Trump kam mit Hilfe von Transhumanisten an die Macht – die auch schon beim BREXIT eine Rolle spielten

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Gut beobachtet aus der Schweiz:
https://www.infosperber.ch/gesellschaft/trump-kam-mit-hilfe-von-transhumanisten-an-die-macht/
Hier wird auch gut erklärt, was Transhumanismus eigentlich ist und wer dahinter steckt.

Auszüge:
Martina Frei / 26.11.2024

Gentechnik vorantreiben, Gehirn mit Computer verbinden, Weltraum besetzen – Trumps reiche Unterstützer machen sich dafür stark.

Was haben Elon Musk und Peter Thiel gemeinsam? Beide sind steinreich, beide unterstützten Donald Trump im Wahlkampf, beide sind Anhänger des Transhumanismus.

Zu den wichtigsten Zielen der Transhumanisten gehört die «radikale Lebensverlängerung […] Transhumanisten wollen die Lebenserwartung auf 250, 300 oder gar auf 1000 Jahre erhöhen.» Dabei gehe es nicht um die Jahre per se, sondern um mehr gesunde Lebenszeit, betonen Bernd Kleine-Gunk (BGK) und Stefan Lorenz Sorgner (SLS) in ihrem letzten Jahr erschienen Buch «Homo Ex Machina». Auf rund 400 Seiten beleuchten die beiden Autoren dort den Transhumanismus überwiegend wohlwollend. Nach der interessanten Lektüre versteht man die gegenwärtige Entwicklung besser.

Hundert Pillen pro Tag

Einer der führenden Vertreter der Bewegung, die im Silicon Valley prominente Anhänger hat, ist der US-Amerikaner Ray Kurzweil. Er schluckt täglich rund 100 Kapseln mit Nahrungsergänzungsmitteln, früher waren es noch mehr.
Seit 2012 ist Kurzweil Chefingenieur und Vordenker bei «Google». Er vertrete die These, dass biologische und technologische Intelligenz zusammenwachsen würden.

Doch Vitamine & Co. sind nur der Anfang. Denn mit Vorbeugung im herkömmlichen Sinn, mit Krankheitsbekämpfung und mit Anti-Aging-Massnahmen lässt sich eine massive Lebensverlängerung, wie sie den Transhumanisten vorschwebt, nicht erreichen. Der menschliche Körper müsste vielmehr kontinuierlich repariert, erneuert und verbessert werden: Gentherapien, Stammzellbehandlungen, Zellverjüngungen, Beseitigen von Abfallprodukten in- und ausserhalb der Zellen sowie künstliche Körperzellen sollen dabei helfen, ergänzt durch Methoden, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Um ihre Ziele zu erreichen, setzen Transhumanisten auf Wissenschaft und Technologie.

«Google» gibt Geld, um das Altern abzuschaffen

Das Ziel der schon 2013 in Kalifornien gegründeten Firma «Calico» («California Life Company») beispielsweise sei es, das «Altern abzuschaffen». «Killing death» – den Tod töten, nannte es der Google-Mitbegründer und Multimilliardär Larry Page. Laut den Buchautoren finanzierte «Google» den Start von «Calico» mit 1,5 Milliarden US-Dollar. Herausragende Wissenschaftler und Unternehmer sowie viel Geld seien dort im Spiel. Doch: «Woran das Unternehmen konkret arbeitet, ist immer noch weitgehend unklar. Auch Googeln hilft da nicht viel.» Eine lange Liste wissenschaftlicher Publikationen auf der Website zeugt von breit gefächerten Interessen.

Der Multimilliardär und Amazon-Gründer Jeff Bezos gründete die Firma «Altos Lab», die sich der Langlebigkeitsforschung verschrieben habe, mit fast unbegrenzten Forschungsgeldern, so der Philosophieprofessor Stefan Lorenz Sorgner und der Medizinprofessor Bernd Kleine-Gunk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin.
«An der Spitze des Beirats steht dabei der japanische Nobelpreisträger Shinya Yamanaka, der die bahnbrechende Methode entwickelt hat, normale Körperzellen in Stammzellen zurückzuprogrammieren.»
Auch die Nobelpreisträgerin Jennifer Doudna, Co-Entdeckerin der «Gen-Schere» (CRISPR/Cas-Methode) arbeite mit. Kleine-Gunk hält «das Gerede von der Unsterblichkeit jedoch vor allem für einen Marketing-Trick. […] damit gewinnt man leichter Investoren.»

Dennoch: Mit CRISPR/Cas veränderte Tiere gibt es bereits. Die Methode sei ein echter «Game changer, was das Genetic-Engineering angeht». Bei der Therapie menschlicher Erbkrankheiten wie der Sichelzellanämie hat CRISPR/Cas bereits Einzug gehalten.

Die Evolution «in die Hand nehmen»

Es sei ein «ungeheurer Schritt, wenn die Menschheit die Evolution nun zunehmend selbst in die Hand nimmt», finden die beiden Buchautoren und erwähnen das «Bejing Genomics Institute». Dort schalteten Wissenschaftler 2015 bei Schweinen ein Gen aus, das für das Wachstum nötig ist. Die so entstandenen Minischweine seien in China als Haustiere populär. Holländische Forscher wiederum hätten es «bereits geschafft, Zebrafische genetisch so zu verändern, dass sie bis zu 20 Prozent ihrer Ernährung mittels Photosynthese generieren können» – eine Methode, die Pflanzen anwenden.

Transhumanisten würden vom «genetischen Enhancement» (Weiterentwicklung) sprechen. Das Ziel sei, positive Veränderungen ins Erbgut einzuschleusen, «um so zu einer wirklichen genetischen Verbesserung zu gelangen».

Die Freiheit, auch am eigenen Körper, sei den Anhängern dieser Bewegung wichtig. In extremis demonstriert das der Franzose Anthony Loffredo, der sich mit diversen Eingriffen zu einem «schwarzen Alien» verwandeln liess. BGK und SLS erwähnen ihn im Kapitel über transhumanistische Künstler. **)

Anthony Loffredo© Anthony Loffredo / Instagram

Körper oder nur Kopf tieffrieren

Auch bei Nahrungsmitteln können gentechnische Verfahren eingesetzt werden, zum Beispiel, um Hefe so zu verändern, dass sie Milchzucker produziert. So hätten Wissenschaftler es geschafft, Milch herzustellen, «ohne eine Kuh zu halten und sie zu melken […] Wenn sich diese Innovation in grossem Stil umsetzen lässt, dann müssen wir zur Milchproduktion nicht mehr Kühe in Massentierhaltung halten». In Singapur sei bereits ein «In-vitro-Fleisch-Burger» auf dem Markt. Das Fleisch werde im Labor aus tierischen Stammzellen gewonnen.

Gemeinsam ist den Transhumanisten, dass sie mehr aus dem machen wollen, was die Natur den Menschen gab. Bezeichnend dafür ist der selbstgewählte Name von «Max More», also «maximal mehr». More, der früher Max O’Connor hiess, gehört zu den bekanntesten Vertretern des Transhumanismus. Er präsidierte jahrelang die Kryotechnik-Firma «Alcor».
Diese Firma in Arizona hat sich der Kryokonservierung verschrieben. Sie will tote Körper so lange kühlen, bis die Technik so weit sei, dass man sie wieder zum Leben erwecken könne, erfährt die Leserschaft von «Homo ex Machina». Den ganzen Körper zu kryokonservieren, koste rund 200’000 Dollar. Preiswerter sei die «Neurokryokonservierung», bei der nur der Kopf so aufbewahrt wird. Der Paypal-Co-Gründer Peter Thiel habe einen Vertrag bei «Alcor» unterzeichnet, schreiben die Buchautoren.

Erinnerungen transplantieren

Grosse Bedeutung – auch für Investoren – habe für die Transhumanisten die «Verbesserung» des menschlichen Körpers. Texanische Wissenschaftler etwa hätten bereits künstliche Muskeln aus Kunststoff entwickelt, die «mehr als 100-fach stärker sind» als menschliche. Andere tüfteln an «intelligenter Haut», die UV-Strahlung und Umweltgifte erkenne.

Den menschlichen Geist sollen Psychostimulantien, Strombehandlungen sowie Schrittmacher zu ungekannten Höhenflügen befähigen. Das wohl bekannteste Projekt in dieser Hinsicht ist «Neuralink» von Elon Musk. Die Firma, die laut den Buchautoren «in den nächsten Jahren auf 10’000 Beschäftige wachsen» solle, will Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln. «Wissenschaftler haben inzwischen gezeigt, dass sich Erinnerungen einer Schnecke per Transplantation in eine andere Schnecke übertragen lassen. Warum sollten Erinnerungen und andere Gehirninhalte ausschliesslich an das kohlenstoffbasierte Gehirn gebunden sein?», fragt SLS.

Künstliche Gebärmutter

Das Buch beschreibt verschiedene Exponenten der Bewegung. Da ist zum Beispiel Martine Rothblatt, «eine der schillerndsten Figuren im transhumanistischen Universum – Anwältin, Pharmaunternehmerin, Pilotin, Autorin und anderes mehr. «Auch die von den Transhumanisten hoch geschätzte morphologische Freiheit setzt sie überzeugend um. Bis zu ihrem vierzigsten Lebensjahr war Martine Rothblatt ein Mann.»
Ein auch mit menschlichen Genen ausgestattetes Schweineherz, welches 2022 einem Patienten in den USA eingepflanzt wurde, entwickelte die Firma «United Therapeutics Corporation», die Rothblatt gründete und führt.

Weit vorangeschritten sei die Entwicklung des «Bio-Bag». Dabei handelt es sich um eine externe Gebärmutter. «Bei Schafen haben es Forscher bereits geschafft, eine solche künstliche Gebärmutter zu kreieren. Der komplette Reproduktionsprozess könnte auf diese Weise professionalisiert werden.» In Japan sei es gelungen, aus ausschliesslich männlichen Zellen eine Maus zu erschaffen, schreiben BKG und SLS.

Genetisch veränderte Kinder – moralische Pflicht ?

Nebst der Freiheit, den eigenen Körper zu gestalten, geht es den Transhumanisten auch um Freiheit bei der Partnerwahl und der Art der Fortpflanzung. Um ihren Kindern ein besseres, leichteres Leben zu ermöglichen, dürfe genetisch eingegriffen werden. Laut den Buchautoren stelle sich sogar die Frage, ob es nicht eine «moralische elterliche Pflicht» sei, einem Kind mit gentechnischen Methoden zu besseren Chancen oder höheren Leistungen zu verhelfen.

Gleichzeitig werfe dies die Frage auf, ob sich die künftige Elite nicht mehr allein durch Geld und Macht definiere, sondern durch optimierte geistige und körperliche Fähigkeiten. Alle, die sich nicht optimieren lassen, sei es, weil sie nicht möchten oder weil sie es sich nicht leisten können, wären dann das Fussvolk.

Datenhandel mit den Krankenkassen

Längeres Leben bedeute jedoch höhere Gesundheits- und Rentenkosten. Da könnte sich aus Sicht der Autoren ein Gegengeschäft anbieten, «indem wir [den
Krankenkassen] unsere Gesundheitsdaten zur Verfügung stellen. Daten sind das neue Geschäftsmodell.»

«In Schweden werden zum Beispiel Chips angeboten, die sich in den Körper implantieren lassen und auf denen Gesundheitsdaten gespeichert sind, etwa ob man gegen Covid geimpft wurde. Auch das ist ja bereits angewandte Nanotechnologie», so SLS. 6000 Schweden hätten sich 2021 einen RFID-Chip einpflanzen lassen.

Die Prävention – oder permanente Überwachung? – sei ebenfalls wichtig. «Forscher der Tufts University in Boston haben 2018 einen RFID-Chip in menschliche Vorderzähne implantiert, um damit das Essverhalten der betroffenen Person zu erfassen […] Die so generierten Daten können dann analysiert werden, sodass eine App eine Warnung aussprechen kann, wenn die Diät nur aus Pizza und Bier besteht.»

Um die Daten, dieses «neue Öl», tobe ein «globaler Krieg». Peter Thiel habe das US-Unternehmen «Palantir» mitbegründet, das auf Datenhandel fokussiere.*)

Nanoroboter im Körper und im Kriegseinsatz

So wie an Flugzeugen angebrachte Sensoren heutzutage melden, wenn irgendwo ein Teil kaputt zu gehen droht, so könnten dereinst winzige Sensoren am und im Körper melden, wenn dort etwas aus dem Lot gerate, so dass frühzeitig gegengesteuert werden könnte. Winzige Nanoroboter, die durch den Körper navigieren, um Krebszellen aufzuspüren, sind nur eine der vielen Utopien.

Eine andere sind Einsatzmöglichkeiten der Nanotechnologie im Militär: Insektengleiche Drohnen, welche «die gegnerische Spionageabwehr mühelos überwinden» oder – mit Stachel und Nanolabor versehen – «potenzielle Gegner durch einen gezielten Stich töten oder zumindest lähmen», seien denkbar. Die Soldaten trügen kugelsichere Westen, «dünn und leicht wie ein T-Shirt», aus Nanotubes.

Und auch gegen die Klimaerwärmung gibt es bereits Ideen: Das Einbringen von Nanopartikeln in der oberen Atmosphäre könnte UV-Licht reflektieren und so die Klimaerwärmung eindämmen. So die Hoffnung. «Spätestens wenn der Nanostaub dann das Weltklima gerettet hat, wird die Nanotechnologie wohl endgültig ihren Anspruch als innovativer Heilsbringer erfüllt haben», schreiben die Buchautoren.

Elon Musk schnappt sich den Raum im Orbit

Sogar nach den Sternen greifen die Transhumanisten, von denen die meisten Atheisten seien. Zuvorderst ist hier Elon Musk mit seiner Firma «Space X».

