Schwere Waffen für Dschihadisten aus den USA in Aleppo gefunden

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

k leukefeld

Das waren also alles „Freiheitskämpfer“ ? Fast alle „Leitmedien“ unterschlagen Nachrichten über die Befreiung von Aleppo.
Die syrischen Christen konnten in Aleppo seit Jahren das erste Mal ohne Bedrohung Weihnachten feiern.
Es hat von den NATO-Kriegstreibern und ihren deutschen Weißwäschern der Atlantik-Brücke noch niemand für die jahrelangen Verleumdungen bei der syrischen Regierung um Entschuldigung gebeten.

Heute dazu Karin Leukefeld:
https://www.jungewelt.de/2017/01-03/014.php

Syrien: Nach der Befreiung der Stadt Aleppo wurde dort tonnenweise Kriegsgerät aus den USA und anderen Ländern sichergestellt

Es ist still geworden um Aleppo. Deutsche Medien und die Bundesregierung schweigen dazu, wie es nach der Evakuierung von rund 35.000 Menschen im Osten der Stadt kurz vor Weihnachten weitergegangen ist.

Noch vor knapp zwei Wochen warfen die UN-Botschafter Großbritanniens, Frankreichs und der USA Russland, Syrien und dem Iran vor, bei der Einnahme der östlichen Stadtviertel »Massaker« zu verüben und »Hinrichtungen« vorzunehmen. Aleppo sei das »Synonym für die Hölle« geworden, so der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Und die US-Botschafterin Samantha Power verglich das Geschehen in Ostaleppo mit »Halabja, Ruanda, Srebrenica«. Es müsse eine UN-Mission geben, die den Menschen helfen und sie evakuieren könne. Zu dem Zeitpunkt flohen Menschen aus Ostaleppo bereits zu Tausenden in den von der Regierung kontrollierten Westen der Stadt.

Ganz still wurden die westlichen UN-Botschafter aber, als der syrische Geschäftsmann und Parlamentsabgeordnete, Faris Shehabi, auf seiner Facebook-Seite die Namen von 14 ausländischen Militär- und Geheimdienstoffizieren nannte, die in Ostaleppo ausfindig gemacht und festgenommen worden seien. Die Männer seien aus der Türkei, USA, Israel, Marokko, Jordanien, Katar und Saudi-Arabien, so Shehabi.

Anmerkung: Von allen diesen Ländern sind unterstützungsleistungen für Dschihadisten, insbesondere den IS, bekant.
Unmittelbar danach einigte man sich im UN-Sicherheitsrat fast stillschweigend auf eine UN-Mission, die die Evakuierung derjenigen kontrollieren sollte, die nach Idlib oder in die Türkei gebracht werden wollten.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARC) waren zu diesem Zeitpunkt schon seit Tagen an der Seite der Menschen in Ostaleppo gewesen. Nach Idlib und in die Türkei wurden schließlich 35.000 Menschen evakuiert. Darunter waren 4.000 Kämpfer, deren Angehörige, Verletzte und Unterstützer. Mit den letzten Bussen hätten ausländische Geheimdienstoffiziere und Militärs den Osten von Aleppo verlassen, berichtete der libanesische Sender Al-Mayadeen. Westliche Medien schwiegen ebenso wie die syrische Regierung und deren Verbündete.

 Im US-Internetportal Veterans Today (»Veteranen heute«), das nach eigenen Angaben »die Position von Mitgliedern der militärischen Gemeinde und von Veteranen aus dem Bereich der nationalen Sicherheit, geopolitischen Stabilität und Innenpolitik vertritt«, war am 17. Dezember zu lesen, dass die genannten 14 Namen vermutlich falsche Identitäten gewesen seien. Veterans Today bezieht sich dabei auf einen Artikel des Internetportals Southfront. Es sei »gängige Praxis, falsche Identitäten zu benutzen, wenn man in einer geheimen Operation diene«, heißt es dort im Beitrag eines Autors namens »Gordon«.
Auch Southfront steht vermutlich Geheimdienstkreisen nah und bietet nach eigenen Angaben »mit einem Expertenteam aus allen vier Ecken der Erde (….) Analyse und Aufklärung über militärische Operationen und die militärische Position der wichtigsten Weltmächte« an.

Von »eigenen syrischen Quellen« habe Southfront erfahren, dass 128 ausländische Offiziere mit den Kämpfern, Angehörigen und Verletzten aus Ostaleppo evakuiert worden seien.
Es habe »eine Vereinbarung zwischen allen beteiligten Parteien« darüber gegeben. Demnach hätten Offiziere aus den USA (22), Großbritannien (16), Frankreich (21), Israel (7) und der Türkei (62) Ostaleppo verlassen. Westliche Medien berichteten darüber nicht, und auch Syrien schwieg.

Was die abziehenden Kämpfer und ausländischen Offiziere zurückließen, wird nun von russischen und syrischen Spezialkräften dokumentiert.
Mehr als 14.000 Minen und Sprengfallen wurden entschärft, Tausende selbstgebaute Bomben zusammengetragen. Fundorte waren demnach unter anderem vier Schulen, ein Kindergarten und neun Moscheen.
Pioniere der russischen und syrischen Armee fanden Waffenlager, die »randvoll« mit großkalibriger Munition für schwere Waffen – Gewehre, Raketen, Artillerie – gewesen seien. Als Herkunftsländer des Kriegsgeräts nannte der russische Major Iwan Gromow unter anderen die USA, Deutschland und Bulgarien. Außerdem habe man nagelneue 122-mm-Mörsergranaten, Handgranaten und Granatwerfer sowie Raketen für Mehrfachraketenwerfer und Granaten für Haubitzen gefunden, sagte Gromow am 28. Dezember dem Sender Rossija 24. Bilder und Filmaufnahmen wurden verbreitet. Die Herkunft von vielen der Waffen in Originalkisten sei durch Aufkleber erkennbar gewesen, auf denen »Aus den USA für die gegenseitige Verteidigung« gestanden habe.

Auch Massengräber mit Dutzende Leichnamen seien gefunden worden, teilte das russische Verteidigungsministerium am 26. Dezember mit. Die Toten hätten Schusswunden am Kopf, Verstümmlungen und deutliche Spuren von Folter aufgewiesen. Eine Sprecherin der UN-Kommission für Menschenrechte in Genf erklärte, die Kommission prüfe die Angaben.

Bei einem Treffen mit einer gemeinsamen Delegation von Abgeordneten des EU-Parlaments und des russischen Parlaments (Duma) am 29. Dezember in Damaskus, hat der syrische Präsident Baschar Al-Assad bekräftigt, dass europäische Länder Syrien erst dann helfen könnten, wenn sie aufhörten, die terroristischen Gruppen in Syrien zu unterstützen.
Assad forderte die Aufhebung der EU-Wirtschaftssanktionen gegen sein Land. Europa müsse erkennen, dass eine Lösung nur von den Syrern selber herbeigeführt werden könne.
Ein interner UN-Bericht vom Mai 2016 über die Auswirkungen von EU- und US-Sanktionen auf die humanitäre Hilfe in Syrien, den die Internetplattform The Intercept am 28. September veröffentlicht hatte, kommt zu dem Ergebnis, dass die Strafmaßnahmen wesentlich zum Niedergang des syrischen Gesundheitswesens beigetragen haben.
Der ehemalige britische Botschafter in Syrien Peter Ford sagte in einem Interview mit dem britischen Sender BBC Radio 4 am 23. Dezember, Großbritannien habe in Syrien »von Anfang an alles falsch gemacht«. Die Strategie, keine eigenen Truppen zu entsenden und statt dessen Rebellengruppen zu unterstützen, sei »zum Scheitern verurteilt« gewesen.
»Wir haben die Lage verschlimmert«, so Ford. »Für jeden, der nicht mit Wunschdenken vergiftet war«, sei dies »vorhersehbar gewesen«. Großbritannien hatte wie Frankreich, Deutschland und die USA seit dem Frühsommer 2011 die diplomatischen Beziehungen mit der syrischen Regierung zunächst unterbrochen und dann ganz eingestellt.
»Sie sagten uns, der Sturz von Assad stehe unmittelbar bevor, sie sagten uns, er werde bis Weihnachten weg sein«, erinnert sich Peter Ford an die damaligen Erklärungen des britischen Außenministeriums. (kl)

