Roland Würth – der Oligarch von Schwäbisch-Sibirien

Oder: Der gute Mensch von Künzelsau

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

 

https://www.lunapark21.net/roland-wuerth-der-oligarch-von-schwaebisch-sibirien/

Anmerkung: Im o.g. Text ist überall von Roland Würth die Rede, der Fabrikbesitzer heisst aber Reinhold – Ein Druckfehler ?
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_W%C3%BCrth

Auf der Anfang 2019 veröffentlichten Forbes-Liste der 2153 reichsten Menschen der Welt es sind meist Männer sind Reinhold Würth und seine Familie vertreten.
Gründer Reinhold Würth herrscht wie ein russischer Oligarch über die weltweit agierende Würth-Gruppe und seine 77.000 Beschftigten (alle hier verwendeten Zahlen nach Webseite Würth). Der Gesamtumsatz seines Imperiums betrug 2018 13,6 Milliarden Euro 870 Millionen Euro wurden als Gewinne ausgewiesen.
Auf der Würth eigenen Webseite heit es: Weltmarktführer im Vertrieb von Befestigungsmaterial.

Alles begann mit dem Tod des Vaters 1954, als der 19-jhrige Reinhold Würth dessen Schraubengroßhandel übernahm. Sein Reich ist die im Nordosten Baden-Württembergs gelegene Region Hohenlohe. Die Flüsse Kocher, Jagst und Tauber mit ihren vielen Seitentälern prägen die Landschaft, die nicht zu Unrecht werbetauglich auch als Fränkische Toskana firmiert, im übrigen Schwabenland doch öfters als Schwäbisch-Sibirien bespöttelt wird. An der Region sind die ersten hundert Jahre der Industrialisierung weitgehend spurlos vorbeigegangen. Auch heute spielt die Landwirtschaft dort im Wirtschaftsgeschehen noch eine größere Rolle.
Den Namen Hohenlohe verdankt die Landschaft dem Reichsfürstengeschlecht derer von Hohenlohe, die jahrhundertelang die Bevölkerung dieses Landstrichs unterdrückt und ausgebeutet hatten. Der heutige Landkreis Hohenlohe mit seinen Mittelzentren hringen, Künzelsau, Schwäbisch Hall, Crailsheim und Bad Mergentheim ist der am dünnsten besiedelte Landkreis Baden-Württembergs. Zwar gibt es Tourismus, von dem auch der eine und die andere gut leben können. Doch die meisten verdienen ihr Brot in der Industrie, die sich in der einstigen Billiglohnregion nach 1945 entwickelte.
Tag für Tag ackern und fronen die Nachfahren der Hörigen der Herren Grafen zusammen mit den viele Einpendlern für ihre neuen Herrn: die hidden champions aus den Bereichen der Montagetechnik, der Lüftungstechnik, dem Explosionsschutz oder auch im Bereich Verpackungstechnik.

Zehntausende Beschäftigte bei betriebsratsfreier Zone

Der bedeutendste ihrer Brotherren ist der Schrauben-König Reinhold Würth. Er ist hier der Platzhirsch. Der ber 80Jährige, vielfache Schrauben-Milliardür herrscht ber seine 77.000 Beschüftigten, von denen rund ein knappes Drittel in Deutschland arbeitet, nach Gutsherren-Art. Widerspruch erwartet und duldet der knorrige Patriarch seit vielen Jahrzehnten nicht.
Doch es droht Ungemach: Am 9. Oktober wird erstmals die Wahl eines Betriebsrates im Unternehmen Adolf Würth GmbH & Co KG, der Muttergesellschaft der weltweit operierenden Würth-Gruppe, stattfinden. Das ist ein Novum. Bis heute fungierte am Stammsitz als Betriebsratsersatz ein ungesetzlicher, devoter 31-köpfiger Vertrauensrat.
Wenn überhaupt gibt es nur in einigen Firmen der Würth-Gruppe Betriebsräte meist als kollateraler Beifang bei der Übernahme von Hahn & Kolb, Uni Elektro und Fega & Schmitt. Auch bei Würth Elektronik wurde 2016 ein Betriebsrat gewählt.

