Libyen, ein Alptraum – Eine Psychologin berichtet

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Die Erfahrungen, die diese Kollegin macht, kann ich aus meiner eigenen Praxis bestätigen.
Viele meiner Pat. aus Afrika haben zu Hause und auf der Flucht ähnlich Entwertendes erlebt und müssen sich nun mit Äußerungen des Bundesamtes konfrontiert sehen, die ans 3.Reich erinnern.
Siehe hier auszugesweise:
https://www.jungewelt.de/artikel/343710.fl%C3%BCchtlingspolitik-libyen-ein-alptraum.html

An den Grenzen des Erträglichen: Arbeit mit jugendlichen Geflüchteten aus Afrika, die kaum Beschreibliches erlebt haben.

refugee libya

Mich erreichen häufig Berichte von Menschen, die Geflüchtete unterstützen. Viele sind schlicht entsetzt darüber, wie deutsche Behörden mit den schutzsuchenden Menschen umgehen.
Wie Geflüchtete, auch Familien, in isolierte Lager gesperrt werden, wie sie von Wachdiensten und Polizisten drangsaliert werden, wie Kindern das Recht auf Bildung vorenthalten wird, wie Traumatisierte unter Einsatz von Gewalt in andere EU-Staaten überstellt oder – noch schlimmer – in Kriegsländer abgeschoben werden.

Der nachfolgende Text stammt von einer mir namentlich bekannten Psychologin, die in Westfalen mit Geflüchteten arbeitet. Er hat mich tief erschüttert, da er auf erschreckende Weise veranschaulicht, welche Gewalt diese Menschen in Libyen erfahren haben. Eine Gewalt, die so brutal ist, dass selbst die Vorstellung davon kaum auszuhalten ist.
Es ist die Gewalt des Grenzregimes. Sie ist eine direkte Folge europäischer Politik.

Ulla Jelpke, Mitglied des Bundestages, Die Linke

Ich bin Psychologin, und ich liebe meinen Beruf. Ich arbeite mit jugendlichen Geflüchteten, die ohne Familienmitglieder nach Deutschland kommen.
Geschichten von Vergewaltigung, Entführung, Gewalt, Seeunglücken und Folter gehören zu meiner Arbeit. Vielleicht erscheint es für Außenstehende obskur, aber ich liebe diese Arbeit.
Ich liebe es, mit den Jugendlichen zu arbeiten, die überlebt haben, was nicht zu überleben ist. Von ihnen, diesen menschlichen Wundern, habe ich gelernt, wie stark Menschen sein können.
Sie sind es, die mir jeden Tag zeigen, dass es Hoffnung in den dunkelsten Ecken gibt.

Vor zwei Jahren waren die Ecken schon dunkel. Da kamen hauptsächlich Jugendliche aus Afghanistan, Syrien und Irak über die »Balkanroute« nach Deutschland und manchmal dann ein paar Monate später in mein Büro.
Im Sommer 2017 begann die Arbeit schwieriger zu werden, die Schutzquote für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sank dramatisch, und manchmal sah ich wochenlang keinen Jugendlichen mit einem positiv beschiedenen Asylantrag. Statt an der Aufarbeitung der Traumata zu arbeiten, verbrachte ich immer mehr Zeit damit, mit Jugendlichen, die gerade eine Ablehnung vom Bundesamt erhalten hatten, über ihre Selbstmordgedanken zu sprechen.
Es wurde dunkler in dieser Zeit, doch seit die Grenzen immer dichter werden und die Fluchtwege damit gefährlicher und vor allem auch länger, frage ich mich, wieviel dunkler die Ecken noch werden können.

Vorletzte Woche kam ein Jugendlicher zum ersten Mal in mein Büro. Er hatte den typischen Style eines 16jährigen Teenagers: Jeans, Kapuzenpullover, weiße Turnschuhe, Kappe.
Bevor ich mit ihm gesprochen hatte, wusste ich, dass er auf seiner Flucht in Libyen inhaftiert gewesen sein musste. Nicht, weil mir jemand vorher erzählt hatte, dass das Land ein Zwischenstopp auf seiner Fluchtroute aus Guinea gewesen war. Ich spürte es, als ich ihm die Hand reichte und in seinen Augen das nackte Grauen sah. Libyen.

