Die Rosa Brille des Robert-Koch-Institutes – Corona-Reproduktionsrate unter 1, aber ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Wie schön passend das RKI doch die Daten liefert, um die wirtschaftsfreundlichen Lockerungen der Kontaktsperre seitens Bundes- und Landesregierungen zu rechtfertigen !
Die Reproduktionsrate, d.h. die Zahl der noch gesunden, die ein Corona-Infizierter ansteckt, sei auf unter 1 gesunken, womit das exponentielle Wachstum gebremst sei.

Dazu muss man anmerken, dass hierbei nur die durch Tests erwiesenen Neuerkrankungen gezählt werden !
Die schwer einzuschätzende Dunkelziffer ist bisher noch nicht mit statistisch sinnvoller Genauigkeit ermittelt worden.
Dazu laufen zwar Untersuchungen langsam an. Dazu müsste man aber eine zufällig ausgewählte Stichprobe ohne Ansicht der Symptome komplett durchtesten und den Test nach 1 und 2 Wochen wiederholen.

Das war den Herrschaften und Forscherkollegen über lange Zeit zu teuer. Vorher ist aber jede Prognose auf Sand gebaut, auch wenn das in anderen Ländern noch schlimmer ist. Siehe dazu das Referat des Schweizer Kollegen Paul Robert Vogt:
https://josopon.wordpress.com/2020/04/16/aus-der-schweiz-covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-von-prof-dr-med-dr-h-c-paul-robert-vogt/

Meine Skepsis gegenüber dieser so smart den Erwartungen folgenden Behörde ist ein gutes Stück angestiegen.

mona lisa protection protect virus

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Nachtrag: Jens Berger kommentierte dau auf den NachDenkSeiten:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=60287
„Besser als ein Auf-Sicht-Fahren im Nebel wäre es jedoch, den Nebel zu vertreiben. Und dafür wären endlich möglichst große und vor allem repräsentative Studien zu den Infiziertenzahlen und den Dunkelziffern nötig, aus denen man mit angemessenem materiellen Aufwand eine Monitoring-Dauerstudie machen könnte, mit der man die „echten“ Infiziertenzahlen möglichst präzise und zeitsensitiv abbilden könnte. Zumindest der erste Teil dieser Aufgabe ist nun vom RKI auch konkret geplant – absolut unverständlich ist jedoch, warum die „bundesweite bevölkerungsrepräsentative seroepidemiologische Studie“ nicht schon vor Wochen veranlasst wurde, sondern erst Mitte Mai beginnen und erst im Juni erste Ergebnisse liefern soll. Das heißt nämlich auch, dass die Politik bis in den Sommer hinein im Nebel stochern und sich bei der Bewertung wohl oder übel nicht auf harte Zahlen, sondern auf die Ratschläge von „Experten“ verlassen muss, deren Kompetenz und Unabhängigkeit zweifelhaft ist, wie die Empfehlungen der Leopoldina zeigen.“

Logo der Fraktion DIE LINKEDazu erklärt Achim Kessler, gesundheitspolitischer Sprecher für die Bundestagsfraktion der LINKEn:

https://www.linksfraktion.de/presse/pressemitteilungen/detail/zwischenbilanz-zur-corona-pandemie-ist-kein-grund-zum-aufatmen/

„Dass Gesundheitsminister Spahn in seiner ersten Zwischenbilanz zu den Corona-Maßnahmen selbstbewusst behauptet, unser Gesundheitssystem sei zu keiner Zeit überfordert gewesen und insgesamt in guter Verfassung, ist Schönfärberei. Das Versprechen Spahns, ab Mai zu einer neuen Normalität in den Kliniken zurückzukehren, darf nicht durch eine permanente Überlastung und Gefährdung des Personals und auf Kosten der Patienten und einer Verschärfung der finanziellen Schieflage der Kliniken eingelöst werden“ …

„Tatsächlich ist die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 deutlich gesunken, dennoch gibt es, da versäumt wurde für den Fall einer Pandemie vorzusorgen, trotz der Neubeschaffungen von medizinischem Schutzmaterial durch den Bund, weiterhin Engpässe. Das belegt auch die um sechs Prozent gestiegene Ansteckungsrate bei medizinischem Personal. Es ist gut, dass die Testkapazitäten auf 350.000 Tests pro Woche hochgefahren wurden. Auch begrüße ich das verpflichtende Register für Kliniken, um die Auslastung mit Covid-19-Erkrankungen regional besser vorherzusagen.
All diese Maßnahmen sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Pandemie noch nicht ausgestanden ist und wir gerade nach der jetzt akuten Auslastung zukunftsfeste Strukturen in der Gesundheitsversorgung brauchen, die nicht auf einer Orientierung an Profit basieren. Das bedeutet, dass das Fallpauschalensystem abgeschafft und Krankenhäuser in die öffentliche Hand überführt und kostendeckend finanziert werden müssen, sodass eine gemeinwohlorientierte Versorgung gewährleistet ist.“

