8. Mai 2020: Video, Veranstaltungen der „Kultur des Friedens“, der DFG-VK und der Offenen Linken Ries zum Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus

Liebe Mitstreiter*innen, liebe Friedensbewegte!
Am 8.Mai, 2020 dem 75.Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus, finden zahlreiche Veranstaltungen
statt an denen sich die Gesellschaft Kultur des Friedens(GKF), die DFG-VK und die Offene Linke Ries  beteiligen.
Kultur_des_FriedensDie GKF hat sich am 8. Mai 1988 mit Internationalen Persönlichkeiten gegründet wie z.B.dem 94 -jährigen griechischen Komponisten Mikis Theodorakis und begeht seitdem diesen Jahrestag unter dem Motto „Erinnern für die Zukunft“ .
Sie lädt zusammen mit Bündnispartnern auch dieses Jahr zu Veranstaltungen am 8./9.Mai 2020 nach Tübingen und Stuttgart ein.

Bitte Link zum youtube Kanal „Kultur des Friedens“ an Interessierte weiterleiten.

 Mit freudlichen Grüßen, Henning Zierock, GKF

 Zum 8. Mai 2020 haben wir ein paar Grußbotschaften und Musik für eine Kultur des Friedens zusammengestellt, GKF_8-Mai2020

die ab 9.Mai ab 20.00 Uhr mittlerweile anzuschauen sind unter folgendem link: https://www.youtube.com/watch?v=Rt7mCAJ5L4A

In Stuttgart gibt es von 17-19 Uhr eine Gedenkaktion von einem Stuttgarter Bündnis zum 8.Mai, am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, am Stauffenbergplatz mit Kranz- und Blumenniederlegung sowie musikalischer Begleitung.
Die Inschrift des Philosophen Ernst Bloch mahnt:

„Verfemt, verstoßen, gemartert, erschlagen, erhängt Millionen Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beschwören –Niemals wieder !“

In Tübingen gibt es eine Gedenkaktion um 15 Uhr auf dem Stadtfriedhof am Gräberfeld X, für die Opfer der NS-Herrschaft.
Eine Kundgebung findet um 17 Uhr auf dem Holzmarkt statt, getragen von einem Bündnis 8.Mai 2020 und um 20 Uhr  gibt es eine “ Veranstaltung “ im Netz (www.kulturdesfriedens.de) u.a. mit (musikalischen) Botschaften von Konstantin Wecker, Theodorakis, Franz Alt, Jürgen Grässlin.
Am 9.Mai, 12 Uhr  (Geburtstag von Sophie Scholl) wird an die Widerstandsgruppe Weiße Rose auf dem Geschwister Scholl Platz der Universität Tübingen erinnert.

logo bild buchstaben wort95oliri logo mIn Nördlingen um 17 Uhr gab es eine kurze Gedenkveranstaltung der DFG-VK und der offenen Linken Ries e.V. mit dem Journalisten Götz Bockmann im Friedhof am Gedenkstein für die hier ermordeten russischen Kriegsgefangenen.

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Am 9.Mai wird in vielen russischen Städten zum Gedenken an die gefallenen Soldaten ein Marsch des „Regiments der Unsterblichen“ veranstaltet, in dem die Angehörigen gro0e Tafeln mit Fotos ihrer Gefallenen tragen. Dazu wird das folgende Lied gesungen, hier auf Russisch:


Hier könnt ihr die noch immer aktuelle Rede von Heiner Holl lesen, die er vor 5 Jahren veröffentlicht hat: https://josopon.wordpress.com/2015/05/08/8-mai-2015-70-jahre-frieden-fragezeichen/

Bereits in ihrem Gründungsjahr 1988 forderte die GKF den 8.Mai als Internationalen Friedenstag einzuführen.

Wir unterstützen den Aufruf von Esther Bejarano, der 95 Jährigen Überlebenden von Auschwitz, den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag auszurufen, so wie dies bereits in vielen anderen Ländern praktiziert wird.

Wir fordern die Bundesregierung auf, den 8. Mai jährlich als Internationalen Friedenstag und antifaschistischen Feiertag zu gestalten !

