenteil: Der Wahlsieg in Thüringen stellt zwar einen Erfolg dar, errang doch DIE LINKE damit eine zentrale Machtstellung im parlamentarischen Geschehen dort.
Er bedeutet aber zugleich eine Niederlage der Linkspartei als sozialistische Kraft, da er unter vollständiger Verleugnung ihrer Identität zustande kam.
Damit erhält sie zwar eine Chance zu ihrer Wiederauferstehung – nun aber als Partei der Mitte. Dazu passt der Abgang von Sahra Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende, stand sie doch dieser Entwicklung lange im Weg.

[1] Vgl. André Vltchek, Indonesien. Archipel der Furcht, Zambon-Verlag Frankfurt/Main 2015, S.48

[2] Nach Angaben auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg#Tote_und_Verletzte

[3] Nach Angaben auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Putsch_in_Chile_1973#Sch%C3%A4tzung_der_Opferzahlen_durch_Zeitzeugen

[4] Domenico Losurdo, Flucht aus der Geschichte. Die russische und die chinesische Revolution heute, Neue Impulse Verlag, Essen 2009, S. 9 f.

[5] Domenico Losurdo, Das 20. Jahrhundert begreifen, PapyRossa Verlag Köln 2013, S.84

[6] FR 08.11.2019 https://www.fr.de/politik/endergebnis-thueringen-erwartet-muss-zittern-zr-13170403.html

[7] Die Welt Online vom 27.10.2019 https://www.welt.de/politik/deutschland/article202579200/Dietmar-Bartsch-Linke-muss-von-Bodo-Ramelows-Erfolg-lernen.html

[8] Andreas Wehr, Stationen des Niedergangs einer Partei https://www.andreas-wehr.eu/stationen-des-niedergangs-einer-partei.html

*: Identifikation mit dem Aggressor, schon von Sigmund Freud als Anpassung an eine kinderfeindliche Erziehung festgestellt, wie sie in unserer Kultur leider noch weit verbreitet ist. Was da früh eingeübt wird, bleibt ein Leben lang erhalten, wenn nicht eine gezielte Psychotherapie darüber hinweg hilft.
Siehe dazu Alice Miller: Am Anfang war Erziehung, und https://josopon.wordpress.com/2015/07/22/das-falsche-selbst-und-die-wendung-gegen-das-eigene-und-fremde-gluck/

Jochen

ALDI-Landgrabbing in Deutschland: Den Ausverkauf stoppen

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Alarmierender Artikel in der taz:
https://taz.de/Landgrabbing-in-Deutschland/!5620993/
Auszüge:

Den Ausverkauf stoppen

Immer mehr Investoren erwerben Agrarbetriebe vor allem im Osten Deutschlands. Die Länder müssen endlich mit neuen Gesetzen einschreiten.

Der Einstieg schwerreicher Erben der Discounterdynastie Aldi in einen Agrarbetrieb ist ein Weckruf. Er zeigt exemplarisch, dass immer mehr landwirtschaftliche Unternehmen bei großen Investoren landen, die fernab der Höfe wohnen.
Das betrifft vor allem Ostdeutschland mit seinen traditionell sehr großen Betrieben. Denn ein Konzern wie der weltgrößte Rückversicherer Munich Re, der Möbelhaus-Clan Steinhoff oder die Pharmaerben Merckle (Ratiopharm) wollen nicht ein paar Hunderttausend Euro anlegen, sondern Millionen.

Für diese Reichen sind Agrarbetriebe vor allem wegen der Landwirtschaftssubventionen attraktiv.
Die Europäische Union vergibt diese EU-weit rund 58 Milliarden Euro pro Jahr bisher vor allem in Form von „Direktzahlungen“, die die Landwirte einfach pro Hektar bekommen.
Wer also viel Land hat, bekommt auch besonders viel Geld vom Staat.
Dieses viel kritisierte System garantiert Investoren wie den Aldi-Erben eine sichere Rendite, die wegen der andauernden Niedrig-Zins-Phase höher ist als die jeder einigermaßen sicheren Anleihe auf dem Kapitalmarkt.

