Pandemie am Reißbrett – Bundesregierung simulierte den heutigen Ernstfall schon 2012 und zog keine Konsequenzen

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

https://www.aend.de/article/204083

Die Bundesregierung hat sich schon vor Jahren mit den Folgen einer Virus-Pandemie auf das öffentliche Leben beschäftigt.

Eine Risikoanalyse – eine Art Pandemie am Reißbrett – aus dem Jahr 2012 zeigt erschreckende Parallelen zum aktuellen Ausbruchsgeschehen.

„Das vorliegende Szenario beschreibt ein außergewöhnliches Seuchengeschehen, das auf der Verbreitung eines neuartigen Erregers basiert.
Dem Szenario ist der zwar hypothetische Erreger „Modi-Sars“zu Grunde gelegt, der sehr eng an das Sars-Virus angelehnt ist“, heißt es in demBericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012, der den Abgeordneten des Bundestags Anfang Januar 2013 zur Verfügung gestellt wurde.

Entstanden ist die Analyse „Pandemie durch Virus Modi-Sars“ unter Federführung des Robert Koch-Instituts.
Sie beschreibt (Seite 55 ff.) ein Szenario einer von Asien ausgehenden, weltweiten Verbreitung eines hypothetischen neuen Virus mit dem Namen Modi-Sars.*)

Auffällig sind die vielen Parallelen zum aktuell grassierenden Coronavirus, etwa die Symptome: Fieber und trockener Husten, Atemnot, in Röntgenaufnahmen sichtbare Veränderungen in der Lunge, Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerzen. „Ebenfalls auftreten können Durchfall, Kopfschmerzen, Exanthem (Ausschlag), Schwindelgefühl, Krämpfe und Appetitlosigkeit“, heißt es in dem Bericht.
Die Inkubationszeit geben die Analysten mit bis zu 14 Tagen an, auch dies eine Parallele zu Sars-CoV-2. Die angenommene Letalität ist mit zehn Prozent allerdings deutlich höher.

Das Planspiel geht außerdem davon aus, dass die laut Infektionsschutzgesetz und Pandemieplänen vorgesehenen Maßnahmen durch die Behörden und das Gesundheitssystem „schnell und effektiv“ umgesetzt werden.
Darunter – wieder eine Parallele zum realen Geschehen – Schulschließungen und Absagen von Großveranstaltungen. Effektiv seien die Maßnahmen „zwischen Tag 48 und Tag 408“, heißt es in dem Bericht.

„Die medizinische Versorgung bricht bundesweit zusammen“

Dennoch könne man die rasche Verbreitung des Virus nicht effektiv aufhalten. Die Folgen: „Zum Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle nach ca. 300 Tagen sind ca. 6 Millionen Menschen in Deutschland an Modi-Sars erkrankt“ – mehr als eine Million davon Intensivpatienten.
Das Gesundheitssystem werde vor „immense Herausforderungen gestellt, die nicht bewältigt werden können. Nachdem die erste Welle abklingt, folgen zwei weitere, schwächere Wellen, bis drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Erkrankungen ein Impfstoff verfügbar ist“, heißt es in dem Bericht.
Für den zugrunde gelegten Zeitraum von drei Jahren sei mit mindestens 7,5 Millionen Toten als direkte Folge der Infektion zu rechnen.

Die Folgen für die medizinische Versorgung wären laut Analyse dramatisch: „Die hohe Zahl von Konsultationen und Behandlungen stellt sowohl Krankenhäuser als auch niedergelassenen Ärzte vor immense Probleme. Die medizinische Versorgung bricht bundesweit zusammen“, heißt es wörtlich.

