Mit Müsli gegen Arthritis

Mal was zum gesunden Alltagsleben. Von Arthritis sind im Alter sehr viele Menschen betroffen.

https://idw-online.de/de/news687101

FAU_NuernbergDass eine gesunde Ernährung unser allgemeines Wohlbefinden steigert, ist altbekannt. Jetzt haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden, dass eine ballaststoffreiche Kost den Krankheitsverlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen positiv beeinflussen und zu einer Stärkung der Knochen führen kann. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Fachmagazin Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-017-02490-4) veröffentlicht.

Schlüssel für die Wirkung unserer Ernährung auf die Gesundheit sind die Darmbakterien: Eine gesunde Darmflora besteht aus einer Vielzahl von Bakterienarten. Jeder erwachsene Mensch trägt etwa zwei Kilogramm an gutartigen Bakterien in seinem Darm. Diese Verdauungshelfer zerlegen Ballaststoffe in einzelne Bestandteile, so dass der Körper sie aufnehmen kann. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die für den Körper wichtig sind. Diese liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. Die Darmbakterien bekämpfen darüber hinaus Krankheitserreger, die in den Verdauungstrakt gelangen. Bekannt ist, dass die Zusammensetzung der Darmflora schützende, aber auch krankmachende Effekte haben kann. Ein intaktes Zusammenleben der verschiedenen Bakterien schützt die Darmwand und verhindert, dass sie für Krankheitserreger durchlässig wird.

In der aktuellen Veröffentlichung in Nature Communications zeigen die FAU-Forscher, dass es jedoch nicht die Darmbakterien selbst sind, sondern ihre Stoffwechselprodukte, die das Immunsystem beeinflussen und damit auch auf Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis wirken. Unklar ist noch, wie die Verständigung zwischen Darmbakterien und Immunsystem abläuft und wie gegebenenfalls die Bakterien positiv beeinflusst werden könnten. Im Fokus der Forscher stehen dabei die kurzkettigen Fettsäuren Propionat und Butyrat, die innerhalb von Gärprozessen der Darmbakterien gebildet werden. Diese Fettsäuren sind unter anderem in der Gelenkflüssigkeit zu finden und man nimmt an, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit der Gelenke haben.

Die FAU-Wissenschaftler um Dr. Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen konnten zeigen, dass eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung die Darmflora so verändert, dass mehr kurzkettige Fettsäuren, vor allem Propionat, gebildet werden. Sie konnten eine erhöhte Konzentration der kurzkettigen Fettsäure unter anderem im Knochenmark nachweisen, wo das Propionat bewirkte, dass sich die Zahl der knochenabbauenden Zellen verringerte und damit auch den Knochenabbau deutlich verlangsamte. Propionat wird schon seit den 1950er Jahren als Konservierungsmittel in der Backindustrie verwendet und ist als prominenter Vertreter kurzkettiger Fettsäuren nach EU Richtlinien als Nahrungsmittelzusatzstoff überprüft und zugelassen.

„Wir konnten zeigen, dass eine bakterienfreundliche Ernährung entzündungshemmend ist und zugleich einen positiven Effekt auf die Knochenfestigkeit hat“, sagt Studienleiter Dr. Mario Zaiss. „Unsere Erkenntnisse bieten einen vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung innovativer Therapien bei entzündlichen Gelenkerkrankungen sowie für die Behandlung von Osteoporose, die häufig bei Frauen nach der Menopause auftritt. Wir können heute noch keine konkrete Empfehlung für eine bakterienfreundliche Ernährung geben, aber ein morgendliches Müsli und ausreichend Obst und Gemüse täglich hilft, einen artenreichen Bakterienmix aufrechtzuerhalten.“

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Informationen für die Medien:
Dr. Mario M. Zaiss
Tel.: 09131/85-43212
mario.zaiss „AT“ uk-erlangen.de

Fürs neue Jahr: Geruchsintensive Flatulenzen müssen nicht sein – Unser täglich Brot…

Ernstgemeinte Wissenschaft hier:

http://www.spektrum.de/news/geruchsintensive-flatulenzen-muessen-nicht-sein/1426322

franken-wc

Wir wünschen Guten Appetit !