Dazu auch ein Hinweis auf einen immer noch aktuellen Artikel aus den NachDenkSeiten 2012: http://www.nachdenkseiten.de/?p=14560

Zu Syrien und weit darüber hinaus

Einer der herausragenden Experten in Europa zum Nahen Osten, Professor Günter Meyer, befasst sich in diesem ausführlichen Exklusiv-Interview, das in Englisch für Asia Times Online geführt wurde, den syrischen Bürgerkrieg und seinen internationalen Dimensionen. Das Original wurde hier veröffentlicht und am 26. September 2012 aktualisiert.

Prof. Dr. Günter Meyer hat seit fast 40 Jahren empirische Forschungen über die soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung in den arabischen Ländern durchgeführt und ist Autor von mehr als 150 Büchern und Artikeln, vor allem über Syrien, Ägypten, Jemen und die Länder des Golf-Kooperationsrats. Er leitet das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, Deutschland, eines der weltweit führenden Informationszentren für die Verbreitung von Nachrichten und Forschungen zum Nahen Osten.

Jochen

Kleiner Nachtrag zum US-Wahlkampf: Hillary Clinton befeuerte als Außenministerin den Bürgerkrieg in Syrien – Aktuell: Israel hat 200 Atomsprengköpfe

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Das stand schon Anfang Juli in der jungen Welt, hat aber bisher keine große Aufmerksamkeit gefunden:

k_leukefeldSyrien schlagen, um Iran zu treffen

Endlich belegt: Hillary Clinton befeuerte als Außenministerin den Bürgerkrieg in Syrien

Von Karin Leukefeld https://www.jungewelt.de/2016/07-06/021.php
Auszüge:

Dieses Dokument hat es in sich: UNCLASSIFIED U.S. Department of State Case No. F-2014-20439 Doc No. C05794498

Es handelt sich um ein Dokument, das Ende 2015 vom US-Außenministerium freigegeben und kürzlich über Wikileaks öffentlich zugänglich gemacht wurde.
Thema der Depesche: Der neue Iran und Syrien. Autorin: Hillary Clinton, damals US-Außenministerin.

Bei dem angegebenen Datum (31.12.2000) handelt es sich vermutlich um einen Irrtum, denn zu dem Zeitpunkt gab es weder Verhandlungen mit dem Iran noch einen Krieg in Syrien. Zudem wird ein Interview der US-Journalistin Christine Amanpour (CNN) mit dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak erwähnt, das erst im April 2012 ausgestrahlt worden war. Vermutlich stammt der Text also aus dem Jahr 2012.

Behandelt wird darin die Frage, wie die USA Israel helfen könnten, mit der wachsenden nuklearen Gefahr des Irans umzugehen. Clinton schreibt, »der beste Weg (sei), dem syrischen Volk zu helfen, das Regime von Bashar Assad zu stürzen«. Das iranische Nuklearprogramm »und Syriens Bürgerkrieg scheinen nicht in Verbindung zu stehen, doch es gibt eine Verbindung«, schreibt Clinton.

Die Verhandlungen mit dem Iran würden »Israels Sicherheitsdilemma nicht lösen«, so Clinton. Ein Angriff Israels auf den Iran würde einen »großen Krieg im Mittleren Osten« auslösen. Israel sei dabei nicht besorgt, dass Iran angreifen könne, sondern habe Angst, sein »nukleares Monopol« in der Region zu verlieren, wenn nach dem Iran auch Saudi-Arabien und Ägypten nuklear aufrüsten würden. Als Atommacht könnte der Iran leicht seine Verbündeten in Syrien und die libanesische Hisbollah auffordern, Israel anzugreifen. Die »strategische Beziehung« zwischen Iran und Syrien ermögliche es, Angriffe durch die iranischen Stellvertreter im Libanon, die Hisbollah, auf Israel zu befehlen. »Das Ende des Assad-Regimes würde diese gefährliche Allianz beenden. Die israelische Führung versteht sehr wohl, warum es in ihrem eigenen Interesse ist, Assad zu zerstören.«

Clinton verweist auf ein CNN-Interview des damaligen Verteidigungsministers Ehud Barak mit Christine Amanpour, in dem Barak sagt: »Der Sturz von Assad wird ein schwerer Schlag für die radikale Achse sein, ein schwerer Schlag gegen den Iran … und es wird zu einer dramatischen Schwächung sowohl der Hisbollah im Libanon als auch der Hamas und des Islamischen Jihad im Gazastreifen führen.«

Sollte »Assad weg sein« und der Iran Israel nicht länger durch seine Stellvertreter bedrohen, könnten sich die USA und Israel auf »rote Linien« einigen, wann das iranische Atomprogramm eine unakzeptable Schwelle überschritten habe.
»Kurz gesagt, das Weiße Haus kann die Spannungen zwischen Israel und Iran lösen, wenn es das Richtige in Syrien tut.« Die Rebellion in Syrien dauere schon länger als ein Jahr, und weder werde die Opposition verschwinden noch werde das Regime eine diplomatische Lösung von außen akzeptieren. Doch: »Wenn sein Leben bedroht ist und das seiner Familie, nur diese Drohung oder die Anwendung von Gewalt wird den syrischen Diktator Bashar Assad dazu bringen, seine Meinung zu ändern.«

Clinton führt weiter aus, dass ein Eingreifen in Syrien schwieriger sei als in Libyen, doch »ein Erfolg (…) würde ein gestalterisches Ereignis für den Mittleren Osten bedeuten.«
Es würde nicht nur ein »skrupelloser Diktator von einer Massenopposition in den Straßen hinweggefegt«, die Region wäre auch besser, weil der Iran nicht länger eine Basis im Mittleren Osten hätte, »von wo er Israel bedroht«.
Dieser Plan erfordere »grundlegende diplomatische und militärische Führung der USA«.
Dazu auch aktuell geleakt:

colin_powell_kColin Powell: Israel hat 200 Atomsprengköpfe

http://derstandard.at/2000044500075/Powell-Israel-hat-200-Atomsprengkoepfe

Ehemaliger Diplomat: von Hackern veröffentlichte E-Mails zu Atomverhandlungen mit Iran sind echt

Washington – Der frühere US-Außenminister Colin Powell hat die Zahl der israelischen Atomsprengköpfe auf 200 beziffert.
Das geht aus gehackten E-Mails des Republikaners aus dem März 2015 hervor, die eine Enthüllungsplattform veröffentlicht hat. Bisher war von weit weniger Atomwaffen ausgegangen worden. Die Federation of American Scientists (FAS) beziffert die Sprengköpfe in Israel auf 80.