Die Würth-Gruppe profitierte erheblich von dem Umstand, dass hierzulande große Vermögen steuerlich fast ungeschoren bleiben. Aufstieg und Erfolg der Gruppe haben dann viel damit zu tun, dass der Schrauben-Patriarch wie ein vorindustrieller Monarch im Schutz seiner Familienstiftung ungebremst schalten und walten kann.
Gerne lsst sich Würth als Pionierunternehmer feiern. Er leitet davon auch das Recht ab, sich z.B. um political correctness einen Teufel scheren zu mssen. Das Wort von der flachen Hierarchie im Unternehmen ist ihm im Gräuel. Er und seine Frau sind Mitglied und Förderer der straff organisierten neuapostolischen Kirche.
Vielleicht erklärt dies den permanenten missionarischen Kreuzzug des Patriarchen gegen Müßiggang und Verschwendung. Gleich dem Apostel Paulus schreibt er an seine etwa 30.000 im Außendienst tätigen Verkäufer von Zeit zu Zeit Mahn- und Brandbriefe. Die dürfen dann Sätze wie die folgenden zur Kenntnis nehmen: Nachdem Würth weder ein zweites Arbeitsamt noch ein Sozialinstitut ist, bitte ich um Verständnis, dass wir die Zusammenarbeit nur fortsetzen können, wenn Sie ganz kurzfristig und zackig die Zahl der selbst getütigten Auftrüge pro Arbeitstag erhöhen.
Oder er predigt Volksweisheiten wie Morgenstund hat Gold im Mund und stellt den Werbern im Außendienst rhetorisch die Frage: Sind Sie um 7.30 Uhr beim ersten Kunden? Würth ergänzt: Ausdrücklich: Ich denke nicht daran, den Außendienst abzuschaffen, appelliere aber an Sie, die Geduld der Zentrale nicht zu überfordern.

Für Friedrich Merz und AKW

Politisch ist Würth eher einfach gestrickt. Bei der jüngsten Wahl zum EU-Parlament hat er angeblich die Gürnen gewählt, weil er den Spitzenkandidaten der Union, Manfred Weber für nicht befähigt hält. Er kann sich Kretschmann als Bundeskanzler vorstellen wenn denn nicht Friedrich Merz, den er besonders schätzt, das Rennen macht.
Das mit den Grünen war aber eher eine Verlegenheitslösung; Würth: Wenn Friedrich Merz CDU-Vorsitzender gewesen wäre, hätte ich die CDU gewählt: Ich habe ja schon vor der Wahl gesagt, dass ich Herrn Weber nicht vorne dran haben möchte. Er ist ein Bremser, ein CSU-Mann, der in erster Linie Bayern kann. Im übrigen findet er den Ausstieg aus der Atomenergie bloß, weil es in Fukushima gekracht hat, falsch. Schließlich sei Deutschland kein Erdbebengebiet. Dass jetzt in einigen EU-Ländern gerade neue Atomkraftwerke gebaut (werden), findet er richtig.
Angela Merkel mag Würth nicht; sie hänge ihr Fähnchen allzu oft nach dem Wind. Doch ein großes Plus gesteht er der amtierenden Kanzlerin zu: Sie hat die Agenda 2010 von Herrn Schröder enorm gut realisiert. Das ist ja die Krux in der Politik: Viele Entscheidungen wirken erst fünf oder zehn Jahre nach der Entscheidung (zitiert nach Focus vom 27. Juli 2019).