Pro Woche stelle Musks Firma rund 5000 Satellitenantennen und bis zu 45 Satelliten her. «Indem Starlink immer mehr Satelliten in den Erdorbit sendet, nehmen diese immer mehr Raum ein. Es geht hier zu wie bei der Besiedlung neu entdeckter Kontinente: Unbesiedelter Raum wird besetzt und bearbeitet, und auf diese Weise wird neues Eigentum generiert. Der erdnahe Raum ist enorm begrenzt und begehrt …», erläutert «Homo Ex Machina».

Starlink-Daten für mehr Macht

Alle Daten, die über Musks Starlink-System fliessen würden, könnten dort auch «abgegriffen und analysiert» werden. Musk beherrsche bereits mehr als ein Drittel des Satellitenmarkts, mit möglicherweise enormen militärischen, politischen und auch ökonomische Folgen. China etwa verfolge sein Treiben im Orbit genauestens.

Musk könnte mit Hilfe von Starlink sowohl seinen Reichtum als auch seine politische Einflussnahme steigern. «Wenn Musk einmal ein hohes politisches Amt übernehmen wollte, hätte er die Möglichkeit der unmittelbaren Einflussnahme über personalisierte Werbung. Die Bedeutung des Projekts Starlink kann also kaum überschätzt werden», schrieben BGK und SLS mehr als ein Jahr vor der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten.

Politisch seien die meisten Transhumanisten entweder «radikal liberal, oder sie vertreten eine eher sozialdemokratische Variante des Liberalismus», so SLS und BKG. Bei den französischen Grünen etwa seien «zahlreiche Transhumanisten aktiv. Selbstverständlich würden sie den «angemessenen Einsatz» von Gentechniken bejahen.

Thiel: Techno-Elite statt Demokratie

Peter Thiel indes stelle «immer mal wieder öffentlich Überlegungen an, ob die Demokratie eigentlich noch eine zeitgemässe Regierungsform sei oder ob man die Verantwortung für den Staat nicht besser in die Hände einer neuen Intellektuellen- und Techno-Elite legen sollte.»

Trumps designierter Vizepräsident James David Vance arbeitete früher für den Fonds von Thiel, Thiel soll später Vance’s Wahlkampf in Ohio finanziert haben, wo Vance zum Senator gewählt wurde.

Wenn der künftige US-Gesundheitsminister Robert. F. Kennedy vor wenigen Tagen davon sprach, die US-Arzneimittelbehörde FDA würde die Behandlung mit Stammzellen, Vitaminen, Peptiden, Nahrungsergänzungsmitteln und Psychedelika «aggressiv unterdrücken» und er werde dies nun ändern, kann man dies auch als Botschaft an Transhumanisten verstehen, die Donald Trump mit zum Wahlsieg verholfen haben.

Weiterführende Informationen

*: Zur Firma Palantir habe ich schon mal über Thomas Röpers Erkenntnisse berichtet:
https://josopon.wordpress.com/2022/07/19/ist-facebook-ein-kind-der-us-geheimdienste/
Und schon früher, nämlich zum Thema Brexit, spielte Palantir einer Rolle. Siehe
https://josopon.wordpress.com/2017/05/17/wie-unsere-demokratie-gekapert-wurde-am-beispiel-brexit/
In meinem Beitrag beziehe ich mich auf einen Artikel von Carolyn Cadwalladr aus dem Guardian. Daraus:
Für jeden, der sich mit Überwachung beschäftigt, ist Palantir ein Schlüsselbegriff. Die Datenkrake hat Verträge mit Regierungen in aller Welt – einschließlich GCHQ und NSA.
Der Eigentümer ist Peter Thiel, der milliardenschwere Mitbegründer von eBay und Paypal, der zum ersten lautstarken Unterstützer Trumps im Silicon Valley wurde.
Interessant ist dabei, das schon damals Donald Trump und seine Berater Teil eines Netzwerkes waren, das über die Firma Cambridge Analytica den Briten unbemerkt in die Gehirne griff. Diese Firma hatte schon Verbindungen zu Palantir.
brexit network
Mit Micro-Targeting wurden anhand ihrer zuvor erfassten Daten zu Konsum, Meinung und Vorlieben die Bürger ausgewählt, die gezielt in persönlichen Interviews leicht zu beeinflussen waren.
In den letzten Jahren ist die Technik weiter fortgeschritten und spielt heutzutage auch bei jedem Wahlkampf in Deutschland eine Rolle.

**: Ein längeres Interview mit dem Künstler (Englisch/Spanisch) gibt es auf http://www.YouTube.com/watch?v=l3IKnj_7aYg.

Über Kommentare auf meinem Blog hier würde ich mich freuen.
Jochen

War die Oktoberrevolution 1917 die erste Farbrevolution ?

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

An sich trägt dieser Artikel der Schweizer Global Times eine andere Überschrift. Aber ich habe daraus erfahren, dass das deutsche Kaiserreich damals schon eine Menge Geld in Lenin und seine Genossen investiert hatte.
Das Muster der Farbrevolution hat also Tradition:
https://globalbridge.ch/die-neuen-bolschewiken-sollen-sie-vom-westen-unterstuetzt-werden/
Auszüge:

Die neuen „Bolschewiken“: Sollen sie vom Westen unterstützt werden?

Von: Stefano di Lorenzo
(Red.) Was heute nicht mehr alle gern hören: Etliche Schweizer Freunde und prominente deutsche Politgrößen halfen 1917 aktiv mit, den Revolutionär Lenin, der damals im Schweizer Kanton Bern im Exil lebte, nach Russland zurückzuführen – in der Hoffnung, damit in Russland interne Probleme zu verstärken und so Russland als kriegsbeteiligtes Land zu schwächen.
Die Folgen dieses Transports waren allerdings gewichtiger als erwartet. (cm)

Im April 1917, während des Ersten Weltkriegs, bestieg der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, in Zürich in der neutralen Schweiz einen Zug, um schnell ganz Deutschland bis zur Ostsee zu durchqueren und von dort durch Schweden und Finnland nach Sankt Petersburg, der damaligen russischen Hauptstadt, zu gelangen. Lenin, der mehr als ein Jahrzehnt fern von Russland gelebt hatte, wurde wie viele andere russische Exilanten von der Nachricht der Februarrevolution überrascht, die den letzten russischen Zaren Nikolaus II. abgesetzt hatte. Der Zug, in dem Lenin zusammen mit seiner Frau und etwa dreißig Genossen reiste, ging als „plombierter Wagen“ in die Geschichte ein: Theoretisch hätten Lenin und die anderen, von denen viele russische Staatsbürger waren, ein Land — Deutschland —, das sich im Kriegszustand mit Russland befand, nicht einfach und frei durchqueren können.

In Wahrheit standen Lenin und seine Kameraden zu diesem Zeitpunkt schon im Sold des Deutschen Reiches. Man hatte Millionen von Mark ausgegeben, um mit Hilfe dieser revolutionären Fanatiker das nach der Februarrevolution immer noch kämpfende Russland auf den Kopf zu stellen und sich auf die Westfront konzentrieren zu können. Der Betrag, den Kaiser Wilhelm II. zur Unterstützung der Bolschewiken ausgab, würde in heutiger Währung etwa 500 Millionen Euro entsprechen. Eine Finanzhilfe, ohne die die Bolschewiken wahrscheinlich nicht überlebt hätten.
Eine unbequeme Wahrheit, über die man jahrzehntelang nicht sprechen wollte, weder in Russland noch in Deutschland: In der Sowjetunion konnte der Gründer der bolschewistischen Partei und Führer der Oktoberrevolution kaum als Agent des deutschen Kaiserreichs denunziert werden. In Deutschland herrschte wahrscheinlich Verwunderung darüber, dass eine Bande von Amateuren der Revolution weitaus erfolgreicher war, als man es je hätte erwarten können, indem sie einen Bürgerkrieg gewann und dann einen Staat gründete, der wohl oder übel sieben Jahrzehnte lang Bestand haben sollte.
Die farbigen Revolutionen, eine Reihe von im Allgemeinen pro-westlichen Revolutionen in zahlreichen Ländern des ehemaligen Sowjetraums seit den 2000er Jahren, sind offensichtlich keine Erfindung unseres Jahrhunderts. Anschuldigungen, dass Lenin und seine Genossen deutsche Agenten gewesen sein könnten, wurden schon früh erhoben, aber jahrzehntelang einfach als Verschwörungstheorien abgetan.

Anfänglich schien sich der kühne deutsche Schachzug auszuzahlen. Innerhalb weniger Monate nach der Oktoberrevolution (deren Jahrestag nach der Einführung des gregorianischen Kalenders in den Jahren der Sowjetunion am 7. November gefeiert wurde) unterzeichnete die neue, von den Bolschewiken gebildete Regierung zunächst einen Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich und dann den berühmten Friedensvertrag von Brest-Litowsk, der den Ausstieg Russlands aus dem Krieg und die Unabhängigkeit der drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland und sogar der Ukraine sanktionierte.
Der Ukraine gelang es jedoch nicht, ihre Unabhängigkeit zu bewahren, denn auch wenn der Große Krieg im November 1918 an der Westfront endete, dauerten die Feindseligkeiten auf ukrainischem Territorium (aber nicht nur dort) noch mindestens einige Jahre an. Auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (aber nicht nur) kämpften gegeneinander: das wiedergeborene Polen, verschiedene Fraktionen der ukrainischen Unabhängigkeitskräfte und die Russen, die in den Roten, den Bolschewiken, und den Weißen, den Anhängern der monarchischen Restauration, geteilt waren.
In Deutschland kehrte das Karma der Revolution in das Reich zurück: Die Novemberrevolution führte 1918 zum Zusammenbruch der Hohenzollern-Dynastie und zur Gründung der Weimarer Republik.
In Russland forderten der Bürgerkrieg und die Hungersnot, die auf die Oktoberrevolution folgten, Millionen von Menschenleben.

Warum sprechen wir von der Geschichte, von den Dingen der Vergangenheit? Weil wir heute, mehr als 100 Jahre später, in einer scheinbar ganz anderen Zeit der Geschichte, viele Parallelen entdecken können. Am vergangenen Sonntag fand in Berlin eine Antikriegsdemonstration der russischen Opposition statt. Die Demonstration gab vor, in erster Linie „gegen den Krieg“ zu sein.
Die Teilnehmer, nach Zeugenaussagen einige Tausend, nach Schätzungen der Polizei 1800 Personen, zogen im Rhythmus der Parolen „Nein zu Putin!“, „Nein zum Krieg in der Ukraine!“, „Freiheit für politische Gefangene!“ vom Potsdamerplatz in Richtung Brandenburger Tor und Bundestag, an der russischen Botschaft auf Unter den Linden vorbei. Angeführt wurden die Demonstranten von Julia Nawalnaja, der Witwe des im Februar dieses Jahres verstorbenen russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, sowie von Wladimir Kara-Murza und Ilja Jaschin, zwei bekannten russischen Oppositionellen, die vor kurzem aus russischen Gefängnissen entlassen wurden, aber ihre Absicht, ihre politischen Aktivitäten vom Ausland aus fortzusetzen, nicht aufgegeben haben.

Es wurde viel darüber diskutiert, welche Flaggen die Demonstranten tragen sollten. Schließlich wurde beschlossen, eine Modifikation der russischen Flagge zu verwenden. Die traditionelle weiß-blau-rote russische Flagge hätte heute aufgrund der Spannungen zwischen Russland und Europa nach Ansicht einiger Teilnehmer eine negative Reaktion der europäischen Öffentlichkeit und sogar der Behörden riskiert. Daher entschieden sich die Demonstranten für eine weiß-blau-weiße Fahne, ohne die rote Farbe, die das Blut der Opfer des Krieges in der Ukraine symbolisieren sollte.

Obwohl die Demonstranten auch ukrainische Flaggen zeigten, wurde die Demonstration von der ukrainischen Botschaft in Deutschland nicht begrüßt. Oleksiy Makeyev, der ukrainische Botschafter in Berlin, bezeichnete die Demonstration als reine PR-Aktion, „deren Ziel nicht die russische Bevölkerung, sondern die deutschen Medien und Politiker sind“. Die Demonstranten würden „nicht gegen das russische Regime kämpfen, sondern um die Aufmerksamkeit Deutschlands zu bekommen“.

Das Problem ist, dass die russische Opposition im Exil, obwohl sie „für den Frieden“ demonstriert, nicht gerade pazifistisch ist. Der Pazifismus wird heute in Europa bekanntlich seit Jahren verteufelt, weil es mit Putins Russland unmoralisch und daher absolut unmöglich zu verhandeln sei. Dabei waren es in vielerlei Hinsicht gerade die hartnäckige Weigerung des Westens, 2021 mit Russland zu verhandeln, und die Ablehnung der Minsker Vereinbarungen durch die Ukraine, die zur Katastrophe des Krieges in der Ukraine geführt haben.

Die russische Opposition im Exil ist heute grob in zwei große Gruppen unterteilt. Die eine ist die der Kräfte, die formell von Julia Nawalnaja, der Witwe von Alexej, angeführt werden, die jedoch bis vor kurzem keine sehr wichtige Rolle im Aktivismus der Opposition gegen Putin gespielt hat. Dies ist der „höfliche“ Rand der russischen Opposition, das weibliche Gesicht. Eine Gruppe, die zu Literaturfestivals geht und davon träumt, eines Tages an Wahlen teilzunehmen, die aber zugibt, dass sie nicht nach Russland zurückkehren kann, solange der derzeitige Präsident Putin an der Macht ist. Eine russische Opposition, in die man sich leicht verlieben kann, von der man ein Bild von romantischer Reinheit und hohen Idealen pflegen kann.