Eigentlich soll dieses Staatsgeld ländliche Regionen etwa in Mecklenburg oder Sachsen-Anhalt stärken. Doch immer mehr Eigentümer der Agrarbetriebe dort leben in Starnberg, Hamburg oder Hannover.
Deshalb fließt immer mehr dieser Subventionen anstatt in die wirtschaftlich schwachen Regionen im Osten in den wohlhabenderen Westen.
An Leute, die es eh nicht brauchen, weil sie ja schon auf Millionen oder Milliarden – oft nur geerbt – sitzen.

Diese Umverteilung von Ost nach West, von Arm zu Reich, nehmen viele Leute in den Dörfern wahr. Das trägt zu dem weit verbreiteten Gefühl bei, abgehängt zu sein und dem Eindruck, dass die Reichen immer reicher werden. Auch das speist den Unmut, von dem die AfD profitieren kann. Landgrabbing ist also auch eine Gefahr für unsere tolerante Gesellschaft.

Deshalb sollten die seit der Föderalismusreform zuständigen Länder endlich Gesetze verabschieden, um Verkäufe von Agrarbetrieben an überregionale Großinvestoren verbieten zu können.
Bisher dürfen die Behörden nur den Verkauf von Agrarland untersagen.

Es gab zum Beispiel in Sachsen-Anhalt einen Gesetzentwurf in diese Richtung. Doch ausgerechnet der Bauernverband hat ihn verhindert. Schließlich sitzen in seinen Reihen Profiteure des Ausverkaufs.
Die Regierungsfraktionen zum Beispiel in Magdeburg oder Potsdam sollten den Schneid haben, sich über so ein Veto hinwegzusetzen. Schließlich sind sie vom Volk, nicht von einer egoistischen Lobbygruppe gewählt worden.

Jochen

Doppelstandards: Defizite in der Iran-Berichterstattung

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Kriegsvorbereitung durch den über die Antlantikbrücke hineingedrückten Kampagnenjournalismus und das nahezu komplette Versagen der deutschen Leimmedien. Hier eine lobenswerte Ausnahme der Leipziger Volkszeitung:
https://www.lvz.de/Nachrichten/Kultur/Kultur-Regional/Doppelstandards-Journalismusforscher-sieht-Defizite-in-der-Iran-Berichterstattung
Auszüge:

Journalismusforscher sieht Defizite in der Iran-Berichterstattung

Drohnenabschüsse, obskure Videos von angeblichen Sabotageakten, Tanker-Beschlagnahmungen, wechselseitige Drohungen: Angeblich will keiner einen Krieg am Persischen Golf, aber niemand scheint ihn aufzuhalten. Im Interview kritisiert Journalismusforscher Florian Zollmann die Iran-Berichterstattung.
Leipzig/Newcastle. Seit die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen sind, scheint die Welt auf einen Krieg am Persischen Golf zuzusteuern.
Welche Rolle spielen dabei die Medien? Darüber sprachen wir mit dem Journalismusforscher Florian Zollmann (42). Er ist Programmdirektor des Bachelor Studienganges Journalismus, Medien und Kulturwissenschaft an der
Newcastle Universität in England und Stellvertretender Direktor der Organisation for Propaganda Studies.

Angeblich will keiner einen Krieg am Persischen Golf, aber niemand scheint ihn aufzuhalten. Wie nehmen Sie die Berichterstattung wahr?