Er kommt nun regelmäßig, und wir sprechen über sein Hungergefühl, das er seit den Monaten in Libyen verloren hat, als er nur einmal am Tag ein Stück Brot bekam.
Der Junge hat früher gerne Fußball gespielt, aber jetzt geht das nicht mehr, »wegen Libyen«, sagt er, zuckt mit den Schultern und sieht mich fragend an. Ich verstehe.
Ich verstehe, weil ich die Geschichten aus Libyen inzwischen kenne und schon ahne, was kommt, bevor er sein Hosenbein hochzieht und ich auf sein zertrümmertes Schienbein blicke.
Unsportlich zu sein »wegen Libyen« heißt, dass man so schwer geschlagen wurde, dass Körperteile irreparabel beschädigt wurden. Manchmal machen die Menschen keine Geräusche mehr, wenn ihnen die Körperteile zertrümmert werden, sagen meine Jugendlichen, dann ist der Schmerz zu groß zum Schreien.
Der Junge mit dem zertrümmerten Schienbein war in einem offiziellen Lager der libyschen Regierung. Ich sage dann, was ich immer sage: »Wenn es dir hilft, kannst du mit mir über die Erlebnisse sprechen, du musst es nicht, aber ich kann es aushalten.« Ich habe diesen Satz so viele Male in den letzten Jahren gesagt, und doch frage ich mich in letzter Zeit, ob ich es noch aushalten kann.
Denn Libyen macht mich fertig, mich, die Psychologin, die seit mehreren Jahren mit traumatisierten Geflüchteten arbeitet, die den IS, Taliban-Überfälle oder Mittelmeerüberfahrten überlebt haben. Aber Libyen bringt mich an meine Grenzen.

Täglich Prügel

Meine Jugendlichen kennen meist das Wort Folter nicht, auch nicht in ihrer Muttersprache. Sie sagen »Elektro« oder »Strom« und manchmal auch »Wasser«, und dann sprechen wir ein bisschen über Folter.
Darüber, wie sie erst gefesselt und an den Armen aufgehängt, dann mit Wasser übergossen wurden und anschließend Elektroschocks erhielten.
Ich bleibe professionell im Gespräch, aber in meinem Kopf gehe ich manchmal an einen anderen Ort – das Foltern von Kindern ist etwas, an das ich mich nie gewöhnen werde.
Doch wenn man mit Jugendlichen arbeitet, die aus Eritrea, Somalia, Guinea oder anderen afrikanischen Ländern geflohen und über die Libyen-Route nach Europa gekommen sind, dann muss man über Folter reden, inzwischen leider bei jedem Jugendlichen. Es kommt mir vor, als wäre in Libyen jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen. In diesem Land, dessen offizielle Regierung vom Westen unterstützt wird, das aber selbst gerade in Kämpfen versinkt.
Doch genau diesem Land wurden nach und nach immer mehr Kompetenzen für die »Flüchtlingsabwehr« der Europäischen Union zugesprochen.
Von Europa wissen die meisten meiner Jugendlichen bei ihrer Flucht recht wenig, sie müssen erst einmal nur raus aus ihrem Land, und das alleine, ohne Eltern. Ein Junge erzählte mir neulich, als wir über die kleine Farm eines Nachbarn sprachen, dass das einzige, was er in Guinea von Europa mitbekommen habe, die schweren Kartons mit Hühnchenteilen gewesen seien, die man billig habe kaufen können.

Einige Tage zuvor guckte ein Junge, den ich schon ein paar Monate kenne, durch meine Glastür. Er hatte schlecht geträumt von diesem einen Tag in Libyen und brauchte ein paar tröstende Worte. Irgendwelche Milizen hatten ihn in einem der vielen inoffiziellen Gefängnisse festgehalten.
Die Zustände dort sind noch dramatischer als in den regulären Flüchtlingslagern in Libyen. Niemand weiß, wie viele Menschen derzeit in solchen illegalen Gefängnissen festgehalten werden. Meistens möchten die Milizen Geld von den Familien im Heimatland des Entführten erpressen und wenden hierfür häufig Folter an.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Lager, in denen 100 oder 200 Migranten festgehalten werden, im verborgenen bleiben können. Ich befürchte, es wird weggeschaut, und keiner bemüht sich, Menschen aus illegaler Gefangenschaft zu befreien. Aber jetzt sitzt der Junge mit den Alpträumen vor mir und erzählt. Jeden Tag um zwölf Uhr mussten sie sich der Reihe nach aufstellen, um sich ihre tägliche Tracht Prügel abzuholen. Wenn es ein guter Tag war, dann waren es nur Gummiknüppel, wenn es ein schlechter Tag war, dann starb jemand, nachdem er mit Eisenstangen zusammengeschlagen worden war. Er gewöhnte sich irgendwann an die Zwölf-Uhr-Schläge.
Doch an diesem Tag, von dem er letzte Nacht wieder geträumt hatte, hatten die Milizionäre die Idee, sich etwas Abwechslung zu verschaffen. Sie zwangen den Jungen, sich vor allen Anwesenden auszuziehen, und im Anschluss forderten sie ihn auf, eine junge, mit ihm inhaftierte Frau zu vergewaltigen. Er hatte sich geweigert und war einige Stunden später blutüberströmt aus der Bewusstlosigkeit aufgewacht, in die sie ihn zur Strafe geschlagen hatten. Er träumt häufig davon und wacht dann schreiend und nassgeschwitzt auf.
Gerne hätte er eine Freundin, Teenagerprobleme, aber das geht nicht. Er denkt bei jedem Mädchen nur an die panischen Augen der Frau, die er vergewaltigen sollte. »Libyen«, sagt er und vergräbt dann das Gesicht in seinen Händen.

