Passend zu Pfingsten: Gute staatliche Versorgung und hohe Intelligenz gehen einher mit geringerer Religiosität

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Abendregenbogen auf Langeoog

Dieser schon lange bei Soziologen und Psychotherapeuten bekannte Zusammenhang ist nun auch empirisch bestätigt worden:
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0146167218764656

Leider auf Englisch und nicht umsonst.
Eine Übersicht gibt dieser Artikel des Miami Herald, leider auch auf Englisch:
http://www.miamiherald.com/news/nation-world/national/article209279189.html

Auszüge:

Government vs. God? People are less religious when government is bigger, research says

By Jared Gilmour jgilmour

Researchers call it an exchange model of religion: If people can get what they need from the government (be it health care, education or welfare) they’re less likely to turn to a divine power for help, according to the theory.

But are people actually more likely to drop religion in places where governments provide more services and stability?
In a new paper, psychology researchers crunched the numbers — and found that better government services were in fact linked to lower levels of strong religious beliefs.

Those findings held true in states across the U.S. and in countries around the world, researchers said.

The article, “Religion as an Exchange System: The Interchangeability of God and Government in a Provider Role,” was published April 12 in Personality and Social Psychology Bulletin.

Authors Miron Zuckerman and Chen Li of the University of Rochester and Ed Diener of the Universities of Utah and Virginia wrote that their findings suggest “that if the function that religiosity provides can be acquired from some other source, the allure of religion will diminish.”

The researchers also found something of a staggered link between the government services on offer and levels of religiosity in a given state.
Between 2008 and 2013 in the U.S., for example, “better government services in a specific year predicted lower religiosity 1 to 2 years later,” researchers wrote.

“If a secular entity provides what people need, they will be less likely to seek help from God or other supernatural entities. Government is the most likely secular provider,” the researchers concluded.
“We showed in two cross-sectional analyses, one using world countries and one using states in the United States, that better government services were related to lower levels of religiosity.”

How exactly did the researchers measure government service levels and how religious people are? The research relied on a mix of World Bank, World Fact Book, U.S. Census and Gallup data, researchers said.

Researchers measured government services by looking at how much each state or country spent on health and education as a percentage of gross domestic product.
Then researchers compared those numbers with data about religion that Gallup collected from 455,104 people across 155 countries, according to the paper.
That’s nearly 3,000 respondents from each country, researcher said.

“If the benefits acquired in the religious exchange can be acquired elsewhere, religion becomes less useful,” researchers wrote.
They added that, when it comes to the role religion plays in establishing predictability and control in society, “the power and order emanating from God can be outsourced to the government.

Researchers adjusted their results to account for differences in quality of life and income inequality across countries and states.
That way, they could attempt to isolate the relationship between two variables: government services and how religious a population is.

The findings “imply that the government can provide an extra layer of security … that might help people cope with future needs, both expected and unexpected, and as such, might reduce dependence on God or other supernatural entities,” researchers wrote.

The paper’s lead author, Zuckerman, has previously analyzed links between intelligence and religious beliefs.
In 2013, he published a study with other Rochester researchers finding that the more intelligent someone is, the less strong his or her religious beliefs tend to be.

The paper combined the results of 63 other studies to reach its conclusions, researchers said. And Zuckerman, for his part, said he wasn’t surprised by the result.

„You have to realize that this relation is not new,“ Zuckerman told the Verge. „Studies from 1928 found [this].“

Kurz zusammengefasst: wenn die Organisation der Gesellschaft besser für die Bedürfnisse der Menschen sorgt, können die zuvor auf Götter gesetzten Hoffnungen auf die Regierung als Spender existentieller Sicherheit übertragen werden. In der Funktion des Sicherheit spendenden versorgers können beide ausgetauscht werden.
Interessant ist auch der zeitliche Abstand von 1 – 2 Jahren zwischen einer Verbesserung der realen Regierungsführung und dem Nachlassen religiösen Eifers.
Das weist also auch auf einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang hin.
Der negative Zusammenhang zwischen Intelligenz und Religiosität ist nach Zuckerman schon seit 1928 nachgewiesen.
Mit dieser Erkenntnis verabschiede ich mich in die Fortbildungstage auf Langeoog und wünsche trotzdem genussvolle Feiertage.

Jochen

Genetisch bedingter Gegensatz zwischen Rationalität und Religiosität – Sind religiöse Menschen wirklich dümmer?

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Ein lesenswerter Artikel aus dem Spektrum der Wissenschaft.

tatsinatel

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Es muss dazu angemerkt werden, dass hier zwischen Rationalität und Intelligenz nicht klar unterschieden wird.
Irrational denkende Menschen können sehr viel Intelligenz zeigen und es den rationalen Mitmenschen um so schwerer machen.
Andererseits können auch weniger intelligente Menschen ihr Denken besser nutzen lernen, wenn sie dazu angeleitet werden, statt dass sie zu Untertanen dressiert werden durch Elternhaus, Schule und Meinungsmache.
Dass Instinkte in Stresssituationen stärker hervortreten, wurde schon von Gustave Le Bon beschrieben und seit jeher von Diktatoren zu ihrem Vorteil ausgenützt – leider spielen diese Art Instinkte auch in der Politik eine große Rolle.
Hier der Artikel auszugsweise:
http://www.spektrum.de/news/sind-religioese-menschen-wirklich-duemmer/1459303