In den E-Mails tauscht sich Powell mit einem Vertrauten über die Verhandlungen zum iranischen Atomabkommen aus. Er bezweifelt, dass der Iran – ein erklärter Erzfeind Israels – Atomwaffen einsetzen würde, selbst wenn das Land welche bauen könnte.
„Die Jungs in Teheran wissen, dass Israel 200 hat, die alle auf Teheran gerichtet sind, und wir haben tausend.“

In dem Schriftverkehr mit dem US-Investor Jeffrey Leeds geht es um eine Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu vor dem US-Kongress am 3. März 2015. Netanyahu hatte darin eindringlich vor dem Abkommen des Westens mit dem Iran gewarnt.
Ziel des Deals mit Teheran ist es, die Islamische Republik vom Bau von Atomwaffen abzuhalten.

Der geleakte Schriftverkehr ist Teil zahlreicher E-Mails des Republikaners, die die Webseite DCLeaks.com in dieser Woche veröffentlicht hat.
Powell räumte die Echtheit der Dokumente ein. (APA, dpa, 16.9.2016)

Jochen

ARD beim Lügen erwischt: verdreht Assad-Aussagen aus eigenem Interview

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Ein Lehrstück zu Manipulation und Meinungsmache, aufgedeckt von den des Linksextremismus oder der Putin-Verschwörung unverdächtigen Deutschen Wirtschaftsnachrichten und kommentiert von Albrecht Müller in den NachDenkSeiten:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/03/02/ard-verdreht-assad-aussagen-aus-eigenem-interview/
Auszüge:

Die ARD hat ein interessantes Interview mit dem syrischen Präsidenten Assad geführt. Das ist lobenswert und ein Scoop.
Doch leider entwertet der ARD-Reporter sein eigenes Interview, indem er in einer Interpretation für den Sender Assad eine Aussage in den Mund legt, die dieser nicht getätigt hat. Die dpa übernimmt den Spin und verbreitet ihn, als hätte Assad das wirklich gesagt.
Anmerkung: „Spin“:= Verdrehung, auch Lügengespinst

Assad macht in dem Interview, das die ARD und die syrische Regierung im Wortlaut dokumentieren, klar, dass in seinem Land zahlreiche Söldner und Milizen aktiv sind, die von anderen Staaten ausgerüstet und finanziert werden.

An einer Stelle fragt der Reporter Thomas Aders:

„Herr Präsident, können Sie sagen, dass Syrien nach wie vorein souveräner Staat ist, oder wird Ihre Politik bereits in Teheran bzw. im Kreml gemacht?“

Darauf antwortet Assad wörtlich:

„Der Begriff Souveränität ist relativ und verhältnismäßig. Vor der Krise hielt Israel unser Land besetzt, und wir betrachteten unsere Souveränität so lange nicht als vollständig, wie wir unser Land nicht zurückhatten. Und jetzt überschreiten während der Krise zahlreiche Terroristen unsere Grenze, und viele Flugzeuge der Amerikaner und ihrer Alliierten (was man dort als Allianz bezeichnet) verletzen unseren Luftraum. Auch hier kann man nicht von vollständiger Souveränität sprechen. Gleichzeitig ist man allerdings nach wie vor souverän, wenngleich nicht im vollen Umfang des Begriffs, wenn man eine Verfassung hat, wenn die Institutionen funktionieren und wenn der Staat mit seiner Arbeit ein Minimum für das syrische Volk leistet und wenn schließlich das syrische Volk sich keiner anderen Macht zu unterwerfen hat, was sicher das Wichtigste von allem ist.“

In einem kurzen Videobeitrag am Anfang des Artikels der Tagesschau befragt ein ARD-Moderator den Reporter nach seinem Eindruck von dem Interview. Darin schildert Thomas Aders Assad als schüchtern und zurückhaltend. Schließlich arbeitet der Reporter eine „News“ heraus, die das Interview seiner Meinung nach gebracht hat:

„Ihm geht es darum, dass das System überlebt, das System seines Regimes. Und er wird alles dafür tun, dass das so weitergeht. Er wird jeden Terroristen bekämpfen, das hat er ganz klipp und klar gesagt.

Und trotzdem hat er, und das fand ich sehr interessant, zugegeben, dass die Souveränität Syriens, mittlerweile nicht mehr vollständig sei, eben durch die Hilfe, durch die Waffenhilfe von Russland, vom Iran und von der libanesischen Hisbollah.“

Assad hat in dem Interview an keiner Stelle gesagt, dass er wolle, dass „das System seines Regimes“ überlebt. Er hat klipp und klar gesagt, dass er sich dem Willen des Volkes beugen werde: „Wenn das syrische Volk will, dass ich diesen Platz räume, dann habe ich das sofort und ohne Zögern zu tun.“

Doch noch viel gravierender ist die von Assads Aussage zur Souveränität abweichende Interpretation des Interviewers: Assad hat nie gesagt, dass die Souveränität Syriens wegen der „Waffenhilfe von Russland, dem Iran und der Hisbollah“ nicht mehr vollständig sei, sondern dass „viele Flugzeuge der Amerikaner und ihrer Alliierten (was man dort als Allianz bezeichnet)“ den syrischen Luftraum verletzen und Terroristen die Grenze überschreiten, und man deshalb „nicht von vollständiger Souveränität sprechen“ könne.

Das ARD-Team hat sich nach eigenen Angaben vier Jahre lang um das Interview bemüht. Es ist schade, dass im Fazit eine Frage mit einer Antwort vermischt wird.
So wird ein „Spin“ erzeugt, der die journalistische Leistung entwertet und beim Zuseher einen äußerst schalen Beigeschmack hinterlässt.

Update Mittwoch, 10.04 Uhr: Wie das mit dem Spin funktioniert, zeigt die dpa sehr schön. Sie zitiert, was Assad NICHT gesagt hat und verbreitet aus dem Interview (Dienstag, 1.3., 14.38 Uhr):

„Er räumte ein, dass Syrien nicht mehr ,vollständig souverän‘ sei und militärische Hilfe aus Russland, dem Iran und aus dem Libanon erhalte.“

Am Mittwoch findet sich der dpa-Spin auf vielen Web-Plattformen.

Dazu der gestrige Kommentar von Albrecht Müller:a mueller k

http://www.nachdenkseiten.de/?p=31734#more-31734
Auszüge:

Gestern brachte die ARD ein Interview mit dem syrischen Präsidenten Assad. Nachdem so viel über ihn gesagt und geschrieben wird, ist dies ein lobenswertes Ereignis.
Der für „ARD aktuell“ zuständige Dr. Kai Gniffke hat die Ausstrahlung des Interviews verteidigt – siehe hier: Darf man mit Assad reden?.*)
Aber er verbindet dies sofort wieder mit einer dem Standard der etablierten Medien entsprechenden aggressiven und einseitigen Parteinahme:
„Er hat Giftgas eingesetzt“ – so schreibt Gniffke, „er hat Städte bombardiert, er lässt Menschen aushungern, in seinen Gefängnissen wird gefoltert – und mit so jemandem führen wir ein Interview. Gibt es für Journalisten eine moralische Grenze, mit wem man spricht? Darf man mit Baschar al-Assad reden?“ –

Ob die syrische Regierung Giftgas eingesetzt hat, oder ob dieses Giftgas von den Rebellen oder sogar von der Türkei eingesetzt wurde, ist meines Wissens offen. Siehe dazu auch einen Beitrag bei Telepolis.
Weiß Herr Dr. Gniffke mehr? Es wäre wirklich großartig, wenn unsere etablierten Medien endlich aufhören würden, einseitig zu berichten und zu urteilen.

