Armut in Deutschland: Paritätischer Wohlfahrtsverband beklagt tiefe soziale Kluft und fordert verteilungspolitischen Kurswechsel

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Ganz aktuell, sogar der SPIEGEL kann an der Statistik nicht vorbeigehen. Und, kann immer noch behauptet werden, die Armen seien selber schuld ?
http://www.der-paritaetische.de/nc/pressebereich/artikel/news/first-communication-helper-for-refugees-paritaetischer-stellt-bildbasierte-verstaendigungshilfe-f-1/
Auszüge:

Pressemeldung vom 05.11.2015

In den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus der Erhebung Leben in Europa (EU_SILC) sieht der Paritätische Wohlfahrtsverband einen weiteren Beleg dafür, dass Deutschland ein sozial tief gespaltenes Land ist. Die hohe Einkommensarmut in Deutschland sei alarmierend.
Der Verband unterstreicht seine Forderung nach einem umfassenden Maßnahmenpaket zur Armutsbekämpfung. Zur Finanzierung entsprechender Maßnahmen sei zudem ein steuerpolitischer Kurswechsel unabdingbar.
„Wenn bis zu 16,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, dem viertreichsten Land der Welt, als arm oder abgehängt gelten, ist das nicht nur ein Verteilungsproblem, sondern ein Verteilungsskandal“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Die aktuellen Zahlen belegen einmal mehr die Notwendigkeit einer verteilungs- und damit steuerpolitischen Kurskorrektur. Wir brauchen wirksame politische Maßnahmen gegen Armut und Ausgrenzung und eine neue solidarische Steuerpolitik, um diese Maßnahmen zu finanzieren“, so Schneider.

Der Paritätische fordert von der Bundesregierung neben einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV und dem Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, Reformen des Familienlastenausgleichs und der Altersgrundsicherung.
Darüber hinaus seien Investitionen in Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zentral. Zur Finanzierung schlägt der Verband unter anderem eine stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften vor.
Der Verband kündigt für Mitte November die Veröffentlichung des Buches „Kampf um die Armut“ an, in dem namhafte Experten sich mit Fragen der Armutsmessung und Armutsbekämpfung auseinandersetzen.

Die Präsentation des Buches erfolgt im Rahmen einer Veranstaltung am 18. November, 12 Uhr in der Alten Feuerwache Köln mit den Autoren Christoph Butterwegge, Friedhelm Hengsbach SJ, Stefan Sell, Rudolf Martens und Ulrich Schneider.


Jochen

Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt vor »Lawine von Altersarmut«

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

AltersarmutSo langsam kommt das Thema bei allen Gutmenschen an:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/937457.paritaetischer-warnt-vor-lawine-von-altersarmut.html
Es werden aber wohl nicht eine, sondern 12 Millionen werden !
Auszüge:

Wohlfahrtsverband geht von weit mehr als einer Million Grundsicherungsbezieher aus

Schneider: Große Koalition hat beim Thema einen »blinden Fleck«

ulrich schneiderBerlin. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einer »Lawine von Altersarmut« ab den 2020er Jahren.
Gegenüber der »Neuen Osnabrücker Zeitung« sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer der Organisation, man gehe »davon aus, dass die Zahl derer, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sein wird, dramatisch ansteigen wird, von jetzt rund 465.000 auf weit mehr als eine Million. Darauf muss sich die Politik dringend einstellen.«
In zehn Jahren würden jene Jahrgänge in den Rentenbezug kommen, die besonders stark von Langzeit- und Mehrfacharbeitslosigkeit betroffen gewesen sind.
Schneider verwies jedoch darauf, dass der Koalitionsvertrag von Union und SPD beim Thema Altersgrundsicherung einen »blinden Fleck« aufweise. Die Schätzungen der Bundesregierung zur Entwicklung der Grundsicherung im Alter kritisierte der Sozialexperte als »ziemlich optimistisch«.
Die Bundesregierung erwartet, dass diese Ausgaben bis zum Jahr 2018 um 1,7 Milliarden auf 7,2 Milliarden Euro ansteigen werden.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass immer mehr Ältere auch jenseits des gesetzlichen Rentenalters weiter arbeiten.
So gab es Ende September 2013 bundesweit 855 510 Minijobber über 65 Jahre, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.
Das waren 42 200 mehr als ein Jahr zuvor und sogar mehr als 270 000 mehr als 2003. Rund 142 000 Minijobber waren sogar älter als 74 Jahre, zeigt die BA-Statistik.

Laut Schneider will der Paritätische im Sommer eine Offensive zur Reform der Altersgrundsicherung starten. Damit sollen unter anderem die Anhebung der Hartz-Regelsätze von 391 auf mindestens 460 Euro und bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten im Alter durch Einführung neuer Freibeträge gefordert werden.
»Die ersten 100 Euro Zuverdienst bleiben gänzlich frei, was drüber geht, wird prozentual angerechnet«, so Schneider. Er schlug zudem gegenüber dem Blatt vor, die Abwicklung der Altersgrundsicherung der Rentenversicherung zu übertragen. nd/mit Agenturen

Mein Kommentar: Diese Offensive hätte er mal vor den Bundestagswahlen 2013 starten sollen, als die katastrophalen Zahlen schon absehbar waren.

Siehe dazu auch https://josopon.wordpress.com/2017/04/11/von-kindesbeinen-an-im-teufelskreis-der-armut/

und https://josopon.wordpress.com/2015/11/06/armut-in-deutschland-paritatischer-wohlfahrtsverband-beklagt-tiefe-soziale-kluft-und-fordert-verteilungspolitischen-kurswechsel/

Über Kommentare hier auf meinem Blog würde ich mich freuen.
Jochen