Obgleich sich Würth gerne als Patriarch seiner Betriebsfamilie feiern lsst, drehte er doch im Krisenjahr 2009 mit Gewalt an der Profitschraube. Er erpresste die Beschäftigten im Stammunternehmen in Künzelsau und erzwang schmerzhafte Lohneinbußen. Whrend Kurzarbeit gefahren wurde, wurde zusätzlich das Gehalt eines Teils der Belegschaft als Solidarbeitrag um fünf Prozent gekürzt. All das erfolgte natürlich im Einvernehmen zwischen Geschäftsleitung und dem so genannten Vertrauensrat.
In diesen eher strengen Zeiten kaufte sich der schwäbische Milliardär für geschätzte hundert Millionen Dollar eine 85 Meter lange Luxusyacht, getauft auf den Namen Vibrant Curiosity (Lebhafte Neugier). Und so lautete auch das Firmenmotto in den Jahren 2006/2007. Die Yacht Würths ist mit VIP-Suite, Luxuskabinen für 14 Gäste, einem 9000 PS-Motor und einem Tank für 284.500 Liter Diesel ausgestattet.
Bereits 1974 hatte sich Wrth aus frstlichem Besitz das Jagdschloss Hermersberg, romantisch zwischen Wäldern auf der Hochebene an einem See gelegen, gekauft und zu seinem Wohnsitz erkoren. 2005 erwarb er noch Schloss Friedrichsruhe, ebenfalls aus ehemals hohenlohischem Fürstenbesitz.
Reinhold Würth, der sich als bescheidener Wohltäter, großer Kunstmäzen und Kulturförderer gibt, nennt sodann einige Luxus-Hotels und mehrere Hubschrauber sein eigen. All das hebt sich drastisch von seinem Kokettieren mit seiner eher bescheidenen Herkunft ab. Würth: Wir kommen von ganz unten. Wenn ich früher auf Verkaufstouren unterwegs war, habe ich den Motor ausgeschaltet, wenn es den Berg runter ging, um 15 Pfennig Benzin zu sparen. Das waren Zeiten, in denen es tatschlich darauf ankam, abends das Licht auszumachen. Es ärgert mich heute noch, wenn irgendwo die ganze Nacht grundlos eine Lampe brennt.

Würth weiß seine Marktmacht einzusetzen; er agiert dabei auch deutlich politisch. So ließ er sich vor den Karren der Rüstungsindustrie demjenigen von Heckler & Koch, Rheinmetall und Krauss-Maffei spannen und kritisierte den zeitweiligen offiziellen bundesdeutschen Stopp von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien.

Nicht nur die Liebe zur Kunst ist es, die den Kunstliebhaber Würth zur Gründung von Kunst-Sammlungen und Kunst-Museen treibt. Denn, so O-Ton Würth: Diese Sammlung ist auch eine schöne Reserve. Sie gehört ja dem Unternehmen, und alle Werke werden zum Anschaffungswert bilanziert. So beugen wir für schlechte Zeiten vor.

1994 zog sich Würth aus dem operativen Geschft zurck. Der Milliardär verweist darauf, dass der Hammer auch künftig in seiner Reichweite hängt: Das Unternehmen Würth gehört ja einer Stiftung, und ich bin Vorsitzender des Aufsichtsrats dieser Stiftung. Das ist das oberste Gremium. Das Machtzentrum wird also immer noch von mir beherrscht. Ich habe dieses Unternehmen als kleinen Schraubenhandel mit zwei Mitarbeitern bernommen und es ber 68 Jahre lang begleitet. [] Ich habe mein Leben dem Unternehmen geopfert.

Reinhold Würth, der Oligarch von Schwäbisch-Sibirien, der kreuzbrave Kaufmann und Wohltäter, der gute Mensch von Künzelsau aber eben einer, dessen Reichtum, Wirtschaftsmacht und feudale Lebensweise von den 77.000 Beschäftigten des Würth-Imperiums geschaffen und aufrechterhalten wird.

Manfred Dietenberger lebt in Waldshut. Er schrieb in LP21 Heft 42 über das Hilti-Unternehmen in Liechtenstein und dessen braune Vergangenheit.