Sie tun das im Falle des Konfliktes mit Russland wegen der Ukraine wie auch im Konflikt über Syrien und den gesamten mittleren und Nahen Osten ständig. Sie sind wohl alle im Besitz des westlichen Sprechzettels, auf dem vermutlich steht: „Diktator Assad wirft Fassbomben auf syrische Kinder, er setzt Giftgas ein, er bombardiert Städte seines eigenen Landes.“ –
Ob das alles stimmt, erfahren wir nicht und schon gar nicht, wie der gesamte Konflikt entstanden ist und welche unangenehmen und menschenverachtenden Diktatoren und Autokraten ansonsten an dem Konflikt beteiligt sind: Saudi-Arabien, Bahrain, Erdogans Türkei, und andere mehr.
Es wird in den etablierten Medien auch nicht annähernd objektiv berichtet darüber, welche Rolle die militärischen Interventionen der USA, Frankreichs, Großbritanniens und die Unterstützung Deutschlands spielen.
Wir werden auch nicht darüber aufgeklärt, welchen Charakter und Public Relations Hintergründe die häufig zitierten sogenannten Menschenrechtsorganisationen und Oppositionsgruppen mit Sitz in London oder sonst wo haben.

Die Durchleuchtung der eigenen Propaganda ist tabu, genauso wie die der eigenen Menschenrechtsverletzungen, Gräueltaten und Kriegsverbrechen – so zum Beispiel des Bombardement eines Krankenhauses in Kundus. (Dazu kommt gleich noch ein eigener Bericht: http://www.nachdenkseiten.de/?p=31744)

Es ist im Sinne des Blicks auf alle Seiten gut, sich das Interview mit dem syrischen Präsidenten Assad anzuschauen, falls man die Zeit dafür aufbringen kann.
Auch das Gespräch von KenFM mit Karin Leukefeld über den Status Quo in Syrien ist in diesem Zusammenhang lohnenswert.

*) Mein Kommentar: Merkels Bundesbruder Erdogan lässt auch Bomben auf kurdische Kinder werfen, zerstört Städte seines eigenen Landes, lässt Journalisten foltern. Und ??? Darf man mit Erdogan reden ?

Und Merkels Bundesbruder Obama lässt Drohnen auf afghanische Kinder feuern, zerstört Städte in fremden Ländern, die die USA nicht angegriffen haben, lässt Whistleblower lebenslang einsperren und in Guantanamo Gefangene ohne juristisches Verfahren foltern. Darf man mit Obama reden ?

Jochen

USA wollen Syrien bombardieren

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Nun ist es soweit, die USA lassen sich auf endgültigen Bruch des Völkerrechts ein. Man sieht, dass sie den IS nicht ohne Grund gefördert haben – Karin Leukefeld berichtet:
http://www.jungewelt.de/2015/08-11/051.php
Auszüge:

Obama genehmigt Luftangriffe gegen syrische Armee. Russland ruft zu breitem Bündnis gegen Islamistenmiliz IS auf

Ein Jahr nach Beginn der US-geführten Luftangriffe auf den »Islamischen Staat« (IS) hat US-Präsident Barack Obama offiziell den Einsatz von Drohnen und Kampfjets gegen die syrischen Streitkräfte genehmigt, sollte dies »erforderlich« sein.
Parallel zu der militärischen Eskalation gegen Damaskus stellte ein Sprecher des US-Außenministeriums fest, dass der syrische Präsident Baschar Al-Assad »die Wurzel von allem Bösen« in dem Land sei. Völkerrechtlich sind die Angriffe der Türkei und der USA auf den Norden Syriens illegal.

Ein Sprecher des Zentralkommandos der US-Streitkräfte (Centcom) teilte am Wochenende mit, dass das Pentagon begonnen habe, eine dritte Gruppe von Kämpfern für Syrien auszubilden. Das Training findet erneut in der Türkei statt, eine andere Gruppe werde in Jordanien geschult.

Der Feind, gegen den diese »gemäßigten Rebellen« kämpfen soll, sei der IS. Man sehe, dass es weiterhin »großes Interesse« an dem Ausbildungsprogramm gebe, wird Centcom-Sprecher Oberst Patrick Ryder zitiert. »Oppositionskräfte melden sich freiwillig dafür.«

Der UN-Sicherheitsrat hat sich am vergangenen Freitag einstimmig auf eine Resolution geeinigt, die eine Untersuchung von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien auf den Weg bringt. Die UN-Kommission zur Abschaffung von Chemiewaffen soll die Hintermänner verschiedener Angriffe in dem Land ermitteln, um diese strafrechtlich zu verfolgen. Der Westen und die von ihm unterstützte syrische Opposition beschuldigen Damaskus, dafür verantwortlich zu sein, was die Regierung zurückgewiesen hat. Ende 2013 stimmte sie der Vernichtung ihres Chemiewaffenarsenals zu. Der syrische UN-Botschafter Baschar Al-Dschafari erklärte, man habe nichts zu verbergen.

Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin, sagte, er hoffe, dass die beauftragten Waffenexperten ihre Arbeit »professionell und objektiv« erledigen. Tschurkin kritisierte die westlichen Staaten, dass sie durch ihre Verschleppungstaktik in Syrien »die Lage verschlimmert haben«. Der Kampf gegen den IS könnte effektiver sein, wenn der Westen mit den syrischen Streitkräften gemeinsam agieren würde.

Dass die UN-Resolution einstimmig verabschiedet werden konnte, ist auf eine neue Annäherung der USA und Russlands in der Syrien-Frage zurückzuführen. Washington hatte positiv auf die Initiative des russischen Präsidenten Wladimir Putin reagiert, der alle Kräfte der Region, die gegen IS kämpfen, zusammenbringen will. Insbesondere sollen die Streitkräfte Syriens und des Iraks sowie die Kurden und »die bewaffnete Opposition, die die Syrer repräsentiert« kooperieren. Parallel dazu soll ein politischer Prozess initiiert werden.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erneuerte am Wochenende im russischen Fernsehen den Aufruf an den Westen, mit dem syrischen Präsidenten Assad gegen den IS zusammenzuarbeiten. Der IS sei ein »gemeinsamer Feind«, erklärte Lawrow. Es sei »merkwürdig«, Assad als legitimen Partner bei der Vernichtung der Chemiewaffen zu akzeptieren, im »Kampf gegen den Terrorismus« aber nicht.

Die Zusammenarbeit gegen den IS dürfte auch Thema beim gestrigen Treffen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem saudischen Amtskollegen Adel Al-Dschubair in Berlin gewesen sein. Al-Dschubair reiste von Berlin nach Moskau weiter, wo er am heutigen Dienstag Außenminister Lawrow treffen wird. Anschließend wird eine Delegation der vom Westen, der Türkei und den Golfstaaten gesponserten oppositionellen Nationalen Koalition (Etilaf) in Moskau erwartet.

Die syrische Regierung steht arabischen Medienberichten zufolge der Initiative skeptisch, aber offen gegenüber. Sie fordere als vertrauensbildende Maßnahme von den regionalen Kriegsgegnern die Einstellung der Unterstützung für die Kampfgruppen in Syrien, bevor sie zu einer Zusammenarbeit gegen den IS bereit ist.
Damaskus hatte wiederholt die USA und die EU-Staaten aufgefordert, ihre Botschaften in Damaskus wieder zu eröffnen, um die vom Westen gegen den IS offenbar gewünschte Anti-IS-Kooperation auf eine völkerrechtliche Basis zu stellen.