Zu den wohl peinlichsten Momenten gehören faulig riechende Flatulenzen. Doch die Verdauung lässt sich durchaus so beeinflussen, dass abgehende Winde seltener miefen.

Die Verdauung bringt es mit sich, dass dabei Gase entstehen: Die unzähligen Bakterien der Darmflora zersetzen den Nahrungsbrei, und aus den Kohlenhydraten entstehen Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan. Geschluckte Luft findet ebenfalls ihren Weg durch den Darm nach draußen. Sie sind alle weitgehend geruchlos und sorgen allenfalls durch eine möglicherweise auftretende Geräuschkulisse für peinliche Momente, wenn der Wind abgeht. Unsere Nahrung besteht jedoch zu einem großen Teil auch aus Proteinen, die den Flatulenzen üble Geruchskomponenten in Form des faulig riechenden Schwefelwasserstoffs hinzufügen können: Dieser Duft fauler Eier wird ebenfalls durch Darmbakterien erzeugt, wenn sie proteinhaltiges Essen verarbeiten. Das stinkende Gas sorgt jedoch nicht nur für rote Köpfe, sondern erhöht womöglich auch das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder gar Darmkrebs.Chu Yao von der Monash University in Melbourne und ihr Team haben deshalb untersucht, wie sich die Produktion des Schwefelwasserstoffs durch bestimmte Lebensmittel beeinflussen ließe – ohne dass wir völlig auf Käse, Eier oder Fleisch verzichten müssten. Dazu untersuchten sie die festen Ausscheidungsprodukte sieben gesunder Erwachsener und fügten ihnen im Labor bestimmte Mengen an Zystein zu. Diese schwefelreiche Aminosäure kommt in proteinreichen Lebensmitteln in größerer Konzentration vor. Nach dieser Behandlung entwickelten die ausgeschiedenen Darmbakterien in den Stuhlproben plötzlich die siebenfache Menge an Schwefelwasserstoff. Dieser Prozess war jedoch umkehrbar. Denn nach dem Hinzufügen von vier langsam abbaubaren Kohlenhydraten sanken die Emissionen beträchtlich: Diese passieren den Darm nur unvollständig verdaut und werden erst im Dickdarm nach und nach fermentiert.

Besonders effektiv wirkten dabei Stärke, die beispielsweise in Kartoffeln, Bananen oder Getreideprodukten vorkommt, und Fructane – Mehrfachzucker, die unter anderem in Weizen, Artischocken und Spargel vorhanden sind. Sie drosselten die Schwefelwasserstoffproduktion um ganze 75 Prozent. Die beiden anderen Kohlenhydrate, Psyllium(ein Pflanzenschleim aus Flohsamen) und Sterculia (ein faseriger Ballaststoff, der aus Stinkbäumen gewonnen wird), drosselten sie immerhin noch um ein Viertel. Beide Kohlenhydrate werden nur sehr schlecht abgebaut, quellen im Darm aber stark und nehmen dabei auch üble Gerüche auf.

Das auf der Jahrestagung der Gastroenterologischen Gesellschaft Australiens vorgestellte Ergebnis würde einige Ernährungsvorschläge über den Haufen werfen, sollte es sich bestätigen, so der „New Scientist“. Menschen, die unter exzessiven geruchsintensiven Blähungen leiden, wird oft geraten, auf ballaststoffreiche Lebensmittel zu verzichten. Dadurch reduziert sich zwar tatsächlich die Menge an produziertem Gas, da weniger Methan, Kohlendioxid et cetera entstehen. Dafür nimmt die Menge an Schwefelwasserstoff in Relation und im Gesamtvolumen zu – und davor fürchteten sich Menschen mehr als vor häufigeren, aber geruchlosen Flatulenzen, so die Forscher.

Als Nächstes wollen Yao und Co probieren, ob ihre Ergebnisse nicht nur im Labor, sondern auch im menschlichen Körper auftreten. Sie suchen daher gesunde und an Darmentzündungen leidende Menschen, die eine gewisse Zeit lang nur wenig Proteine, aber reichlich bestimmte Kohlenhydrate zu sich nehmen wollen.

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