Psilocybin: Psychedelische Droge lindert in Studie schwere Depressionen

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Aktuell aus dem Deutschen Ärzteblatt:
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Baltimore – Die zweimalige Gabe von Psilocybin, einem in bestimmten Pilzen enthal­tenen Halluzinogen, hat, unterstützt durch eine Psychotherapie, in einer randomisierten „Proof of Principle“-Studie das Gemüt von Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen innerhalb eines Tages aufgehellt.

Bei etwa der Hälfte der Patienten wurde laut dem Bericht in JAMA Psychiatry (JAMA, 2020; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2020.3285) eine Remission der Depression erzielt, die über mindestens 8 Wochen anhielt.

Nach der Einnahme von Psilocybin kommt es zu visuellen und akustischen Halluzina­tionen und Bewusstseinsveränderungen, die einige Stunden anhalten. Die auf dieser „Reise“ gemachten Erfahrungen sollen Menschen mit Depressionen und anderen men­talen Störungen helfen, ihre ständig wiederkehrenden Gedanken und Ängste beiseite zu legen und sich mit neuem Lebensmut von ihrer psychischen Krise zu befreien.

So ließen sich laienhaft die Effekte beschreiben, die Neuropsychiater auf die Stimulation von sero­toninergen und glutaminergen Neuronen im Cortex cerebri zurückführen.

Ein Team um Roland Griffiths vom Johns Hopkins Center for Psychedelic and Consciousness Research in Baltimore experimentiert seit einigen Jahren mit der Droge aus den „Zauberpilzen“, die er den Patienten in Gelatinekapseln zusammen mit einem Glas Wasser verabreicht.
Vor 4 Jahren hat sein Team über positive Ergebnisse an 51 Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen berichtet, die nach der Behandlung von ihren Depressionen und existenziellen Ängsten befreit wurden.

Jetzt stellen die Forscher die Ergebnisse einer weiteren Studie vor, an der 24 Patienten teilnahmen, die im Alter von 40 Jahren seit durchschnittlich 21,5 Jahren immer wieder unter Depressionen litten.
Die aktuelle Episode hatte seit etwa 24 Monaten angehalten, als sie zur Studienteilnahme eingeladen wurden: 13 Patienten wurden sofort behandelt, die anderen 11 mussten 8 Wochen warten.
Sie dienten in dieser Zeit als Vergleichs­gruppe.

Die Behandlung bestand aus der zweimaligen Gabe von Psilocybin im Abstand von weniger als 2 Wochen. Die Patienten wurden in mehreren Sitzungen auf die Einahme des Halluzinogens vorbereitet.
Sie erfolgte in einem Raum, der wie ein Wohnzimmer aus­staffiert war.

Die Teilnehmer wurden gebeten, es sich auf einer Couch bequem zu machen, nachdem sie das Mittel eingenommen hatten.
Sie setzten eine Schlafmaske auf und hörten während der Behandlung entspannende Musik.

Während des etwa 5-stündigen Aufent­haltes waren 2 Betreuer anwesend. In den folgenden Tagen wurden die psychedelischen Erfahrungen mit den Therapeuten aufbereitet.

Primärer Endpunkt waren die Veränderungen in der GRID-Hamilton-Skala, einem Standardinstrument zur Bewertung von Depressionen. Ein Wert von 24 oder mehr zeigt eine schwere Depression an, eine mittelschwere Depression liegt bei 17 bis 23 Punkten, eine leichte bei 8 bis 16 Punkten vor, während 7 oder weniger Punkte als normaler Gemütszustand bewertet werden.

Vor Beginn der Studie hatten die Teilnehmer einen GRID-Hamilton-Score von 22,8 Punkten, 1 Woche später war er auf 8,0 gefallen und 4 Wochen nach der Behandlung lag der Wert im Durchschnitt noch bei 8,5 Punkten. In der Vergleichsgruppe hatte sich der GRID-Hamilton-Score mit 23,8 und 23,5 Punkten erwartungsgemäß nicht verändert.

Die Wirkung der Behandlung setzte rasch ein. Bereits am Tag nach der Behandlung be­richteten die Patienten im „Quick Inventory of Depressive Symptomatology-Self Rated“ von einer deutlichen Verbesserung ihres Gemütszustands.

zum Thema

Das würde ich auch gerne mal ausprobieren. Was ist, wenn die Halluzinationen einem Angst machen ?
Zum Thema Depressionen siehe auch: https://josopon.wordpress.com/2015/06/08/die-angst-vor-dem-glucklichsein-fear-of-happiness/

Über Kommentare hier auf meinem Blog  würde ich mich freuen.

Jochen