Aber dies ist nicht das einzige Gesicht der russischen Opposition im Exil. Die zweite Gruppe wird von Michail Chodorkowski angeführt, dem russischen Oligarchen, der zu den wenigen Russen gehörte, die in den 90er Jahren dank Banken und Ölgesellschaften ein riesiges Vermögen anhäufen konnten, während die übrige Bevölkerung ihre Ersparnisse vernichtet sah und von großen sozialen Verwerfungen überrollt wurde. Später, im Jahr 2003, wurde Chodorkowski verhaftet und der Veruntreuung im großen Stil beschuldigt. Eine Anklage, die im Westen immer als rein politisch angesehen wurde, weil Chodorkowski nach seiner Inhaftierung gelernt hatte, die stets verführerische Botschaft der Demokratie zu rezitieren. Tatsache ist jedoch, dass Chodorkowski bis heute bei vielen Russen extrem unbeliebt ist und als Vertreter jener Raubkapitalisten gilt, die das Land in den 1990er Jahren in die Knie gezwungen hatten. Die Verhaftung Chodorkowskis war der Moment, in dem das Ende der Herrschaft der Oligarchen, die Russland in dem Jahrzehnt des Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion regiert hatten, sanktioniert wurde.
Nachdem er 2013 vom russischen Präsidenten begnadigt worden war, versprach der ehemalige Oligarch, sich aus der Politik herauszuhalten. Doch dieses Versprechen wollte und konnte Chodorkowski, der schon am Tag seiner Freilassung nach Deutschland flog, nur wenige Monate lang einhalten, denn im März 2014, nach dem Sieg der Euromaidan-Revolution, erschien er auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew und hielt eine Rede, in der er die angebliche Beteiligung der russischen Regierung an der Tötung von hundert ukrainischen Demonstranten verurteilte.

Heute hat Chodorkowski alle seine Masken fallen lassen. Nach dem kurzen und gescheiterten Aufstandsversuch der Wagner-Miliz im Juni letzten Jahres zögerte der Oligarch, der zum moralischen Führer der Opposition geworden ist, nicht, zur bewaffneten Revolution aufzurufen, um den derzeitigen russischen Präsidenten Putin zu stürzen. Die Vision des Oligarchen, der die Rolle des Revolutionshelden anstrebt, hatte Chodorkowski schon in seinem im Februar letzten Jahres erschienenen Buch „Wie man einen Drachen tötet: Handbuch für angehende Revolutionäre“ detailliert dargelegt.
„Revolutionäre Gewalt ist notwendig“, schreibt Chodorkowski in seinem Buch. „Wenn man friedlichen Protest als prinzipielle Ablehnung jeglicher revolutionärer Gewalt versteht (und das ist die naive Sichtweise vieler Menschen), dann befindet man sich in guter Gesellschaft mit jedem Diktator. Aber ein Kampf mit der Diktatur wird völlig unmöglich sein“.

„Wenn das Regime bereit ist, das Feuer auf das eigene Volk zu eröffnen, ist die rechtzeitige und demonstrative Ablehnung der Opposition, Gewalt als Mittel zur Machtergreifung einzusetzen, kontraproduktiv. Revolutionäre Gewalt ist nämlich nicht nur legitim, sondern hat sich historisch gesehen immer und überall als Quelle neuer Legitimität erwiesen“.

Dies seien die „harten Wahrheiten“, so Chodorkowski, „aber sie sind das ABC der Revolutionen und müssen auswendig gelernt werden. Das heißt, wenn man siegen will“.

Das Problem für Chodorkowski und andere mutige Befürworter der Notwendigkeit revolutionärer Gewalt besteht darin, dass heute in Russland nicht viele Appetit auf solche Spektakel haben. Der Krieg in der Ukraine hat die russische Gesellschaft paradoxerweise gefestigt, auch wenn dies für ein westliches Publikum, das daran zu glauben gewöhnt ist, dass die Russen in Angst leben und nur auf einen Funken warten, um sich zu erheben und zu rebellieren, völlig unglaubwürdig erscheinen mag. Für viele Russen, selbst für solche, die vor dem Krieg absolut nichts gegen den Westen hatten, waren der Krieg in der Ukraine und die Reaktion des Westens der Moment der Wahrheit.

Chodorkowski und andere russische Dissidenten galten im Westen jahrelang als Helden der Demokratie und Freiheit, deren Heldentum manchmal bis zum Märtyrertum gehen konnte. Viele von ihnen waren sicherlich Opfer repressiver Maßnahmen in ihrem eigenen Land.
Aber die Maßnahmen, für die diese Dissidenten jetzt eintreten, um angeblich die Demokratie zu verwirklichen, sind extremistisch, gefährlich und vor allem für die meisten Russen unerträglich.
Europa täte gut daran, darüber nachzudenken, ob es die Sache dieser neuen „Bolschewiken“ wirklich unterstützen will.

Über Kommentare auf meinem Blog hier würde ich mich freuen.
Jochen

Neoliberales System der Unterdrückung: „Sie sind nicht mangelhaft, Sie werden nur von Idioten regiert!“

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Zur besonderen Beachtung seitens meiner psychotherapeutisch tätige Kollegen !
Das Buch habe ich sofort bestellt. Tatsächlich, genau das habe ich vielen meiner Pat., die an Ängsten, Versagensgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen leiden, in den Letzten 20 Jahren auch immer wieder erklärt.
Aber Caitlin Johnstone hat das sicherlich schöner formuliert.
Das Thema Entfremdung bearbeite ich auch schon seit Jahrzehnten.
hier eine Buchbesprechung im Overton-Magazin:
https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/sie-sind-nicht-mangelhaft-sie-werden-nur-von-idioten-regiert/
Auszüge:

Stress, Angstzustände und Depressionen nehmen zu, und das schon seit Jahren. Studien haben ergeben, dass der Anstieg der Lebenshaltungskosten viel mit dieser Verschlechterung der psychischen Gesundheit zu tun hat, während andere es mit der weit verbreiteten Nutzung sozialer Medien in Verbindung gebracht haben, wobei die finanziellen und sozialen Belastungen, die sich aus den staatlichen Covid-Beschränkungen ergaben, sicherlich auch nicht geholfen haben.

caitlin johnstone

Caitlin Johnstone hat im Westend Verlag ein »Kleines Erste-Hilfe-Büchlein gegen Propaganda« herausgebracht. Es hilft dabei, gegen den Schwachsinn unserer Zeit gewappnet zu sein.

Was niemand zu erforschen scheint, ist die Möglichkeit, dass all diese psychischen Probleme etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass wir von Tyrannen regiert werden, die die Arbeiterklasse immer stärker ausschlachten, während sie die Köpfe der Menschen ständig mit weitreichenden Psyops *) bearbeiten.

William Gibson sagte: »Bevor du dich selbst mit Depressionen oder geringem Selbstwertgefühl diagnostizierst, vergewissere dich zuerst, dass du nicht nur von Idioten umgeben bist.«
Ich habe festgestellt, dass viele der Probleme, die ich zuvor auf Fehler in mir selbst und auf notwendige Schwierigkeiten, die in der Natur des menschlichen Lebens liegen, zurückgeführt hatte, schnell aus meinem Leben verschwanden, als es auch die Idioten taten.

Neoliberales System der Unterdrückung

Aber noch lohnender als darauf hinzuweisen, dass viele Ihrer vermuteten psychischen Probleme eher damit zu tun haben, dass Sie von Idioten umgeben sind, ist es, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Sie tatsächlich von Idioten regiert werden. Von Tyrannen, die normalen Menschen das Leben unnötig schwer machen und sie psychologisch missbrauchen, damit sie ihre Situation für normal und angemessen halten.

Ein beliebter sozialistischer YouTuber namens Second Thought hat ein gutes neues Video mit dem Titel »Du bist nicht immun gegen Propaganda« veröffentlicht, in dem er das Thema aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, als Sie es vielleicht gewohnt sind.
Second Thought betont die alltägliche Natur der Propaganda in unserer Gesellschaft, im Gegensatz zu ihren glänzenderen, bekannteren Einsätzen, wie der Herstellung von Zustimmung für die Irak-Invasion; die Art und Weise, wie unser Verständnis davon, wer wir sind und was unsere Werte sein sollten, manipuliert wird, so dass wir unsere Konflikte uns selbst zuschieben und nicht auf die neoliberalen Systeme der Unterdrückung, die die Moral der Menschen in der gesamten westlichen Zivilisation untergräbt.

Denken Sie darüber nach, welche Folgen es für die psychische Gesundheit hat, ständig mit der Botschaft bombardiert zu werden, dass Sie wie eine Maschine arbeiten müssen, und zwar unter den Bedingungen, die Ihr Arbeitgeber für angemessen hält, und für den Lohn, den er Ihnen anbietet, und dass Sie selbst das Problem sind, wenn Sie in dieser seelisch belastenden Umgebung nicht gedeihen können, und nicht das System, das eine solche ausbeuterische Beziehung zulässt. Ziehen Sie dann die Möglichkeit in Betracht, dass genau das geschieht.

Verzweiflung, Entfremdung, Depression und Angst

Diese ununterbrochene Propaganda wird noch verstärkt durch den Gerechte-Welt-Glauben, eine kognitive Verzerrung, die die Menschen zu der irrigen Annahme veranlasst, dass jemand es verdient hat, wenn ihm etwas Schlimmes widerfährt. Dieser häufige Fehler im menschlichen Denken entsteht aus dem Bedürfnis heraus, das Gefühl zu haben, sein eigenes Leben kontrollieren zu können. Dieses Gefühl der Kontrolle erhalten Menschen, indem sie den Irrglauben vertreten, dass ihnen niemals etwas Schlimmes zustoßen wird, solange sie immer vernünftige Entscheidungen treffen.
Kürzlich wies mich ein Twitter-Follower namens Joe Ligato darauf hin, dass dieser Trugschluss dazu führe, dass die Menschen sich selbst die Schuld für Probleme in ihrem Leben geben, die in Wirklichkeit durch ausbeuterische Systeme verursacht werden.

Manche Leute fragen sich, warum die allgemeine psychische Gesundheit so schlecht ist, während ich mich wundere, dass es nicht viel schlimmer ist. Es ist eigentlich erstaunlich, dass in einer Zivilisation, die von Ausbeutern und Missbrauchern beherrscht wird, die die Welt durch weitreichende psychologische Manipulation beherrschen, überhaupt noch jemand funktioniert.
Es ist ein Beweis für die menschliche Widerstandsfähigkeit, dass überhaupt jemand zurechnungsfähig ist. Wenn der Verstand eines jeden Menschen ständig mit Botschaften bombardiert wird, dass man unzulänglich ist, wenn man in unserem Unterdrückungssystem nicht gedeihen kann, dass man fehlerhaft ist, wenn man nicht auf eine bestimmte Art und Weise aussieht, denkt und handelt, dass Armut normal ist und militärische Massenmorde akzeptabel sind, ist es ein Wunder, dass wir nicht alle durchdrehen.

Wenn das Bewusstsein aller Menschen ständig verzerrt und verdreht wird, um den Interessen der Mächtigen zu entsprechen und uns alle dazu zu bringen, so zu denken, zu sprechen, zu arbeiten, einzukaufen und zu wählen, wie es sie ihren Zielen näherbringt, ist es überraschend, dass wir nicht mehr Selbstmorde, mehr Massenerschießungen, mehr Drogenmissbrauch, mehr klinische Depression und Angstzustände erleben. In einer totalitären Dystopie, die durch massenhaften psychologischen Missbrauch zusammengehalten wird, ist es völlig verständlich, dass die Menschen von Verzweiflung, Entfremdung, Depression und Angst überwältigt werden.

Harte Zeiten

Alles erscheint unecht, bedeutungslos und unnötig schwierig, weil es so ist. Das ist keine Aussage über die menschliche Natur oder die Natur des Lebens, sondern eine Aussage über die künstlich konstruierten Systeme, in denen wir derzeit leben. Systeme, die von Menschen aufgebaut wurden und von Menschen aufrechterhalten werden. Systeme, die auch von Menschen verändert und umstrukturiert werden können.

In der Zwischenzeit seien Sie bitte sanft mit sich selbst. Wenn Sie sich abmühen müssen, um über die Runden zu kommen, dann bestrafen Sie sich doch nicht auch noch selbst dafür. Wenn Sie sich unzulänglich fühlen, weil Sie den Maßstäben für Erfolg und Wertigkeit, die Sie anlegen, nicht gerecht werden können, nehmen Sie sich vielleicht etwas Zeit, um zu überlegen, wem diese Maßstäbe zugutekommen. Wenn es sich um die Art von Maßstäben handelt, die dazu beitragen, die Bevölkerung zu produktiven Zahnrädern der kapitalistischen Maschinerie zu machen, dann sind sie wahrscheinlich nicht der beste Maßstab, mit dem Sie Ihren Erfolg als Person messen können.

Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass das Leben so schwierig sein muss. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht für alle sorgen können, während der technologische Fortschritt uns allen immer mehr freie Zeit verschafft. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht lernen können, in Zusammenarbeit miteinander und mit unserem Ökosystem zu leben, anstatt im Wettbewerb um den Nutzen einiger weniger Missbraucher an der Spitze. Es müssen nur genug von uns beschließen, dass wir das nicht mehr hinnehmen wollen.

Die Zeiten sind hart und sie werden noch härter, aber wir können das Ruder herumreißen. Bitte seien Sie in der Zwischenzeit nett zu sich selbst.

*: Geheimdienst-Jargon für eine Operation im Rahmen der psychologischen Kriegsführung

Das Buch enthält eine Reihe von Artikeln, die meist in englischsprachigen Zeitschriften und Foren veröffentlicht wurden und häufig die atlantische Innen- und Außenpolitik zum Thema haben. Zu meinem eigenen Spezialthema ust leider nur dieser hier veröffentlichte Artikel erschienen, aber mit Vorkenntnissen sind die anderen Artikel auch sehr interessant.
Von dieser intelligenten und einfühlsamen Journalistin und Lyrikerin habe ich auch schon hier einige Beiträge veröffentlicht.  Die aktuelle WordPress-Version mach leider das Einfügen von Links extrem schwierig – eine BenutzerUNfreundlichkeit, die die zunehende Automatisierung der Texterstellung mit sich bringt.. Sie bekommen aber alle Einträge, indem Sie am Ende des Artikels den Namen „Caitlin Johnstone“ in das hellgraue Suchfeld eingeben und auf EINGABE drücken.

Über Kommentare auf meinem Blog hier würde ich mich freuen.