Ich sehe, dass westliche Stimmen und Erklärungsmuster in den Nachrichten der Leitmedien überrepräsentiert sind. Das führt dazu, dass die von der US-Regierung aufgebaute Drohkulisse auch in den Medien stark zur Geltung kommt. Und es gibt auch ideologische Annahmen in den Medien. So sprechen Leitmedien wie der „Spiegel“ von einem „USA-Iran-Konflikt“.
Das Wort Konflikt deutet auf Zweiseitigkeit hin. Dabei war sich die Staatengemeinschaft im Prinzip einig über die Gültigkeit des 2015 abgeschlossenen Atomabkommen mit dem Iran.
Nun hat die Trump-Regierung dieses Abkommen vor etwa einem Jahr einseitig aufgekündigt. Es entspräche also der Faktenlage, die Trump-Regierung als Aggressor zu bezeichnen.

Finden die historischen Hintergründe angemessen Berücksichtigung?

Kaum. Viele Iraner erinnern sich aber daran, wie die USA und Großbritannien 1953 einen Putsch initiierten, der den demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mossadegh stürzte und die Herrschaft des Schahs einleitete.
Ein wesentlicher Grund für diesen Putsch war, dass Mossadegh die iranische Ölindustrie, die sich vollständig in der Hand der britischen Anglo-Iranian Oil Company befand, nationalisiert hatte. Unter dem Schah wurden daraufhin 80 Prozent der iranischen Ölindustrie unter die Kontrolle von britischen und US-amerikanischen Firmen gestellt.
Nach der Islamischen Revolution von 1979 wurde die enorme iranische Ölindustrie wieder verstaatlicht. Könnte Irans Weigerung, diese Ressourcen in das von Washington und dem Westen präferierte globale „Marktsystem“ zu integrieren, etwas mit dem Streit um das Atomprogramm zu tun haben?
Diese wichtigen Sachverhalte werden von den Medien kaum berücksichtigt.

Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Zuweilen schon. Auch auf die folgenden Aspekte wird nur selten hingewiesen: Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, dessen Artikel IV Verwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke erlaubt. Dennoch wurden dem Iran von den USA weitreichende Sanktionen auferlegt, die der iranischen Bevölkerung enormen Schaden zufügen.
Demgegenüber besitzen eine Reihe von Staaten in der Region Atomwaffen: Israel, Indien und Pakistan. Im Gegensatz zum Iran werden diese Länder nicht öffentlich verurteilt, obwohl sie sich weigern, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen.
Es gibt auch kaum Stimmen in den Medien, die fordern, dass Israel, Indien und Pakistan ihre militärischen Atomprogramme für Inspektionen der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) zugänglich machen sollen oder dass diese Länder Sanktionen unterworfen werden sollen, bis sie sich ebenfalls den Kontrollen der IAEO öffnen.

Woran liegt das?

Zahlreiche Forschungsarbeiten belegen, dass die Medien die Stimmen politischer Amtsträger gegenüber Stimmen aus der Gesellschaft bevorzugen. Politikern aus sogenannten Elitenationen wird von Journalisten ein hoher Nachrichtenwert zugeschrieben.
Außerdem ist es relativ kostengünstig für Medienorganisationen, Statements aus Politik und Wirtschaft in Nachrichten zu verwerten. Kommerzieller Druck und der in den letzten Jahren durch Redaktionsverschlankungen forcierte Personalmangel begünstigen diesen Prozess weiter.
Studien zeigen, dass in Leitmedien tätige Journalisten über gemeinsame Arbeit in Netzwerken und Interessengruppen mit Vertretern der Macht auf verschiedene Weisen interagieren. Dies führt zu einer Nähe zwischen Politik, Wirtschaft und Journalismus, die sich ebenfalls auf die Berichterstattung auswirken kann.
Natürlich gibt es auch Beispiele von seriösem Journalismus.

Dass Ihre Kritik hier zumindest Anklänge an den rechten Diskurs von den „Systemmedien“ und der „Lügenpresse“ aufweist `), ist Ihnen aber bewusst, oder?