Entrechtet

Ein anderer Junge schaut auf den Boden, als er mir erzählt, wie Leichen aussehen, die aus dem Meer an Land gespült werden. Die illegalen Lager der Schlepper sollen nicht bei den seltenen oberflächlichen Kontrollen aus der Luft gefunden werden, und angespülte Leichen geben einen Hinweis auf die Orte, von denen aus die Boote abfahren. Sie müssen also beseitigt werden.
Am einfachsten, man zwingt gefangene Geflüchtete dazu, mit denen kann man sowieso machen, was man will. In Libyen ist ein Vakuum entstanden, in dem kriminelle Banden Menschenhandel mit Geflüchteten betreiben, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten und während der Aufenthalte in Transitländern keine Rechte haben.
Doch was soll ich mit einem Jugendlichen machen, der im Alter von 14 Jahren Dutzende von angespülten Leichen vergraben musste? Der bei jeder Abfahrt eines Schlepperbootes darüber nachdachte, ob er die an Bord befindlichen Passagiere im Laufe der nächsten Tage unter die trockene Erde schaufeln müsse? Der sagt, irgendwann habe er einfach keine Lust mehr gehabt, Tote anzufassen?
Während ich darüber nachdenke, verzieht sich sein Gesicht, und er hält sich den Bauch. »Einmal musste ich einen Freund vergraben, dem hatten sie den Kopf abgeschlagen, einfach weil sie Langeweile hatten«, flüstert der Junge. Dann berichtet er, wie er den Kopf, getrennt vom Körper, vor sich liegen sah. Mein Magen dreht sich um, und ich muss mich am Stuhl festhalten, um mich nicht zu übergeben.

Das ist neu, das ist mir in den letzten Jahren noch nie passiert. Der Junge trinkt einen Schluck Wasser und sagt dann schulterzuckend das Wort, das Bände spricht: »Libyen«.
»Was mache ich hier?« frage ich mich, nachdem der Junge gegangen ist. Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen, die vor ihrer Flucht massiv traumatisiert waren und aufgrund von Gefahr und Leid ihr Land verlassen mussten.
Das ist mein Job. Aber was ist mit den vielen Traumata auf dem Fluchtweg, die entstehen, weil die EU die Grenzen mit Hilfe von Ländern schützt, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind?
Und wie kann ich einen Jugendlichen stabilisieren, von dem ich weiß, dass er im Asylverfahren mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt wird und ihm Jahre der Abschiebeangst bevorstehen?
Ein großer Teil meiner Arbeit besteht inzwischen daraus, Traumata zu behandeln, die in Deutschland oder an den Grenzen der EU entstanden sind, und das ist ein Zustand, der frustriert.

Viele Fragen

Ich habe viele Fragen, Fragen an die Politik, Fragen an die Menschlichkeit, denn Libyen lässt mich an der Menschheit zweifeln.
Ein Junge, der aus Westafrika über Libyen nach Italien gekommen ist, hat auch eine Frage: »Darf ich dir was erzählen?« sagt er leise und erzählt dann, wie das Boot versank, auf dem er zwischen Libyen und Italien war, und wie er sah, wie sein bester Freund unterging. Er überlebte als einer von fünfzehn Menschen, die an zwei Paletten hingen und das Unglück mehrere Stunden überstanden, bei dem 83 Menschen starben.
Er hat überlebt, aber ein Teil von ihm ist auch gestorben, damals vor der italienischen Küste. Ein Teil, den er zuvor irgendwie gerettet hatte, konfrontiert mit Folter und Entführungen in Mali und Libyen.
Doch seit zwei Jahren hält er sich bei jedem Schritt vor, warum er überlebt hat und sein bester Freund nicht. Er ist wütend auf sich und macht sich dafür verantwortlich, dass er seinen Freund nicht retten konnte. Nacht für Nacht träumt er die Situation noch einmal durch und fragt sich, was er hätte anders und besser machen können.

