Politik treibt Ärzte mit IT-Vorgaben aus ihrem Beruf !

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Hier zieht eine sehr engagierte Hausärztin zum 1.1.2022 die Konsequenz, die ich schon Mitte 2019 gezogen habe – sie gibt, u.a. um ihren Patienten die Schweigepflicht zu erhalten, ihre Kassenzulassung ab.
Auch mir ist es seelisch besser ergangen, seit ich ausgestiegen bin.

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Inwieweit diese Tele-Informatik mit Zwangserfassung zu einem System gehört, das aus der ganzen Welt soviel wie möglich Daten ansaugen will zum Zweck der elektronisch gestützten Staatsführung und Optimierung im Interesse von Großindustrie, Banken und Geheimdiensten, darüber mehr hier:
https://josopon.files.wordpress.com/2021/08/erosion_d_demokratie2021-08.pdf

Hier der entsprechende Artikel aus dem Ärztenachrichtendienst https://www.aend.de/article/213791

Vor einer Flucht vieler Vertragsärzte in den frühzeitigen Ruhestand warnt die Freie Ärzteschaft (FÄ). Grund seien vor allem aufgezwungene Vorgaben zur Digitalisierung, die den Praxisbetrieb stören würden, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung des Verbands. Darin kommt auch eine Ärztin zu Wort, die sich zum Aufhören entschieden hat.

Viele Praxisärzte berlegen derzeit, ihre Tätigkeit an den Nagel zu hängen und das durchaus auch weit vor dem Ruhestand, sagt FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich. Verantwortlich dafür ist aus seiner Sicht unter anderem eine fehlgeleitete Digitalisierung in den Praxen. Sie führe zu massiven Behinderungen im Praxisbetrieb.

eCard-neindankeBereits beim sogenannten Versichertenstammdaten-Abgleich, zu dem die Arztpraxen schon vor längerer Zeit verpflichtet wurden, komme es immer wieder zu Störungen und Ausfällen, erklärt Dietrich.
Für geplante Anwendungen wie die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), das elektronische Rezept (eRezept) und die elektronische Patientenakte (ePA) sei ähnliches zu erwarten.

Ein weiterer Kritikpunkt der FÄ: Der Datenschutz werde bei den Vorgaben zur Digitalisierung nicht ausreichend berücksichtigt. Patientendaten gehören nicht in eine Cloud und Ärzte sind keine Sachbearbeiter, die die Daten für die Verwertung durch Krankenkassen und Industrie sammeln, betont Dietrich.
Die aktuelle Gesundheitspolitik stelle die Interessen der IT-Industrie, Krankenkassen und anderen an den Patientendaten interessierten Institutionen und Unternehmen vor die Belange der Patienten und Ärzte, moniert der FÄ-Chef.

Um zu veranschaulichen, inwieweit die Digitalisierungspflichten Niedergelassene aus ihrem Beruf treibt, lässt die FÄ in ihrer Mitteilung ihre baden-württembergische Landesvorsitzende Dr. Susanne Blessing zu Wort kommen.
Sie hat sich entschieden, ihren Kassenarztsitz früher als geplant niederzulegen nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit als Hausärztin in Tübingen.
Aufgrund komplexer und störanfälliger digitaler Datenverwaltung habe sie immer weniger Zeit für die individuellen Bedürfnisse ihrer Patientinnen und Patienten, sagt Blessing, die auch regelmäßig im änd-Forum schreibt.
Zuwendung, Vertrauen und ärztliche Kompetenz sind entscheidend für den Behandlungserfolg. Standardisierte und erzwungene Datenverwaltung aber beeinträchtigt erheblich den empathischen Arzt-Patienten-Kontakt, sagt sie.

An die Telematik-Infrastruktur hat sich die Hausärztin nicht angeschlossen.
Sie begründet das wie folgt: Meine ärztliche Schweigepflicht ist mir wichtiger als die zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten.
Sie befürchtet zudem, dass etwa Versicherungen die digital gespeicherten Daten der Patienten zu deren Nachteil verwenden könnten.

Über ihren Entschluss, ihre Praxis aufzugeben, seien zwar viele Patientinnen und Patienten traurig, gleichzeitig würden sie aber durchaus Verständnis zeigen, berichtet Blessing. Manche würden es auch aus ihrem eigenen Arbeitsalltag gut kennen, wenn Bürokratie und Datenverwaltung massiv die eigentliche Tätigkeit stören wrden.

Wenn sich nun mehr und mehr Haus- und Fachärzte entscheiden wrden, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, gehe wertvolle Erfahrung verloren und der Ärztemangel nehme zu, warnt FÄ-Chef Dietrich.
Zudem würden die Termin-Wartezeiten immer länger. Bei vielen Fachärzten würden die Patienten heute bereits oft viele Wochen bis Monate auf eine Vorstellung in der Praxis warten.