Die personellen und materiellen Kapazitäten reichten nicht aus, um die Versorgung aufrecht zu erhalten.
Und weiter: „Der aktuellen Kapazität von 500.000 Krankenhausbetten (reine Bettenanzahl, von denen ein Teil bereits von anders Erkrankten belegt ist, die Bettenzahl ließe sich durch provisorische Maßnahmen leicht erhöhen) stehen im betrachteten Zeitraum (1. Welle) mehr als 4 Millionen Erkrankte gegenüber, die unter normalen Umständen im Krankenhaus behandelt werden müssten.
Der überwiegende Teil der Erkrankten kann somit nicht adäquat versorgt werden, so dass die Versorgung der meisten Betroffenen zu Hause erfolgen muss. Notlazarette werden eingerichtet.“

Zudem käme es im Gesundheitsbereich zu „überdurchschnittlich hohen Personalausfällen (z. B. aufgrund erhöhter Ansteckungsgefahr, psycho-sozialer Belastungen) bei gleichzeitig deutlich steigendem Personalbedarf“.
Hinzu kämen Engpässe bei Arzneimitteln, Medizinprodukten, persönliche Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln.

*: Die Modellierung des Verlaufs geht von folgenden Annahmen aus: Die Gesamtbevölkerung wird mit 80 Millionen angenommen.
Die Zahl der Verstorbenen innerhalb 3 jahren steigt auf über 9% der Geamtbevölkerung.
Durchschnittlich beträgt die Latenzzeit 3 Tage, die Zeit vom Einsetzen der Infektiosität bis zur Ausprägung von Symptomen 0,1 Tage, die Länge der infektiösen Phase beträgt 13,1 Tage, die Krankheitsdauer beträgt 13,5 Tage; bei Personen, die hospitalisiert werden müssen, beträgt die Dauer 19 Tage, die durchschnittliche intensivmedizinische Betreuung dauert 13,5 Tage.
Es wird angenommen, dass eine Person nach Durchleben der Infektion mit Modi-SARS für 360 Tage immun ist, danach kann diese Person durch eine mutierte Version des Virus wieder infiziert werden.
Die Modellierung erfolgt anhand der Bevölkerungsdichte, sie bezieht Faktoren wie unterschiedliche Krankheitsverläufe in verschiedenen Altersgruppen oder unterschiedliche Mobilität (von Altersgruppen oder in bestimmten Regionen) nicht ein.
Es handelt sich um ein Susceptible-Infected-Recovered (SIR)-Modell, erstellt wurde es mit Stata 12 Software.

Mein Kommentar: Mir ist nicht bekannt, dass diese Studie zwischenzeitlich irgendwelche verstärkten Vorsorgemaßnahmen zur Folge gehabt hätte.
Im Gesundheitssystem sollten weiter „schwarze Zahlen“ geschrieben werdensiehe https://josopon.wordpress.com/2020/03/12/organisierte-verantwortungslosigkeit-donauworther-corona-opfer-kommt-nach-tagelenagem-vertrosten-knapp-mit-dem-leben-davon-merkels-und-spahns-lugen/
Zum Glück wird im Vergleich zur Studie ein Impfstoff heute früher als in 3 Jahren entwickelt werden, gezielte Medikamente werden in den nächsten 3 Monaten zur Verfügung stehen und die Todesrate ist nur 2-3% statt 10%.
Angesichts des mangelhaften Gesundheitssystems und viel zu spät eingeleiteter Vorsorgemaßnahmen in den USA ist dort erst recht mit einer extrem todbringenden Ausbreitung zu rechnen. So könnten dort gleichzeitig die Arbeitslosenzahl und die Pensionsfonds saniert werden.

Im Kapitalismus überflüssige Menschen kann man so ohne großen Widerstand entsorgen.

Siehe dazu auch schon 2019: https://www.nachdenkseiten.de/?p=53434
„Krankenhäuser schließen – Leben retten?“ – Öffentlich-rechtlicher Kampagnenjournalismus zur besten Sendezeit

Ein Kommentar eines Kinderchirurgen:

In Frankreich würde nach Bekanntwerden einer solcher Studie und der fahrlässig herbeigeführten aktuellen Situation eine breite Protestbewegung die politisch Verantwortlichen aus ihren liebgewonnenen Ämtern und Ministersesseln fegen. Der deutsche Michel hingegen schimpft lieber im stillen Kämmerlein und beschimpft bei Tage um so lieber seine Ärzte, deren Personal und in Kliniken die wenigen noch verbliebenen Pflegekräfte.