Dieser Jugendliche fühlt sich verantwortlich für etwas, für das wir verantwortlich sind: Mit »wir« meine ich Deutschland, unsere Politiker, die Europäische Union. Ein Geflüchteter ohne legalen Status in Libyen kann die Situation auf den Fluchtwegen nicht verändern, er hat dort keinerlei Rechte und damit keine Handlungs- oder Entscheidungsspielräume.
Aber wir haben Entscheidungsmöglichkeiten, wir haben die Möglichkeit, anders zu handeln, und wir entscheiden uns dafür, es nicht zu tun.

Wir reden über Zahlen, als wären die Verstorbenen keine Individuen. Mich frustriert, dass die offiziellen Zahlen nur einen Bruchteil der Opfer erfassen können, denn die Toten, die meine Jugendlichen vergraben mussten, wurden nie registriert oder wahrgenommen.
Manchmal nennen mir die Jugendlichen weinend die Namen ihrer Freunde oder Fluchtgefährten, die in Libyen oder auf dem Mittelmeer gestorben sind. Dann spreche ich deren Namen einmal laut aus, trotzig, als würde die Nennung ihrer Namen die Gleichgültigkeit unserer Politik durchbrechen. Eine Politik, die wegschaut, während in Libyen die Menschlichkeit verlorengeht.
Durch die Anstrengungen, Migranten und Migrantinnen davon abzuhalten, nach Europa zu kommen, ist dort ein rechtsfreies Vakuum entstanden, in dem Geflüchtete wie Freiwild gefoltert und getötet werden dürfen.
Meine Jugendlichen haben es geschafft, lebend das Land zu verlassen. Aber was ist mit den Tausenden von Jugendlichen, die heute auf ihre tägliche Tracht Prügel in irgendeinem libyschen Lager warten und hoffen, diesen einen Tag, diese weitere Vergewaltigung, diesen nächsten Elektroschock zu überleben? »Libyen«, denke ich und zucke mit den Schultern.

Jochen

Spendenaufruf für die kubanischen Ärztebrigaden: Bereits 2 Brigaden zum Kampf gegen Ebola in Liber ia und Guinea eingetroffen

Jochens humanitäre Hilferufe

Spenden für die kubanischen Ärztebrigaden

Die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba unterstützt seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti im Jahr 2010, die weltweit in Katastrophengebieten eingesetzten kubanischen Ärztebrigaden. Aktuell sind über 100 Ärzte und Pflegemitarbeiter vor Ort bei der Ebola-Bekämpfung.

Spenden bitte unter dem Stichwort „Ärztebrigaden“
Bank für Sozialwirtschaft, Köln
IBAN: DE96 3702 0500 0001 2369 00, BIC: BFSWDE33XXX
Konto: 123 69 00, BLZ: 370 205 00
Abzugsfähige Spendenquittungen sind über unsere Geschäftsstelle erhältlich:
Maybachstr. 159, 50670 Köln, Tel. 0221-2405120, Fax 0221-6060080.
Online-Spenden sind hier möglich:
https://secure.spendenbank.de/kreditkarten/karte.php?oid=2663710

http://www.granma.cu/idiomas/aleman/internationales/23octubre-medicos.html

Kubanische Ärzte treffen zum Kampf gegen Ebola in Liberia und Guinea ein

Die kubanischen Ärzte und Krankenpfleger, die sich bereit erklärten, den Opfern des Virus zu helfen, kamen in ihren Einsatzorten an und wurden in beiden Ländern von dem jeweiligen diplomatischen Personal begrüßt

Foto: Anabel Díaz

Das Flugzeug mit kubanischen Ärzten und Krankenpflegern für die Behandlung der Opfer von Ebola traf in Liberia ein, berichtete Reuters. Es landete auf dem internationalen Flughafen Roberts in Monrovia. Eine weitere Gruppe von Ärzten der Insel kam im benachbarten Guinea an.

Jorge Fernando Lefebre Nicolas, Kubas Botschafter in Liberia, sagte, dass ihr Eintreffen von einem starken Gefühl der Solidarität seiner Regierung mit Liberia bestimmt ist.