Mein Kommentar: Für die meisten Patienten heißt das leider
– entweder lange auf Termin warten, buckeln, sich dem Diktat von medizinfremden KassenmitarbeiterInnen unterwerfen
– oder die Behandlung selber zahlen und sich so die ärztliche Schweigepflicht sichern.

Kaum einer meiner früheren Kassenpatienten war über die Tragweite seiner Entscheidung informiert, die elektronische Gesundheitsberwachungskarte von seiner Kasse anzunehmen.
Siehe mehr dazu in meinem halbstündigen Vortrag hier: https://www.youtube.com/watch?v=Vg4Bg_-AVD4
Auch die darauf folgenden 3 Vorträge kann ich sehr empfehlen.
Schönes Wochenende !

Über Kommentare auf meinem Blog hier  würde ich mich freuen.
Jochen

Schädlicher Freihandel – Wie die EU Kamerun aussaugen will

Aktuelles Gegenargument zu TTIP hier:

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59231

Auszüge:

Das vor der Umsetzung stehende sogenannte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der EU mit Kamerun wird das afrikanische Land weiter in die Armut treiben. Dies erklärt die Generalsekretärin der kamerunischen Bürgerorganisation ACDIC, Yvonne Takang, gegenüber german-foreign-policy.com. Takang warnt, das Abkommen (Economic Partnership Agreement, EPA), das auf Druck aus Brüssel im vergangenen Jahr in einer Nacht- und Nebel-Aktion ratifiziert wurde, schade Kamerun „in der Landwirtschaft und bei der regionalen Integration“; auch stehe es einer etwaigen Industrialisierung des Landes im Wege. Takang kündigt Widerstand gegen die Umsetzung des Abkommens an. Die EU bemüht sich bereits seit dem Jahr 2002, mit den ehemaligen europäischen Kolonien Afrikas, der Karibik und der Pazifikregion EPAs zu schließen – mit dem Ziel, Märkte für europäische Unternehmen zu öffnen, attraktive Investitionsgelegenheiten zu schaffen und günstige Rohstoffimporte zu sichern. Die geplante Deregulierung lässt die schwächeren Nationalökonomien Afrikas ohne Schutz. Bekanntes Beispiel für die Folgen, die dabei drohen, ist die einheimische Produktion von Hühnerfleisch in Ghana, die nach der Öffnung des westafrikanischen Landes für europäische, auch deutsche Geflügelexporte faktisch zusammengebrochen ist. Profitiert haben hingegen deutsche Schlachtereien, die ihre Hähnchen-Ausfuhren und ihren Gewinn deutlich steigern konnten.

Die EPAs

Die Economic Partnership Agreements (EPAs) stehen seit 2002 auf der Tagesordnung der EU-Außenwirtschaftspolitik. Damals hatte Brüssel Verhandlungen darüber mit den sogenannten AKP-Staaten aufgenommen. Die AKP-Staaten sind 79 zumeist ärmere Länder Afrikas, der Karibik und der Pazifikregion, darunter vor allem ehemalige europäische Kolonien; bei den EPAs handelt es sich um Freihandelsabkommen, die im Wesentlichen darauf abzielen, die Exportchancen von Unternehmen aus der EU zu verbessern, ihnen attraktivere Investitionsbedingungen in den AKP-Staaten zu sichern und darüber hinaus die Einfuhren aus der AKP-Region – in hohem Maße sind dies Agrarprodukte und Rohstoffe für Europas Industrie – zu verbilligen. Offiziell heißt es etwa im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), die EPAs seien notwendig, um die Handelsbeziehungen zwischen beiden Seiten auf eine WTO-konforme Grundlage zu stellen.[1] Tatsächlich enthalten die EPAs Regelungen, die deutlich über WTO-Standards hinausgehen (german-foreign-policy.com berichtete [2]). Sie sind Teil der „Global Europe“-Strategie, die von der EU-Kommission im Jahr 2006 formuliert wurde und die europäische Wirtschaft in der globalen Konkurrenz möglichst an die Spitze bringen soll.[3] Die Strategie ist auch von deutschen Organisationen wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geprägt worden.