Jochen

Reinhold Würth

auszugsweise aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Reinhold Würth (* 20. April 1935 in Öhringen) ist ein deutsch-österreichischer[1]Unternehmer und Kunstförderer. Er baute das Schrauben-Handelsunternehmen Würth zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik mit heute rund 77.000 Mitarbeitern auf. Würth war von 1999 bis 2003 Ehrenprofessor am Interfakultativen Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH) und ist mit mehreren Ehrendoktorwürden ausgezeichnet worden.

Leben

Jugend

Reinhold Würth ist der Sohn von Alma Würth und Adolf Würth, die im Juli 1945 eine Schraubengroßhandlung für das Schreiner- und Metallhandwerk im hohenlohischen Künzelsau gründeten. Er erhielt Unterricht in Violine.[2] Als Reinhold Würth 14 Jahre alt war, meldete sein Vater ihn von der Oberrealschule ab und stellte ihn 1949 als Lehrling und zweiten Mitarbeiter in seinem Großhandelsbetrieb für Schrauben in Künzelsau ein.

Berufsleben

Als sein Vater starb, war Reinhold Würth 19 Jahre alt. Nach seiner Volljährigkeit (mit damals 21 Jahren[3]) übernahm er zwei Jahre später die Geschäftsführung. In den folgenden Jahrzehnten gelang es Würth, aus dem regionalen Handelsunternehmen ein weltweit agierendes Unternehmen zu machen. Seine Kunden stammen bis heute aus dem gewerblichen und industriellen Bereich. Allmählich ging Würth dazu über, auch Schraubenproduzenten aufzukaufen. Da der inländische Markt für Befestigungstechnik immer sehr fragmentiert und konjunkturanfällig war, erweiterte Würth seinen Handel auf das Ausland. 1962 erfolgte die Gründung der ersten ausländischen Verkaufsgesellschaft in den Niederlanden.

Im Jahr 2013 ist die Würth-Gruppe mit über 400 Gesellschaften in über 80 Ländern tätig. Sie erzielte im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 10,13 Mrd. Euro, 56 % des Gesamtumsatzes wird im Ausland erwirtschaftet.[4] 1994 zog sich Reinhold Würth aus der operativen Geschäftsführung der Würth-Gruppe zurück und übernahm bis 2006 den Vorsitz des Unternehmensbeirats. Von 1999 bis 2003 war er Institutsleiter am neu gegründeten Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe. Sein Vermögen schätzte die Zeitschrift Forbes 2017 auf 12,8 Milliarden US-Dollar; Würth liegt damit auf Platz 11 in der Liste der reichsten Deutschen und auf Platz 130 weltweit.[5] Würth hat sein Vermögen in die Stiftung Würth Künzelsau eingebracht, die nach seinem Tode das Unternehmen weiterführen soll. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Carmen Würth überführte er 1987 den Familienanteil in eine Stiftung, die er als Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats als oberstem Gremium der Würth-Gruppe leitet.

Steuerermittlungen

Ende März 2008 wurden Vorwürfe laut, Reinhold Würth habe sich der Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlichte aus ihm zugespielten Dokumenten, dass gegen Würth und fünf weitere Personen aus dem Umfeld des Konzerns die Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits seit Herbst 2006 ermittelt hatte.[6] Ende Mai 2008 wurde bekannt, dass Würth der Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldstrafe zustimmte. Das Amtsgericht Heilbronn verhängte gegen Würth einen Strafbefehl in Höhe von 700 Tagessätzen. Der Unternehmer gilt damit als vorbestraft.[7] Gegen zwei andere Verantwortliche der Würth-Gruppe wurden ebenfalls Geldstrafen festgesetzt. Das Steuerverfahren ist damit beendet, da alle Betroffenen die Strafbefehle akzeptiert haben.[8]