Wie aus dem Bericht des Kanals Al Jazeera hervorgeht, fügte er hinzu, dass das Engagement Kubas auf die Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern gerichtet sei und bestätigte, dass die Ankunft des Gesundheitspersonals den Beginn der medizinischen Zusammenarbeit zwischen Kuba und Liberia markieren könne.

Augustine Kpehe Ngafuan, Außenminister Liberias, sagte seinerseits, er hoffe, dass kubanische Ärzte nicht nur am Kampf gegen Ebola teilnehmen werden, sondern auch bei der Stärkung des Gesundheitssektors des Landes in Fragen der Ausbildung und im Einsatz der Mitarbeiter in anderen kritischen Bereichen des liberianischen Gesundheitssystems. Dies geht aus der digitalen Website Front Page Africa hervor.

Der Minister sprach im Namen des Präsidenten Ellen Johnson-Sirleaf sowie der Regierung und des Volkes von Liberia seine tiefe Dankbarkeit und die besten Wünsche für Armeegeneral Raúl Castro und die Regierung und das Volk Kubas für deren Unterstützung in einer Zeit aus, in der das afrikanische Land eine Gesundheitskrise durchläuft.

Der stellvertretende Gesundheitsminister von Liberia, Matthew Flomo, sagte, dass die kubanische medizinische Brigade (Epidemiologen, Intensivmediziner, Allgemeinmediziner, Chirurgen, Kinderärzte, Intensiv-Krankenpfleger und Anästhesisten, etc.), bald in den Behandlungseinheiten mit der Arbeit beginnen können.

In Guinea Conakry wurden die Ärzte von den Ministern für Auswärtige Angelegenheiten, Lounsény;  für Gesundheit, Rémy Lamah, und für Internationale Zusammenarbeit, Moustapha Koutoubou Sanoh, empfangen, die für die Zusammenarbeit dankten, um die Epidemie zu konfrontieren, wie aus Berichten von Guineenews hervorgeht.

Koutoubou Sanoh betonte, dass die Beziehungen zwischen seinem Land und Kuba auf die Eroberung von Guineas Unabhängigkeit zurückreichen und bekräftigte das Engagement der afrikanischen Nation, unermüdlich für die Stärkung der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu arbeiten.

Mit dem Einsatz in Liberia und Guinea sind gegenwärtig insgesamt über 200 kubanische Gesundheitsexperten in drei westafrikanischen Ländern tätig, die speziell ausgesandt worden sind, um den Vormarsch der Epidemie aufzuhalten, was den bisher umfangreichsten Beitrag in Bezug auf qualifiziertes Personal darstellt.

Zweite kubanische Ärztebrigade trifft in Afrika ein

https://amerika21.de/2014/10/108826/zweite-aerztebrigade
Von Marcel Kunzmann

Die zweite Brigade besteht aus 39 Ärzten und 48 Krankenschwestern

Quelle: granma.cu

Havanna. Die kubanische Tageszeitung „Granma“ hat jüngst über das Eintreffen der zweiten Ärztebrigade informiert, die das Land im Kampf gegen Ebola nach Afrika entsandte. Sie besteht aus 39 Ärzten und 48 Krankenschwestern, die in Liberia und Guinea arbeiten werden.

Damit sind bisher insgesamt 255 kubanische Mediziner vor Ort im Kampf gegen die Epidemie. Kuba leistet damit weiterhin den größten Beitrag eines einzelnen Staates.
Das Land hatte zuletzt bei einem außerordentlichen Gipfel des linksgerichteten Staatenbündnisses ALBA in Havanna weitere Maßnahmen mit anderen Ländern Lateinamerikas und der Karibik beschlossen. In Kürze sollen bolivianische und venezolanische Ärzte in Kuba für den Einsatz in der Krisenregion geschult werden.

Der Hilfseinsatz des sozialistischen Landes wurde mittlerweile auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewürdigt.
„Das Land hat aufgrund der Erfahrung seiner Mediziner und dem politischen Handlungswillen die Fähigkeit, sehr schnell zu reagieren“, sagte José Luis Di Fabio, Leiter des WHO-Büros in Havanna. Es sei unglaublich, was Kuba leisten könne.