Jochen

Die neue Wehrerfassung ab 2025

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Berlin plant mit dem Neuen Wehrdienst ab 2025 umfassende Datenerhebungen über Bereitschaft und Eignung junger Deutscher für den Dienst an der Waffe. Pistorius sieht den Neuen Wehrdienst als Einstieg in eine neue Wehrpflicht an. 06.Nov 2024

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BERLIN (Eigener Bericht) – Das Bundesverteidigungsministerium hat den Gesetzesentwurf für einen „Neuen Wehrdienst“ vorgelegt und reaktiviert damit die frühere „Wehrerfassung“ und die einstige „Wehrüberwachung“. Der Mitte Oktober präsentierte Entwurf folgt im Kern dem neuen Wehrdienstmodell, das Verteidigungsminister Boris Pistorius Mitte Juni im Rahmen seiner Kampagne für mehr „Kriegstüchtigkeit“ vorgestellt hat. „Wehrerfassung“ meint die Aufnahme aller 18-Jährigen in die Datenbanken der Bundeswehr. Mit der „Wehrüberwachung“ behalten die Streitkräfte einen Überblick über die Reserve – über alle, die jemals eine militärische Ausbildung erhalten haben: Ihre persönlichen Daten werden registriert, um sie bei Bedarf jederzeit einziehen zu können.
Der Ausbau der Reserve ist ein weiteres zentrales Ziel Berlins. Deutschland brauche „nach Einschätzung der Bundeswehr und der NATO rund 200.000 Reservisten mehr“, erklärt Pistorius. Der Neue Wehrdienst werde dazu „nicht reichen“; er sei nur der „Einstieg“. Sein Ministerium plant für die Zeit nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr eine Debatte über eine neue umfassende Wehrpflicht.

Seit 2011 teilweise ausgesetzt

Bereits jetzt besteht in Deutschland für 18- bis 60 jährige Männer eine im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht, die allerdings seit 2011 nur noch im Spannungs- oder Verteidigungsfall gilt. Den verpflichtenden Wehr- beziehungsweise Wehrersatzdienst in Friedenszeiten hatte Berlin damals ausgesetzt und durch den Freiwilligen Wehrdienst respektive den Bundesfreiwilligendienst ersetzt. Hintergrund war die sogenannte Neuausrichtung der Bundeswehr. Während des Kalten Krieges waren die bundesdeutschen Streitkräfte für einen Krieg gegen die Sowjetunion aufgestellt.
Ab Anfang der 1990er Jahre formulierte die deutsche Außenpolitik zunehmend einen globalen Geltungsanspruch. Berlin strukturierte entsprechend die Bundeswehr um, um sie auf militärische Interventionen vor allem in Asien und Afrika vorzubereiten. In diesem Zusammenhang setzte Berlin nun vor allem auf hochqualifizierte Berufssoldaten. Wehrpflichtige waren im Kontext von Interventionskriegen weniger sinnvoll einsetzbar und banden darüber hinaus Militärausbilder in Deutschland, die dann für Auslandseinsätze nicht zur Verfügung standen.
Seit der Eskalation des Konflikts um die Ukraine im Jahr 2014 erklärt Berlin nun allerdings einen möglichen Krieg gegen Russland wieder zum „strukturbestimmenden“ Kernauftrag der deutschen Streitkräfte.[1]
In diesem Zusammenhang haben sich die Forderungen nach einer Reaktivierung der Wehrpflicht auch in Friedenszeiten zu häufen begonnen.

Der Neue Wehrdienst

Ab dem kommenden Jahr will das Bundesverteidigungsministerium nun diejenigen Deutschen, die ihr 18. Lebensjahr erreichen oder die sich – als militärisch bereits Ausgebildete – in der Reserve befinden, mit einem „Musterungsfragebogen“ anschreiben.[2] Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend. Wer die Auskunft verweigert, muss mit Strafmaßnahmen rechnen.[3]
Von den 18-jährigen Männern, die im Fragebogen ein Interesse am freiwilligen Wehrdienst bekunden, will das Verteidigungsministerium diejenigen 40.000 bis 50.000, die am „fittesten, am geeignetsten und am motiviertesten“ erscheinen, auswählen und zur Musterung verpflichten.[4] Im ersten Jahr sollen 5.000 von ihnen dann einen Wehrdienstplatz bei der Bundeswehr bekommen.
Für Frauen sind alle Schritte freiwillig. Um auch Frauen zum Wehrdienst oder auch nur zur Wehrerfassung verpflichten zu können, müsste die Bundesregierung zunächst das Grundgesetz ändern – denn diesem zufolge gilt die Wehrpflicht ausdrücklich nur für Männer: Frauen „dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden“, heißt es in Artikel 12a. Entsprechend dem Ansatz der „Totalen Verteidigung“ will das Verteidigungsministerium in seinem Schreiben auch nach der Bereitschaft zum Dienst im Zivil- und Bevölkerungsschutz fragen.[5]
Die Adressen der jungen Menschen erhält die Bundeswehr von den Meldeämtern, die nach geltendem Recht verpflichtet sind, bestimmte Datenabfragen des Militärs zu beantworten. Die mit den Fragebögen gewonnen Daten der 18-Jährigen will die Bundeswehr bis zur Vollendung von deren 60. Lebensjahr speichern.[6]

Ausbau der Reserve

Im Verteidigungsministerium hofft man, mit dem Neuen Wehrdienst zu einer erhöhten „Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr“ [7] beizutragen und damit die „Kriegstüchtigkeit der Truppe zu verbessern“ [8].
Mit Blick auf den eskalierenden Machtkampf gegen Russland klagte Verteidigungsminister Boris Pistorius unlängst in einer Pressekonferenz, Deutschland könne „nicht einmal mobilisieren, weil wir nicht wüssten, wen wir einziehen können“. Der Neue Wehrdienst ermögliche es seinem Ministerium – und damit der Bundeswehr –, „an die jungen Männer heranzukommen“. Pistorius setzt darauf, dass 30 bis 50 Prozent der Wehrdienstleistenden der Bundeswehr als Zeit- oder Berufssoldaten langfristig erhalten bleiben. Aber auch die, die sich nach ihrem Wehrdienst gegen eine militärische Karriere entscheiden, bleiben ein Gewinn für die Streitkräfte: Als militärisch Ausgebildete sind sie automatisch Reservisten und können als solche in die Truppe eingezogen werden. Wer sechs Monate Wehrdienst absolviert, den plant Berlin für die Zeit danach als Teil der „Einsatzkräfte für den Operationsplan Deutschland“ ein – etwa als „Gewehrträger“ oder „Heimatschutzsoldat“ in den Heimatschutzregimentern.[9]

„Struktur, Kameradschaft, Pflichtbewusstsein“

Den Neuen Wehrdienst plant das Verteidigungsministerium „zunächst (!) auf Basis der Freiwilligkeit“.[10]
Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens besteht in der Berliner Regierungskoalition in der Frage, ob wieder eine umfassende Wehrpflicht eingeführt werden soll, keine Einigkeit. Finanzminister Christian Lindner und Justizminister Marco Buschmann hatten in einem öffentlich bekannt gewordenen Brief an Verteidigungsminister Pistorius ihre Ablehnung einer Wehrpflicht zum Ausdruck gebracht. Auch sie wollten die „Bundeswehr zu einer der modernsten und schlagkräftigsten Armeen Europas“ machen, schreiben die FDP-Minister – nur eben nicht per Pflichtdienst, sondern mit einer „Marktlösung“.[11]
Pistorius und die Wehrbeauftragte Eva Högl hingegen fordern für die Zeit nach der Bundestagswahl 2025 eine Debatte über eine neue Dienstpflicht. Es brauche „perspektivisch eine Verpflichtung“, erklärte Högl in einem Interview: Junge Deutsche lernten bei der Bundeswehr „Struktur, Kameradschaft, Pflichtbewusstsein“ – „alles Eigenschaften, von denen auch die Wirtschaft“ profitiere.[12]

„Der limitierende Faktor“

Zweitens reichen die Kapazitäten der Bundeswehr zurzeit schlicht nicht aus, um die Wehrpflicht kurzfristig zu reaktivieren. Dies sei der „entscheidende limitierende Faktor“ auf dem Weg zur Wehrpflicht, betont Pistorius. Sein Ministerium geht davon aus, die „limitierten Ausbildungsplätze“ in den kommenden Jahren „mühelos“ mit Freiwilligen füllen zu können. Die notwendigen Strukturen für eine neue Wehrpflicht – Gebäude und Material für Unterbringung und Ausbildung von Rekruten, zudem die erforderlichen Ausrüstungsgegenstände – müssten „erst schrittweise wieder aufgebaut werden“.
Die Zeit, bis die Diskussion um die Wehrpflicht geführt wird, will Pistorius „nutzen, um die Kapazitäten hochzufahren“. Sollten sich allerdings nicht genug Freiwillige melden, um die Kapazitäten der Bundeswehr auszulasten, dann müsse „natürlich“ sowieso über eine „verpflichtende Option“ nachgedacht werden, erklärt Pistorius. „Das versteht sich von selbst“.[13]

[1] Referentenentwurf des Bundesministeriums der Verteidigung: Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung wehrersatzrechtlicher Vorschriften und zur Einführung eines neuen Wehrdienstes. Berlin, 13.10.2024.

[2] Bundesminister der Verteidigung stellt neues Wehrdienstmodell vor. bmvg.de 12.06.2024.

[3] FAQ (Frequently Asked Questions): Der „Neue Wehrdienst“ bei der Truppe. bmvg.de 12.06.2024.

[4], [5] Bundesminister der Verteidigung stellt neues Wehrdienstmodell vor. bmvg.de 12.06.2024.

[6] Referentenentwurf des Bundesministeriums der Verteidigung: Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung wehrersatzrechtlicher Vorschriften und zur Einführung eines neuen Wehrdienstes. Berlin, 13.10.2024.

[7] Der „Neue Wehrdienst“: Pistorius setzt auf Auswahl und Freiwilligkeit. bmvg.de 12.06.2024.

[8] FAQ (Frequently Asked Questions): Der „Neue Wehrdienst“ bei der Truppe. bmvg.de 12.06.2024.

[9] Bundesminister der Verteidigung stellt neues Wehrdienstmodell vor. bmvg.de 12.06.2024.

[10] FAQ (Frequently Asked Questions): Der „Neue Wehrdienst“ bei der Truppe. bmvg.de 12.06.2024.

[11] Schreiben von Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesjustizminister Marco Buschmann an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius vom 8. Juli 2024.

[12] „Wir brauchen ein Pflichtjahr für alle – Männer wie Frauen“ – Interview, 15.06.2024. Interview mit der Wehrbeauftragten im „Stern“ vom 15. Juni 2024. bundestag.de.

[13] Bundesminister der Verteidigung stellt neues Wehrdienstmodell vor. bmvg.de 12.06.2024.

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Jochen

Die „10 Regeln der Kriegspropaganda“ im Praxistest der deutschen Medien

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Treffende Übersicht von Thomas Röper, wie sie in jeder Nachrichtensendung von ARD und ZDF bestätigt wird.
https://anti-spiegel.ru/2024/die-10-regeln-der-kriegspropaganda-im-praxistest-der-deutschen-medien/

Ursprünglich stamen diese Regeln aus einem bereits 1928 von Arthur Ponsonby veröffentlichten Buch
Falsehood in Wartime (Lüge in Kriegszeiten), die auf seiner Analyse der Propaganda während des 1.Weltkriegs fußt. Er war von 1934 bis 1937 Vorsitzender der „War Resisters International“, deshalb erwähne ich ihn hier.
Auszüge:

Die deutschen Medien betreiben per Definition Kriegspropaganda, denn sie folgen exakt den berühmten 10 Regeln der Kriegspropaganda aus dem Lehrbuch.
Es gibt Hintergrundartikel, die ich alle ein oder zwei Jahre in aktualisierter Form neu veröffentliche, weil ich die Themen so wichtig finde und sie weiterhin aktuell bleiben. Dazu gehört die Kriegspropaganda, die deutsche Medien betreiben, was den meisten Menschen in Deutschland leider nicht einmal auffällt, weil sie immer noch der Meinung sind, die deutschen Mainstream-Medien seien frei, kritisch, objektiv und unabhängig. Daher will ich hier eine aktualisierte Version meines Artikels über die 10 Regeln der Kriegspropaganda veröffentlichen, an die sich die deutschen Medien exakt halten.

Die 10 Regeln der Kriegspropaganda wurden von der Historikerin Anne Morelli in ihrem Buch „Die Prinzipien der Kriegspropaganda“ aufgelistet. Wir sehen uns diese Regeln an und danach kann jeder darüber selbst entscheiden, ob die deutschen Medien, bei dem, was sie „Journalismus“ nennen, diesem Lehrbuch folgen.

Regel 1: Wir wollen den Krieg nicht

Natürlich will der Westen den Krieg, der in der Ukraine tobt, angeblich nicht. Den will nur der böse Putin.

Dass es in Wahrheit anders ist, sieht man erstens an der Vorgeschichte des Konfliktes, denn der Westen hätte den Krieg mit Leichtigkeit verhindern können. Immerhin war seit Dezember 2021, als Russland vom Westen ultimativ Verhandlungen über gegenseitige Sicherheitsgarantien gefordert hat, klar, dass Russland sich bei einer Ablehnung der Verhandlungen gezwungen sehen würde, militärisch zu reagieren.

Die Kernforderung Russlands war, dass die NATO einer Mitgliedschaft der Ukraine eine Absage erteilen und die NATO-Truppen aus der Ukraine abziehen sollte. Der Westen hat Verhandlungen über die gegenseitigen Sicherheitsgarantien abgelehnt, stattdessen haben die westlichen Würdenträger im Februar 2022 auf der Münchner Sicherheitskonferenz applaudiert, als Selensky – explizit gegen Russland – die atomare Aufrüstung der Ukraine angedroht hat.

Wer daran denkt, wie der Westen reagiert, wenn ein Land, das nicht zur westlichen Hemisphäre gehört – zum Beispiel aktuell der Iran oder vor 20 Jahren der Irak-, über den Besitz von Atomwaffen nachdenkt, der muss sich nicht wundern, dass Russland eine atomar bewaffnete Ukraine, die in ihrer Militärdoktrin offen einen Krieg mit Russland geplant hat, für Russland eine inakzeptable Bedrohung seiner Sicherheit darstellt.