Nach Feststellung der Staatsanwaltschaft hätten alle Beschuldigten „keine eigenen Vorteile“ erlangt.[9] Strittig seien vielmehr die Kostenverrechnungen zwischen inländischen und ausländischen Konzernteilen gewesen. Die steuerrechtliche Legalität der steuermindernden Verrechnung über die deutsche Muttergesellschaft war der Kern der Auseinandersetzung zwischen Würth und der Steuerbehörde. Da die Klärung der Rechtmäßigkeit mehrere Jahre beansprucht hätte und damit eine Rufschädigung des Lebenswerkes von Würth zwangsläufig zu erwarten gewesen wäre, nahm er das kleinere Übel von Steuernachzahlung, Bußgeld und Vorstrafe billigend in Kauf.[10] In einem Interview mit der FAZ äußerte Würth: „Wenn ich noch jünger gewesen wäre, hätte ich mich vor Gericht gewehrt.“[11]

Familie

Würth ist seit 1956 mit seiner Ehefrau Carmen Würth (geb. Linhardt * 1937[12]) verheiratet, wie er Mitglied der Neuapostolischen Kirche,[13] und hat mit ihr drei erwachsene Kinder. Eine der beiden Töchter, Bettina Würth, ist Mitglied des fünfköpfigen Unternehmensbeirats der Würth-Gruppe und hat seit 2006 dessen Vorsitz inne. Reinhold und Carmen Würth wohnen seit 1974 im Schloss Hermersberg bei Niedernhall; das 1540 errichtete Bauwerk ließ er, wie auch andere historische hohenlohische Gebäude, mit einem hohen Aufwand renovieren.[14] Einen Zweitwohnsitz hat Würth in Salzburg. Nach den Steuerermittlungen beantragte er 2010 die österreichische Staatsbürgerschaft.[15] Reinhold Würth kaufte 2009 die Motoryacht Vibrant Curiosity. Über 40 Jahre lang flog Würth mit seinen Geschäftsflugzeugen, er hatte eine Lizenz als Berufspilot (ATPL), die er 2015 aus gesundheitlichen Gründen abgab.[16]

Im Juni 2015 wurde der damals 50-jährige Sohn von Würth entführt, der infolge einer Impfung geistig behindert ist und daher in einem Wohnheim in Schlitz lebte. Er wurde unverletzt von den Geiselnehmern freigelassen.[17] Am 14. März 2018 meldeten verschiedene Nachrichtenagenturen, dass der mutmaßliche Entführer gefasst wurde.[18] Im Oktober 2018 wurde gegen einen Beschuldigten verhandelt.[19] Am 27. November 2018 sprach das Landgericht Gießen den Angeklagten frei, da das Gericht es als nicht erwiesen ansah, dass es sich bei dem Angeklagten tatsächlich um den Entführer handelt.[20]

Positionen

Bei einer Veranstaltung in Künzelsau warnte Würth vor einem Rechtsruck, denn „[v]iele kleinkarierte Menschen würden heute sehr gerne unser Grundgesetz ändern, nach dem wir verpflichtet sind, Menschen, die in Sorge um ihr Leben sind, bei uns aufzunehmen.“ Er forderte, „dieses Recht bei[zu]behalten.“ Überdies erinnere „die Nähe großer Teile der AfD zu braunem Gedankengut […] fatal an die Weimarer Zeit“.[21][22]

Förderer von Kultur und Wissenschaft

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Reinhold Würth als Förderer von Kunst und Kultur in Erscheinung getreten. 1985 gründete er in Künzelsau die weltweit erste Kombination eines Verwaltungsgebäudes mit einer Kunstgalerie. Würth ist von der Motivation seiner Mitarbeiter durch Kunst überzeugt.[23] Bis 2008 gründete und erhielt er dreizehn Museen. Darunter befinden sich das Museum Würth und das Museum für Schrauben und Gewinde in Künzelsau sowie die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall mit moderner Kunst.