Ganz im Gegensatz zu diesen Kreisen liegt mir sehr viel an einer objektiven und freien Presse. Meine Kritik basiert auf wissenschaftlichen Theorien, die schon seit langem die medialen Defizite der Berichterstattung über Politik, Arbeiter, Frauen, ethnische Minderheiten oder Migranten aufzeigen.
Was ich beschreibe, spiegelt die Ergebnisse zahlreicher Studien wider, die belegen, wie kommerzieller Druck, Nachrichtenwerte, Redaktionsverschlankungen, Eigentumsstrukturen oder organisationsbedingte Zwänge auf die Leistung der Medien einwirken.

Zurück zum Ausgangspunkt: Finden in der Iran-Berichterstattung Dämonisierungen statt – etwa im Vergleich zur Berichterstattung über Saudi Arabien, wo ja Menschenrechte auch nicht ganz oben auf der Agenda stehen?

Insofern die deutsche Politik und Wirtschaft ein Interesse an Handelsbeziehungen mit dem Iran haben, kommen auch deeskalierende Meinungen zu Wort. So bekannte sich beispielsweise der deutsche Außenminister Heiko Maas zum Atomvertrag mit dem Iran.
Dennoch hat die Berichterstattung der letzten Jahre den Iran eher dämonisiert. Der ehemalige US Präsident George W. Bush sah den Iran als Teil seiner „Achse des Bösen“. Dieses Zerrbild wurde von den Medien, zumindest teilweise, übernommen.
Dabei bleibt in den Medien meistens unerwähnt, dass der Iran in den letzten 100 Jahren kein Land militärisch angegriffen hat. Die innenpolitischen Repressionen sind sicherlich zu verurteilen. Dennoch ist die Situation der Menschenrechte in Saudi-Arabien, einem der engsten Verbündeten des Westens in der Region, sicher nicht weniger schlimm als im Iran.

Militärisch ist der Iran durchaus auch im Ausland aktiv – über die Hisbollah im Libanon und in Syrien sowie mit Milizen im Irak. Außerdem fantasieren führende Vertreter der Regierung immer wieder von der Vernichtung Israels. Darüber zu berichten, ist doch nicht falsch, oder?

Sicherlich sind solche Äußerungen und auch Irans Unterstützung von Milizen in anderen Ländern zu verurteilen. Wenn jedoch die USA oder Israel ihrerseits dem Iran drohen, dann sollte das aber auch verurteilt werden. Es geht also nicht darum, den Iran reinzuwaschen, man sollte allerdings keine Doppelstandards anlegen.

Anfang des Monats hat Großbritannien – ein Land, das die EU verlassen will – auf Ersuchen der USA einen iranischen Tanker beschlagnahmt, weil dieser gegen EU-Sanktionen gegen Syrien verstoße, wie gemeldet wurde. Ist der Iran an EU-Sanktionen gebunden?
Und warum ist die mediale Aufregung nach der Beschlagnahmung eines britischen Tankers durch den Iran am vergangenen Freitag so viel größer?

Ich bin kein Rechtsexperte und kann daher keine Auskunft über die rechtliche Situation geben. Man sieht aber auch hier, dass Doppelstandards angelegt werden. Die Entrüstung über die Festsetzung eines britischen Schiffes durch den Iran erscheint auch mir weitaus größer.
Diese Entrüstung passt in eine lange Historie bewusster Eskalation.
Man erinnere sich an den US-Eintritt in den Vietnamkrieg im Jahr 1964. Damals hatte die US Regierung behauptet, vietnamesische Schiffe hätten US-Zerstörer im Golf von Tonkin angegriffen. Diese Episode wurde von den USA als Kriegsgrund herangezogen. Dabei hatten US-Spezialkräfte zuvor verdeckte Sabotageaktionen gegen nordvietnamesische Einrichtungen durchgeführt.
Dass die Aktionen Nordvietnams ihrer Verteidigung dienten, ist heute sogar kaum unter Historikern umstritten. Die US-Presse unterstützte damals jedoch den Eintritt der USA in den Krieg.