Jochen

Organisierte Verantwortungslosigkeit: Donauwörther Corona-Opfer kommt nach tagelangem Vertrösten knapp mit dem Leben davon – Merkels und Spahns Lügen

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Heute in den Rieser Nachrichten, leider nicht frei in Textform zugänglich:

https://www.augsburger-allgemeine.de/donauwoerth/Schwer-erkrankter-Corona-Infizierter-muss-tagelang-auf-Hilfe-warten-id57029076.html

Merke: Obwohl klare Verdachtsmomente auf Corona-Infektion vorliegen, denkt der Hausarzt nicht mit, bei der Servicenummer der kassenärztlichen Vereinigung wird der lebensnotwendige Test tagelang verzögert. In der Hotline werden Pat. und Ehefrau im Kreis geschickt.
Wenigstens das Gesundheitsamt Donauwörth war auf dem Laufenden und rettet dem Pat. das Leben.
Wäre der Pat. nicht ein gut trainierter Sportler, sondern 10 Jahre älter, hätte es ihm das Leben kosten können.
So straft dieser Fall vor meiner Haustüre die Verlautbarungen der Bundesregierung Lügen.
Aber das Gesundheitssystem, speziell das gKU, muss ja schwarze Zahlen schreiben und über Jahre den Pflegenotstand bestehen lassen – siehe https://josopon.wordpress.com/2018/01/09/kampf-gegen-den-personalnotstand-pflegekrafte-wehren-sich-die-offene-linke-ries-wehrt-sich-auch-demo-gegen-den-pflegenotstand-in-nordlingen-und-donauworth-am-samstag-den-13-01-2018/dieser Begriff kriegt jetzt einen ganz zynischen Beigeschmack .

Pflegenotstand2018

Aktuell dazu die Forderungen der Linkspartei:LINKE_im_Bundestag200px

https://www.linksfraktion.de/presse/pressemitteilungen/detail/aeltere-besser-vor-corona-schuetzen-personalersatz-in-pandemieplaene-aufnehmen/

„Besonders gefährdete Gruppen wie ältere und mehrfach erkrankte Menschen müssen sofort vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden. Viele pflegende Familien und Pflegekräfte arbeiten bereits jetzt am Limit, um das zu erreichen. Dafür gebührt ihnen nicht nur Dank. Sie brauchen vor allem konkrete Unterstützungsmaßnahmen. Zusätzliches Personal fehlt nicht nur in Kliniken, sondern auch in Altenpflegeeinrichtungen. Ergänzende oder ehemalige Fachkräfte, die gegenwärtig nicht in der Versorgung sind, müssen dringend angesprochen werden. Diese Frage gehört in die Pandemiepläne der Länder und aller Einrichtungen“, erklärt Achim Kessler, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Kessler weiter:

„Mehr Schutzkleidung und Desinfektionsmittel brauchen neben den Kliniken und Arztpraxen auch Pflegeheime und ambulante Pflegedienste. Die Mehrkosten dürfen nicht auf die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner abgewälzt werden. Die Bundesregierung muss sofort wirksame Maßnahmen gegen die Preistreiberei mit Schutzkleidung und Atemmasken ergreifen.

DIE LINKE befürwortet einen Notfallfonds – nicht nur für die Intensivversorgung. Die Kommunen müssen vor Ort unterstützt werden, um alleinstehende ältere Menschen im Alltag zu begleiten. Wenn Nachbarschaftsprojekte verstärkt Einkäufe übernehmen oder einfach Kontakt halten, werden Menschen ruhiger und Infektionen frühzeitig bemerkt. Der Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro nach §45b SGB XI sollte frei verwendet werden dürfen, um selbstbestimmt Nachbarschaftshilfe zu organisieren. Denn pflegebedürftige Menschen bleiben trotz allem Hilfebedarf mündige Bürgerinnen und Bürger.“

Dazu aktuell Sahra Wagenknecht:

Sahra_Wagenknecht2017Erschreckende Berichte erreichen uns derzeit aus Italien: Überbelegte Intensivstationen, es fehlen Beatmungsgeräte, das Klinikpersonal ist völlig überlastet, die Ärzte müssen furchtbare Entscheidungen treffen. Wir müssen jetzt alles dafür tun, solche Zustände in Deutschland zu verhindern.
Es ist möglich und dringlich, die Ansteckungsrate zu verlangsamen, um einen Kollaps im Gesundheitswesen zu verhindern. Keine Versammlungen, Home-Office, wo immer es geht, jeden unnötigen Kontakt vermeiden, Abstand halten ist angesagt. Ältere Menschen und jene mit Vorerkrankungen müssen besonders geschützt werden. Ihnen und allen Pflegekräften, Ärzten, Rettungshelfern usw. gehört jetzt unsere Unterstützung und Solidarität.