Jochen

TÜRKEI – Die türkische Regierung bricht den Waffenstillstand mit der PKK ab -voltairenet.org – 28.07.15 –

Die Türkei – auf dem Weg zu einer islamistischen Diktatur im Rahmen der NATO – mit dabei bei der Aufteilung Syriens und mit dem Segen von Clinton und Obama ? Lies dazu „Flächenbrand“ von Karin Leukefeld

mundderwahrheit

Die türkische Regierung bricht den Waffenstillstand mit der PKK
| 26. Juli 2015 

– Durch Beschuss der Anlage der PKK im Irak und die Verhaftung der Partei Funktionäre in der Türkei hat 24. Juli 2015, die türkische Regierung sowohl Irak angegriffen und die Waffenruhe, die man mit der PKK eingegangen war gebrochen.

– Nichts hat die Regierung Erdoğan Änderungen in der Politik voraussehen lassen. Vor allem bei Parlamentswahlen bekam vor anderthalb Monaten, die Demokratische Partei der Völker (HPD), eine Koalition von 33 Vereine und sieben Parteien einschließlich den kurdischen, haben  13 % der abgegebenen Stimmen bekommen.

– Die türkischen Kurden Formationen, kämpfen  für Gleichberechtigung unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion. Ihrer Auffassung nach, der syrische Konflikt ist kein Bürgerkrieg, sondern eine ausländische Aggression an welche die Türkei beteiligt ist.

– Bis 1998, der Präsident und Gründer der PKK, Abdullah Öcalan, war politische Flüchtling in Damaskus. Jedoch, wenn der…

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Die Renaissance des Westens: neue nukleare Aufrüstung

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Alarmierend: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59114

Renaissance des Westens: Atomare Aufrüstung

Auszüge:

BERLIN
(Eigener Bericht) – Deutsche Militärpolitiker eröffnen die Debatte über eine neue nukleare Aufrüstung innerhalb der NATO.
Wie ein hochrangiger Mitarbeiter der Berliner „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ in einem aktuellen Diskussionsbeitrag schreibt, habe das westliche Kriegsbündnis im Rahmen des Ukraine-Konflikts „wieder an Bedeutung“ gewonnen. In diesem Zusammenhang müsse nun auch die „nukleare Abschreckung“ neu thematisiert werden.
Zum „Gesamtpaket der Abschreckung“, das auf die Tagesordnung zu setzen sei, gehörten neben der Nuklearbewaffnung allgemein auch speziell die US-Atombomben, die in Europa gelagert seien – nicht zuletzt in Deutschland.
Auch jenseits der wieder heraufziehenden Atomkriegsgefahr zeichnet sich im Schatten der westlichen Neuformierung eine weitere Brutalisierung künftiger Kriege ab. Wie ein ehemaliger Chef des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium erklärt, müsse Berlin die Beschaffung von Uranmunition durch die Bundeswehr in Betracht ziehen, um russische Panzer bekämpfen zu können. Uranmunition ist auch nach ihrer Nutzung höchst schädlich; weite Gebiete etwa im Irak, in denen sie von NATO-Staaten eingesetzt wurde, sind bis heute verseucht.[10]

Atomare Aufrüstung

Eine Debatte über eine neue nukleare Aufrüstung eröffnet Karl-Heinz Kamp, ein ehemaliger Research Director am NATO Defense College in Rom (2009 bis 2013) und seit 2013 „Direktor Weiterentwicklung“ an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) in Berlin. Seine diesbezüglichen Thesen stellt Kamp in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift „Internationale Politik“ zur Diskussion. Das Blatt wird von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) herausgegeben und richtet sich an eine breitere interessierte Öffentlichkeit.

Die Zukunft der Abschreckung

Wie Kamp schreibt, hat Russland „seit dem Georgien-Krieg 2008 nicht nur seine konventionellen Streitkräfte modernisiert, sondern auch das Atomwaffenarsenal verstärkt und verbessert“.[1] Es begreife sein Nuklearpotenzial „als Kompensation für fehlende konventionelle Kräfte gegenüber einer NATO, deren Stärke durch den Beitritt ehemaliger Mitglieder des Warschauer Paktes gewachsen ist“.
In der Tat betrachtet Moskau seine Atomwaffen als Rückversicherung, um die gewachsene und stets aufrüstende NATO von etwaigen Angriffsplänen abschrecken zu können. Wie Kamp ausdrücklich bestätigt, habe der russische Staatspräsident Wladimir Putin „in mehreren Reden“ gewarnt, „der Westen solle nicht vergessen, dass Russland eine Atommacht sei“. Der Mitarbeiter der Bundesakademie für Sicherheitspolitik erklärt nun, mit der blutigen Eskalation des Machtkampfs um die Ukraine habe „die klassische Rolle der NATO als Instrument der Selbstverteidigung wieder an Bedeutung“ gewonnen. In diesem Zusammenhang stelle sich jetzt auch „die Frage, wie künftig nukleare Abschreckung glaubwürdig geleistet werden kann“.

Steadfast Noon

Tatsächlich ist die Drohung mit Atomschlägen seit je fester Bestandteil der NATO-Kriegsszenarien – darunter der Abwurf von Atombomben, die in Europa, zum Teil auch in Deutschland stationiert sind. Dem Training entsprechender Angriffe dient das regelmäßig abgehaltene NATO-Manöver „Steadfast Noon“, das zuletzt im Oktober 2014 durchgeführt wurde – mit deutscher Beteiligung. Im Rahmen von „Steadfast Noon“ „probt die Nato den Einsatz von US-Atomwaffen, die im Rahmen der nuklearen Teilhabe in Europa stationiert sind“, erläuterte Ende vergangenen Jahres die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).[2] „Steadfast Noon“ war nicht die einzige Atomkriegsübung der NATO-Staaten im letzten Jahr (german-foreign-policy.com berichtete [3]).
Planungen, die in Europa gelagerten Atomwaffen zu modernisieren und den Bestand an Kampfflugzeugen zu sichern, von denen sie abgeworfen werden können, reichen mehrere Jahre zurück. Bereits im Jahr 2012 ist die Modernisierung der B61-Atombomben in Arbeit gewesen – Kostenpunkt: 25 Millionen US-Dollar pro Stück.[4]
Noch im selben Jahr kündigte ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums an, am deutschen Atomstützpunkt Büchel (Eifel) würden Tornado-Kampfflugzeuge, die die Bomben zum Einsatzziel tragen könnten, noch über ihr ursprünglich geplantes Betriebsende im Jahr 2025 hinaus einsatzbereit gehalten.[5]
„Die in Europa stationierten amerikanischen B-61-Bomben werden derzeit technisch überholt und in einigen Teilkomponenten heutigen technologischen Standards angepasst“, bestätigt Kamp.[6]

Nuklearfronten

„Langfristig“ werde „die NATO nicht umhinkommen“, eine neue Nukleardebatte aufzunehmen, fährt der Bundesakademie-Mitarbeiter, den neuen Kalten Krieg als Vorwand nutzend, fort. Dabei werde es „um weit mehr gehen als um die amerikanischen Atombomben in Europa“: „Da es sich bei dem Konflikt mit Russland nicht um eine bloße Schlechtwetterfront, sondern um einen grundlegenden Klimawandel handelt, muss das Gesamtpaket der Abschreckung in einen neuen Zusammenhang gestellt werden.“[7] Dazu gehörten „die konventionellen Fähigkeiten der NATO“ – etwa der Aufbau der NATO-„Speerspitze“, bei dem Deutschland eine maßgebliche Rolle innehat [8] -, aber auch „die Nuklearwaffen (in Europa und in den USA)“. Auf diese Weise entstünden die Nuklearfronten des ersten Kalten Kriegs, die nie vollständig aufgelöst, aber in ihrer Bedeutung seit 1990 doch deutlich geschmälert waren, in vollem Umfang neu.