Eine ganze Reihe von Landes- und Bundesgesundheitsminister hätte genug Gelegenheit gehabt, die nötigen Konsequenzen zu ziehen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Geld war genug vorhanden.
Aber nein. Stattdessen demontierte man munter weiter das deutsche Gesundheitswesen und belog weiterhin die Bevölkerung mit dem vermeintlichen Bettenüberschuss, dem Zuviel an Arztpraxen und überhaupt unnötigen medizinischen Luxus.

Und jetzt ist jedes einzelne zur Verfügung stehende Klinikbett Gold wert und wird die quantitative Qualität unseres Gesundheitssystem exakt von den Personen gepriesen, die es noch vor 4 Wochen gänzlich an die Wand fahren wollten und es auch beinahe geschaft haben.

Unsere Patientenversorgung wird gegenüber anderen EU-Ländern hervorgehoben, die noch vor kurzem als erfolgfreiche Paradebeispiele für weitere Einsparmaßnahmen herhalten mussten.

Jetzt rächt sich jede von Merkel, Spahn und seinen tölpelhaften Vorgängern regelrecht aus ihrem Beruf geekelte Pflegekraft durch ihr Fehlen auch politisch.Bisher waren nur Patienten, deren Angehörige und das berufliche Umfeld direkt davon betroffen.

Unser Dank soll allen politischen Kräften v.a. auf kommunaler Ebene und zahlreichen Initiativen der Zivilbevölkerung gelten, die in den letzten Jahren die Schließung ihrer Krankenhäuser verhindern konnten. Und somit aus heutiger aktueller Sicht das Schlimmste.
Aber leider eben nicht immer. Hätte sich auch noch die Liquidierung der ambulanten Facharztversorgung nach dem Dauerwunschdenken des für Medizin zuständigen SPD-Politkommissars K.Lauterbach bewahrheitet, dann sähe die Gegenwart noch weniger zweckoptimistisch aus.

KVen und GKV haben in schönster Eintracht mit der Politik ebenfalls versucht, mit Honorarklau, Diebstahl der Erstattung von Qualitätskosten und Dauerregressen unseren Praxen und durch die fast schon plagenhaften Heimsuchungen der Kliniken durch den MDK einer geregelten, regelmäßigen und hochwertigen Patientenversorgung den Garaus zu machen.

Aber die Krönung aller aufgeführten Vergehen ist und bleibt Spahn himself. Fast ein halbes Hundert an z.T. hingerotzten Pseudogesetzen und eine m.E. verfassungswidrige Zwangsdigitalisierung.
Keine einzige Anordnung im Sinne der o.g. Studie von 2012 und des daraus resultiernden umfangreichen Hausaufgabenpakets für die Ordnungspolitik.

Die Folge: Jede Menge TI- und IT-Schrott zu Höchstpreisen verklopft, wie eben üblichen auf einem Schrottplatz. Die Telekom-Artikel haben nicht einmal die im Kleingedruckten verstecke Höchstlebenszeit erreicht.
Aber ihren Sinn und Zweck des Geldtransfers von Arztpraxen zu Spahns Wirtschaftsfreunden im Telekomvorstand besser als erwartet erfüllt.
Dafür sind im Gegenszug überlebenswichtigse Basismaterialien wie für Hygiene knapp geworden bzw. abhanden gekommen und demnächst nur noch im staatlichen Medizin – Intershop zu beziehen.

Was mag uns in den kommenden Tagen und Wochen noch blühen in dieser vergifteten (Versorgungs)Landschaft: Merkels Medizinkolchosen? Spahns digitaler Totenschein?
Sperren der Privatkonten wegen Fluchtgefahr aller im Gesundheitswesen noch Beschäftigten und der Rezeptblockwart als anerkanntes Berufsbild in der sich munter selbst bestoibernden Überwachungsbürokratie?

Fragen, die wahrlich nur die nächste Runde an Talkshows wird klären können.

Jochen