Schon antike Statistiker meinten, dass Intelligenz und Religiosität irgendwie zusammenhängen.
Genau gesagt: Atheisten sind oft schlauer. Stimmt das? Und wenn ja – warum?
von
Jan Osterkamp
Sind Menschen mit höherem Intellekt tendenziell eher Atheisten? Mit dieser Hypothese haben sich Forscher und Denker schon von der Antike bis ins Internetzeitalter herumgeschlagen, und so stehen Edward Dutton vom Ulster Institute for Social Research und Dimitri Van der Linden von der Erasmus-Universität Rotterdam in guter Tradition: Die beiden Sozialwissenschaftler veröffentlichten jetzt in „Evolutionary Psychological Science“ ihrer neuen Versuch, Erklärungen für die negative Korrelation von Religiosität und Intelligenz zu finden, die immer wieder in historischen Aufzeichnungen auftaucht und durch allerlei Erhebungen gestützt wird.

Dutton und Van der Linden versuchen es nun mit einem Ansatz, der auf evolutionspsychologischen Modellen beruht.
Zunächst seien sämtliche Merkmale der menschlichen Biologie – also neben der Anatomie etwa auch vererbbare instinktive Verhaltensmuster – im Wesentlichen durch die Umweltherausforderungen der Evolution vorgeprägt. Dutton und Van der Linden betrachten nun auch die Religiosität als Sonderform eines Instinkts: einer Verhaltensweise, die über so lange Strecken der Evolution sinnvoll war, dass sie sich als gängiges, nicht ständig bewusst hinterfragtes und erbliches Verhaltensmuster etabliert hat.
Weil eine höhere Intelligenz Menschen aber im höherem Maß erlaubt, auch gegen instinktive Verhaltensweisen zu handeln, wenn die Situation es rational erfordert, würden Intelligenz und Religiosität negativ korrelieren.

Dafür, dass Religiosität – das heißt die generelle Bereitschaft, in bestimmten Bereichen Glaubensinhalten mehr oder weniger ohne rationale Prüfung zu folgen – tatsächlich eine „instinktive“ Grundausstattung des Menschen wurde, sprechen diverse Gründe, wie auch Religionswissenschaftler argumentieren.
So wachsen übersichtliche Gruppen von Menschen eines gemeinsamen Glaubens schneller eng zusammen, sie erkennen im anderen womöglich rascher eine Bereitschaft zu Kooperation und altruistischem Verzicht sowie zur Ein- und Unterordnung gegenüber Regeln und Normen oder dem aktuell gültigen sozialen Rahmen.
Zudem könnten Verstöße gegen Regeln in solchen Gruppen seltener sein, die sich ständig von einer höheren Instanz bewertet sehen. Tatsächlich spricht für die Einordnung von Religiosität als Instinkt zudem, dass Instinkte in Stresssituationen quasi automatisch stärker werden – was für Religiosität sowohl bei einzelnen Individuen wie auch Gruppen nachgewiesen ist. Religiöse Menschen bekommen außerdem meist mehr Kinder – und würden so den erblichen Instinkt „Religiosität“ weitergeben.

Eher das Gegenteil gilt für intelligente Menschen: Sie bekommen statistisch weniger Kinder – auch wenn andere Einflussfaktoren wie der sozioökonomische Status oder der Entwicklungsgrad der Heimatländer berücksichtigt werden. Allerdings dürfte höhere Intelligenz ebenfalls evolutive Vorteile gehabt haben, wie Forscher mit optimistischer Weltsicht anerkennen.
Insgesamt führe dies zu der etwas paradoxen Situation, fassen Dutton und Van der Linden zusammen, dass die Evolutionsprozesse sowohl höhere Intelligenz wie auch stärkere Religiosität des Menschen gefördert haben, obwohl beide gegeneinanderarbeiten.
Würde eine Eigenschaft dominieren, so häuften sich die Nachteile, konstatieren die Evolutionspsychologen an ausgewählten Beispielen: Extreme, fundamentalistische religiöse Gruppen werden nachweislich etwa immer weniger offen und durchlässig und stagnieren in dem von ihnen ausgestalteten Ethnozentrismus; Gruppen von Menschen mit einem allzu starken Fokus auf Intelligenz dagegen sterben bei aller Offenheit vielleicht einfach aus, weil sie keine Kinder mehr bekommen.
All das, schließen Dutton und Van der Linden an, „ist zugegebenermaßen natürlich spekulativ“. Immerhin erkläre ihre Sicht der Dinge aber die immer wieder bestätigte negative Korrelation von Intelligenz und Religiosität.

© Spektrum.de

So, es geht also um Ein- und Unterordnung, bis zur Genitalverstümmelung an neugeborenen Kindern, damit der Gott (und seine Hohepriester, die geweihten Könige und deren Krieger) leichtes Spiel habe…

Vergleiche auch den Hinweis auf die Religion der Tsatinaten in diesem Beitrag:

https://josopon.wordpress.com/2016/07/06/dringend-spendenaktion-gegen-genitale-frauenverstuemmelung-in-burkina-faso-und-sierra-leone/

Jochen