Uranmunition

Auch jenseits der neu heraufziehenden Atomkriegsgefahr zeichnet sich im Schatten der westlichen Neuformierung eine weitere Brutalisierung selbst konventioneller Kriege der Zukunft ab. So ist Ende April der ehemalige Chef des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium Hans Rühle mit einem Plädoyer für die Beschaffung von Uranmunition durch die Bundeswehr an die Öffentlichkeit getreten. Rühle schreibt, die Munition DM63, „eine Pfeil-Munition auf Wolframbasis“, die den deutschen Leopard 2-Panzern gegenwärtig zur Bekämpfung feindlicher Panzer zur Verfügung stehe, reiche „nicht aus, die neueren Varianten der (russischen, d. Red.) T80- und T90-Panzer zu durchschlagen“.[9]
Dies gelte „wohl umso mehr für den ab 2020 zulaufenden einsatzbereiten russischen Kampfpanzer vom Typ Armata“. Das Problem sei altbekannt; es sei bereits in den 1980er Jahren – während Rühles Amtszeit als Verteidigungs-Planungsstabschef – ausführlich diskutiert worden. Es gebe nur eine Lösung, die in den 1980er Jahren allerdings wegen der damals starken Friedensbewegung schließlich abgelehnt worden sei: Die Bundeswehr müsse „schnellstmöglich mit Pfeil-Munition auf der Basis abgereicherten Urans ausgerüstet werden“. Deren Durchschlagskraft genüge, um russische Panzer jeglichen Typs zu zerstören.

Verseuchtes Land

Die Folgen des Einsatzes von Uranmunition hat erst kürzlich eine Fernsehdokumentation des Bayerischen Rundfunks (BR) beschrieben – am Beispiel des Irak. Dort sind laut Schätzungen des UN-Umweltprogramms UNEP in den Kriegen der Jahre 1991 und 2003 bis zu 2.000 Tonnen Munition mit abgereichertem Uran verschossen worden.
Weite Gebiete vor allem im Süden des Landes sind bis heute verseucht. Die BR-Dokumentation („Leiser Tod im Garten Eden“) schildert den dramatischen „Anstieg an Krebserkrankungen, Todgeburten und erschreckende(n) Fehlbildungen bei Neugeborenen“ in den betroffenen Gebieten im Südirak.[10]
Wissenschaftliche Studien führen ihn auf Verstrahlung durch die Überbleibsel der Uranmunition zurück, deren Beschaffung durch die Bundeswehr deutsche Militärpolitiker nun fordern.

Mehr zum Thema: Die Renaissance des Westens.

[1] Karl-Heinz Kamp: Nukleare Kompensation. Mit der Krise in Russland gewinnen Kernwaffen wieder an Bedeutung. Internationale Politik Mai/Juni 2015.
[2] Oliver Meier: Die nukleare Dimension der Ukraine-Krise. SWP-Aktuell 66, Oktober 2014.
[3] S. dazu Die neue nukleare Eskalationsdynamik.
[4] Dana Priest: The B61 bomb: A case study in needs and costs. www.washingtonpost.com 16.09.2012.
[5] Otfried Nassauer: Erhöhtes Unfallrisiko? Taktische US-Atomwaffen in Europa. NDR: Streitkräfte und Strategien, 06.10.2012.
[6], [7] Karl-Heinz Kamp: Nukleare Kompensation. Mit der Krise in Russland gewinnen Kernwaffen wieder an Bedeutung. Internationale Politik Mai/Juni 2015.
[8] S. dazu Kriegsführung im 21. Jahrhundert (I) und Kriegsführung im 21. Jahrhundert (II).
[9] Hans Rühle: Warum die Politik dem Leo Urangeschosse verweigerte. www.welt.de 26.04.2015.
[10] Karin Leukefeld: Leiser Tod im Garten Eden: Die Folgen der Golfkriege. www.br.de 01.04.2015.

Jochen

Vom Westen finanzierter Krieg deformiert syrische Wirtschaft – von Karin Leukefeld

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Syrien: Kaputte Infrastruktur, Industrie und Handwerk am Boden.
Vom zerstörerischen Konflikt profitieren indes Waffenhersteller, Schmuggler und Schleuser,
Bericht der engagierten Syrien-Kennerin Karin Leukefeld.

https://www.jungewelt.de/kapital-arbeit/krieg-deformiert-wirtschaft

Auszüge:

Die Wasservorräte in Syrien gehen zur Neige. Es gab kaum Regen oder Schnee im vergangenen Winter. Trockenheit und Krieg machen vor Quellen, Wasserreservoirs, Tanks und Leitungen nicht Halt.
Mit Hilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) werden entlegene Dörfer und Weiler mit Trinkwasser versorgt, Wasser in Ballungszentren ist aufgrund der hohen Zahl von Inlandsvertriebenen reglementiert.

Zerstörte Ölraffinerie nahe dem Dorf  al-Khaboura nach US-Bombenangriff "gegen den IS"

Zerstörte Ölraffinerie nahe dem Dorf al-Khaboura nach US-Bombenangriff „gegen den IS“

Als vor wenigen Tagen schwere Regenfälle in der ländlichen Umgebung von Hama niedergingen, konnte die trockene Erde das Wasser nicht aufnehmen.
Reißende Bäche und Fluten schossen durch Dörfer und Wohnhäuser.
Der materielle Schaden sei groß, berichtete Amir Mahfoud, der Vorsitzende des Stadtrates von Shatha. Wasser, Geröll und Schlamm hätten alles verwüstet.
Die Kommunalverwaltung verteilte Decken und Nahrungsmittel. Doch bis der Schaden behoben sein wird, können Wochen und Monate vergehen.

Vielleicht wird es auch länger dauern. Wassermangel und Überflutungen sind nicht die einzigen Probleme, mit denen die syrische Wirtschaft zu kämpfen hat. Angriffe bewaffneter Gruppen auf die zivile Infrastruktur, Zerstörungen durch den Krieg gehören zum Alltag.
Mitarbeiter staatlicher Einrichtungen wie Reparaturteams für beschädigte Stromleitungen, aber auch Lehrer, Angestellte von Banken, Krankenhäusern und Polizei, werden von bewaffneten Gruppen entführt, um Geld zu erpressen. Oder sie werden getötet.

Im Umland von Aleppo, der wirtschaftlichen Hauptstadt Syriens, wurden Hunderte Betriebe verwüstet und geplündert.
Bei Damaskus traf es nach Angaben der Industriekammer 251 Firmen. Inoffiziell dürfte die Zahl höher sein. Firmen der Nahrungsmittelindustrie, Baufirmen, Textilbetriebe, chemische und medizinische Fabriken und Fertigungsstätten werden zerstört.
Die Produktion ist durch Krieg und EU-Sanktionen um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit steigt.