Neben den jeweiligen Landeszentralen der Würth-Gruppe befinden sich heute Kunstmuseen in Dänemark, Österreich, Holland, Norwegen, Italien, Belgien, das Forum Würth Arlesheim in der Schweiz und das Museo Würth La Rioja in Spanien.[24] Die Sammlung Würth, die in den Museen wechselnd gezeigt wird, gehört zu den bedeutendsten europäischen Privatsammlungen. Sie umfasste 2010 12.500 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von namhaften Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts.

Das Musée Würth France Erstein entstand in Erstein bei Straßburg neben der französischen Filiale Würth France, die zu den wichtigsten ausländischen Verkaufsgesellschaften der Gruppe zählt. Das Museum umfasst etwa 3000 m² und wurde am 27. Januar 2008 mit Werken von Emil Nolde, Max Ernst, René Magritte, Georg Baselitz und Jörg Immendorff aus der Kunstsammlung Würth eröffnet.[25]

Als 2003 die Gemäldesammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen aufgelöst und verkauft werden sollte, verhinderte Würth durch seinen Kauf eine Zerschlagung der Gemäldesammlung altdeutscher Maler wie Lucas Cranach der Ältere und der Meister von Messkirch (Falkensteiner Altar).[26] Seitdem werden diese Gemälde der Sammlung Würth in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall ausgestellt.[27]

Aufsehen erregte 2011 sein Ankauf des bedeutenden Frührenaissance-Gemäldes „Darmstädter Madonna“ oder Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren für rund 50 Millionen Euro. Es gilt als der „absolute Glanzpunkt“ der Sammlung Würth [27] und wird seit Januar 2012 ebenfalls in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall ausgestellt.[28] Würth zählt nach Angaben des Spiegels auch zu den Förderern der Neuapostolischen Kirche.[29]

Mit seiner 1987 gegründeten Stiftung Würth unterstützt er die Kulturarbeit des Unternehmens, unter anderem durch die Vergabe angesehener Preise. Nach einer großzügigen Spende Würths wurde die Künzelsauer Außenstelle der Hochschule Heilbronn im April 2005 in Reinhold-Würth-Hochschule umbenannt.

Würth wird vorgeworfen, den überstürzten Abriss eines der ältesten Fachwerkgebäude am Marktplatz von Künzelsau im Februar 2009 veranlasst zu haben, um einen modernen Hotelkomplex zu errichten.[30]

Ehrungen

Auszeichnungen

Würth als Namensgeber

Mitgliedschaften

  • Vorsitzender der Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken
  • Erster Vorsitzender Förderverein Landesmuseum Württemberg
  • Kurator der studentischen Unternehmensberatung delta e.V.[43]

Schriften (Auswahl)

  • 1985: Beiträge zur Unternehmensführung. Swiridoff, Schwäbisch Hall, 447 S., Ill.
  • Würth. Eine Sammlung. Hrsg. vom Museum Würth und Adolf Würth GmbH und Co. KG. Thorbecke, Sigmaringen 1991.
  • 1995: Erfolgsgeheimnis Führungskultur. Bilanz eines Unternehmers. Reinhold Würth in Zusammenarbeit mit Dirk Bavendamm, Frankfurt a. M.; New York, Campus-Verlag, 364 S., zahlr. Ill., graph. Darst.; Swiridoff, Künzelsau 1999, ISBN 3-934350-08-9.
    engl. Ausgabe: Management culture. The secret of success. An entrepreneur takes stock. ISBN 3-593-35421-7.
  • 1995: zusammen mit Deppert-Lippitz, Barbara: Die Schraube zwischen Macht und Pracht. Das Gewinde in der Antike. Gemeinsame Ausstellung anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Unternehmens Würth GmbH & Co. KG in Künzelsau-Gaisbach im Jahre 1995. Thorbecke, Sigmaringen 1995, 212 S., ISBN 3-7995-3628-0.
  • 1998: Als Mittelständler zur weltweiten Marktführerschaft, in: Peter W. Weber (Hrsg.): Leistungsorientiertes Management. Leistungen steigern statt Kosten senken, Campus-Verlag, Frankfurt a. M., New York, S. 45–54.
  • 2001: Entrepreneurship in Deutschland. Wege in die Verantwortung. Swiridoff, Künzelsau, 303 S., Schriften des Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH); IEP-Bd. 1, ISBN 3-934350-32-1.
  • 2003: Strömung der Zeit. Wirtschaft und Gesellschaft an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Swiridoff, Künzelsau, 192 S., 10 Fotos, Schriften des Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH); Beiträge von Reinhold Würth, Richard von Weizsäcker, Hans Küng, ISBN 3-934350-45-3.
  • 2003: zusammen mit Hans-Joachim Klein: Wirtschaftsunterricht an Schulen im Aufwind? Swiridoff, Künzelsau, 383 S., graph. Darst., Schriften des Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH); Bd. 7, ISBN 3-89929-013-5.
  • 2003: Wer wagt gewinnt! Unternehmensgründungen in Deutschland. Swiridoff, Künzelsau, 180 S., zahlr. s/w. Abb., Schriften des Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe, ISBN 3-89929-001-1.