Derzeit sind über 50.000 kubanische Ärzte und andere medizinische Kräfte in über 66 Ländern im Einsatz, davon 30.000 in Venezuela, 12.000 in Brasilien und 2.000 in Angola. Knapp ein Drittel der kubanischen Ärzte befindet sich derzeit im Ausland.

dw
cd

Jochen

Ebola – die Katastrophe hinter der Katastrophe und der erbärmliche Zynismus Deutschlands

Aus den NachDenkSeiten von jens berger:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=23600

Die Nachrichten aus den drei von Ebola am stärksten heimgesuchten westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone könnten kaum schlechter sein – seit Ausbruch der Epidemie hat die Weltgesundheitsorganisation nun bereits mehr als 8.900 bestätigte Ebola-Fälle registriert. Für Dezember geht man nun von bis zu 10.000 neuen Fällen aus – pro Woche, wohlgemerkt! Bis Ende Januar 2015 kalkulieren die Experten mit 200.000 bis 250.000 Erkrankungen. Das ist für die drei bitterarmen Länder, von denen zwei sich gerade eben langsam von einem langwährenden Bürgerkrieg erholen, eine echte Katastrophe. Mindestens genau so schlimm wie die direkten sind jedoch die indirekten Folgen der Epidemie. Allen drei Staaten droht kurz- bis mittelfristig eine humanitäre Katastrophe mit Hungersnöten und mittel- bis langfristig eine tiefe Wirtschaftskrise, die die gesamte Region destabilisieren könnte. Aus Deutschland ist leider keine Hilfe zu erwarten.

Wir Deutsche betreiben gerne Nabelschau und sehen die Welt aus deutscher Perspektive. Und da ist es nun einmal „wichtiger“, dass in Leipzig ein aus Westafrika ausgeflogener Uno-Mitarbeiter an den Folgen von Ebola verstorben ist, als auf die Folgen der Seuche in einer ohnehin vergessenen Ecke der Welt aufmerksam zu machen.

Mega-Katastrophe mit Ansage

Um wenigstens ein wenig Interesse und Empathie zu wecken, sollte man sich folgende Zahlen vor Augen halten: Wenn man das Worst-Case-Szenario der US-Regierungsorganisation CDC auf das bevölkerungsreiche Deutschland übertragen würde, dann hieße dies, das bis Ende Januar nächsten Jahres in Deutschland mehr als 11 Millionen Menschen an der Seuche sterben würden. In Sierra Leone sind zwei komplette Regionen unter Quarantäne gestellt und komplett von der Außenwelt abgeriegelt – diese beiden Regionen haben gemessen an der Gesamtbevölkerung so viele Einwohner wie Baden-Württemberg gemessen an der deutschen Bevölkerung. Und wenn man den von der Weltbank prognostizierten wirtschaftlichen Schaden für die drei Länder, deren kombiniertes Bruttoinlandsprodukt drei mal so klein wie das des Saarlandes ist, auf den Wirtschaftsriesen Deutschland übertragen würde, käme man auf die schwindelerregende Summe von 6.762 Mrd. Euro. Keine Frage, Ebola ist bereits jetzt eine Katastrophe und könnte sogar zu einer „Mega-Katastrophe“ für Westafrika werden.

Während Bilder von sterbenden Menschen halbwegs regelmäßig in den hiesigen Nachrichten auftauchen, erfährt man hierzulande relativ wenig über die indirekten Folgen der Seuche. Die drei am stärksten betroffenen Staaten verfügen nicht nur über ein krisengeplagtes Gesundheitssystem auf niedrigstem Niveau, sondern auch über ein Wirtschaftssystem, das in der Breite eher an vorindustrielle Zeiten erinnert. Auf dem Lande dominieren Kleinbauern das wirtschaftliche Leben, die zum großen Teil Subsistenzwirtschaft betreiben und ihre Überschüsse samt einiger weniger „Marktfrüchte“ (z.B. Kaffee, Kakao) persönlich an den lokalen Märkten verkaufen. Dieses Wirtschaftssystem ist durch Ebola in einigen Regionen bereits faktisch zum Erliegen gekommen. Die Menschen haben Angst vor der Seuche und verlassen kaum mehr ihre Häuser. Die regionalen Ausgangssperren tun ihr übriges. Selbst die großen internationalen Finanzkonzerne, die das Land durch „Land Grabbing“ ausbeuten, können in Zeiten der Ebola nur eingeschränkt arbeiten, da die billigen Saisonarbeitskräfte die Plantagen nicht erreichen.