»Mit den Sanktionen hat alles angefangen», sagt Pfarrer Zuhair Khazal von der Kirche der Jungfrau des Heiligen Gürtels in der Altstadt von Homs.
Zwei Jahre lang war die Altstadt unter Kontrolle bewaffneter Gruppen, bevor diese im Rahmen eines mit der syrischen Armee verhandelten Waffenstillstandes im Mai 2014 abzogen. Die jungen Männer hätten für Geld gekämpft, sagte Pfarrer Zuhair (in einem Gespräch mit jW im Juli).
»Die westlichen Staaten haben die Männer mit Waffen ausgerüstet, die die arabischen Staaten bezahlt haben. Wenn sie Waffen in den Händen halten, wenn ihnen mehr und mehr Geld dafür bezahlt wird, wird das Ganze zum Geschäft. Und wer am meisten bezahlt, bekommt das meiste.«

Werkstätten werden nicht mehr bezahlt, wenn sie Autos, Motorräder, Heißwasserboiler oder Nähmaschinen reparieren.
Wo bewaffnete Gruppen in Syrien das Sagen haben, ist vorrangig die Herstellung von Waffen und Munition lukrativ.

Am meisten verdient, wer die Schmuggelwege für Waffen, Kämpfer, Medizin und Versorgungsgüter nach Syrien hinein – und für Flüchtlinge, geplündertes Öl, Getreide, Maschinen oder Kunstgüter aus Syrien hinauskontrolliert.
Ein findiger Geschäftsmann in der Türkei nutzt die Verzweiflung von syrischen Flüchtlingen und verkauft deren Universitätszeugnisse an Meistbietende. Kunden sind andere syrische Flüchtlinge, die hoffen, mit dem gekauften Diplom in einem europäischen Land mehr Chancen auf Asyl zu haben.

Noch besser aber verdienen die internationalen Waffenschmieden an dem Krieg, der sich mit den Luftangriffen der »Koalition gegen den IS« im Irak und in Syrien ausgeweitet und verselbstständigt hat.
Aus Sicht von Richard Aboulafia, Vizepräsident der im Rüstungsgeschäft tätigen Teal Gruppe, ist es »ein perfekter Krieg«, berichtet derAFP-Reporter Dan de Luce aus Washington.
Die Ansage der US-Administration, wonach der Krieg gegen ISIL lange dauern werde, kurbele das Geschäft mit milliardenschweren Aufträgen für Bomben, Raketen, Ersatzteilen für Kampfjets und Flugzeuge, für Rüstungs- und Spionagegüter aller Art an.

Seit Beginn der Bombardements im Irak und in Syrien sind demnach die Aktien des US-Rüstungsgiganten Lockheed Martin um 9,3 Prozent gestiegen, andere Firmen dieser Branche legten ebenfalls kräftig zu. Lockheed Martin produziert u.a. die ferngelenkte Luft-Boden Rakete »Hellfire«, von der das Pentagon Hunderte an Bagdad geliefert hat.
Kurz nachdem die Luftangriffe auf Syrien ausgeweitet wurden, erhielt die US-Rüstungsfirma Raytheon von der US-Armee einen 251 Millionen US-Dollar schweren Vertrag für die Lieferung von Marschflugkörpern vom Typ »Tomahawk«. Am ersten Tag der Angriffe auf Syrien (23. September 2014) hatten US-Kriegsschiffe im Golf 47 Tomahawks abgeschossen. Eine dieser Cruise Missiles kostet etwa 1,4 Millionen Dollar.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland liefern bereits große Waffenmengen an die Golfstaaten und füllen damit das Pulverfass weiter auf.
Offen werden auch nichtstaatliche Gruppen, wie die nordirakischen Peschmerga, die »Freie Syrische Armee«, die Islamische und Nusra Front aus- und aufgerüstet, deren Waffen nachweislich an den IS gelangen.
Die so angefeuerten Gruppen sollen den Krieg um die Neuordnung der Region austragen, stellvertretend für die NATO-Staaten.
Diese kurbeln derweil ihre nationalen Ökonomien an, kündigen »notwendige« Neuanschaffungen an und planen mehr Investitionen in deren Weiterentwicklung.

Karin Leukefeld

Jochen

Türkei profitiert von der Kriegsökonomie und der ISIS. während Syriens Wirtschaft mit Verlusten zu kämpfen hat

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Aktuelle Einschätzung von Karin Leukefeld hier:
http://www.jungewelt.de/2014/09-05/016.php
Auszüge:

Syriens staatliche Industrie hat durch den Krieg und internationale Sanktionen seit 2011 direkt und indirekt wirtschaftliche Verluste in Höhe von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro zu verkraften. Das geht aus einem Bericht des Industrieministeriums in Damaskus hervor, der in dieser Woche veröffentlicht wurde.
Besonders hart betroffen sind den Angaben zufolge der Chemie- und Pharmasektor sowie die Baumwollproduktion, die von bewaffneten Gruppen bei Angriffen verbrannt oder geplündert worden sei. Auch andere Bereiche wie Tabak, Zucker, Textil, Maschinenbau oder Zement haben große Einbrüche zu verzeichnen.
Bereits im Juli hatte das für Ressourcen und Rohstoffe zuständige Ministerium die Verluste in der Öl- und Gasindustrie auf 21,4 Milliarden US-Dollar beziffert.

Die Türkei hingegen profitiert von dem Krieg im Nachbarland. Nachdem die Wirtschaft 2011 zunächst eingebrochen war, hat sich im Grenzgebiet inzwischen eine Kriegsökonomie etabliert, von der sowohl die Türkei als auch Aufständische in Syrien profitieren.
Die Exporte in die Gebiete Syriens, die von den bewaffneten Gruppen »Islamischer Staat« (IS) und der Al-Qaida-nahen Nusra-Front kontrolliert werden, machen umgerechnet mehr als 900 Millionen US-Dollar aus. Das berichtet die türkische Zeitung Taraf unter Berufung auf die Vereinigung der türkischen Exportwirtschaft.
IS kontrolliere wichtige Grenzübergänge zur Türkei, von wo die Gruppe sich mit Fahrzeugen, Ersatzteilen, Kleidung, haltbaren Nahrungsmitteln und Elektronik versorge. Besonders gefragt seien Mobiltelefone sowie chemische und medizinische Produkte. Die meisten Exporte würden über den Übergang Kilis abgewickelt, dessen syrische Grenzstadt Asas seit September 2013 von der »Islamischen« und der Nusra-Front kontrolliert wird.
Seitdem hätten die Exporte aus der Türkei um 79 Prozent zugenommen, berichtet Taraf. Dieser Grenzübergang wird auch von ausländischen Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen sowie einigen UN-Organisationen genutzt.

Umgekehrt rollen über die von IS kontrollierten Grenzübergänge Güter, die die Kämpfer in Syrien gestohlen haben.
Baumwolle und Weizen, Inventar geplünderter Fabriken und vor allem Öl aus den Quellen in Deir Ezzor und Hasaka.
Auch Antiquitäten werden von IS über die Türkei auf den lukrativen Weltmarkt geschmuggelt.
Rücksichtslos habe die islamistische Miliz die Plünderung historischer Orte in Auftrag gegeben, von denen viele als Weltkulturerbe gelten, schreibt die türkische Zeitung Radikal. Beobachter vermuten, daß die dadurch erzielten Einnahmen fast so hoch sein könnten wie die Spenden der Sponsoren vom Golf und die »Schutzgelder und Steuern«, die IS von den in der Region verbliebenen Menschen erpreßt.
Dem britischen Guardian zufolge sind internationale Kunsträuber am Werk, die sich auskennen. IS würde von diesen 20 Prozent »Plünderungssteuer« eintreiben.
Was nicht bewegt werden kann, wird zerstört.

