Tells Apfel, Gesslerhut und die Putintrolle

Lesenswerte Erklärung über die Anwendung der Meinungsmache und deren zerstörerischer Wirkung in der Linken und Friedensbewegung am Beispiel der angeblichen Giftgasangriffe des syrischen Regierung. Auch eine gute Erklärung für das Piepsen der Küken.

Das kalte Herz

Und dieses ist des Landvogts Will und Meinung:
Dem Hut soll gleiche Ehre wie ihm selbst geschehn,
Man soll ihn mit gebognem Knie und mit
Entblösstem Haupt verehren – Daran will
Der König die Gehorsamen erkennen.
Verfallen ist mit seinem Leib und Gut
Dem Könige, wer das Gebot verachtet.

Schiller, Wilhelm Tell

Seit einigen Jahren könnte man glauben, die Medien seien verrückt geworden. Auf der einen Seite werden Propagandaerzählungen aufeinander gestapelt, die in sich widersinnig und unlogisch sind, auf der anderen Seite jeder zum Feind erklärt, der diese Erzählung in Frage stellt.

Die Erzählung vom syrischen Giftgasangriff vor wenigen Wochen etwa. Die einfachste Erwiderung darauf war ein Bild von Syriens Präsident Assad, daneben eine Sprechblase mit etwa folgendem Text: „Wir siegen an allen Fronten, der Waffenstillstand breitet sich aus… Lasst uns einen Giftgasangriff machen, sonst wird das nichts mit dem von Islamisten gepfählt werden.“

So zynisch diese Darstellung war, so…

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Die Spitze der Linken grüßt Merkels und Gaucks Gesslerhut

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Vorauseilende Unterwerfung zum Fest nationaler Besoffenheit ?

Arnold Schölzel findet kritische Worte dagegen:
https://www.jungewelt.de/ansichten/verheerend

Alle Jubeljahre wieder kommt Michail Gorbatschow nach Berlin, um in Reklamefilmchen z. B. für eine Luxusmarke oder für die vom Westen angestrebte Weltordnung zu werben. So unpopulär wie der Mann zu Hause ist, hat er allerhand Bedarf an Bargeld und simulierter Wichtigkeit.
Beides ist ihm sicher, solange er nicht vergisst, die globale Vormacht des Westens, die er mit herbeiführen half, gebührend zu preisen.
In Berlin gab er am Sonnabend von sich, er sei mit sich zufrieden und stolz darauf, »dass ich ein bisschen etwas beigetragen habe dazu, dass wir heute so leben, wie wir leben«.
Das gilt offensichtlich auch für die Blutspur, die USA und NATO seit 1991 mit ihren völkerrechtswidrigen Kriegen in Europa, Afrika und Asien hinterlassen haben. Gorbatschow nennt das: »Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg.«

Das hat mit der Realität so viel zu tun wie die Formeln des ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichefs von »allgemeinmenschlichen Interessen« oder dem »gemeinsamen Haus Europa« – nichts.
Gorbatschow – und mit ihm die »Reform«-Fronde der sozialistischen Länder Europas – »übersah« lediglich, dass weder die USA noch NATO und EU daran dachten, auf die gewaltsame Durchsetzung von Interessen zu verzichten, dass sie die eigene Vorherrschaft in Europa und weltweit nie zur Disposition stellten.
Gorbatschow gab gegen ein Trinkgeld und unter bewusster Inkaufnahme schwerster Rechtsbrüche gegenüber ostdeutschen Bürgern und deren fortdauernde Diskriminierung grünes Licht für den DDR-Anschluss.
Das Dankeschön aus Bonn war die Anzettelung der Kriege zur  Auflösung Jugoslawiens noch 1990. Seitdem ist das Völkerrecht für die angeblichen Rechtsstaatshüter ein Fetzen Papier.
Für diese Missachtung gibt es selbst in der Geschichte des deutschen Imperialismus kaum ein Beispiel: Jeder Angriffskrieg wird als Weiterentwicklung des Rechts gefeiert.
Der Kalte Krieg gegenüber Russland hörte für die NATO nie auf, die Frage war allein, wann sie an der russischen Grenze zu zündeln beginnen würde.

Seit einem Jahr, seit dem dank Moskau verhinderten US-Militärschlag gegen Syrien, ist es zumindest in den deutschen Medien soweit. Sie haben seither die besinnungslose Hetze gegen Russland ununterbrochen fortgesetzt.
Sie entscheiden zwar nicht über einen Kriegsbeginn, aber als akute Warnung kann betrachtet werden, dass die deutsche Bundeskanzlerin ihre Rede am Sonntag zum 9. November 1989 dazu nutzte, auf die bewaffneten Konflikte in der Welt und die von ihnen ausgehende Gefahr hinzuweisen.
Die Spitze der Linkspartei stellte diesen Zusammenhang nicht her. Sie grüßte untertänigst den Gesslerhut »Entschuldigung für die DDR«.
Da sind nicht nur Maßstäbe verrutscht, da wird nicht nur Geschichte durch Ausblendung der vergangenen 25 Jahre gefälscht.
Eine Erklärung dieser – Gorbatschowschen – Art, in der von Nichtkrieg bis 1989 und Krieg seither keine Rede ist, setzt ein verheerendes Zeichen.

Jochen