Verbotenes Dumping

Welche Gefahren ein umfassender Freihandel für die dann ungeschützten Nationalökonomien der AKP-Staaten mit sich brächte, zeigte sich exemplarisch schon vor Jahren in drastischer Weise am Niedergang der Geflügelproduktion in mehreren Staaten Westafrikas. In Ghana etwa, wo der Geflügelbedarf Anfang der 1990er Jahre noch weitgehend aus eigener Herstellung gedeckt werden konnte, lag die Kapazitätsauslastung der einheimischen Schlachthöfe im Jahr 2003 nur noch bei 25 Prozent. 2011 hieß es, die Produktion von Hühnerfleisch in Ghana sei „komplett zusammengebrochen“ [4]; bis zu 100.000 Arbeitsplätze seien verlorengegangen. Ursache war, dass einheimische Geflügelzüchter wegen unzureichenden Schutzes durch Zölle nicht mehr mit den hochsubventionierten Schlachthöfen aus den EU-Staaten konkurrieren konnten. Umgekehrt waren deutsche Schlachtereien in der Lage, ihre Exporte stark auszuweiten. Führten sie im Jahr 2000 lediglich 5.000 Tonnen Geflügel in afrikanische Länder aus, so lieferten sie 2011 bereits 19.000 Tonnen; 2012 verkauften sie bereits knapp 43 Millionen Tonnen Hähnchen an Staaten südlich der Sahara. Durch „verbotenes Dumping“ würden insbesondere Kleinbauern in Westafrika vollständig vom Markt „verdrängt“, kritisierte die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ im Jahr 2013: „Mit Importpreisen von circa 80 Eurocent pro Kilo“ könnten sie „nicht konkurrieren“.[5]

Teile und herrsche

Entsprechend hat es insbesondere in afrikanischen Ländern von Anfang an Widerstände gegen die Unterzeichnung der EPAs gegeben – anders als in der Karibik, mit der im Jahr 2007 wie geplant ein solches Abkommen auf regionaler Ebene unterzeichnet werden konnte. Weil die Verhandlungen mit den Staaten Afrikas schleppend liefen, setzte Brüssel nach einigen Jahren den Abschluss sogenannter Interim-EPAs mit einigen Ländern durch, darunter etwa Ghana und Cote d’Ivoire (Elfenbeinküste). Mit ihnen sollten in einer Art „Teile und herrsche“-Strategie Standards festgelegt werden, die bei der anvisierten Verabschiedung regionaler EPAs, so beispielsweise eines Abkommens mit dem westafrikanischen Wirtschaftsbündnis ECOWAS, nicht mehr auszuhebeln waren.
2014 erhöhte die EU ihren Druck und kündigte an, zum 1. Oktober 2014 sämtlichen AKP-Staaten, die „keine wirkliche Absicht zeigten“, die EPAs „zu unterzeichnen und zu ratifizieren“, den Marktzugang in Europa zu erschweren.[6]
Der Druck hat unter anderem dazu geführt, dass Kameruns Parlament das Abkommen im Juli 2014 in einer Nacht- und Nebel-Aktion ratifizierte – in der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause kurz vor Mitternacht.[7]
Die EU drängt Kamerun nun, weitere Länder Zentralafrikas zur Unterzeichnung zu veranlassen. Genannt werden unter anderem Gabun und Äquatorialguinea sowie die Demokratische Republik Kongo.

Widerstand

Dabei hält der Widerstand gegen die EPAs auch in Kamerun an. Schon seit Jahren macht sich dort unter anderem die Bürgerorganisation ACDIC (Association Citoyenne de Défense des Intérèts Collectifs) gegen das Abkommen stark. „Es wird definitiv zu mehr Armut führen“, warnt ACDIC-Generalsekretärin Yvonne Takang. Das EPA schade Kamerun „in der Landwirtschaft und bei der regionalen Integration“; so zwinge es faktisch „zur Aufgabe des Anbaus von Nahrungsmitteln, die wir selbst produzieren können“ – etwa Milch, Zucker und Speiseöl. Der Import von Dumping-Hühnerfleisch aus der EU, der zahllose Kleinbauern in Ghana ruinierte, habe nach langem Kampf gestoppt werden können, berichtet Takang; inzwischen gebe es wieder Bauern in Kamerun, die ihren Lebensunterhalt mit der Hühnerzucht verdienten. Man hoffe nun auf ähnliche Erfolge beim EPA. Immerhin habe es fünf Jahre gedauert, bis die Regierung die Vereinbarung ratifiziert habe: „Jetzt kämpfen wir dafür, dass das Abkommen nicht implementiert wird.“[8] Laut Aussage der EU soll es 2023 vollständig umgesetzt sein.

Kein Ausweg in Sicht

Allgemein stimmt Takang der Auffassung zu, die EU wolle die EPAs nutzen, um „sich Afrika als billigen Rohstofflieferanten zu erhalten und zugleich die Entwicklung eigener Industrien“ in Afrika „zu behindern“. Die Marktöffnung nutze einseitig den reichen europäischen Staaten, warnt die ACDIC-Generalsekretärin: „Selbst wenn die EU ihre Märkte zu tausend Prozent für uns öffnen würde, hätten wir kaum (industrielle, d. Red.) Produkte zu verkaufen. Die EU hingegen hat alle Möglichkeiten, unsere Märkte zu überschwemmen.“[9]
Auswege aus der Abhängigkeit Kameruns von den industriellen Wohlstandszentren Europas und aus der Armut wären bei einer Realisierung des EPA demnach weniger in Sicht denn je.
Bitte lesen Sie auch unser Interview mit Yvonne Takang.