Nachtschichtarbeit löst wohl Krebs aus

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN 

Diese Einschätzung hat nun ein international besetztes Gremium aus 27 Wissenschaftlern für die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC_Logo(IARC) bestätigt.
Etwa 20 Prozent aller Beschäftigten arbeiten außerhalb der typischen Arbeitszeit.
Bereits 2007 hatte eine Arbeitsgruppe der IARC Nachtschichtarbeit als „wahrscheinlich für Menschen krebserregend“ (probably carcinogenic to humans) eingestuft. Schichtarbeit, bei der der Tag-Nacht-Rhythmus gestört wird, fällt damit in die Gruppe 2A, zu der auch Glyphosat oder rotes Fleisch gehören.

Diese Einschätzung wurde nun in einer Folgeevaluation bestätigt. Grund für die Neubewertung war die relativ hohe Zahl neuer Studien zum Thema, die in den letzten Jahren veröffentlicht worden sind. Die Einschätzung der 27 Wissenschaftler ist in „Lancet Oncology“ erschienen.
https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(19)30455-3/fulltext

Ihre Schlussfolgerung ziehen die beteiligten Wissenschaftler auf der Basis einer beschränkten Datenlage in Studien am Menschen, einer guten in Tierexperimenten und einer starken biologischen Plausibilität, wie sie in ihrer Begründung schreiben.

„Es war eine in weiten Teilen durchaus kontrovers geführte Diskussion der wissenschaftlichen Daten zum Thema. Einige neuere Studien fanden keinen Zusammenhang zwischen Nachtschichtarbeit und Krebs, andere wiederum zeigten überzeugend Risiken auf. Und die Einordnung der biologischen Befunde ist teils hoch kompliziert“, sagt Prof. Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, der als einziges deutsches Mitglied in der Expertenkommission an der neuen Klassifikation mitwirkte.

„Es gibt eine relativ deutliche Assoziation zwischen Nachtarbeit und malignen Tumoren der Brust, der Prostata und des Darms. Allerdings lassen sich, bedingt durch die Studiendesigns, andere Erklärungen nicht vollkommen ausschließen – darum mussten wir uns den Entscheidungskriterien der IARC gemäß für die Gruppe 2A, wahrscheinlich krebserregend, entscheiden“, so Zeeb.

Jochen

Fürs neue Jahr: Geruchsintensive Flatulenzen müssen nicht sein – Unser täglich Brot…

Ernstgemeinte Wissenschaft hier:

http://www.spektrum.de/news/geruchsintensive-flatulenzen-muessen-nicht-sein/1426322

franken-wc

Wir wünschen Guten Appetit !

Zu den wohl peinlichsten Momenten gehören faulig riechende Flatulenzen. Doch die Verdauung lässt sich durchaus so beeinflussen, dass abgehende Winde seltener miefen.

Die Verdauung bringt es mit sich, dass dabei Gase entstehen: Die unzähligen Bakterien der Darmflora zersetzen den Nahrungsbrei, und aus den Kohlenhydraten entstehen Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan. Geschluckte Luft findet ebenfalls ihren Weg durch den Darm nach draußen. Sie sind alle weitgehend geruchlos und sorgen allenfalls durch eine möglicherweise auftretende Geräuschkulisse für peinliche Momente, wenn der Wind abgeht. Unsere Nahrung besteht jedoch zu einem großen Teil auch aus Proteinen, die den Flatulenzen üble Geruchskomponenten in Form des faulig riechenden Schwefelwasserstoffs hinzufügen können: Dieser Duft fauler Eier wird ebenfalls durch Darmbakterien erzeugt, wenn sie proteinhaltiges Essen verarbeiten. Das stinkende Gas sorgt jedoch nicht nur für rote Köpfe, sondern erhöht womöglich auch das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder gar Darmkrebs.Chu Yao von der Monash University in Melbourne und ihr Team haben deshalb untersucht, wie sich die Produktion des Schwefelwasserstoffs durch bestimmte Lebensmittel beeinflussen ließe – ohne dass wir völlig auf Käse, Eier oder Fleisch verzichten müssten. Dazu untersuchten sie die festen Ausscheidungsprodukte sieben gesunder Erwachsener und fügten ihnen im Labor bestimmte Mengen an Zystein zu. Diese schwefelreiche Aminosäure kommt in proteinreichen Lebensmitteln in größerer Konzentration vor. Nach dieser Behandlung entwickelten die ausgeschiedenen Darmbakterien in den Stuhlproben plötzlich die siebenfache Menge an Schwefelwasserstoff. Dieser Prozess war jedoch umkehrbar. Denn nach dem Hinzufügen von vier langsam abbaubaren Kohlenhydraten sanken die Emissionen beträchtlich: Diese passieren den Darm nur unvollständig verdaut und werden erst im Dickdarm nach und nach fermentiert.

Besonders effektiv wirkten dabei Stärke, die beispielsweise in Kartoffeln, Bananen oder Getreideprodukten vorkommt, und Fructane – Mehrfachzucker, die unter anderem in Weizen, Artischocken und Spargel vorhanden sind. Sie drosselten die Schwefelwasserstoffproduktion um ganze 75 Prozent. Die beiden anderen Kohlenhydrate, Psyllium(ein Pflanzenschleim aus Flohsamen) und Sterculia (ein faseriger Ballaststoff, der aus Stinkbäumen gewonnen wird), drosselten sie immerhin noch um ein Viertel. Beide Kohlenhydrate werden nur sehr schlecht abgebaut, quellen im Darm aber stark und nehmen dabei auch üble Gerüche auf.

Das auf der Jahrestagung der Gastroenterologischen Gesellschaft Australiens vorgestellte Ergebnis würde einige Ernährungsvorschläge über den Haufen werfen, sollte es sich bestätigen, so der „New Scientist“. Menschen, die unter exzessiven geruchsintensiven Blähungen leiden, wird oft geraten, auf ballaststoffreiche Lebensmittel zu verzichten. Dadurch reduziert sich zwar tatsächlich die Menge an produziertem Gas, da weniger Methan, Kohlendioxid et cetera entstehen. Dafür nimmt die Menge an Schwefelwasserstoff in Relation und im Gesamtvolumen zu – und davor fürchteten sich Menschen mehr als vor häufigeren, aber geruchlosen Flatulenzen, so die Forscher.

Als Nächstes wollen Yao und Co probieren, ob ihre Ergebnisse nicht nur im Labor, sondern auch im menschlichen Körper auftreten. Sie suchen daher gesunde und an Darmentzündungen leidende Menschen, die eine gewisse Zeit lang nur wenig Proteine, aber reichlich bestimmte Kohlenhydrate zu sich nehmen wollen.

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