Von Florian Zollmann ist 2017 bei Peter Lang, New York, das Buch „Media, Propaganda and the Politics of Intervention“ erschienen

Von Jürgen Kleindienst

*) Typisch ist, dass der Kritiker sofort in der rechten Ecke erscheint, sobald er auf die offensichtlichen Manipulationen hinweist.
Über Kommentare auf meinem Blog unter https://josopon.wordpress.com/ würde ich mich freuen.
Wenn Ihr den Nachrichtenbrief nicht mehr beziehen wollt, schickt mir bitte eine kurze Elektropost.

Jochen

Die qualitätsgesicherte, telematikgestützte ambulante ärztliche Behandlung im Deutschland des 21.Jahrhund erts

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Aus einem Kommentar eines erfahrenen Kollegen:

Man stelle sich vor, daß ein Mensch zum Arzt geht, weil er irgendwas „hat“ und er geht hin und sagt: „Herr Dokter, ich hab da was…“
und der Arzt sagt, da schaumer jetz mal, was Sie da ham… und zieht sich die „Akte“ aus der TELEMATIK-INFRASTRUKTUR… und sagt:
„ah, ich seh schon, Sie ham dies und jenes…“…
und der Pat. sagt: „eigentlich hab ich ja was anderes…“
… „nee“… sagt der Arzt, „da steht, daß Sie dies und jenes ham“…
„neeeee“ sagt der Patient… „isch han ebbes un ebbes… aber von dies und jenes weiß ich nix… des kann garnet soi…“

Der Arzt kratzt sich am Kopf und überlegt, ob er jetzt nochmal ne „richtige Anamnese“ mit dem Patienten macht, wie man es früher gemacht hat…
aber angesichts der schon aufgebrauchten „Quartalspauschale“ entscheidet er sich dagegen und sagt:
„ich glaub, Sie wissen garned, was da alles in Ihrerner Agde schdehd… und nachprüfen kömmer des auch ned… und für die Richtigkeit der Daten in der TI haftet vermutlich auch niemand…“

Bei so etwas mache ich auch nicht mit und habe meine Kassenzulassung zum 1.7.2019 zurückgegeben.

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Jochen

SKY “Al-Qaida” News- Der britische Nachrichtensender, und seine Passion für Terroristen

Etwas umständich, die Videos kann ich z.Zt. wegen eingeschränkter Bandbreite nicht ansehen. Trotzdem wohl ein gutes Beispiel für zentral gelenkte Meinungsmache.

Linke Zeitung

von https://orbisnjus.com

Bei der Fabrikation von Konsens mischt der britische Nachrichtensender SKY-News ganz vorne mit. Jene manipulative Einstellung, wird anhand der Syrien-Konflikt widmenden Berichterstattung deutlich unterstrichen. Die seit fast einer Dekade von SKY-News betriebene Schwarzweißmalerei (Assad böse, “Rebellen” gut) hatte schon so einige skandalöse Gipfelpunkte aufzubieten. Nichtsdestotrotz scheint der britische Nachrichtenkanal sich unendliche Ziele gesteckt zu haben, um das anti-syrische Narrativ fortwährend vital zu halten. Im Nordwesten Syriens hat die erodierende Sicherheitslage die syrische Armee letztlich dazu forciert in die Offensive zu gehen, um den Machtbereich der dortig herrschenden Hayat Tahrir al-Sham (HTS, Al-Nusrah, Al-Qaida) zu minimieren, und anschließend ins Zentrum von Idlib vorzurücken. Seit September vergangenen Jahres hat die Türkei genügend Zeit bekommen, um die Heerscharen von Islamisten zu besänftigen, und davon zu überzeugen das es längst an der Zeit ist die Waffen zu strecken. Nicht gewillt seinen Astana-Verpflichtungen nachzukommen ermutigte Ankara seine Stellvertreter kontinuierlich den üblichen Kurs beizubehalten…

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