Interview mit Udo Ulfkotte (ex-FAZ) über gekaufte Journalisten in großen Zeitungen

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

ulfkotteAktueller Nachtrag: Herr Dr.Ulfkotte ist am 13.1.2017 an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/udo-ulfkotte-umstrittener-publizist-und-ehemaliger-faz-journalist-ist-tot-a-1130008.html

Es ist schade, denn so werden wir nie von ihm erfahren, wo die Grenze zwischen Argwohn, Paranoia und dem tiefen Staat liegt.

Anmerkung: Zum erwähnten Buch „Gekaufte Journalisten“ gibt es einen sehr kritischen Kommentar von Albrecht Müller, aus dem unten Auszüge angefügt sind.

Was Herr Ulfkotte hier erzählt, wird von den Erwähnten unwidersprochen hingenommen. Er kann es mit Quellen belegen und freut sich, dass er damit auch eine medienwisenschaftliche Forschungsarbeit mehrerer Universitäten angestoßen hat.

Udo Ulfkotte war 16 Jahre FAZ-Journalist und packt jetzt aus.
Gegenüber RT berichtet er wie die CIA und andere US-Behörden Journalisten in allen großen deutschen Zeitungen kauften. Taucherausrüstung und Aufenthalte in 5-Sterne Hotels inklusive.
Im Gegenzug wurde pro-amerikanische Berichterstattung gefordert und mediale Unterfütterung von US-Kriegsvorbereitungen.
Herr U. ist ausgestiegen, nachdem man ihm zutraute, für 5000Euro die Ehefrau von Kurt Beck, SPD, vor dem Landtagswahlkampf zu bespitzeln.
Da fragte er sich, wosein guter Ruf geblieben war. Mit seinem Interview und den neuesten Veröffwntlichungen kann er ihn wieder herstellen.
Das Interview wurde vom RT Deutsch-Reporter Nicolaj Gericke (@Nicolaj_Gericke) geführt.
Es lohnt sich, das Interview bis zum Schluss anzuhören !

A_Mueller-mUnd hier der kritische Kommentar von Albrecht Müller:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=23539

Es gibt in der Zeit der journalistischen Tätigkeit des Autors Ulfkotte eine Fülle von praktisch erfahrbarer Käuflichkeit von Journalisten. Ich will einige Fälle nennen:

  • In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre gab es einen vielfach beschriebenen Aktienboom. Unternehmen gingen an die Börse, zum Beispiel die Deutsche Telekom. Dafür wurde auf vielen Kanälen geworben. Diese Werbung, zum Beispiel durch den Schauspieler Manfred Krug, war begleitet von redaktionellen Storys. Jeder kritische Beobachter musste damals schon annehmen, dass diese Geschichten nicht ohne Beeinflussung durch die Werbeabteilungen der betreffenden Unternehmen oder durch PR Agenturen zustande kamen. Wer wurde wie geschmiert? Dieser Frage nachzugehen wäre verdienstvoll gewesen für ein Buch das „Gekaufte Journalisten“ heißt.
  • Es wurde uns damals erzählt, wir hätten es mit einer Neuen Ökonomie zu tun, von New Economy wurde schwadroniert. So genannte Startups wurden in den Himmel gehoben. Vor ihren Füßen fiel der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Gutachten vom November 2000 in den Staub. Wer hat sich diese Kampagne ausgedacht? Welche Journalisten wurden dafür mit welchen Mitteln ausgestattet und geschmiert?
  • Die Deutsche Bundesbank hat einen gut ausgestatteten Etat für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig hat die Deutsche Bundesbank trotz großer Fehlleistungen wie ihren hohen Diskonterhöhungen einen ausgezeichneten Ruf. Wer wurde von den Öffentlichkeitsarbeitern der Deutschen Bundesbank beziehungsweise von PR Agenturen gekauft? Darüber hätte ich in einem Buch, das „Gekaufte Journalisten“ heißt, gerne etwas erfahren. Der Autor hätte leicht Anhaltspunkte und sogar Hinweise auf Namen finden können. Von der Deutschen Bundesbank erhielt ich als Bezieher ihres Monatsberichtes zusätzlich noch regelmäßig Ausdrucke von Presseartikeln, die mit der Politik der Bundesbank, also der Geld- und Zinspolitik, zu tun hatten. Es ist bekannt, dass der Wiederabdruck dieser Artikel sehr gut honeriert wurde. Es ist auch bekannt, dass man besondere Beziehungen haben musste, um in diesen gut bezahlten Wiederabdruckszirkel aufgenommen zu werden. Autor Ulfkotte hätte also schon sehr konkrete Hinweise gehabt, um der Verkäuflichkeit dieser Personen nachzugehen.
  • Im Vorfeld des Bundestagswahlkampfes 1998 begann eine intensive und lange anhaltende Kampagne zum demographischen Wandel und zur angeblichen Notwendigkeit, die solidarische Altersvorsorge der Gesetzlichen Rente durch Privatvorsorge zu ergänzen. Die Versicherungswirtschaft und die Banken suchten ein neues Geschäftsfeld. Ihre Politik- und Öffentlichkeitsarbeitsstrategen hatten sich ausgedacht, als Grundlage und Katalysator dieses politischen Wechsels eine Kampagne zum sterbenden und vergreisenden Volk und insgesamt zum demographischen Wandel und der daraus angeblich für die Gesetzliche Rente folgenden Schwierigkeiten zu starten.