Hätte der Westen den Krieg nicht gewollt, hätte er nur zustimmen brauchen, dass die Ukraine ein neutrales Land bleibt und nicht in die NATO kommt. Damit wäre der Krieg, der inzwischen wohl etwa eine Million Menschen das Leben gekostet hat, verhindert worden.

Aber dem Westen war der NATO-Beitritt der Ukraine wichtiger.

Regel 2: Das gegnerische Lager ist der alleinige Verantwortliche des Krieges

Da es Russland war, das am 24. Februar 2022 den Krieg angefangen hat, ist ein leicht zu vermittelndes Narrativ, was es aber nicht wahrer macht. Immerhin herrscht im Donbass schon seit 2014, als die Maidan-Regierung Panzer anstatt eine Verhandlungsdelegation in den Donbass geschickt hat, Krieg.

Hinzu kommt, was in Punkt 1 gesagt wurde: Der Westen wusste, dass er Russland mit einer drohenden NATO-Mitgliedschaft der (zukünftig vielleicht sogar atomar bewaffneten) Ukraine in eine Situation getrieben hatte, in der Russland – zumindest aus seiner Sicht – mit dem Rücken zur Wand stand. Hätte der Westen den Krieg verhindern wollen, hätte er nur einem neutralen Status der Ukraine zustimmen müssen.

Außerdem sprechen sich alle führenden Vertreter des Westens bis heute gegen Verhandlungen mit Russland und für Waffenlieferungen an die Ukraine aus. Das sind jedoch Maßnahmen, die Kriege verlängern und nicht verkürzen.
Der Westen trägt für die russische Intervention in der Ukraine und auch für die unnötige Verlängerung der Kampfhandlungen (und damit auch für die unzähligen Toten) zumindest eine sehr große Mitverantwortung.

Aber das verschweigen die westlichen Medien ihren Lesern und behaupten, alleine Putin wäre für den Krieg verantwortlich.

Regel 3: Der Führer des gegnerischen Lagers hat das Angesicht des Teufels

Das braucht wahrscheinlich keine weiteren Ausführungen, denn wie die westlichen Medien über den russischen Präsidenten Putin berichten, ist allgemein bekannt.

Regel 4: Wir verteidigen eine gute Sache und keine Sonderinteressen

Natürlich geht es dem Westen nur um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Das sagen zumindest die westlichen Medien und Politiker.

Leider geht es in der Ukraine um keines dieser Themen, denn der Kriegsgrund ist ganz banal die Tatsache, dass der Westen die Ukraine in die NATO ziehen wollte, um sie als Stachel im Fleisch von Russland zu benutzen. Das war der Hauptgrund für die russische Intervention.
Dem Westen geht es – und das wird ja auch ganz offen gesagt – in der Ukraine darum, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen und am besten einen Regimechange herbeizuführen. Alle führenden Politiker des Westens sagen, dass man mit „Putins Russland“ nicht verhandeln wolle, was wieder zeigt, dass dem Westen eine Kriegsverlängerung lieber ist, als Friedensgespräche.
Das zeigt auch deutlich, dass es dem Westen in der Ukraine gar nicht um die Ukraine geht, es geht um Russland selbst. Russland soll geschwächt werden. Seit 2014 hat der Westen mit allen möglichen einseitigen Wirtschaftssanktionen versucht, die russische Wirtschaft und Währung zu zerstören, damit eine verarmende und unzufriedene russische Bevölkerung endlich gegen den bösen Putin aufsteht, der es westlichen Konzernen nicht mehr erlaubt, sich an Russlands Bodenschätzen so zu bereichern, wie es in den 90er Jahren unter Jelzin möglich war.

Aber von diesen Zusammenhängen erfährt man in den westlichen Medien nichts, stattdessen erzählen sie, der Westen verteidige eine gute Sache.

Regel 5: Der Feind begeht wissentlich Gräueltaten; wenn wir hingegen Grenzen überschreiten, geschieht dies unabsichtlich

Dafür gibt es ohne Ende Beispiele und die westlichen Medien versorgen ihre Leser ständig mit neuen Horrorgeschichten über angebliche russische Gräueltaten und Kriegsverbrechen. Ukrainische Kriegsverbrechen, die es unbestritten gibt (und von denen die westlichen Medien auch seit 2022 wissen), wie zum Beispiel die Tatsache, dass die ukrainische Armee von Beginn an Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht hat, werden hingegen nicht thematisiert.

Besonders eindrücklich wird das, wenn man vergleichbare Vorfälle anschaut. Anfang März 2022 haben die westlichen Medien tagelang berichtet, Russland habe eine Geburtsklinik in Mariupol bombardiert. Die Bilder gingen um die Welt, aber als sich herausstellte, dass die Geschichte anders war, hat niemand darüber berichtet. Andererseits hat die ukrainische Armee wiederholt und gezielt eine Geburtsklinik in Donezk beschossen, was die westlichen Medien einhellig verschwiegen haben.

Besonders eindrücklich wird das bei dem Beispiel Butscha. Der Westen bezeichnet Butscha weiterhin als russisches Kriegsverbrechen, bei dem die russische Armee angeblich über 400 Menschen abgeschlachtet haben soll, obwohl es dazu sehr viele Fragen gibt und die Ukraine bis heute noch nicht einmal eine Liste der Opfer veröffentlicht hat, mit der man leicht überprüfen könnte, ob es in Butscha tatsächlich ein russisches Massaker gab.

Hinzu kommt, dass der Westen seinen Verbündeten für dessen Massaker nicht kritisiert, dabei wären 400 getötete Zivilisten in einer Woche im Gazastreifen wenig, denn im Gazakrieg ermordet die israelische Armee im Durchschnitt etwa 800 Zivilisten pro Woche.

Allein daran kann man sehen, wie die westlichen Medien Kriegspropaganda aus dem Lehrbuch betreiben, indem sie hysterisch über (angebliche und nicht einmal bewiesene) Gräueltaten der russischen Armee berichten, zu den unbestrittenen Massakern, die die israelische Armee verübt, aber weitgehend kritiklos schweigen.

Regel 6: Der Feind benutzt unzulässige Waffen

Das Thema ist besonders beliebt bei den westlichen Medien. Im Falle der Ukraine geht es dabei um nukleare Themen, zum Beispiel um das Kernkraftwerk Saporoschje. Der Westen beschuldigt Russland, das Kernkraftwerk, das unter russischer Kontrolle steht, zu beschießen. Das gleiche haben wir danach auch mit dem Kernkraftwerk in Kursk erlebt.
Es ist geradezu absurd, dass Russland gemäß den westlichen Medien seine eigenen Kernkraftwerke beschießen soll. Wenn Russland schon so verrückt wäre, Kernkraftwerke beschießen zu wollen, dann würde es doch wenigstens die Kernkraftwerke in der Ukraine unter Feuer nehmen, anstatt die Verstrahlung seines eigenen Landes zu riskieren.

Aber aus irgendeinem Grunde ist nie ein unter ukrainischer Kontrolle stehendes Kernkraftwerk beschossen worden.

Regel 7: Wir erleiden nur geringe Verluste; die Verluste des Feindes sind riesig

Das ist der Klassiker der Kriegspropaganda und er findet sich auch in der Ukraine. Objektive Angaben über die Zahl der Opfer sind schwer zu bekommen, aber im Westen wird ständig berichtet, dass die Ukraine nur geringe Verluste erleidet, während Russland massenhaft Soldaten verliert.
Aktuell behauptet die NATO, Russland habe bereits 600.000 Soldaten verloren, während westliche Medien behaupten, die Ukraine habe weitaus weniger Verluste. Warum das Unsinn ist, habe ich hier aufgezeigt.

Regel 8: Die Künstler und Intellektuellen unterstützen unsere Sache

Von diesem psychologischen Trick wird im Westen nach Kräften Gebrauch gemacht, dabei ist es weder für einen Kriegsverlauf, noch für eine politische Lösung von Bedeutung, welche politische Meinung irgendwelche Schauspieler haben. Sie sind keine Experten, deren Wort in der Sache Gewicht haben, aber sie sind Sympathieträger. Ihre Aufgabe ist es, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, mehr nicht.
Daher überrascht es nicht, dass es bei der Prominenz aus Hollywood lange in Mode war, nach Kiew zu fahren, sich dort kamerawirksam in Szene zu setzen und als Krönung ein Gespräch mit dem Schauspielerkollegen Selensky zu führen, der derzeit den ukrainischen Präsidenten spielt. Und natürlich berichten die westlichen Medien jedes Mal ausführlich darüber.

Derzeit erleben wir das vor allem beim israelischen Vernichtungskrieg in Gaza, wenn die Medien berichten, dass dieser oder jener Sänger oder Schauspieler zur Unterstützung Israels aufruft. Das ist Kriegspropaganda, die von dem israelischen Völkermord an den Palästinensern ablenken soll.

Regel 9: Unser Anliegen ist etwas Heiliges

Natürlich, schließlich geht es ja angeblich um die „heiligen“ Werte des Westens, also um Demokratie und Menschenrechte.

-axgZqd0JzMDas Thema hatten wir schon und leider geht es in der Ukraine, in der nach dem Maidan viele Regimekritiker ermordet wurden und die demokratisch gewählte Opposition vom Geheimdienst verfolgt wird, ganz und gar nicht um Demokratie und Menschenrechte. Im Gegenteil: In Kiew herrscht eine Regierung, deren Ideologie bei den Nazis ihren Ursprung hat, was in der Ukraine auch ganz offen gezeigt wird. *)

Und auch im Gazakrieg geht es nicht um die Rettung des Staates Israel, die für Deutschland nach Meinung der Bundesregierung Staatsraison, also etwas Heiliges, ist, sondern darum, dass Netanjahu und seine rechtsextreme Regierung die Palästinenserfrage endgültig lösen will. (Etwaige Ähnlichkeiten dieser Formulierung mit historischen Ereignissen sind reiner Zufall)

Regel 10: Wer unsere Propaganda in Frage stellt, ist ein Verräter

Heute ist das Wort „Verräter“ nicht mehr aktuell. Man sagt heute wahlweise „Putin-Versteher“, „Kreml-Troll“, „Verschwörungstheoretiker“, „Anti-Amerikanismus“, „Rechtsextremer“ und was sonst noch aktuell für Bezeichnungen kursieren. Eins haben alle diese Bezeichnungen gemein: Sie bezeichnen den so bezeichneten Menschen als Gegner der „westlichen Werte“ oder der Demokratie. Ergo: Das ist ein Verräter.

Dass im Westen alle kritischen Stimmen zum Schweigen gebracht werden, dass russische Medien zensiert werden und dass es sogar strafbar ist, öffentlich eine abweichende Meinung zu den Vorgängen in der Ukraine oder Gaza zu vertreten, ist etwas, das wir eigentlich nur in Diktaturen erwarten, dabei findet es im angeblich freien und demokratischen Westen statt.

*: Siehe https://josopon.wordpress.com/2014/02/09/ukraine-2014-nutzliche-faschisten/

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Jochen

Interview mit Buchautor Patrik Baab über die Eindrücke seiner neuen Reise in das Kriegsgebiet Donbass

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Patrik_BaabIch habe gerade sein Buch „Auf beiden Seiten der Front“ ausgelesen, das zeigt, wie menschlich mitfühlend P.Baab einerseits ist, wie sorgfältig er andererseits recherchiert. Zum Buch gibt es 66 Seiten Anmerkungen zum Herunterladen !
Und hier zu seinem neuen Buch ein Interview:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=123234
Auszüge:

Patrik Baab reiste mit seinem Kameramann Artur Leier zweieinhalb Wochen durch Städte und Orte in dem Teil des Donbass, über den Russland die Kontrolle ausübt.
Vor dem Rückflug nach Deutschland führte Ulrich Heyden in Moskau mit Baab ein Interview über die wichtigsten Eindrücke der Reise in das Kriegsgebiet Donbass.

Was war das Wichtigste, was Sie im Donbass erlebt haben?

Das letzte Mal war ich im Herbst 2022 im Donbass. Wir waren in Melitopol, Mariupol, Donezk und Lugansk. Und ich habe ein vom Krieg zerstörtes Land gesehen. Mariupol war zu 80 Prozent zerstört. Zum Teil haben die Leute noch in den Kellern gelebt. Die Versorgung war schwierig. Wir sind durch verminte Gebiete gefahren. Vieles war noch nicht geräumt. Wir kamen selbst unter Beschuss. Die Stadt Donezk lag beständig unter Beschuss. Das habe ich vom Hotelfenster aus gesehen.

Zwei Jahre später, in diesem Herbst, bin ich in eine veränderte Welt gekommen. Die wichtigste Beobachtung ist, dass die Russische Föderation diese Gebiete restrukturiert und wieder aufbaut. Überall sind bereits jetzt die Haupt-Magistralen, die Verkehrslinien, neu asphaltiert und zum Teil vierspurig ausgebaut worden, sodass der Verkehr zwischen den Städten wieder am Rollen ist. Die Nebenstraßen natürlich noch nicht. Da liegt noch vieles im Argen.

Die Stadt Mariupol ist ein Brennpunkt der Investitionen. Ganze Stadtviertel werden neu errichtet. Für Zehntausende wird neuer Wohnraum geschaffen. In den alten Chrutschowka-Wohnblöcken, die da noch stehen, sind überall schon neue Fenster drin, soweit es die Möglichkeiten zulassen. Die Geschäfte haben geöffnet, das öffentliche Leben ist zurückgekehrt. Insbesondere auch die Kindergärten arbeiten wieder.

Die Schulen sind, soweit ich das beobachten konnte, alle bereits saniert oder neu errichtet. Nach meinen Informationen investiert die Russische Föderation Milliarden im Donbass.
Und das sage ich auch, weil man das im Westen nicht hören will und weil Reporter vom ZDFwie Armin Coerper – deswegen Schwierigkeiten bekommen haben.