Gesellschaft Kultur des Friedens, email: info@kulturdesfriedens.de, www.kulturdesfriedens.de

 

Griechenland 1967 – Erinnerungen an einen NATO-Militärputsch

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Spoo2015Eckart Spoo erinnert sich hier:
http://www.sopos.org/aufsaetze/50dc8888e0f6d/1.phtml
Ähnlichkeiten mit der Situation in der Ukraine ssind unverkennbar.
Vielleicht war es auch für Tsipras ein grund, den gut vernetzten Konservativen mit in die Koalition zu holen.
Man hat bisher noch nichts davon gehört, dass an den milliardenschweren Kriegsflottenbestellungen etwas gekürzt werden soll.
Diese waren ja 2008 Voraussetzung dafür, dass Griechenland überhaupt Hilfe aus der EU bekam.

Ein aktuelles Interview mit E.Spoo zum Thema Kriegspropganda und Medien findet sich hier auf „Der fehlende Part“ ab der 22.Minute:

ttps://www.youtube.com/watch?v=3PVPEFQS4pE

Hier auszugsweise Eckard Spoo:

Nein_zur_Nato_DDR1957Die Nordatlantikpakt-Organisation (NATO), 1949 in Washington gegründet, verpflichtet ihre Mitglieder, »die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die Zivilisation ihrer Völker, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit der Person und der Herrschaft des Rechts beruhen, zu gewährleisten« (Präambel des Nordatlantikvertrags).
Zu den Gründungsmitgliedern dieses Militärbündnisses gehörte Portugal, das damals und noch viele Jahre nicht vom Recht, sondern vom Salazar-Regime mit faschistischen Methoden beherrscht wurde. Unterstützung fand das Regime bei der von CDU/CSU und FDP regierten Bundesrepublik Deutschland. Westdeutsche Konzerne erhielten durch Salazar Zugang zu billigen Rohstoffen und Arbeitskräften in den damaligen portugiesischen Kolonien und belieferten ihn mit Waffen für den Kolonialkrieg.
Salazar war es, der 1952 die Aufnahme der BRD in die NATO beantragte.

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Als Griechenland 1967 durch einen Militärputsch unter faschistische Herrschaft geriet, geschah das nach dem NATO-Generalstabsplan »Prometheus«.
Die hehren »Grundsätze der Demokratie, der Freiheit der Person und der Herrschaft des Rechts« wurden nicht gewährleistet, sondern außer Kraft gesetzt.
Sieben Jahre lang dauerte das blutige Regime der griechischen NATO-Offiziere, das von Anfang an besonders starken Rückhalt in der BRD hatte.

Am 21. April jenes Jahres, kurz vor dem Termin einer Parlamentswahl, bei der aller Voraussicht nach die Linke gesiegt hätte, verbreitete am frühen Morgen der Rundfunk eine Proklamation der Armee, die dem Volk verkündete, sie habe die Macht übernommen, »um einer Machtübernahme der Kommunisten zuvorzukommen«.
Panzer rollten in die großen Städte, Parlament, Regierungsgebäude, Zeitungshäuser wurden besetzt, Funktionäre demokratischer Organisationen verhaftet, viele von ihnen in Konzentrationslager auf vegetationslosen Inseln deportiert, Versammlungen verboten, Gesetze aus der Zeit der Nazi-Okkupation wieder für gültig erklärt, gewerkschaftliche Organisationen und Streiks unterdrückt und Militärgerichte eingesetzt. Wahlen fanden nicht mehr statt.
Im Befehl Nr. 13 verbot die Armee, »Musik und Lieder des Komponisten Mikis Theodorakis zu verbreiten oder zu spielen«.

Der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß bescheinigte dem von den Putschisten regierten Griechenland, es sei zur »Stabilität« zurückgekehrt, und das CSU-Organ Bayernkurier rühmte den von der Junta ernannten Ministerpräsident Kollias: »Jurist durch und durch, eine beeindruckende Legierung von persönlicher Bescheidenheit, gedanklicher Präzision und repräsentativer Würde, verkörpert er die Zustimmung der guten alten Honoratiorenschicht zum Regime.«
Aber Stabilität stellte sich nicht ein, stattdessen stieg die Inflation, der Widerstand im Volk ließ sich nicht überwinden – auch nicht durch die Festnahme und Verschleppung von mehr als 150.000 »Ordnungsstörern« während der sieben Diktaturjahre. Die Europäische Kommission für Menschenrechte bezeichnete 1969 nach gründlichen Untersuchungen Folter als »eine in Griechenland übliche Verwaltungsmaßnahme.«

Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten unterließ es die BRD, die Militärdiktatur und deren Verbrechen zu verurteilen. Bundespräsident Heinrich Lübke würdigte vielmehr die »traditionelle Freundschaft« zwischen beiden Ländern, die sich auf »das hohe Ideal der Freiheit« gründe. In der Großen Koalition gab es keine Differenzen wegen des Verhältnisses zu Griechenland.
Der SPD-Vorsitzende und damalige Außenminister Willy Brandt hielt aufgebrachten Parteimitgliedern entgegen: Wer den Abbruch der diplomatischen Beziehungen fordere, »vertritt nicht die Interessen des Staates«. Der damalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Hans Apel, erklärte: »Was hätten wir eigentlich davon, wenn die jetzige Diktatur abgelöst würde zum Beispiel durch eine prokommunistische?«
Bei dieser offiziellen Haltung blieb es auch nach dem Wechsel von der Großen zur SPD/FDP-Koalition. Für das Auswärtige Amt blieb Griechenland »ein wichtiger Bündnispartner, mit dem uns eine Vielzahl gemeinsamer Interessen verbindet«, und Bundesverteidigungsminister Georg Leber stellte es schlicht als unzulässig dar, Bündnispartner zu kritisieren.
Vom ersten bis zum letzten Tag der griechischen Militärdiktatur hat Bonn so geredet und gehandelt, wie es das CSU-Organ Bayernkurier einmal empfohlen hat: Das Gesamtinteresse des Westens muß hier vor der Ideologie rangieren«, also vor Freiheit, Recht und Demokratie.

Als im November 1973 Studierende des Athener Polytechnikums in den Streik und Arbeiter in Solidaritätsstreiks traten, entwickelten sich Massendemonstrationen, gegen die das Militär mit Panzern, Tränengas, Schußwaffen vorging. Daraus entstand ein Massaker: Mehr als 200 Demonstranten wurden getötet, weit über 2.000 verletzt.
Aber noch wenige Wochen bevor das Militärregime abtreten mußte, stellte die Wirtschaftswoche fest: »Wenn Diktatoren herrschen, bekommen Anleger gern feuchte Augen. In Griechenland hat sich der Aktienindex seit dem Obristenputsch vom April 1967 verfünffacht.«
Die Welt
aus dem Springer-Konzern resümierte: »Allein 1973 nahm der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern um 44 Prozent zu« – die Bundesrepublik habe »sowohl unter den Lieferanten als auch den Abnehmern der griechischen Wirtschaft den ersten Rang« eingenommen.

Die Erwartungen, mit denen deutsche Konzerne 1967 den Putsch begleitet hatten, wurden also nicht enttäuscht. Damals hatte das Handelsblatt geschrieben, man erwarte eine »Verbesserung der technischen Abwicklung der Geschäfte«, weil die Verzögerungen infolge »dauernder Streiks« durch »energisches Eingreifen der Regierung in aller Kürze beseitigt sein werden«.

Auch in den folgenden Jahren fand das Handelsblatt immer wieder Argumente für den Kapitalexport nach Griechenland, das nicht nur »ein wichtiger Stützpfeiler der NATO«, sondern auch ein »lohnender Markt« sei. Den griechischen Arbeitsmarkt pries das Blatt mit den Worten, die Löhne seien »weiterhin niedrig«.

Die militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden NATO-Partnern wurde in den sieben Jahren der Diktatur sehr eng. Westdeutschland lieferte U-Boote, Hunderte Transportflugzeuge, Unmengen an Feuerwaffen der Firmen Heckler & Koch und Rheinmetall und vieles mehr.
Die Bundeswehr durfte griechische Militärflugplätze und einen Raketenschießplatz auf Kreta benutzen. Solche Kooperationen wurden mit der Notwendigkeit begründet, die Südostflanke der NATO zu sichern und zu stärken. Gestärkt wurde das Obristenregime.

Aber als 1974 die Türkei, Griechenlands Nachbar, gleichfalls NATO-Mitglied und weit entfernt davon, Freiheit, Recht und Demokratie zu gewährleisten, den Norden der Republik Zypern besetzte (den sie noch heute besetzt hält) und die griechische Bevölkerung vertrieb, richtete sich der Zorn der Griechen nicht nur gegen die Türken, sondern auch gegen die NATO und gegen die Junta in Athen, die bald abtreten mußte, und das befreite Griechenland löste sich aus der militärischen Zusammenarbeit in der NATO; etliche Jahre widersetzte es sich dem Druck aus Washington und Bonn, bis es sich wieder eingliederte.

Eine ausführliche Darstellung der griechischen Militärdiktatur gibt das Buch »Unser Faschismus nebenan – Erfahrungen bei NATO-Partnern« von Günter Wallraff und Eckart Spoo, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.

Jochen