Siehe dazu auch: Jens Berger – Land Grabbing in Sierra Leone – Widerstand gegen den Neokolonialismus

Aus einer Wirtschaftskrise wird eine humanitäre Krise

Viele Familien können ihr kleines Stück Land nicht bestellen – die Saat bleibt aus, die Ernte kann nicht eingefahren werden. Und selbst dort, wo die Ernte planmäßig erfolgt, ist oft der Weg zu den lokalen Märkten durch die Ausgangssperre verbaut. Viele Märkte auf dem Lande wurden aufgrund des Infektionsrisikos bereits komplett geschlossen. Dadurch wird den Kleinbauern nicht nur die Möglichkeit verbaut, Teile ihrer Ernte zu verkaufen, sondern auch dringend notwendige Güter (z.B. Milchpulver, Medikamente) zu kaufen.


Typischer Markt in der Region Kenema, die heute unter Quarantäne steht
© Jens Berger

Mindestens genau so tragisch ist die Situation in den städtischen Gebieten. Der Umsatz im Einzelhandel ist in Sierra Leone seit Beginn der Epidemie um 50 bis 75% gefallen. Kaum wer besucht mehr öffentliche Plätze; Restaurant, Bars und der Tourismus sind von der Ebola-Krise besonders betroffen. In allen drei Krisenländern befindet sich der Dienstleistungssektor im freien Fall. Hinzu kommt, dass eine weitere wichtige Geldquelle versiegt ist – ein Großteil der Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen hat bereits das Land verlassen und auch viele ausländische Mitarbeiter der wenigen vor Ort befindlichen internationalen Konzerne sind aus Angst sich anzustecken ausgereist. Dies lähmt zum einen die Wirtschaft vor Ort und bedeutet zum anderen auch einen massiven Exodus von Kaufkraft – besonders im Gast- und Dienstleistungsgewerbe.

Auch der industrielle Sektor und der Bergbau leiden unter der Epidemie. So geht beispielsweise die Gewinnung von Eisenerz aufgrund der ausgereisten Spezialisten aus dem Ausland und der fernbleibenden Arbeiter kontinuierlich zurück. China Union, der zweitgrößte Minenkonzern in Liberia, hat beispielsweise im August seinen Betrieb in der Region komplett eingestellt, während der größte Minenkonzern im der Region, der europäische Stahlgigant ArcelorMittal, zwar noch eingeschränkt produziert, geplante Investitionen jedoch auf weiteres verschoben hat.

Ebola sorgt somit für eine Wirtschaftskrise, die sämtliche Wirtschaftsbereiche erfasst. Fatal ist aus humanitärer Sicht dabei vor allem, dass durch die Krise die Löhne stark rückläufig sind und viele Menschen mit prekärer Arbeit gar kein Geld mehr verdienen können – dazu gehören ebenso die Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft, wie die Arbeiter in den Minen und vor allem die zahlreichen Beschäftigten im Dienstleistungssektor. In einem Land, in dem sozialstaatliche Errungenschaften wie Arbeitslosen- oder Krankengeld unbekannt sind, schlägt eine derartige Krise sofort durch.

Verschärft wird die humanitäre Lage durch indirekte ökonomische Effekte. An allererster Stelle ist hier die massive Preissteigerung für Lebensmittel zu nennen. Während die einheimische Produktion zurückgeht, sorgen Quarantäne und Abriegelung dafür, dass die Güterströme zwischen den Regionen und den Zentren ins Stocken kommen – und dies betrifft sowohl den Transport der Ernte vom Landesinneren in die Städte als auch den Transport von importierten Nahrungsmitteln aus den Überseehäfen ins Landesinnere.

Es kommt, wie es kommen muss – durch die massive Verknappung des Angebots steigen die Preise. Wie die Deutsche Welthungerhilfe festgestellt hat, sind bereits heute die lokalen Marktpreise für Reis, der in Sierra Leone das wichtigste Grundnahrungsmittel darstellt, im Schnitt um 30% gestiegen. Studien der amerikanischen Hilfsorganisation USAID berichten [PDF – 1.8 MB] auch in Liberia von massiven Preissteigerungen bei den Grundnahrungsmitteln Reis und Kassava. Vor allem betroffen sind hier offenbar die Grenzregionen, die durch die Schließung der Grenzübergänge (bis auf die Grenze zwischen Mali und Guinea sind sämtlich Außen- und Innengrenzen der drei betroffenen Staaten geschlossen) von ihren Märkten getrennt wurden. In einem Land wie Sierra Leone, dessen Bevölkerung im Schnitt 80% ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben muss, sind diese Preissteigerungen bereits eine Vorstufe zu einer kommenden Hungersnot.