Die Russische Föderation scheint den Donbass auf- und ausbauen zu wollen als Schaufenster zum Westen. Und das ist natürlich ein politisches Signal.

Haben Sie viele Menschen auf den Straßen gesehen? Waren die Schulen in Betrieb?

Die Schulen waren vollumfänglich in Betrieb. Ich habe mit Lehrerinnen gesprochen, die sich insbesondere mit traumatisierten Kindern beschäftigen. Sie haben geschildert, wie sie das machen und wie die Räume hergerichtet werden.

Ich habe mit Anwohnern gesprochen, die ich bereits vor zwei Jahren kennenlernen durfte. Man wird das im Westen nicht glauben, aber sie haben sich trotz der Verheerungen, die auch die russische Armee in dieser Stadt angerichtet hat, unter Tränen bei Putin bedankt für die Wiedereingliederung des Donbass und für die Arbeit, die er hier machen lässt.
Das hat mit Propaganda nichts zu tun. Die sagen wirklich, ´wir fühlen uns hier befreit´.

Von was befreit?

Befreit insbesondere von einem ukrainischen Regime, das sie abgelehnt haben. Fast alle Menschen, die ich getroffen habe, berichteten, wie sie von der Putschregierung in Kiew und den Regierungen, die ihr folgten, und den militärischen Kräften Kiews seit 2014 drangsaliert worden sind, wie sie geschlagen worden sind, wie sie gedemütigt wurden, wie sie ins Gefängnis kamen. Das hätte ich in dieser Form nicht erwartet. Das, was in Odessa am 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus geschehen ist (wo am 2. Mai 2014 nach einem Angriff von Nationalisten 42 Menschen umkamen), das ist kein Einzelfall.

Ich habe hier durchgängig Menschen getroffen, die sich der Russischen Föderation zugehörig fühlen und die mir erklärt haben, ´wir sind befreit worden. Wir wollen nicht die Ukraine zurück´. Und dabei spielen auch einfache Faktoren eine Rolle. Durch die Investitionen in Millarden-Höhe werden Arbeitsplätze geschaffen.
Ich habe einen jungen Mann getroffen, der gar kein Problem hatte, eine Arbeit als Bauingenieur zu finden. Und ich habe mit Rentnern gesprochen, die sagten, ´es geht mir besser heute´. Die Russische Föderation hat die Renten um das 1,5-Fache erhöht. Das sind natürlich Maßnahmen, die durchgeführt werden, um Loyalität gegenüber Moskau zu organisieren. Und das sind natürlich auch Maßnahmen, die eine Ansage an die NATO sind. ´Wir sind gekommen, um zu bleiben.´

Als ich im Herbst 2022 in Donezk war, hatten alle Schulen und Kindergärten geschlossen. Die Kinder mussten zuhause lernen. Wie sieht das heute aus?

Die Stadt Donezk liegt noch immer unter Beschuss. Aber der Beschuss ist deutlich geringer geworden. Er hat sich im Augenblick zurückgezogen in die nördlichen Randgebiete der Stadt. Das öffentliche Leben ist in die Stadt zurückgekehrt.
Ich habe vor zwei Jahren eine tote, der Öffentlichkeit abgewandte Stadt kennengelernt. Es gab überall Sandsäcke, die Schaufenster waren verrammelt. Niemand, der es vermeiden konnte, war auf der Straße. Die Kinder in Donezk gehen wohl noch nicht zur Schule, sondern lernen zuhause. Aber das öffentliche Leben ist auf die Straßen, in die Kindergärten und die Universität zurückgekehrt. Cafés haben geöffnet, Leute gehen Einkaufen, die Supermärkte und Tankstellen haben geöffnet. Die Banken haben aufgemacht. Es gibt aber von abends um zehn bis morgens um vier immer noch eine nächtliche Sperrstunde. Aber man spürt geradezu, dass die Menschen sich nach einem Stückchen Frieden sehnen. Es hat den Anschein von Normalität, obwohl der Krieg von Donezk nur 50 Kilometer entfernt ist.

Waren Sie auch an der Front?

Wir waren auch im Frontbereich in Saporoschje am Dnjepr. Darüber möchte ich noch nichts sagen, weil ich das noch im Einzelnen auswerten muss. Wir waren in kritischen Bereichen unterwegs. Wir sind zum Teil nachts gefahren. Die Handys waren ausgeschaltet, damit wir nicht geortet werden können. Wir haben privat an Orten übernachtet, die ich hier nicht darstellen mag. Natürlich übernachtet man unter schwierigen Umständen. Komfort gibt es nicht. Man hat auch nicht immer eine Waschgelegenheit. Und man hat tagelang immer die gleichen Klamotten an. Aber das sind die Bedingungen, unter denen hier gearbeitet wird.

Waren Sie in akuter Gefahr?

Wir waren in einer Region um die Stadt Berdjansk, wo man unmittelbar dem Beschuss ausgesetzt ist. Es waren Explosionen zu hören und man hat auch die russische Luftabwehr gehört.

Es waren sternenklare Nächte. Wir haben die Starlink-Satelliten vor den Sternzeichen des Südens gesehen, weil die fliegen etwas schneller. Und wir haben die Drohnen gesehen, die wie Sternschnuppen niedergingen, wenn sie abgeschossen worden waren.

Mit was für einem Gefühl fahren Sie nach Deutschland zurück?

Ich fahre mit einem Gefühl zurück, dass mir viele Menschen meine Beobachtungen nicht glauben werden, weil dem die volle Wucht der Propagandapresse, die uns weiter in diesen Krieg hineintreibt, entgegensteht. Aber die Menschen in Deutschland sollten sich besinnen.
Ich denke an die Vielen, die bereits hier im Donbass, in der Ukraine, getötet worden sind. Wir haben die Zahl der 500.000 Toten bei weitem schon überschritten. Hier habe ich überall gehört, ´wir wollen, dass der Frieden zurückkehrt´.
Und vielleicht sollten die Menschen in Deutschland auch einmal daran denken, dass es wenig sinnvoll ist, sich immer tiefer in einen Krieg hineinziehen zu lassen, in dem wir nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren haben.

War Deutschland auf Ihrer Reise irgendwie präsent, in Form von Waffen oder Fragen, die man Ihnen stellte?

Im Unterschied zu Deutschland, wo die Russen-Feindlichkeit allgegenwärtig ist, ist mir im Donbass keine Deutschen-Feindlichkeit begegnet, obwohl die Menschen wissen, dass heute wieder deutsche Panzer im Donbass rollen, nach einem fürchterlichen deutschen Angriffskrieg mit 27 Millionen toten Sowjetbürgern. Wir wurden aufgenommen von Familien und es standen immer Tee, Kuchen oder ein Schnitzel auf dem Tisch.

Wie stehen die Menschen im Donbass zu den Menschen in der Ukraine?

Ich habe die Familie eines Soldaten aufgesucht, der im Herbst 2022 gefallen ist und mit dem ich zwei Monate zuvor ein Interview geführt habe. Er hieß Jefgeni. Seine Angehörigen sagten mit Blick auf die Soldaten der Ukraine, ´dieser Krieg wurde uns hier im Donbass aufgezwungen. Aber die Menschen in der Ukraine und die Soldaten können ja nichts dafür. Es ist die Führung, es ist die NATO, die die Menschen in diesen Krieg treibt.´
Das Gefühl, das man den Menschen im Westen der Ukraine – wie übrigens auch uns Deutschen – entgegenbringt, das ist Mitleid, dass wir das alles so hinnehmen, was die Politik mit uns macht.

Von den deutschen Fernsehanstalten wird die Meinung verbreitet, man könne im Donbass nur unter strengster Kontrolle russischer Militärs arbeiten. Somit hätte man keine Möglichkeit, als Journalist zu arbeiten. Was sagen Sie dazu?

Das ist nicht richtig. Wir konnten uns völlig unabhängig bewegen. Wir konnten unsere Gespräche führen, so wie wir wollten. Es hat niemand reingeredet. Wir wurden nicht beeinflusst und wir wurden nicht eingeengt bei unserer Tätigkeit. Wir standen nicht unter Beobachtung. Wir hatten auch keine örtlichen Begleiter. Aber wir sind bisher dreimal hintereinander „filtriert“ worden, mit allen Schikanen. Das bedeutet: Der Pass und das Handy werden eingezogen. Das Handy wird ausgelesen. Der Pass wird fotografiert. Es wird ein Bericht geschrieben. Man wartet eine Stunde, man wird reingerufen. Man wird einem Verhör unterzogen und wieder rausgeschickt. Man wird wieder einem Verhör unterzogen und wieder rausgeschickt. Dann ein drittes Mal. Es geht höflich und freundlich zu. Bis hin zu Fragen wie, ´was wollen Sie hier, ist das nicht gefährlich, wie heißen Ihre Bücher, schreiben Sie das hier mal auf, das müssen wir festhalten.´

Vor allem setzt man auf Zermürbungstaktik. Wir zeigen dem Burschen aus Deutschland mal, dass er hier nicht allzu beliebt ist. Denn die russischen Behörden betrachten Deutschland als einen Feindstaat. Das muss man wissen.
Auf mich wirkte es so, als ob man den Vorgesetzten im Innenministerium klarmachen will, dass man die Tätigkeit ernst nimmt und sich den Jungen da mal ein bisschen genauer anschaut.

Wie haben Sie die Reise in den Donbass bezahlt? Das ist ja ein ziemlich aufwändiges Projekt.

Alles kostet. Flüge, Taxis, Fahrzeuge, Verbindungsleute, Übernachtungen, Kontaktpersonen. Allen muss man etwas geben oder sie zumindest mal zum Essen einladen. Solche Reisen kosten vier-, wenn nicht fünfstellige Beträge.
Diese Recherchereisen zahle ich in vollem Umfang selbst. Es gibt keine Zuwendungen von Dritten. Ich muss das natürlich refinanzieren über die Tantiemen meiner Bücher. Und es gibt Rücklagen.

Sie haben auch keinen Spendenaufruf gemacht?

Nein. Ich möchte ja unabhängig arbeiten. Wenn ich das Geld nicht habe, dann reise ich nicht.

Ihr Ukraine-Buch „Auf beiden Seiten der Front“, das 2023 erschien, wurde jetzt ins Russische übersetzt.
Was war Ihre Motivation, das Buch ins Russische zu übersetzen?

Das war nicht einmal meine Idee, sondern die Idee einer Freundin, die den Kontakt zu dem Verleger Oleg Nikiforow hergestellt hat. Ich möchte mit den Menschen in Russland im Gespräch bleiben. Denn ich bin einmal vor vielen Jahren in die SPD eingetreten, weil ich überzeugt bin von dem Satz von Willy Brandt:

Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

A_beiden_Seiten_d_FrontPatrik Baab hat am 12. Oktober 2024 in Moskau aus seinem Buch „Auf beiden Seiten der Front“ gelesen, das Anfang Dezember auf Russisch im Moskauer Gnosis-Verlag erscheinen wird. Ulrich Heyden hat von der Lesung eine zweiteilige Videodokumentation gemacht (Teil 1), (Teil 2).

KI und autonome Roboter – Wie führende US-Experten die Kriege der Zukunft sehen

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

ForeignAffairs-logo

Aus dem Journal Foreign Affairs von Andrej Schitow dankenswerter Weise übersetzt:

https://anti-spiegel.ru/2024/wie-fuehrende-us-experten-die-kriege-der-zukunft-sehen/
Dort auch lesenswerte Kommentare
Auszüge:

Mark Milley und Eric Schmidt haben im Journal Foreign Affairs einen Artikel über die Kriege der Zukunft veröffentlicht, der mehr als lesenswert ist. Bevor wir zu dem Artikel kommen, will ich einige Worte über die Autoren sagen.

Mark Milley dürfte vielen ein Begriff sein, denn von 2019 bis 2023 Generalstabschef der US-Streitkräfte. Milley ist also ein sehr erfahrener Militär, ein echter Experte auf dem Gebiet.

Eric Schmidt dürfte weniger bekannt sein, dabei ist er ein in den USA ausgesprochen einflussreicher Mann. Er war jahrelang Chef von Google und hat in dieser Position Milliarden verdient. 2017 hat er seine Stiftung Schmidt Futures gegründet, die dem Normalbürger kaum bekannt ist, die in den USA aber enormen Einfluss hat.
Bei meiner Arbeit an meinem Buch „Inside Corona“ und meinen Recherchen über NGOs und die Macht der Milliardärs-Stiftungen bin ich sehr oft auf Schmidt gestoßen, weil er seine Finger in wirklich fast jedem wichtigen Thema hat, ohne der Öffentlichkeit dabei allzu sehr aufzufallen. Schmidt gehört sicherlich zu den einflussreichsten Menschen in den USA.

Daher sollte man einen Artikel, den Milley und Schmidt gemeinsam über die Kriege der Zukunft geschrieben haben, sehr aufmerksam lesen.

Andrej Schitow ist einer der besten USA-Kenner Russlands, weil er fast 40 Jahre als Korrespondent der TASS in Washington gearbeitet hat und dort bestens vernetzt ist. Er kennt in den USA, das zeigen seine Artikel immer wieder, fast jeden der in den USA in Politik und Medien Rang und Namen hat, persönlich. Schitow hat sich den Artikel von Milley und Schmidt genauer angeschaut und ich habe Schitows Analyse des Artikels übersetzt, weil meine Analyse des Artikels ziemlich ähnlich ausgefallen wäre.

Beginn der Übersetzung:

Warum Amerika nicht bereit für die Kriege der Zukunft ist

Andrej Schitow darüber, was Mark Milley und Eric Schmidt in einem Artikel für Foreign Affairs geschrieben (und weggelassen) haben

Als der Iran im April den massiven Angriff auf Israel startete, betrugen die „Kosten“ des Angriffs für Teheran „höchstens 100 Millionen Dollar“, aber der Abschuss iranischer Raketen und Drohnen kostete die USA und Israel „mehr als zwei Milliarden Dollar“. Generell ist die erfolgreiche Abwehr von „Schwarmangriffen“ viel teurer als deren Durchführung.
Das ist eine der Grundlagen der „Kriege der Zukunft“, wie zwei amerikanische Experten – Mark Milley und Eric Schmidt – in einem gemeinsamen Artikel für Foreign Affairs darlegen.