Der Schutz von Menschenleben muss Vorrang haben vor ökonomischen Erwägungen.

Deshalb muss die Politik ein starkes Versprechen geben, dass niemand um seinen Lohn oder gar seine Existenz fürchten muss, wenn es zum “Shutdown” kommt, wenn Lieferketten unterbrochen werden, Reisen, Termine und Veranstaltungen ausfallen. 

Aus Verantwortung hat die Linksfraktion vorerst alle Veranstaltungen abgesagt, auch die Industriepolitische Konferenz am Samstag in Duisburg wird verschoben, für die ich noch im letzten Newsletter geworben habe.
Gesundheit, Sicherheit und Besonnenheit – das wünsche ich Euch und Euren Lieben in dieser Zeit.

Wir müssen angesichts der Corona-Pandemie ausserdem einiges nachholen, was es in Deutschland sowieso braucht – nicht nur in Zeiten der Krise:

  • Ein gut ausgestattetes Gesundheitssystem in kommunaler Hand, das für die Kranken da ist, statt Profite für Finanzinvestoren und reiche Anleger zu erwirtschaften. Schon viel zu lange wurden Krankenhäuser durch Privatisierungen und Profitwahn geschröpft: Stationen, Labore oder ganze Kliniken geschlossen; im Ergebnis fehlen Tausende Ärzte und Hunderttausende Pflegekräfte, vor allem aber faire Arbeitsbedingungen und gute Löhne.
  • Eine stabile Arzneimittelproduktion in Deutschland und Europa. Zu groß ist die Abhängigkeit von Importen, vor allem aus China und Indien. Selbst vermeintliche „Made in Germany“ Medikamente stammen häufig aus asiatischen Fabriken, wo oft zu verheerenden Bedingungen für Mensch und Umwelt produziert wird.
  • Klare Regeln für die öffentliche Förderung von neuen Impfstoffen und Medikamenten. Es darf nicht sein, dass der Staat die Erforschung und Entwicklung finanziert, während die Ergebnisse dann von privaten Konzernen patentiert werden und wegen horrender Preise für viele unzugänglich bleiben.

Corona, Konjunkturschwäche, Krise?

Zwischen den Schreckensmeldungen über die zunehmende Verbreitung des Virus sind die dramatischen Entwicklungen am Finanzmarkt fast untergegangen. Der DAX saust in die Tiefe, der DowJones lag zwischenzeitlich bei – 9,3 Prozent, das größte Minus an einem Tag seit mehr als 32 Jahren.
Dabei trifft die Pandemie auf eine ohnehin längst schwächelnde Konjunktur. Die deutsche Wirtschaft, extrem abhängig vom Export und angewiesen auf Zulieferungen aus dem Ausland, rutscht in die Krise. Aber neben realwirtschaftlichen Faktoren wird der Absturz der Finanzmärkte durch Spekulation beschleunigt. Für einige Hedge Fonds ist die Corona-Krise längst ein gewinnträchtiges Geschäft. Sie wetten auf fallende Kurse der besonders betroffenen Unternehmen, und machen damit Millionenprofite.
Nun rächt sich, dass aus der Finanzkrise vor über zehn Jahren nichts gelernt und kaum Konsequenzen gezogen wurden. Spekulanten und Banken zocken weiter, Regulierung? Fehlanzeige.

Um weiteren Schaden abzuwenden, muss sich das endlich ändern. Wir brauchen eine (echte) Finanztransaktionssteuer statt des zahnlosen Papiertigers von Olaf Scholz, ein Verbot von Leerverkäufen und starke öffentliche Banken, die Unternehmen unbürokratisch mit Liquidität versorgen und so Engpässe überbrücken helfen. Statt pauschaler Steuersenkungen für Konzerne brauchen wir ein großes Notfallpaket für Beschäftigte, für kleine und mittelständische Unternehmen, für Selbständige und Freiberufler, die jetzt von Umsatzeinbrüchen oder Produktionsunterbrechungen hart getroffen werden. Ein paar Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld reichen da nicht – da viele Beschäftigte damit nicht über die Runden kommen und sehr viele Betroffene es gar nicht erst erhalten.
Neben akuten Nothilfen muss ein umfassendes Investitionsprogramm her, um ein Abrutschen in eine große Krise zu verhindern: Marode Schulen brauchen Investitionen in ordentliche Gebäude und technische Standards. Das Gesundheitssystem und Pflege laufen vielerorts auch zu normalen Zeiten im Notstandsmodus. Mehr Personal, bessere Bedingungen und Löhne sind längst überfällig. Und wir brauchen Investitionen in umweltverträgliche, sichere Jobs – um jetzt die Krise abzuwenden und um uns für die Zukunft gut aufzustellen.
Sahra und Jochen