Auf türkischer Seite wird das Diebesgut über die Hafenstädte Antakya, Iskenderun und Ceyhan weitertransportiert. Ohne das Wissen türkischer Behörden wäre das nicht möglich.
Wahrscheinlich ist auch, daß der Handel mit den geraubten Kulturgütern den vielen Geheimdiensten, die in dem Grenzgebiet agieren, nicht entgangen ist. National Geographic veröffentliche im Juli Satellitenbilder, die – im Vergleich zu Bildern aus dem Jahr 2011 – den massiven Raub dokumentieren.

Jochen

Bald mehr Tote in jüdischen Museen ? USA wollen syrische Terroristen aufrüsten

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Gerade ist das Attentat im Brüsseler Jüdischen Museum aufgeklärt: ein französischer „Freiheitskämpfer“, der seine Ausbildung bei syrischen „Rebellen“ durchlaufen hat, wurde mit MP, Revolver und Bekennervideo erwischt.
Und nun heute das: die USA wollen die syrische Opposition militärisch gezielt unterstützen, wie Karin Leukefeld berichtet. Israel macht sich berechtigte Sorgen:
http://www.jungewelt.de/2014/06-02/025.php
Auszüge:

Noch mehr Waffen

Syrische Opposition soll von USA militärisch besser ausgerüstet und ausgebildet werden.

Deutsche Stiftungen übernehmen Aufbau »ziviler Strukturen«

Karin Leukefeld, Damaskus Während in Syrien die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ein Ende der Kämpfe und der Zerstörung ihres Landes herbeisehnt, hat Ahmed Jarba, der Präsident der »Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Opposi­tionskräfte« (Etilaf), in den vergangenen Wochen in den USA, Großbritannien und Frankreich die Werbetrommel für Waffenlieferungen gerührt.
Das Kriegsgerät soll an die mit der Koalition verbündeten »moderaten« Kampfverbände geliefert werden.

In Washington traf Jarba mit US-Präsident Barack Obama und Außenminister John Kerry, mit Sicherheitsberaterin Susan Rice und einflußreichen Senatoren zusammen. Dem Verteidigungsausschuß des Senats übergab er eine Wunschliste moderner Waffensysteme.
Ganz oben stehen dort moderne Luftabwehrraketen, um Kampfjets und Hubschrauber der regulären Streitkräfte Syriens abzuschießen.
Skeptikern, die befürchteten, diese Waffen könnten Al-Qaida-Kämpfern in die Hände fallen – und schließlich die Sicherheit Israels bedrohen –, beruhigte Jarba.
Die sogenannten moderaten Kämpfer, die unter dem Kommando des Obersten Militärrates stünden, der wiederum von Brigadegeneral Abdullah Al-Baschir kommandiert werde, würden gut auf die Waffen aufpassen. Man kämpfe nicht nur »gegen Assad, sondern auch gegen die Terroristen«, die im übrigen »mit Assad verbündet« seien.
Diese immer wieder geäußerte Behauptung läßt sich nicht belegen und ist daher rein rhetorischer Natur.

Die Wünsche von Jarba werden nun offenbar erfüllt. Der Verteidigungsausschuß des US-Senats hat einen Zusatzantrag zum Pentagon-Haushalt 2015 verabschiedet, der vorsieht, »überprüfte Angehörige der syrischen Opposition mit Ausrüstung, Ausbildung und Nachschub durch das US-Militär zu unterstützen«.
Die »Möglichkeiten der US-Streitkräfte und der Sicherheitsdienste von verbündeten und befreundeten Nationen« sollten ausgebaut werden, heißt es dort. So könnten »Al-Qaida, deren Netzwerk und andere gewalttätige extremistische Organisationen niedergeschlagen« werden.
Mit 23 gegen 3 Stimmen lehnte der Ausschuss es ab, dies mit der »Förderung einer Verhandlungslösung« zu verbinden. Der Antrag bedarf noch der Zustimmung des Senats. Jarba zeigte sich in einem Interview mit der in London erscheinenden Tageszeitung Asharq Al-Awsat siegessicher: »In den nächsten Wochen« schon würden die modernen Waffensysteme geliefert.

Diese neue »Partnerschaft im Krieg gegen den Terror« wird in den USA vermutlich über einen neu aufgelegten Fonds abgerechnet werden. Den kündigte Präsident Obama am vergangenen Mittwoch an, als er an der Militärakademie West Point die weltweite Führungsrolle der USA bekräftigte. Der Fonds werde 3,7 Milliarden Euro umfassen und diene dem »Kampf gegen den globalen Terror«.
Die USA wollten aber dabei »nicht mehr Feinde schaffen, als wir vom Schlachtfeld räumen«, so Obama. Die Strategie des »Kriegs gegen den Terror« müsse verändert werden.

Im gleichen Kontext steht ein Beschluß der Steuerungsgruppe der von den USA geführten »Freunde Syriens«, der Anfang Mai in London getroffen wurde.
Die »Unterstützung der Nationalen Koalition, des Obersten Militärrats und der mit diesem verbündeten moderaten bewaffneten Gruppen« solle verstärkt werden, hieß es da. Die militärische Auf- und Ausrüstung »moderater Kämpfer« ist dabei nur ein Aspekt.
Auch die zivilen Strukturen der Nationalen Koalition, insbesondere ihrer »Exilregierung«, sollen verbessert werden.
Ahmed Tomeh, der amtierende »Interimsministerpräsident«, bestätigte, daß »europäische Staaten und die USA« seine »Regierung, Ministerien und Institutionen« innerhalb Syriens unterstützen wollten.
Dabei gehen die Staaten der Steuerungsgruppe offenbar arbeitsteilig vor. Die USA, Frankreich, Großbritannien und die Golfmonarchien sind für die militärische Hilfe zuständig. Geheimdienstliche Aufklärung und humanitäre Hilfe liefern alle.
Der Wiederaufbaufonds wird von Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten kontrolliert, über die Eröffnung von Schulen auf dem Gebiet der Türkei verhandelt das »Bildungsministerium der Exilregierung« mit Ankara.
Für den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen sind unter anderem die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland zuständig. Die »Interimsregierung versucht, ihre Pflichten in Syrien zu erfüllen«, so Ahmed Tomeh. Das allerdings sei nur mit »militärischer Unterstützung« möglich.

Die Linke-Abgeordnete Sevim Dagdelen, die bis zum Wochenende mit einer Delegation von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Nahen Osten unterwegs war, kritisierte den Waffendeal scharf.
»Regierungsvertreter im Libanon äußerten sich entsetzt, daß Obama die Aufständischen in Syrien aufrüsten will. Der libanesische Außenminister sagte mir, daß dies nur noch mehr Blutvergießen für die gesamte Region bedeuten würde und den islamistischen Terror letztendlich auch nach Europa zurückbringen würde.«
Sein deutscher Amtskollege Steinmeier schweige dazu, so Dagdelen.
Wie die Eskalation der US-Adminstration aussehe, lasse sich aber bereits in den kurdischen Gebieten im Norden Syriens besichtigen.
Bei einem Überfall von Islamisten auf ein Dorf wurden in der vergangenen Woche 15 kurdische Zivilisten getötet, darunter auch Kinder.
Verantwortlich soll die Terrorgruppe »Islamischer Staat im Irak und in Syrien« (ISIS) sein.
»Die Unterstützung für diese Mörderbanden aus Washington, Berlin und Ankara muß beendet werden«, so Dagdelen.

Wer soll da wen überprüfen ? Noch nicht einmal der so spektakuläre Giftgaseinsatz in Syrien konnte bisher zufriedenstellend aufgeklärt werden, daran hat weder die US-Regierung noch die EU ein Interesse.
Den übrggebliebenen dürfen dann deutsche Gesundheits- und Bildungskonzerne gerne helfen.
Jochen