Wer sind die?
Ersterer war von 2019 bis 2023 Generalstabschef der US-Streitkräfte und lehrt jetzt an den Universitäten Princeton und Georgetown. Letzterer ist ein ehemaliger Chef (CEO) des Internetgiganten Google, Autor vieler Bücher und Co-Autor (zusammen mit Henry Kissinger) von „The Age of AI: And Our Human Future“.
Jetzt nutzt er die Milliarden, die er in der Wirtschaft verdient hat, um sein eigenes Projekt umzusetzen, um „Empfehlungen für die Stärkung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Amerikas in der Zeit zu entwickeln, in der künstliche Intelligenz (KI) und andere aufkommende Technologien unsere (amerikanische) nationale Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft verändern“.
Kurzum: Wenn man jemandem auf der anderen Seite des Ozeans zuhören sollte, wenn es um die „Kriege der Zukunft“ geht, dann diesen beiden.

„Die Zukunft wird zur Gegenwart“

Und sie behaupten von Beginn ihres Artikels an, dass „die Zukunft des Krieges auf den Schlachtfeldern der Ukraine schnell zur Gegenwart wird“. Außerdem sei das „bei weitem nicht der einzige“ und nicht der erste Konflikt, bei dem „neue Technologien die Art der Kriegsführung verändern“.
Ohne eine Quelle zu nennen, wird darauf hingewiesen, dass die regierungsfreundlichen Kräfte in Libyen 2020 eine in der Türkei hergestellte Drohne einsetzten, und „das war wahrscheinlich der erste Drohnenangriff ohne menschliche Beteiligung.“
Im selben Jahr setzte das aserbaidschanische Militär im Kampf um Bergkarabach Drohnen und Sperrmunition ein.
Jetzt setzen sowohl die Regierungen als auch ihre Gegner bei den Kämpfen in Myanmar und im Sudan „Drohnen und Algorithmen“ ein.
Im Gazastreifen verlassen sich die israelischen Streitkräfte auf „Tausende von Drohnen, die mit KI-Algorithmen verbunden sind“, um „durch die Straßenschluchten des Gebiets zu lavieren.“

Die Überschrift des Artikels spricht für sich selbst: „Amerika ist auf die Kriege der Zukunft nicht vorbereitet. Und sie werden bereits geführt.“

Unveränderliche „Natur“ und schwankender „Charakter“

Die Autoren gehen davon aus, dass die „Natur des Krieges“ wahrscheinlich „unveränderlich“ ist: Von „dem Wunsch einer Seite, der anderen durch organisierte Gewalt ihren politischen Willen aufzuzwingen“ bis hin zu „Angst, Blutvergießen und Tod“, die unweigerlich mit bewaffneten Konflikten einhergehen.

Aber das „Wesen des Krieges“ kann sich ihrer Ansicht nach „weiterentwickeln“. Es bestimmt, „wie Armeen kämpfen, wo und wann Kämpfe stattfinden, welche Waffen und Führungsmethoden eingesetzt werden“; und das kann sich unter dem Einfluss von „Politik, Demografie und Wirtschaft“ verändern. „Wenige Kräfte bringen jedoch mehr Veränderungen mit sich als die technologische Entwicklung“, erläutern die renommierten Experten.

Sie geben einen umfassenden Überblick über Militärtechnologie und -taktik, von der „Geburt der Kavallerie im 9. Jahrhundert v. Chr.“ nach der Erfindung von Sätteln und Hufeisen bis zur Entwicklung von Atomwaffen. Übrigens gereicht es ihnen zur Ehre, dass sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass es „die Amerikaner waren, die die ersten Atombomben gebaut und eingesetzt haben“.

Bekanntlich versucht der kollektive Westen heute, diese Tatsache zu verschweigen, wie gerade erst bei den Trauerzeremonien anlässlich des 79. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zu sehen war. Weder japanische Offizielle noch der UN-Generalsekretär erwähnten, dass diese barbarischen, verheerenden Bombenabwürfe von den USA durchgeführt wurden.

Milley und Schmidt erinnern uns daran, dass es der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs gelang, „in anderthalb Jahren fast ganz Europa zu erobern“, und dass sie „in Stalingrad nur durch eine sowjetische Armee aufgehalten wurde, die bereit war, kolossale Verluste hinzunehmen“.
Bewerten Sie die Logik der nebeneinander gestellten Argumente: Ja, die Russen waren in der Lage, den Nazis den Weg zu versperren, aber nur, weil sie ihre Soldaten nicht verschont haben. Die Europäer unterwarfen sich einfach der Macht der Waffen anderer, während die Amerikaner Atombomben abwarfen „und danach die Achse [Hitlerdeutschland und seine Verbündeten] auf vielen Schlachtfeldern auf einmal besiegten.“

Das erinnerte mich an ein Gespräch, das ich 1997 in Norfolk auf einer

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internationalen Konferenz des Atlantikkommandos der NATO mit einem amerikanischen Militärkommandeur geführt habe. Glauben Sie es oder nicht, aber mein Gesprächspartner sagte mir allen Ernstes, dass „Ihr Beitrag zum Sieg“ über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg „noch gewürdigt werden wird“.
Die Konferenz wurde von dem in schlechter Erinnerung gebliebenen Zbigniew Brzezinski moderiert und es ging um eben jene NATO-Erweiterungspläne, die schließlich zur aktuellen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen in der Ukraine im Kampf um eine gerechte Weltordnung und echte – gemeinsame, einheitiche und unteilbare – internationale Sicherheit geführt haben.

Gleichzeitig erinnere ich mich daran, wie mir vor über zehn Jahren russischstämmige Wissenschaftler in den USA von ihren „Cliodynamics“ erzählten, einem Versuch der mathematischen Modellierung der Geschichte. Ich erinnere mich, dass sie sich bei dieser Arbeit insbesondere auch auf die Entwicklung der Militärtechnologien stützten. Und eine der Schlussfolgerungen lautete laut Pjotr Turtschin, dem Autor der Hypothese, dass sich die USA in ihrem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Leben auf einen „Höhepunkt der Instabilität“ zubewegen. Dieser Experte sagte den Höhepunkt für das Jahr 2020 voraus. Es zeigt sich, dass er sich zwar geirrt hat, aber nicht sehr weit daneben lag. Und die Prognose galt auch für Westeuropa, wie die Londoner Financial Times kürzlich berichtete.

Nützlicher „Autoritarismus“?

Doch zurück zu dem Artikel von Milley und Schmidt. Sie argumentieren, dass der Sieg über Hitler-Deutschland nur im Nachhinein als bewusst unvermeidlich erscheint. Ihnen zufolge gelang es den Nazis zunächst, die neuesten Errungenschaften des technischen und strategischen militärischen Denkens in die Doktrin des Blitzkriegs zu integrieren. „Der anfängliche innovative Vorsprung Berlins“, so die Autoren, „hätte durchaus entscheidend sein können“, wenn es seine Ressourcen besser verwaltet und vor allem den Wettlauf um den Besitz von Atomwaffen gewonnen hätte. Übrigens wurde die Beteiligung des Dritten Reiches an diesem Wettlauf erst vor kurzem durch freigegebene Archivdokumente des russischen FSB bestätigt.

Nun glauben die beiden Amerikaner, dass die US-Regierung auch die bahnbrechenden Errungenschaften der modernen Militärwissenschaft und -technologie in den Dienst ihrer Weltherrschaft stellen sollte. Meines Erachtens ist das der wichtigste Abschnitt des Artikels, den man vollständig lesen sollte.

„Kein Staat ist für zukünftige Kriege vollständig vorbereitet“, schreiben die Autoren. „Kein Land hat bisher in vollem Umfang mit der Produktion der für Roboterwaffen erforderlichen Ausrüstung begonnen und auch nicht die Software entwickelt, die für den umfassenden Einsatz automatisierter Waffen erforderlich ist. Einige Länder sind jedoch weiter fortgeschritten als andere. Und leider sind die Gegner der USA in vielerlei Hinsicht führend.“

„Russland, das seine Erfahrungen in der Ukraine gesammelt hat, steigert seine Drohnenproduktion dramatisch und setzt Drohnen auf dem Schlachtfeld nun sehr effektiv ein“, so die renommierten Experten. „China dominiert den globalen Markt für kommerzielle Drohnen, wobei das chinesische Unternehmen DJI schätzungsweise 70 Prozent der weltweiten kommerziellen Drohnenproduktion kontrolliert. Dank der autoritären [Macht-]Struktur Chinas ist das chinesische Militär jedoch besonders geschickt darin, Neuerungen voranzutreiben und neue Konzepte einzuführen. Bei einem dieser Konzepte, der sogenannten Multidomänen-Präzisionskriegsführung, setzt die chinesische Volksbefreiungsarmee fortschrittliche Aufklärungsmethoden und andere moderne Technologien ein, um den Beschuss zu koordinieren.“ Domänen sind in diesem Zusammenhang Operationsbereiche: von Land, Wasser und Luft bis hin zu Informationen. Das Kuriose an dem Zitat ist natürlich das amerikanische Lob für das „autoritäre“ System eines anderen Landes.

„Shock and Awe“ ist kaputt

„Was KI betrifft, so haben die USA immer noch die hochwertigsten Systeme und geben am meisten dafür aus“, so die Experten weiter. „China und Russland holen jedoch schnell auf. Washington verfügt über genügend Ressourcen, um sie weiterhin zu übertreffen, aber selbst wenn es diesen Vorsprung beibehält, könnte es auf unüberwindbare bürokratische und industrielle Hindernisse stoßen, um seine Erfindungen auf dem Schlachtfeld einzusetzen. Infolgedessen riskiert das US-Militär einen Krieg, in dem eine erstklassige Ausbildung und bessere konventionelle Waffen nicht so effektiv sein werden.“

„So sind US-Soldaten beispielsweise nicht vollständig darauf vorbereitet, auf einem Schlachtfeld zu operieren, auf dem jede ihrer Bewegungen verfolgt werden kann und wo sie schnell zum Ziel von über ihnen schwebenden Drohnen werden können“, erklären die Analysten. „Diese Unerfahrenheit wäre vor allem in offenem Gelände gefährlich, wie in der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern oder in den riesigen Weiten der Arktis. Das US-Militär wäre auch in städtischen Gefechten besonders verwundbar, wo es für den Feind einfacher ist, die US-Kommunikationslinien zu unterbrechen und wo viele US-Waffen nicht so nützlich sind.“

Und schließlich „wären die USA dem Ansturm ihrer Gegner auch auf See schutzlos ausgeliefert“, so Milley und Schmidt. „Chinesische Hyperschallraketen könnten US-Flugzeugträger versenken, bevor sie Pearl Harbor verlassen. Peking setzt bereits Überwachungs- und elektronische Kampfführungssysteme ein, die ihm im gesamten indopazifischen Raum eine defensive Überlegenheit gegenüber den USA verschaffen könnten. In der Luft könnten die hochwertigen, aber teuren F-35-Flugzeuge gegen Schwärme billiger Drohnen einen schweren Stand haben. Zu Lande könnten die schwer gepanzerten Abrams- und Bradley-Panzer in die gleiche Situation geraten“.

Und das allgemeine Fazit für den Abschnitt lautet: „Angesichts dieser bedauerlichen Umstände kommen die US-Militärplaner zu Recht zu dem Schluss, dass die Ära der ‚Shock and Awe‘-Kampagnen, in denen Washington den Feind mit seiner überwältigenden Feuerkraft vernichten konnte, vorbei ist.“

„Warum Amerika jeden Krieg verliert“

Nun, wenn man im Pentagon und in den Washingtoner Korridoren der Macht davon überzeugt ist, umso besser. Meinerseits möchte ich hinzufügen, dass das gesteigerte Interesse der Kommentatoren an der Seekriegsführung (sie erörtern das in Bezug auf Taiwan gesondert) mich unwillkürlich zu der Frage veranlasst hat, ob der auffällige Schwerpunkt des Kiewer Regimes auf Operationen gegen die russische Schwarzmeerflotte nicht auch damit zusammenhängt. Laut Milley und Schmidt entwickeln westliche Regierungen bereits neue Seedrohnen und unbemannte Flugkörper mit größerer Reichweite, und sobald diese neuen Modelle fertig sind, sollten Taiwan und seine Verbündeten mit der Massenproduktion beginnen.

Und noch ein Wort zu „Shock and Awe“. Einer der Mitverfasser dieser Doktrin der „schnellen Dominanz“ war auf der anderen Seite des Ozeans Harlan Ullman, ehemaliger Kommandant eines Kriegsschiffs und jetzt Unternehmensberater. Bereits vor fünf Jahren habe ich darüber geschrieben, warum die USA das Siegen nicht lernen können, und dabei insbesondere auf sein Buch mit dem vielsagenden Titel „Anatomy of Failure: Why America Loses Every War It Starts“ verwiesen. Und in diesem Jahr hat sich auch Erik Prince, Gründer des bekannten privaten Militärunternehmens Blackwater, öffentlich zu diesem Thema geäußert und einen umfangreichen Aufsatz mit dem Titel „Too big to win – How neoconservatives and their military-industrial complex allies keep America losing“ veröffentlicht.

Allerdings gibt es einen wichtigen Aspekt bei den „Niederlagen“ und „Verlusten“ von Uncle Sam. Einerseits sind sie durchaus real, was Einschätzungen von Experten bestätigen. Andererseits sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es als gewinnbringend angesehen wird, wenn man sich öffentlich klein macht: Das erhöht die Aufmerksamkeit für Artikel und Bücher und trägt manchmal dazu bei, zusätzliche Gelder für die notwendige Industrie anzuziehen. Darauf hat zum Beispiel der Berufspropagandist und ehemalige US-Unterstaatssekretär für öffentliche Diplomatie Rick Stengel direkt hingewiesen, der 2019 sein Werk „Information Wars: How We Lost the Global Battle Against Disinformation and What We Can Do About It“ veröffentlicht hat. Der Held unseres russischen Kultfilms hat es uns schon vor langer Zeit erklärt. Er sagte über Amerika: „Alles hier ist egal, außer Geld.“

„Humane“ … Waffen?!