Literatur

  • Schönherr, Karlheinz: Nach oben geschraubt. Reinhold Würth, die Karriere eines Unternehmers. Econ, Düsseldorf 1991, 264 S., Ill.; Swiridoff, Künzelsau 2001, 3., unveränderte Auflage, ISBN 3-934350-33-X.
  • Zulauf, Silvia: Unternehmen und Mythos – Der unsichtbare Erfolgsfaktor. Wiesbaden 1994, 160 Seiten mit Abbildungen, ISBN 3-409-18754-5.
  • Schwarz, Hans-Peter: Würth: die Architektur weiterbringen. Mit einer Einführung von Reinhold Würth. Aries, München 1995, 320 S., zahlreiche Abbildungen und Tafeln.
  • Weber, Carmen Sylvia (Hrsg.): Zwischen Leidenschaft, Vision und Kalkül. Wortmeldungen aus Kultur und Wirtschaft zum 70. Geburtstag von Reinhold Würth. Swiridoff, Künzelsau 2005, 179 S., Ill., graph. Darst., ISBN 3-89929-065-8.
  • Grau, Ute und Guttmann, Barbara: Reinhold Würth. Ein Unternehmer und sein Unternehmen. Swiridoff, Künzelsau 2005, 336 S., zahlreiche Abb., ISBN 3-89929-057-7.
  • Venohr, Bernd: Wachsen Wie Würth. Das Geheimnis des Welterfolges. Campus, Frankfurt/New York 2006, 210 S., zahlreiche Abb., ISBN 3-593-37962-7.

Filme

  • Der Unternehmer Reinhold Würth. Dokumentarfilm, Deutschland, 2005, 30 Min., Buch und Regie: Tilman Achtnich, Produktion: SWR, Erstausstrahlung: 20. April 2005, Inhaltsangabe.
  • Kunstgenuss nach Feierabend – Der Unternehmer Reinhold Würth und seine europaweiten Museen. Dokumentarfilm, Deutschland, 2008, 43:30 Min., Buch und Regie: Ursula Böhm, Produktion: SWR, Erstausstrahlung: 19. Januar 2008, Inhaltsangabe von arte, (Memento vom 1. April 2015 im Internet Archive).
  • Würths Welt – Vom Schraubenhändler zum Weltkonzern. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 44:30 Min., Buch und Regie: Hanspeter Michel, Produktion: SWR, Erstsendung: 12. April 2015 bei SWR, Inhaltsangabe von SWR (Memento vom 20. April 2015 im Webarchiv archive.today) und online-Video.
  • Kunst sammeln mit … Reinhold Würth. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 26 Min., Buch und Regie: Nicola Graef und Julia Zinke, Produktion: Lona•media, SWR, arte, Erstsendung: 17. Mai 2015 bei arte, Inhaltsangabe mit Film-Ausschnitt von arte, u. a. mit Tomi Ungerer.

Weblinks

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