    Die Kampagne der Finanzwirtschaft wurde vor den Bundestagswahlen von 1998 von einer Fülle von schwarz-grünen großen Anzeigen in den Printmedien unterstützt. Später kamen Artikel und Sendungen in den kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Medien hinzu. Ganze Themen-Wochen wurden mit Medienbeiträgen über den demographischen Wandel und zur privaten Altersvorsorge gefüllt. Institute wie das Deutsche Institut für Altersvorsorge DIA wurden aktiv. Andere Institute schalteten sich in die Kampagne ein und wurden mit Gutachten beauftragt. So zum Beispiel das so genannte Berlin-Institut. Dieses veröffentlichte Mitte März 2006 ein dramatisches Gutachten. Unmittelbar danach hatte der Südwestfunk schon eine Sendung von einer vollen Stunde zu diesem Gutachten arrangiert. Das war eine deutlich erkennbare doppelbödige PR-Aktion. Wir haben in den Nachdenkseiten davon berichtet und ich habe praktisch zeitgleich in meinem Buch „Machtwahn“ diesen Vorgang beschrieben. Es ist einer von Hunderten von Fällen, bei denen für jeden einigermaßen kritischen Beobachter klar wurde, dass hier Journalisten reihenweise gekauft worden waren. Deshalb hätte man erwarten können, dass in einem Buch mit dem Titel „Gekaufte Journalisten“ auf diese gravierenden, unsere Gesellschaft und die soziale Sicherheit viele Menschen beschädigenden Vorgänge eingegangen worden wäre.

Statt sich mit diesen Fällen offenbarer politischer Korruption zu beschäftigen, hat sich der Autor mit voller Energie einem wirklich lächerlichen Fall gewidmet. Es geht dabei um die publizistische und werbliche Begleitung der Einführung des Euro. Dem Autor schmeckt der Euro nicht. Er wollte bei der DM bleiben. Das ist sein gutes Recht. Aber die publizistische Begleitung der Einführung des Euro und die dafür von der Bundesregierung und der Europäischen Union betriebene Öffentlichkeitsarbeit als einen Vorgang darzustellen, der in die Rubrik Gekaufte Journalisten gehört, ist schon sehr dreist.

Wenn sich der Autor Ulfkotte den Kampagnen der Sabine Christiansen hätte nähern wollen, dann hätte er besser andere Beispiele als die Einführung des Euro hergenommen. Zum Beispiel könnte man und müsste man fragen, was Sabine Sabine Christiansen zum Aufbau des hessischen Wahlverlierers von 1999, Hans Eichel, zum Sparkommissar der Bundesrepublik Deutschland beigetragen hat. Hätte der Autor zu diesem Thema recherchiert, dann hätte wäre er relativ schnell fündig geworden. Er hätte zum Beispiel feststellen können, dass der Bundesfinanzminister Hans Eichel und die Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen den gleichen PR Agenten beschäftigten. Statt solchen Verflechtungen von Publizistik und Politik nachzugehen, reitet der Autor sein Steckenpferd: die Gegnerschaft zum Euro.

Jochen