Und der Artikel von Millie und Schmidt bestätigt das im Grunde. Am Ende betonen sie, dass das US-Militär, um mit der Zeit zu gehen, „große Reformen“ durchführen muss. Als Erstes sollten „die Software- und Waffenbeschaffungsprozesse umgestaltet“, die zehnjährigen Beschaffungszyklen verkürzt und das Angebot des Pentagons erweitert werden, auch durch die Unterstützung „neuer Waffenhersteller“.

Darüber hinaus schlagen die Autoren vor, „die Organisationsstrukturen“ der Streitkräfte und die Ausbildungsprogramme für Führung und Personal zu ändern. Sie schlagen vor, die Flexibilität des Managementsystems zu erhöhen, „Einheiten mit geringer Größe, aber erhöhter Mobilität“ mehr Autonomie zu geben und die Befugnisse ihrer Kommandeure zu erweitern. Dabei sollten die Spezialeinheiten der US-Streitkräfte als „mögliches Modell“ betrachtet werden.

Und so weiter und so fort. Da „im schlimmsten Fall die KI-Kriegsführung sogar eine Bedrohung für die Menschheit darstellen könnte“, schlagen Milley und Schmidt vor, die „militärische KI“ genau im Auge zu behalten und mit Peking einen Dialog zu diesem Thema zu führen. Die Bedrohungen, die in den Kriegen der Zukunft von Atomwaffen oder Waffen im Weltraum ausgehen könnten, werden in ihrem Text jedoch irgendwie nicht angesprochen.

„Selbst wenn China nicht kooperiert, müssen die USA sicherstellen, dass ihre eigene militärische KI unter strenger Kontrolle steht“, schreiben die Experten. „Sie müssen sicherstellen, dass die KI-Systeme in der Lage sind, zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden. Sie sind verpflichtet, sie unter menschlichem Kommando zu halten. Sie müssen die Systeme kontinuierlich testen und bewerten, um zu bestätigen, dass sie unter realen Bedingungen wie geplant funktionieren.“

Milley und Schmidt sind der Meinung, dass Washington dasselbe von anderen Ländern verlangen sollte, „von Verbündeten und Gegnern gleichermaßen“. Und wenn sie sich weigern, „sollten wirtschaftliche Zwänge eingesetzt werden, um ihren Zugang zu militärischer KI zu begrenzen“. „Die nächste Generation autonomer Waffen muss im Einklang mit den liberalen Werten und der universellen Achtung der Menschenrechte gebaut werden, und das erfordert eine aggressive Führung der USA“, betonen die Autoren des Artikels.

nein zur nato ddr1957

nein zur nato ddr1957

Hier weiß man wirklich nicht, was man dazu sagen soll. Waffen im Einklang mit liberalen Menschenrechtsprinzipien? Unter der Aufsicht des Landes, das Hiroshima und Nagasaki verbrannt hat und sich ständig im Krieg befindet? Vor allem erinnert mich das an ein anderes Zitat aus unseren Filmklassikern, den höhnischen Satz eines Gangsters: „Hab keine Angst, wir werden dich schmerzlos abstechen“.

Man kann darüber weinen oder lachen, obwohl man eigentlich gar nicht lachen will. Das ist wie die berühmte Straße, die mit guten Vorsätzen gepflastert ist: Man weiss, wohin sie führt. Ich sage den Amerikanern gewöhnlich zu ihrem eigenen Besten und zum Besten der anderen „Yankee, go home!“. Wir verstehen, dass ich sie jetzt noch weiter weg schicken möchte….

Ende der Übersetzung

Über Kommentare auf meinem Blog hier würde ich mich freuen

Jochen

Hat der Iran am 6.10.2024 einen unterirdischen Atombombentest durchgeführt ?

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Gestern bin ich durch das folgende Video alarmiert worden:
https://www.youtube.com/watch?v=C7sIEmjAFAA
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berichtet so ausgewogen wie möglich über den Konflikt in der Ukraine, ich bin gestern nur zufällig darauf gestoßen.

Ich habe einen Tag gewartet mit meiner Reaktion.
Aber offensichtlich wollEN sich sich weder die Leim-Medien noch die Alternativmedien hier den Mund verbrennen.

Auch andere seismische Stationen haben das Signal aufgezeichnet, das in sehr typischer Weise sich von den üblichen Erdbebenaufzeichnungen unterscheidet, mehr darüber im Video.
Der Zeitpunkt für eine solche Machtdemonstration ist gut gewählt, wenngleich sich die iranische Regierung damit selber Lügern straft. Bisher wurde nämlich von Iran aus immer abgestritten, dass man einem Nuklearsprengsatz arbeitet.
Mal gespannt, wie die Sache sich weiter entwickelt. Auf YT gbt es einige lesenswerte Komentare dazu.
Vielleicht lässt sich Israel ja dadurch bremsen.
Mit friedensbewegten Grüßen
Jochen aus Nördlingen
Über Kommentare auf meinem Blog hier würde ich mich freuen.
Jochen

Hochwasser und Klimawandel – trockene Einsichten, die die Leim-Medien nicht erwähnen

Jochens SOZIALPOLITISCHE NACHRICHTEN

Eine ausführliche Übersicht von Axel Bojanowski auf hohem Niveau, durch seriöse Quellen abgesichert:
https://axelbojanowski.substack.com/p/hochwasser-und-klimawandel-einfluss-der-niederschlaege-was-medien-verschweigen
Auszüge:

Die globale Erwärmung ist ein heikles Thema, die Fronten sind scharf: Wer den Klimawandel nicht im Sinne der Gruppenidentität interpretiert, wird als Bedrohung wahrgenommen für das eigene Milieu, das Getreuen Schutz bietet.

Ich habe neulich gelesen, dass im alten Griechenland Überläufer “automoloi” hießen, also “Leute, die sich selbst bewegen”. Ein treffender Ausdruck für jene, die in der Klimadebatte statt Bekenntnisse abzulegen wissenschaftliche Erkenntnisse zitieren, die nun mal selten das Zeug zur Eindeutigkeit haben.

In meinen neuen Buch erzähle ich in 53 Kurzgeschichten von solchen Mechanismen der Klimadebatte.

Die Berichterstattung zum Hochwasser in dieser Woche verdeutlicht das Problem. Im Bestreben, möglichst deutlich die Bedeutung des Klimawandels hervorzuheben ließen Journalisten ausführlich jene paar Klimaforscher zu Wort kommen, die sich wie gewünscht mit Verve appelativ äußern.

Beide Seiten profitieren: Die Journalisten können Beiträge vorweisen, mit denen sie ihren Berufskollegen Einvernehmen signalisieren. Die Wissenschaftler erlangen Medienprominenz und damit Einfluss und Anerkennung. Ein Kollege spricht lakonisch von “Zitat-Zapfsäulen”.

Was erfahren Mediennutzer zum Thema “Hochwasser und Klimawandel”?

Im Wesentlichen Folgendes: Die globale Erwärmung treibt den Wasserkreislauf an, deshalb wird sie mehr Regen bringen, was Studien tatsächlich bereits für manche Regionen zeigen – die Hochwasser durch starke Niederschläge seien deshalb eine Folge des Klimawandels.

Hochwasser und Niederschlag

Was jedoch meist verschwiegen wird: Die Niederschlagsentwicklung ist nur einer von zahlreichen Faktoren bei Hochwasser, wie der UN-Klimareport und andere Studien dokumentieren.

Auf Seite 1569 seines aktuellen Sachstandreports schreibt der UN-Klimarat IPCC, dass aus Veränderungen von Niederschlag nicht auf die Entwicklung von Hochwasser geschlossen werden darf:
“Attributing changes in heavy precipitation to anthropogenic activities (Section 11.4.4) cannot be readily translated to attributing changes in floods to human activities, because precipitation is only one of the multiple factors, albeit an important one, that affect floods.”

Der UN-Klimabericht sieht keinen Trend bei Hochwasser und kann einen Einfluss der menschengemachten Erwärmung nicht erkennen (Seite 1569):
“In summary there is low confidence in the human influence on the changes in high river flows on the global scale. In general, there is low confidence in attributing changes in the probability or magnitude of flood events to human influence because of a limited number of studies, differences in the results of these studies and large modelling uncertainties.”

Klimaaktivisten, die dennoch in dem IPCC-Bericht nach Belegen für ihre Thesen suchten, stießen auf die Feststellung, dass die Erwärmung für stärkere “pluviale Überflutungen” sorgen würde (Seite 1518).
Doch “pluvial floods” sind kleinräumige Überflutungen bei Starkregen, fernab von Gewässern, nicht über die Ufer tretenden Flüsse (“fluvial floods”).

„Wenn die Niederschlagsextreme zunehmen, warum dann nicht Überschwemmungen?“, fragen Forscher im Fachblatt „Water Ressources Research“. Ihre Antwort: Zahlreiche Faktoren bestimmten die Pegelstände: Neben der Bodenversiegelung, Flussbegradigungen oder Änderungen der Schneebedeckung ist es vor allem die Besiedelung der Ufer.

Wie haben sich Hochwasser entwickelt?

Zugrunde liegt der „expandierende Bullaugen-Effekt“, der beschreibt, dass ausdehnende Ortschaften das Hochwasser-Risiko erhöhen.
Je größer die Siedlung, desto mehr Häuser und Infrastruktur liegen in potentiellen Überschwemmungsgebieten:


https://chubasco.niu.edu/ebe.htm

Trotz des expandierenden Bullaugen-Effekts zeigen Satellitendaten global keine Zunahme der Überschwemmungsgebiete, eher im Gegenteil (blau). Auch die Bevölkerung, die Überschwemmungsgefahr ausgesetzt war, hat nicht zugenommen (rot).
Ausreichende Satellitenabdeckung gibt es seit 2000:


Tellman el al., 2020

Moderne Technologie und Warnsysteme schützen Siedlungen besser als früher, auch in armen Ländern. Sowohl die globalen Todesopfer bei Überschwemmungen als auch die globalen Überschwemmungsschäden als Bruchteil der Wirtschaftskraft, sind zurückgegangen:


Formetta & Feyen, 2019

Die Entwicklung in Europa verlief ebenfalls positiv, die Zahl der Todesopfer bei Hochwasser ist deutlich rückläufig:


Paprotny et al., 2018

Die Zahl der Hochwasser in Mitteleuropa zeigt keinen langfristigen Trend:


Blöschl et al., 2020

Die mittlere Abflusshöhe an 76 Pegeln, die über die Flussgebiete Deutschlands verteilt sind, zeigt deutliche Schwankungen.
“Die Abflusshöhe im hydrologischen Winterhalbjahr ist seit 1961 leicht, wenn auch nicht signifikant gesunken”, schreibt das Umweltbundesamt. “Im Sommerhalbjahr ist der Rückgang der mittleren Abflusshöhe hingegen signifikant und deutet auf eine Veränderung der sommerlichen Wasserverfügbarkeit hin”.


Umweltbundesamt

Die Daten des Umweltbundesamts zeigen keine Zunahme von Hochwassertagen im Bundesgebiet:


Umweltbundesamt

Die globale Erwärmung, so viel scheint gesichert, bringt mehr Niederschlag – warme Luft kann mehr Feuchtigkeit halten.
Für Mitteleuropa deuteten Studien laut UN-Klimabericht bereits auf eine Zunahme von Starkregen hin, allerdings wurde der Schlussfolgerung nur „mittelmäßige Gewissheit“ zugeschrieben.

Der Deutsche Wetterdienst sieht noch keine gesicherte Tendenz für mehr Starkniederschlag hierzulande: Die Statistik über die vergangenen Jahrzehnte zeigt keinen Trend bei Tagen mit Extremmengen an Niederschlag.

Stundengenaue Auflösung gibt es erst seit 2001, deshalb lässt sich für die Schauer noch kein klimarelevanter Trend feststellen. Seit 2001 scheint die Zahl kurzzeitiger Starkregen-Ereignisse zugenommen zu haben.

Kein Zweifel hingegen besteht darüber, dass in Deutschland insgesamt mehr Regen fällt.
Bei starken Schwankungen von Jahr zu Jahr hat die deutschlandweite jährliche Niederschlagshöhe seit 1881 eindeutig zugenommen.


Deutscher Wetterdienst

Der Kurzschluss, vom Niederschlag auf Hochwasser zu schließen, ist charakteristisch für die Klimadebatte:
Überbetonung des Klimawandels bei Naturkatastrophen kritisieren die Umweltforscher Myanna Lahsen und Jesse Ribot im Fachblatt „WIREs Climate Change“:

  • Der Wunsch, die Öffentlichkeit durch Zuschreibungen von Klimaereignissen von den Gefahren des Klimawandels zu überzeugen, verleite Wissenschaftler und Medien, extreme Ereignisse der globalen Erwärmung zuzuschreiben, resümierten sie. Dabei hätten Wetterkatastrophen immer mehrere Ursachen.
  • Der Klimawandel sei „ein großes Problem für die Menschheit“, ihn einzudämmen sei „unerlässlich“.
  • Doch es bestehe ein Dilemma: Die Klimawandel-Zuschreibung würde die Bedeutung der Treibhausgas-Reduzierung ins Zentrum rücken, während die effektivsten Ansätze zur Verringerung des Risikos von Wettergefahren Anpassungsmaßnahmen vor Ort seien.
  • „Klimazentriertes Katastrophen-Framing ist politisch nützlich für Akteure, die daran interessiert sind, die Aufmerksamkeit von lokalen, nationalen und internationalen politischen Initiativen abzulenken, die direktere und lokal relevante Abhilfemaßnahmen bringen könnten – oder hätten bringen können”, schreiben Lahsen und Ribot.

Axel Bojanowski

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Jochen