„Bildkorrektur“: Comics gegen Vorurteile

Über eine erfreuliche Initiative hat heute der bayerische Rundfunk berichtet:

http://bildkorrektur.tumblr.com/

Unter dem Namen „Die bunte Seite der Macht“ hat sich eine Gruppe bekannter Cartoonisten zusammengetan, um gegen Vorurteile und Ängste anzuzeichnen.

Die Cartoons dürfen frei in eigenen Veröffentlichungen verwendet werden.

Bildkorrektur - Bilder gegen Bürgerängste | Bild: bildkorrektur.tumblr.com

„Die bunte Seite der Macht“

Auf dem großen Arbeitstisch im Atelier von Barbara Yelin stapeln sich große Papierbögen. Daneben ordentlich sortiert, unzählige  Pinsel, Federn und Stifte. Mit diesen Werkzeugen erzählt  die 38-jährige Zeichnerin Geschichten. Gezeichnete Geschichten, die sie als Comicstrips oder Graphic Novels veröffentlicht. Lange hat Barbara Yelin überlegt, wie sie sich mit ihrem zeichnerischen Können in der Flüchtlingshilfe engagieren könnte. Eine Idee, die auch andere befreundete Comickünstler hatten. Vor kurzem haben sie sich zusammengetan zur Gruppe „Die bunte Seite der Macht“ und den Blog „Bildkorrektur – Bilder gegen Bürgerängste“ ins Netz gestellt. Darin versuchen die Künstler die Ängste besorgter Bürger bezüglich Geflüchteter bildlich darzustellen und zugleich zu entkräften.

 Rote und blaue Bildpaare

Bildkorrektur - Bilder gegen Bürgerängste | Bild: Mawil, bildkorrektur.tumblr.com

Die Künstler haben jeweils Bildpaare gezeichnet, deren erste Hälfte in dunkles Rot getaucht, eine Behauptung über Flüchtlinge illustriert. Das zweite Bild in hellblau korrigiert diese Meinung – unterstützt durch Fakten, die der Berliner Journalist Felix Denk zusammengetragen hat. So hat sich etwa Barbara Yelin mit der Angst beschäftigt, dass die Flüchtlinge den Terror nach Europa bringen. Der Berliner Zeichner Markus Witzel, alias Mawil, hingegen überlegte sich als Antwort auf die Behauptung, warum die Flüchtlinge so teure Handys haben, was wohl ein Deutscher mit auf die Flucht nehmen würde.

„Das Bild, auch wieder ein Klischee, zeigt einen westlichen Hipster, der in Panik in seiner Wohnung rumrennt, der überlegt, was könnte er einpacken, die teure Plattensammlung, das Longboard, die teure Couchgarnitur, den teuren Flachbildfernseher, alles so Sachen, die man auf der Flucht nicht so wirklich braucht, also wenn man was mit ein bisschen an Wert mitnehmen kann, dann auf jeden Fall ein Smartphone.“

Markus Witzel, alias Mawil

Bilder gegen Bürgerängste

Die Künstler wollen kein Geld mit den Bildern verdienen. Jeder kann ihre Illustrationen teilen, sie kostenfrei verwenden, auf Plakatwände drucken oder in einer Ausstellung zeigen. Auf diese Weise hofft die Gruppe möglichst viele Menschen zu erreichen und Ängste in der Bevölkerung abzubauen. Denn mit Bildern gelinge dies besser als mit Zahlen und Grafiken sagt Mawil.

Deshalb wollen die Zeichner den Blog „Bildkorrektur – Bilder gegen Bürgerängste“ auch weiterführen. Denn Themen, wie etwa die Angst vor sexualisierten Übergriffen wie in Köln, seien noch nicht thematisiert worden, meint Mawil. Um das Miteinander in der Gesellschaft zu fördern, hat die Künstlergruppe aber auch noch andere Ideen. Comic-Workshops an Schulen etwa oder in Flüchtlingsheimen. Denn mit Bildern kann man viel erreichen, sagt Barbara Yelin – auch wenn die Sprache fehlt.