Kakaoernte in der Region Kenema
© Jens Berger

Eine Befragung [PDF – 552 KB] der Deutschen Welthungerhilfe ergab, dass 97% aller Haushalte Sierra Leones einen Rückgang des Einkommens erleiden mussten und 80% der Kleinbauern mit einem Rückgang ihrer Ernte rechnen. Eine ähnlich angelegte Befragung der UN-Organisation „World Food Programme“ ergab, dass in den besonders hart betroffenen Regionen Sierra Leones mehr als 80% der Menschen auf preiswertere Nahrungsmittel umsteigen mussten und 75% es bereits heute nicht mehr schaffen, sich genügend Lebensmittel zu leisten, um sich ausreichend zu ernähren. Diese Zahlen beziehen sich wohlgemerkt nicht auf Haushalte, bei denen Mitglieder an Ebola erkrankt oder bereits verstorben sind. Hier sieht die Lage noch desolater aus. Und es geht hierbei auch „nur“ um den Status Quo mit weniger als 9.000 Ebola-Infizierten in der Region. Wie sehr sich die Situation verschärfen wird, wenn die Zahl der Erkrankungen tatsächlich bis Ende Januar auf 250.000 steigt, ist schwer zu sagen. Man kann jedoch vom Schlimmsten ausgehen.

Das Versagen der Staatengemeinschaft

Die Bekämpfung von Ebola ist das primäre Ziel der nationalen und internationalen Organisationen. Selbst wenn dieser Kampf optimal verläuft (wovon leider nicht auszugehen ist) wird der wirtschaftliche Schaden in der Krisenregion enorm sein und es wird Jahre wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis die Folgen überwunden wurden. Sollte die Eindämmung der Seuche jedoch nicht gelingen, steht die Region vor einer massiven ökonomischen und humanitären Katastrophe, die ihres Gleichen sucht. Die gerade erst wiedergewonnene brüchige Stabilität in diesen durch jahrzehntelangen Bürgerkrieg zerrütteten Ländern wäre dann schon bald Makulatur. Es wäre dann auch naiv zu denken, dass die Seuche an den Grenzen halt macht. Und dabei geht es nicht um Europa oder Nordamerika, die aufgrund ihres fortschrittlichen Gesundheitssystems kaum betroffen wären. Aber was passiert, wenn die Seuche in den nächsten Monaten eine der dicht besiedelten und vollkommen chaotischen Metropolen wie beispielsweise das nigerianische Lagos mit seinen konservativ geschätzten zehn Millionen Einwohnern erreicht?

Die Dramatik der Lage scheint in den reichen Regionen des Nordens jedoch nicht angekommen zu sein. Zu wenig, zu spät – so lässt sich die Hilfe der so genannten Staatengemeinschaft zusammenfassen. Die Welternährungsorganisation FAO ist immer noch auf der Suche nach 30 Mio. US$, um ein Programm zu starten, mit dem die Lebensmittelversorgung in der Krisenregion stabilisiert werden soll. Das WFP der Vereinten Nationen benötigt nach eigenen Angaben 179,6 Mio. US$ für unmittelbare Hilfsprogramme in der Region – davon wurden bislang lediglich 48 Mio. US$ freigegeben. Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und die Deutsche Welthungerhilfe arbeiten in der Region zwar bereits meist über ihrer Kapazitäts- und Belastungsgrenze, sind jedoch spendenfinanziert und haben daher gar nicht die Mittel, die Seuche und ihre Folgen ausreichend zu bekämpfen.

Geradezu erbärmlich ist vor allem die kaum vorhandene Hilfe der deutschen Regierung.

17 Mio. Euro, 50 Feldbetten und jede Menge heißer Luft – mehr hat Afrika aus dem reichen Deutschland offenbar nicht zu erwarten.

Was soll das ganze dumme Gerede von einem Deutschland, das „nicht abseits stehen darf“ und „internationale Verantwortung tragen muss“? Offenbar versteht die politische Elite unter „internationaler Verantwortung“ lediglich das Führen von Kriegen und den Export von Waffen.

Afrika ist weit weg. Wenn dort hunderttausende Menschen sterben und die gesamte Region destabilisiert wird, interessiert dies im politischen Berlin – verzeihen Sie mir bitte die derbe Ausdrucksweise – keine Sau.

Das ist erbärmlich, das ist schäbig, das ist im höchsten Maße zynisch. Manchmal muss man sich wirklich schämen, ein Deutscher zu sein.