Das Geld für die Unterstützung der Flüchtlinge ist da: Es stammt oft aus Steuerüberschüssen und
Haushaltsrücklagen. Deutschland geht es finanziell sehr gut: 2015
hat die Bundesregierung zum ersten Mal seit 1969 einen
Haushaltsentwurf ohne Neuverschuldung vorgelegt. Zudem machen fünf
Milliarden Euro gerade einmal 1,8 Prozent des Bundeshaushalts aus.Quelle:
Bundesregierung

Das Geld für die Unterstützung der Flüchtlinge ist da: Es stammt oft aus Steuerüberschüssen und Haushaltsrücklagen. Deutschland geht es finanziell sehr gut: 2015 hat die Bundesregierung zum ersten Mal seit 1969 einen Haushaltsentwurf ohne Neuverschuldung vorgelegt. Zudem machen fünf Milliarden Euro gerade einmal 1,8 Prozent des Bundeshaushalts aus.

Quelle: Bundesregierung

„Vorsicht, Faschist!“ D.Dehm zum inflationären Gebrauch dieses Vorwurfs

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Dieter_DehmDer volle Text steht hier:
http://www.diether-dehm.de/index.php/positionen/958-vorsicht-faschist
Ich teile seine Kritik. Sogar ich habe mir schon Antisemitismus vorwerfen lassen müssen.
Auszüge:
Immerzu werden Antifaschisten und Antimilitaristen hierzulande mit der Forderung bedrängt, sich von anderen zu distanzieren.
Als eine besonders wirksame Methode des Auseinanderdividierens erweist sich die Anschuldigung, diese oder jene Gruppe und jeder, der mit ihnen Umgang habe, seien Faschisten.
Kürzlich schrieb mir ein führendes Mitglied der Partei Die Linke, Antifaschismus bedeute für ihn, “gegen antiemanzipatorische, antihumanistische, diskriminierende, rassistische, sexistische, antisemitische und nationalistische Tendenzen vorzugehen, denn diese führen in letzter Konsequenz zum Faschismus, den es zu bekämpfen gilt”.
Ja gut, aber sollen wir nun etwa anhand eines solchen Kriterienkatalogs entscheiden, wer mit wem gemeinsam gegen die NPD oder gegen Rüstungsexporte oder gegen die Schnüffelei der Geheimdienste demonstrieren darf?
Nicht jedes Vorurteil macht einen Faschisten aus, und je mehr Ausgrenzungsgründe wir auflisten, desto weniger Mitdemonstranten bleiben übrig – was mir auch der Zweck vieler Distanzierungsforderungen zu sein scheint. […]

Es ist einfach töricht, die Überwindung von Vorurteilen zur Vorbedingung gemeinsamer Aktionen zu machen. Vielmehr lassen sich Vorurteile gerade in der gemeinsamen Aktion überwinden. […]

Ich kann auch meine Partei Die Linke nur davor warnen, sich im Streit über den Umgang mit angeblichen “Verschwörungstheoretikern”, “strukturelle Antisemiten”, “autoritäre Charakteren”, “Antieuropäern”, “Antiamerikanern”, “Populisten mit verkürzter Kapitalismuskritik”, “Chauvis”, “Machos”, “latenten Sexisten” und “homophoben Heimatfetischisten” zu zerreiben.
Medienkonzerne, vielleicht auch geheimdienstliche Sprachlabore liefern dafür nur allzu gern die Verwirrwörter, und sogenannte Antideutsche oder Gemäßigte in der Partei greifen sie nur allzu gern auf.

Weil wir als Linke schon für alles mögliche beschimpft, verboten oder berufsverboten worden sind, sollten wir besonders in Zeiten von Facebook und Twitter niemandem leichthin gestatten, ohne belastbare Beweise mit rufmordende Begriffen wie “Faschist”, “Nazi”, “Rassist”, “Antisemit” die berufliche und politische Existenz zu zerstören.

Jochen